Gründung

  • Hallo, ich bin ganz neu hier.

    Ich bin Angestellte in einem mittelständischen Unternehmen mit ca. 150 Leuten. Die Firma wurde 1980 gegründet und war bis vor kurzem in der Hand des Gründers, jetzt gab es Veränderungen in der Führungsebene, der Senior ist "in Rente". Da nun immer mehr Kündigungen ausgesprochen werden, aus welchen Gründen auch immer, habe ich mich inzwischen mit 3 Kollegen zusammen geschlossen um einen Betriebsrat zu wählen. Bis vor kurzem war es eine "Spinnerei", allerdings wird die Luft in der Firma für viele immer dünner. Leider könnten sich nicht alle erfolgreich gegen eine eventuell bevorstehende Kündigung wehren. Es sind schon einige Mitarbeiter einfach aus der Firma von heute auf morgen ausgeschieden, Gründe werden natürlich nicht genannt, wahrscheinlich um den Betriebsfrieden zu wahren. Gut, man muss ja auch nicht alles wissen.

    Jetzt meine eigentlich Frage: wie fange ich es am besten an? Wie verhält es sich, wenn ich nun einzelne Mitarbeiter ansprechen würde, unter denen sich aber eventuell ein Kollege befindet, der beim Chef punkten will und "petzt" ?

    Wo kann man entsprechende Schulungen zur Vorbereitung machen?

  • Schulungen zur Vorbereitung? Erschwinglich für den Privatmann (oder eben auch -frau) allenfalls bei der Gewerkschaft. (Und auch die lassen sich die Schulungen gut bezahlen!)

    Insofern vergiss die Schulungen. Wenn ihr zu Dritt seid, habt ihr schon alles, was ihr braucht.

    Ihr drei ladet zur Betriebsversammlung ein. (s. § 17 (2 - 4) BetrVG)

    Dort lasst ihr euch zum Wahlvorstand wählen und leitet die Wahlen ein.

    Das ist der einzige Weg, den ich sehe, damit ihr sofort (nämlich ab Einladung zur Wahl) Kündigungsschutz genießt.

    Den Rest lernt ihr dann schon, ihr habt ja als Wahlvorstand Zeit euch da ein wenig reinzufuchsen. Und wir hier sind ja auch noch da ;)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • danke für die schnelle Antwort.

    da ich aber ungern unvorbereitet in irgendeine Situation gerate, möchte ich mich schon informieren. Hier habe ich auch schon einiges gelesen. Ich möchte ja auch sicher in die Wahlveranstaltung gehen und nicht schon an den ersten Fragen der kritischen Kollegen scheitern.

    Ok, vielleicht hört es sich jetzt etwas arrogant an, aber eventuell würde ich sogar selbstzahler bei einem Seminar werden, allerdings muss dieses Seminar auch etwas bringen, ich brauche kein zertifiziertes "Bla Bla" auf Glanzpapier . Bringen diese Seminare überhaupt was?

    gruß

  • OK, fangen wir mal hinten an.

    Zitat von betriebsratgründer:

    Bringen diese Seminare überhaupt was?


    Da du offensichtlich gar keine Ahnung von nichts hast (ohne jegliche Wertung, sondern schlicht der Normalzustand bei jedem der sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat), solltest du eigentlich aus jeglichem Seminar etwas ziehen können.

    Dessen ungeachtet gibt es natürlich auch bei Seminaranbietern so'ne und solche.

    Und manchmal ist es auch von den Referenten abhängig.

    Aber so ganz generell, bist du hier schon gut aufgehoben. (Meine Erfahrung, keine Provision.)

    Zitat von betriebsratgründer:

    Ich möchte ja auch sicher in die Wahlveranstaltung gehen und nicht schon an den ersten Fragen der kritischen Kollegen scheitern.

    Die Fragen, die viel interessanter sind, ist, was nutzt euch der BR. Die Wahlmodalitäten sind gar nicht so wichtig. Die erarbeitet ihr euch Stück für Stück. Da gibt es prima Hilfsmittel (Fristenrechner, Ablaufpläne etc).

    Zitat von betriebsratgründer:

    Ok, vielleicht hört es sich jetzt etwas arrogant an, aber eventuell würde ich sogar selbstzahler bei einem Seminar werden

    Wenn du bereit und in der Lage bist knapp 2000 Euro aus eigener Tasche zu zahlen... bitte.

