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Werkbuch Mobbing
Martin Wolmerath; Axel Esser 2012 310 Seiten, gebunden ifb-Best.Nr.: 15-131 29.90 € |
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Modern, flexibel, billig
Wenn BMW-Manager über ihr Werk in Leipzig sprechen, kommen sie schnell ins Schwärmen. Erst seit 2005 am Start, kurze Wege, moderne Montagehalle, das Zentralgebäude von der Londoner Star-Architektin Zaha Hadid. Leipzig, das ist das, was Produktionsmanager gerne State of the art nennen. Das Beste. Und vor allem: Die Fabrik, in der die 1er Reihe und der Geländewagen X1 vom Band gehen, gilt als besonders flexibel .
Zu flexibel für den Geschmack des dortigen Betriebsrats. 2800 feste BMWler arbeiten dort. Zusammen mit derzeit 1100 Leiharbeitern, die, so die Definition, „vorübergehend“ angeheuert werden. Der Betriebsratschef Jens Koehler weigert sich daher, den weiteren Einsatz der Externen durchzuwinken. Doch am 15.02.2012 entschied das Leipziger Arbeitsgericht, dass seine Gründe dafür nicht ausreichend seien. Damit darf BMW zunächst weitere Leiharbeiter einstellen. Der Betriebsrat erwägt Revision vor dem Landesarbeitsgericht.
2800 vs. 1100: Das Verhältnis von festen BMWlern und Leiharbeitern stößt auch beim Münchner Gesamtbetriebsrat auf Unverständnis. „In München stehen wir absolut hinter den Kollegen in Leipzig“, heißt es dort. In der Zentrale weist man darauf hin, dass die Anzahl der Leiharbeiter in Leipzig überproportional hoch sei. BMW hat 73 500 Mitarbeiter in Deutschland. Wie viele Leiharbeiter es sind, will BMW nicht sagen. Allerdings läge die Quote um Einiges unter dem Wert von Leipzig. An der Leiharbeiter-Quote dort will man festhalten. Eine Frage der Konjunktur: „In Krisenjahren lag die Zahl der Leiharbeiter quasi bei Null“, sagt ein BMW-Sprecher. Außerdem sicherten die Leiharbeiter „auch die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft“.
Für die Gewerkschaften sind solche Sätze Augenwischerei. Leiharbeit sei dazu gedacht Auftragsspitzen abzufangen, sagt der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel. Bei BMW arbeiteten einige Leiharbeiter aber schon seit Jahren. „Das ist eine ziemlich lange Auftragsspitze“, meint Wetzel. Es gehe nur darum, die Kosten zu senken. Die dauerhafte Leiharbeit bei BMW verletze ganz klar die EU-Richtlinie.
Die Gewerkschaften laufen schon länger Sturm gegen die ausufernde Leiharbeit. Und das Leipziger BMW-Werk ist für sie ein absolutes Negativ-Beispiel. Immer wieder versuchen Arbeitnehmervertreter die Leiharbeit tarifvertraglich zu bändigen. Das ist ein zäher Akt. Zwei Jahre dauerte es allein beim Flugzeughersteller Airbus, bis ein entsprechender Vertrag mit der IG Metall unter Dach und Fach war. Erst vor wenigen Tagen gelang der Durchbruch: Bis 2020 wird der Einsatz von Leiharbeitern und befristeten Arbeitskräften in der Serienfertigung auf höchstens 20 Prozent begrenzt. Und: Leiharbeiter werden vom vierten Monat an genauso gut bezahlt wie die Festangestellten.
Für die Gewerkschaften sind solche Abkommen erste Schritte. Die IG Metall hat die Leiharbeit auf die Agenda der laufenden Tarifrunde gesetzt. Sie will erreichen, dass Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern stärker mitbestimmen können als bisher. Sie sollen sagen können, wo, wie lange und in welchem Umfang Leiharbeiter eingesetzt werden.
Auch bei anderen Gewerkschaften regt sich vieles. Am 15.02.2012 etwa zerrte der Lufthansa-Personalrat seinen Arbeitgeber vor Gericht. Er wollte der Firma den dauerhaften Einsatz von 240 geliehenen Flugbegleitern verbieten lassen. Die Zusammenarbeit mit Aviation Power, einem Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik und der Zeitarbeitsfirma Manpower, verletze seine Mitbestimmungsrechte, argumentiert er. Doch auch er scheiterte: Das Arbeitsgericht Frankfurt wies den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Damit darf Lufthansa die Leiharbeitskräfte einsetzen, mit denen sie ihr Angebot bei Berlinflügen ausbauen will. Der Personalrat will sich das nicht gefallen lassen. Auch er will Beschwerde beim Landesarbeitsgericht einlegen.
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