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Betriebsräte als neue Tarifakteure
Thomas Haipeter 2010 320 Seiten, kartoniert ifb-Best.Nr.: 55-002 19.90 € |
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Die neuen Exportzahlen geben den Gewerkschaften Rückendeckung. Fünf bis sieben Prozent mehr Lohn fordern sie in diesem Jahr für die Arbeitnehmer. „Von den guten Exportzahlen haben die Beschäftigten bisher nicht ausreichend profitiert. Sie haben deshalb jetzt einen kräftigen Schluck aus der Pulle verdient“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki.
Die Tarifforderungen sind das eine. Was die Gewerkschaften durchsetzen, ist das andere. Konjunkturexperte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sieht das so: „Es dürfte ein Paket herauskommen, in dem es nicht nur um Lohnsteigerungen geht, sondern beispielsweise auch um Laufzeiten und Einmalzahlungen. Damit kann man einiges kaschieren“, meint Döhrn. „Dann können die einen sagen, dass sie etwas für die Beschäftigten rausgeholt haben, und die anderen, dass sie das Schlimmste verhindert haben.“ Döhrn hält Lohnerhöhungen um 2,5 Prozent für realistisch, wenn man sich wie üblich an der Produktivität und an der Inflation orientiere.
Am Dienstag hat die IG Metall die Richtung vorgegeben. Die deutsche Wirtschaft könne auf ein „bemerkenswert gutes Jahr 2011“ zurückblicken, sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Berthold Huber. Die IG Metall werde für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie „bis zu 6,5 Prozent“ mehr Geld verlangen.
Erstmals seit mehr als zwanzig Jahren sollen auch beim Autobauer Volkswagen Lohnerhöhungen auf dem Niveau der Metall- und Elektrobranche durchgesetzt werden. „VW ist in einer außergewöhnlich guten Lage. Das Unternehmen verdient ordentlich, die Belegschaft leistet weiter Mehrarbeit und Wochenendschichten, um überhaupt die Produktion zu schaffen. Ein Plus von 6,5 Prozent wäre daher mehr als berechtigt“, sagte IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.
Die Gewerkschaft Verdi legt an diesem Donnerstag ihre Forderungen für die anstehende Tarifrunde im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen auf den Tisch. Auch sie hat bereits angedeutet, sechs bis sieben Prozent mehr Geld zu verlangen. Es zeichnet sich daher eine schwierige Verhandlungsrunde ab. Denn während Verdi und Beamtenbund DBB auf deutliche Lohnsteigerungen für die etwa zwei Millionen betroffenen Beschäftigten pochen, verweisen die öffentlichen Arbeitgeber auf leere Kassen. Schwieriger dürfte die Tarifrunde in diesem Jahr auch für die 550 000 Chemiebeschäftigten werden. Deren Gewerkschaft IG BCE war mit einer Lohnforderung von sieben Prozent in die vorige Tarifrunde gegangen, heraus kam ein Plus von 4,1 Prozent. Inzwischen ist die Chemiekonjunktur etwas abgekühlt. Dennoch rechnen Experten damit, dass ein Aufschlag von mindestens fünf bis sechs Prozent auf dem Wunschzettel stehen wird.
Aus Sicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sind solche Forderungen überzogen. Die Arbeitnehmer seien bereits mit Lohnerhöhungen am Aufschwung beteiligt worden. Während der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 seien die Tariflöhne um 2,4 bis 3,3 Prozent gestiegen, obwohl die Unternehmen deutlich weniger produziert hätten und „es eigentlich nichts zu verteilen gab“, teilt das IW mit. Ein Blick in das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt indes, dass im vergangenen Jahr die Löhne und Gehälter um zwei bis drei Prozent stiegen, unter dem Strich dagegen ein Minus von 0,3 Prozent herauskam. Denn obwohl die Abschlüsse höher ausgefallen seien als in vergangenen Jahren, zehrte die Inflation die Lohnsteigerungen auf. Für Claus Matecki vom DGB ist die Sache deshalb klar: „Die Unternehmen haben gutes Geld verdient. Jetzt sind die Beschäftigten an der Reihe“, fordert er.
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