Weitere Artikel für den Betriebsrat:

Seminartipps

Tarifanwendung im Betrieb
Betriebsvereinbarung statt Tarifvertrag — Gestaltungsmöglichkeiten nutzen Betriebe ohne Tarifvertrag — Hier sind Betriebsräte besonders gefragt Tarifanwendung im Betrieb
Der Haustarifvertrag: Möglichkeiten und Chancen für den Betriebsrat Abschluss, Inhalt, Umsetzung: Praxis-Leitfaden für Betriebsräte

Literaturtipps

Das Tarifrecht in Krankenhäusern, Universitätskliniken, Heimen und sozialen Einrichtungen Das Tarifrecht in Krankenhäusern, Universitätskliniken, Heimen und sozialen Einrichtungen
Margrit Zepf; Max Gussone

2. Auflage 2012
650 Seiten, gebunden, mit CD-Rom

ifb-Best.Nr.: 15-549
39.00 €

Die ifb KG auf Facebook

Lohn - Auszubildende - Leiharbeit

Vorspiel

Mi., 08.02.2012

Die Gewerkschaften laufen sich für die Tarifverhandlungen warm. Aus Empfehlungen könnten bald Forderungen werden.

Quelle: © Pixel - fotolia.com

Die IG Metall ist eine Organisation, die großen Wert auf ihre Gremien und Kommissionen, auf Debatten und Mitsprache der Mitglieder legt. Deswegen hat der Vorsitzende Berthold Huber am Dienstag in Frankfurt keineswegs die Forderung für die anstehende Tarifrunde präsentiert; niemals wäre ihm das eingefallen. Die Zahl, die er nannte, wird bei der Gewerkschaft anders genannt: Forderungsempfehlung. „Bis zu 6,5 Prozent“, sagte Huber. Sie folgt auf monatelange Debatten in den Gewerkschaftsbezirken und -kommissionen, und ihr folgen nun weitere solche Debatten, zwei Wochen lang. Am 24. Februar wird Huber dann erneut vor die Öffentlichkeit treten. Was er dann vorträgt, wird „Forderung“ heißen. Der Unterschied zur Empfehlung: vermutlich der Verzicht auf die Wörter „bis zu“.

Es ist indes keine reine Lohnrunde, was diesmal zu erwarten ist. Die IG Metall stellt zwei weitere Forderungen: Die Firmen sollen alle Azubis nach der Lehre unbefristet übernehmen und Betriebsräte den Einsatz von Leiharbeitern verhindern können. Die Arbeitgeber wiesen dies zurück. „Dann würden die Betriebe weniger beweglich, Arbeitsplätze weniger sicher und Ausbildungschancen für Schwächere geringer“, sagte Martin Kannegiesser, der Präsident von Gesamtmetall. „Das ist das Gegenteil dessen, was wir brauchen.“

Die Tarifverhandlungen beginnen am 6. März; mit 3,6 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 900 Milliarden Euro ist die Metall- und Elektroindustrie die größte Branche in Deutschland. Gewerkschaftschef Huber räumte zwar ein, dass die Aussichten für die Wirtschaft unsicher sind: Beim „schnellen Auf und Ab“ der Konjunktur werde es bleiben, die Ära der Zyklen, „wie wir sie im volkswirtschaftlichen Grundkurs mal gelernt haben“, sei vorbei. Die Gewerkschaft zieht daraus aber nicht den Schluss, niedrige Forderungen zu erheben. Vielmehr beabsichtigt sie, Tarifverträge zu schließen, die nur etwa ein Jahr lang gelten. Bisher hatte sie oft Laufzeiten zwischen anderthalb und zwei Jahren vereinbart.

Bis zu 6,5 Prozent, darin sieht die IG Metall eine „faire Beteiligung“ der Arbeitnehmer am Aufschwung 2011, wie Huber es formulierte. Vor zwei Jahren ließ er sich zunächst auf einen Pauschalbetrag von 320 Euro sowie eine auf April 2011 verschobene Lohnerhöhung von 2,7 Prozent ein. Nun will er eine kräftige Lohnerhöhung sofort. „Wer diese berechtigten Ansprüche zu diffamieren versucht, indem er sie Nachschlag nennt, hat die Notwendigkeiten nicht verstanden.“ In der Krise hätten die Beschäftigten durch den Abbau ihrer Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit sowie Zurückhaltung in der Tarifrunde Stabilität geschaffen, sagte er. „Niemand sollte ihre Geduld und Disziplin überstrapazieren.“

Es gehört zum Wesen von Tarifrunden, dass Arbeitgeber die Vorstellungen der Gewerkschaft zunächst zurückweisen; „nicht nachvollziehbar“, nannte Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser die 6,5 Prozent. Auf den ersten Blick wenig plausibel ist aber, dass er auch die unbefristete Übernahme der Azubis ablehnt – unternehmerisch wäre das nämlich kaum ein Problem: Bereits heute bleiben drei von vier Azubis nach der Lehre im Betrieb, die meisten der anderen gehen, um noch ein Studium aufzunehmen. Was die Firmen an der Forderung stört, ist der gefühlte Eingriff in ihre Personalhoheit. „Die qualitative Einschränkung ist das Problem, nicht die quantitative Belastung“, heißt es bei Gesamtmetall.

Ähnlich ist es bei der Leiharbeit. Zwar kommen zwei von drei Firmen in der Branche ganz ohne Leiharbeiter aus. Diejenigen jedoch, die solche Beschäftigten einsetzen, wollen sich nicht vom Betriebsrat hineinreden lassen. Die IG Metall geht nun mit einer Doppelstrategie vor: In Verhandlungen mit Leiharbeits-Verbänden will sie Zuschläge durchsetzen. Dem Verband Gesamtmetall hingegen möchte sie ein Vetorecht des Betriebsrats vor geplanten Einsätzen von Leiharbeitern abtrotzen. Damit will sie sicherstellen, dass die derzeit deutlich schlechter bezahlten Leiharbeiter nur Auftragsspitzen abfangen, und verhindern, dass mit ihnen eine zweite Lohnlinie eingezogen wird. „Verständige Arbeitgeber“ hätten das auch begriffen, sagte Huber.

Autor: Detlef Esslinger. Quelle: Süddeutsche Zeitung. Lizensiert durch Süddeutsche Zeitung Content.
Mister Wong     yigg     digg     google     del.icio.us    
  • Telefon:
    08841/6112 - 0
  • Fax:
    08841/6112 - 15
  • E-Mail:
    info@ifb.de