    Sei dir aber im klaren darüber, so lange ihr die Wahl nicht eingeleitet habt, müsstest du für das Seminar Urlaub nehmen und es selber bezahlen. Und wenn der AG das spitz kriegt, bist du der nächste der vor der Tür steht. Und niemand da, der dir hilft oder dich "rettet".

    Gehen tut das sicher. Ist es das Risiko wert?

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,

    für die Versammlung zur Wahl des Wahlvorstandes sollte es als Einführung reichen, wenn man die zentralen Rechte des BR benennt, die die unternehmerische Willkür Entscheidungsfreiheit einschränken.

    Dies sind mal im wesentlichen

    Sollte es Eurem Laden schlecht gehen, wären auch noch die Vorschriften zu Nachteilsausgleich bzw. Sozilplan gem. §§ 111 - 113 BetrVG interessant (ohne BR gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen Sozialplan).

    Das reicht - ohne allzu sehr in die Tiefe gehen zu müssen - als begründung für eine BR-Gründung aus. Zur BR-Gründung ist es übrigens nicht notwendig, daß sich die Mehrheit der AN dafür aussprechen - was viele AG gerne suggerieren.

    Einladende zur Wahlversammlung, Mitglieder des Wahlvorstandes sowie Wahlbewerber haben den besonderen Kündigungsschutz des § 15 KSchG:

    http://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__15.html

    Gemäß § 20 BetrVG hat der AG sämtliche Wahlkosten zu tragen. Dazu gehören insbesondere die Kosten für die Freistellung der Mitglieder des Wahlvorstandes sowie deren notwendige Schulung:

    http://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__20.html

  • Hallo

    Da werden alte Erinnerungen wach.

    Da war ich 1990 an der gleichen Stelle wie Du jetzt, wir waren auch 150 MA und

    keinen BR.

    Damals gab es auch kein Internet oder sowas ähnliches,

    nur Telefon und die Nr. eines BRV vom Nachbarbetrieb.

    Kurz Angerufen und schon hatten wir die Tel Nr. von der Gewerkschaft.

    Da angerufen einen Termin ausgemacht und alle fünf da rein, muss sagen als er den

    Grund unseres

    Anrufes hörte bekamen wir in der gleichen Woche noch einen Termin.

    Der damalige Sekretär und sein Bevollmächtigter nahmen sich viel Zeit um uns

    aufzuklären und

    Unterstützte uns bis zu Wahl des BRV.

    Und glaub mir unser damaliger Chef versuchte mit allen Mitteln das zu verhindern,

    aber da hatte er keine Chance und je mehr er sich wehrte desto besser wurde unser

    ansehen in der FA, so das wir bei der Wahl wirklich ein Bomben Ergebnis einfuhren.

    Die Gewerkschaft hatte auch ihren Vorteil, sie hatte nach 8 bis 12 Wochen 50% von

    der Belegschaft für sich gewonnen.

    Hätten wir nicht so eine positive Einstellung seitens der Gewerkschaft bekommen und

    hätten die keine große Hilfestellung geleistet, hätte der Betrieb keine BR besessen.

    Kurz um ein Versuch ist es wert den Kontakt zu suchen, in den Gespräch merkt ihr

    schnell ob die für Euch was machen oder nicht.

    Wünsch viel Glück und wie das Sprichwort schon sagt viele Wege führen ans Ziel. ;)

    Gruß,

    Bergalf

  • Hallo Betriebsratgründer,

    in eurer Situation würde ich mich auch an die Gewerkschaft wenden. Dort sitzen die Leute mit Erfahrung und sie geben euch genau die Unterstützung, die ihr momentan braucht.

    Die Gründung unseres BR haben sie fast in Alleinregie gemacht, nachdem wir um Hilfe fragten. Sie haben zur Betriebsversammlung eingeladen und uns bis zur Wahl der BR super unterstützt.

    Vorteil ist auch, dass sich niemand exponieren und damit ins Schussfeld der Geschäftsleitung begeben muss. Die werden manchmal ziemlich kreativ wenn es darum geht einen BR zu verhindern.

    Nach der Wahl gibt es noch genug für euch zu tun. Lasst euch jetzt besser helfen damit alles reibungslos abläuft.

    Wie auch immer ihr es angeht - ich drücke euch ganz fest die Daumen.

    lg
    Mitbestimmer

  • Team-ifb

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