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Der erste Betriebsrat von Apple
Karin S. ist seit Januar Betriebsratschefin eines Apple -Stores in München. Es ist der erste Betriebsrat eines Apple -Ladens bundesweit, den sie leitet. Doch sagen will sie momentan nichts. Die Frau will nicht, dass ihr voller Name in der Zeitung steht. Sie will ihr Alter nicht nennen und nicht darüber reden, was sie bisher gemacht hat. Es sei klar, warum Betriebsräte gegründet werden – weil die Mitarbeiter das wollen. Und weil Missmut da sei. Weil einiges zentral geklärt werden müsse. „Jetzt bin ich Vollzeit-Betriebsrätin“, sagt sie nur. Was sie plant – Schweigen.
Schweigen ist auch Teil der Apple -Kommunikationsstrategie. Kommuniziert wird, was man öffentlich sehen will. So ähnlich drückt es der Unternehmenssprecher der deutschen Apple -Tochter in München aus. Einen Fragenkatalog beantwortet er mit einem Satz: „ Von unserer Seite gibt es hierzu keinen Kommentar“. Keine Antwort darauf, ob Apple in seinen Läden in Deutschland systematisch auf Überstunden drängt. Keine Antwort darauf, ob Apple den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter missachtet. Keine Antwort darauf, ob Apple ein eigenes Entlohnungssystem hat, das die Beschäftigten schlechter stellt als im Tarifvertrag für den Handel steht.
Das nämlich wirft die Gewerkschaft Verdi dem Unternehmen vor. Oft sei der Lärmpegel in den Geschäften zu hoch, weil zu viele Kunden in den Läden seien. Die Arbeitsbedingungen seien schlecht. Verdi hat den Beschäftigten im vorigen Jahr dabei geholfen, die Betriebsratswahlen vorzubereiten. Die Wahlen seien konstruktiv vom Management begleitet worden, räumt die Gewerkschaft ein. „Die Mitarbeiter konnten die Wahlen anständig über die Bühne bringen. Es war angenehm und fair“, sagt Georg Wäsler, Handelsexperte bei Verdi in München.
Die Gewerkschaft will, dass Apple seine Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag für den bayerischen Einzelhandel bezahlt. Doch die Firma habe einen „eigenen Entlohnungsrahmen mit leistungsbezogenen Elementen“, sagt Wäsler. Da helfe zunächst nur das Betriebsverfassungsgesetz weiter, das dem Betriebsrat bei „Fragen der betrieblichen Lohngestaltung“ ein Mitbestimmungsrecht gewährt. Die Betriebsräte aus dem Münchner Geschäft würden deshalb zunächst rechtlich geschult. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 60 000 Menschen. Wie viele davon in Deutschland? Auch das bleibt ein Firmengeheimnis.
Der Apple -Konzern ist erfolgreich und momentan so wertvoll wie kein anderes Unternehmen auf der Welt. Die Aktie schloss in dieser Woche erstmals in ihrer Geschichte bei mehr als 500 US-Dollar. Fast 470 Milliarden Dollar ist das Unternehmen damit nun wert. Der anhaltende Erfolg von iPhone-Handys, iPad-Tablets und Mac-Computern hat das Papier beflügelt. Bei den Mitarbeitern kommt davon offenbar nicht so viel an. In den USA gingen Beschäftigte der Apple -Läden schon im vorigen Jahr an die Öffentlichkeit. Sie werfen dem Konzern vor, sie schlecht zu bezahlen und gründeten eine gewerkschaftsähnliche Organisation, die „ Apple Retail Workers Union“.
Ärger hat Apple auch in Asien. Dort steht der Konzern wegen der Arbeits- und Umweltbedingungen bei Zulieferbetrieben aus China unter Beschuss. Seit Anfang der Woche lässt das Management nun die chinesischen Fabriken von einer unabhängigen Organisation überprüfen. Die Vereinigung für faire Arbeit (Fair Labor Association, FLA) hat nach Angaben von Apple ihre Inspektionen in Werken, in denen iPads und iPhones montiert werden, begonnen. Apple war im Januar als erster Technologiekonzern der FLA in Washington beigetreten.
Betroffen waren Werke in Foxconn City in Shenzhen, wo Hunderttausende Beschäftigte arbeiten und untergebracht sind. Vor zwei Jahren war es dort zu einer Serie von Selbstmorden unter Arbeitern gekommen. Erste Ergebnisse der Überprüfung sollen Anfang März vorliegen. Immerhin dazu hat sich Apple -Chef Tim Cook geäußert: Er glaube daran, dass Arbeiter überall das Recht auf sichere und faire Arbeitsbedingungen haben.
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