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Entlassungen stehen bevor

Deutsche Stromkonzerne bauen massiv Personal ab

Di., 13.12.2011

Die Unternehmen begründen den Wegfall von 20.000 Jobs mit dem Atomausstieg. Der Energiekonzern Eon schreibt drei Milliarden Euro ab. Für die deutsche Energiewirtschaft brechen harte Zeiten an.

Quelle: © Trevor Fisher - iStockphoto

Wegen des beschleunigten Atomausstiegs treiben die deutschen Energiekonzerne einen dramatische Stellenabbau voran. Die Atomunternehmen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW wollen nach Angaben aus Branchenkreisen in den kommenden Jahren bis zu 20 000 Arbeitsplätze abbauen – gut 10 000 davon in Deutschland. Am härtesten fällt der Sparkurs bei Deutschlands größtem Energiekonzern Eon aus: Das Unternehmen streicht allein in Deutschland 6000 seiner 80 000 Jobs. Entsprechende Pläne präsentierte der Eon-Vorstand am Montag seinem Aufsichtsrat in Düsseldorf.

Eon macht damit ernst mit dem angedrohten Sparkurs. Das Management um Vorstandschef Johannes Teyssen habe das Kontrollgremium über den radikalen Umbau des Unternehmens informiert, verlautete weiter. Weltweit sollen 11 000 Stellen wegfallen. Wegen Problemen bei diversen Auslandsgeschäften werden außerdem Wertberichtigungen in Höhe von drei Milliarden Euro nötig, wie die Gesellschaft am Montagabend mitteilte.

Für die deutsche Energiewirtschaft brechen damit harte Zeiten an. Denn auch der Rivale RWE schlägt einen radikalen Schrumpfkurs ein. Tausende Stellen sind in Gefahr. Am Konzernsitz in Essen erfuhren die Aufsichtsräte am Montag, wie weit der Umbau gehen soll. Der Konzern will sich mit Verkäufen und einem Sparprogramm von 8000 seiner 72 000 Mitarbeitern trennen. In Deutschland betrifft der Umbau 4000 Beschäftigte. Doch ob das reicht, ist offen. Schon im kommenden Jahr könnte das Sparprogramm erneut deutlich verschärft werden, verlautete aus dem Management. Auch bei EnBW und Vattenfall wächst die Sorge. Ein Stellenabbau sei in beiden Konzernen sehr wahrscheinlich, hieß es bei den Betriebsräten der Unternehmen.

Mit den Einschnitten platzt auch die Vision von den international tätigen deutschen Energieriesen, die auf Augenhöhe mit Multis wie Shell oder BP agieren. Die deutschen Energiekonzerne müssten sich auf eine neue Rolle einstellen, sagt ein führender RWE-Manager: Sie müssten kleiner werden und mit weniger Spielraum für die internationale Expansion auskommen. Jahrelang sicherten abgeschriebene Atomkraftwerke den Konzernen hohe Gewinne. Dann kamen Fukushima und der beschleunigte Atomausstieg. Seither stehen acht der 17 deutschen Atomkraftwerke still. Die anderen Meiler müssen früher vom Netz. Der Gewinn der Konzerne brach um bis zu 30 Prozent ein.

Ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Energiewende droht angesichts des forcierten Stellenabbaus nun heftiger Streit zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmen.

Wie tief die Chefs in ihre Konzerne eingreifen, belegt ein bislang vertraulicher Zerschlagungsplan für die Eon-Tochter Ruhrgas: Gut zehn Jahre nach der milliardenschweren Übernahme des Traditionskonzerns durch das Düsseldorfer Unternehmen will Eon den Gasriesen nach SZ-Informationen wieder zerlegen. Angaben aus Konzernkreisen zufolge stehen Teile des Unternehmens vor dem Verkauf an den Versicherer Allianz. Der Konzern will das 12 000 Kilometer lange Gasnetz des Versorgers übernehmen. Ruhrgas verfügt über das größte deutsche Gasnetz. Durch das Pipeline-System fließt mehr als die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Erdgases.

Autor: Markus Balser. Quelle: Süddeutsche Zeitung. Lizensiert durch Süddeutsche Zeitung Content.
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