BR-Gründung bei einem Berater

  • Hallo,

    bin ganz neu hier und versuche, so weit es geht anonym zu bleiben. Ich hoffe, das gelingt, und ich hoffe auch, dass Ihr mir trotzdem helfen könnt.

    Bin bei einem weltweit tätigen Wirtschaftsberater tätig - also so etwas wie einer Großkanzlei, einer Managementberatung oder einem IT-Dienstleister, wo es viele Experten gibt, die die meiste Zeit draußen beim Kunden verbringen. In Deutschland haben wir deutlich über zehn Standorte und hierzulande insgesamt deutlich über 2000 Mitarbeiter.

    Berater und Anwaltskanzleien fürchten Mitbestimmung ja wie der Teufel das Weihwasser. Trotzdem überlegen wir nun, einen solchen zu gründen. Die Gründe liegen ja, um ehrlich zu sein, auf der Hand. Überstunden sind Ehrensache, ständige Erreichbarkeit ebenfalls, von Versetzungen ganz zu schweigen. Außerdem: Viele bei uns wollen nicht mehr unbedingt Partner werden, ihnen reicht der "Arbeitnehmer"-Status. Und damit ist der Wunsch nach Mitbestimmung gewachsen. Wir stehen allerdings noch ganz am Anfang und sind alle ehrlich gesagt ziemlich unsicher.

    Uns ist klar, dass wir uns in unserer Branche auf ganz ganz dünnes Eis wagen. Daher wollen wir erstmal wissen: Kennt jemand ein Beispiel aus unserer Branche, bei dem die Gründung gelungen ist? Wir reden nicht vom Innendienst, sondern von den tatsächlichen Beratern.

    Vielen Dank für Eure Antworten!

  • hallo,

    auch ich habe mitbekommen, daß sich offensichtlich in der Beraterbranche was verändert bezüglich der Einstellung zu Arbeitnehmervertretungen.

    Die "naßforsch" auftretenden grünen Jungs werden weniger, das Verständnis für Betriebsratsaufgaben und -arbeit wird größer, der Wunsch nach Kooperation statt Konfrontation ebenfalls.

    Allerdings ist es mE nach wie vor verblüffend, wie wenig Arbeitnehmermitbestimmung Thema in den einschlägigen Studiengängen ist bzw. was an kompletten Unsinn von den allermeisten BWL/VWL-Profs erzählt wird, wenn das Thema doch mal angerissen wird.

    Wenn Ihr in Deutschland bereits mehr als 2000 AN habt, sollte es doch evtl. - abhängig von der Organisations- und Gesellschaftsform - einen mitbestimmten AR gem. Mitbestimmungsgesetz geben. Wären unter den gewählten AN-Vertretern nicht Ansprechpartner aus dem Betrieb oder von Gewerkschaften, mit denen man das Vorgehen bei einer BR-Gründung besprechen könnte ???

    Im Übrigen gibt es bei den "Großen" in Deutschland durchaus Betriebsräte an Standorten und/oder auf Konzernebene. Zumindest bei E&Y, KPMG und PWC ist das auch kein Geheimnis. Mindestens bei PWC gibt es auch AN-Vertreter im AR nach Mitbestimmungsgesetz.

    Ansonsten würde ich auch die direkte Kontaktaufnahme mit Ver.di vorschlagen. Meines Wissens gibt es dort auf Bundesebene einen eigenen Arbeitskreis von Betriebsräten in Beraterfirmen.

    Evtl. wäre es sinnvoll, erst einmal einen geeigneten Betrieb für eine BR-Gründung auszusuchen, der dann auf die anderen Betriebe "ausstrahlt" und bei der weiteren BR-Gründung aktiv unterstützen kann - bei Vorliegen der Voraussetzungen auch mit Hilfe der Strukturen von Gesamt- und/oder Konzernbetriebsrat.

  • Hallo,


    vielen Dank für die beiden schnellen Antworten.


    albarracin: Wie gesagt, wir stehen noch gaaanz am Anfang, also auch noch vor eventuellen Gesprächen mit AN-Vertretern. Zu den Big4: Da gibt es Betriebsräte, wie z.B. bei KPMG in Berlin. Aber so weit ich weiß, betrifft das nur den Innendienst, oder irre ich? Ich habe gehört, dass kein Berater beigetreten ist.

    Bei Verdi würde ich gerne mal nachfragen. Gibt es diesen Arbeitskreis noch?

  • Zitat von BeTRIEBSrater:

    Ich habe gehört, dass kein Berater beigetreten ist.

    Mir ist nicht ganz klar, was du damit meinst. Jeder Berater gehört üblicherweise irgendeinem Stammbetrieb an. Und wenn es dort einen BR gibt, wird der Kollege auch vertreten. Da muss er nichts und niemandem beitreten. Oder meintest du, hat sich kein Berater wählen lassen? (Was aber auch der Standard in Unternehmen ist, werden doch immer nur ein Bruchteil der Belegschaft Betriebsräte.)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen