Arbeit im Freien bei Hitze

  • In der Postzustellung sind wir mehrere Stunden bei Hitze radelnd oder wagenschiebend draußen unterwegs. Jetzt möchte ich mal nachfragen, welche Schutzmaßnahmen der BR nicht nur bei einem potentiellen vernünftigen AG anregen könnte, sondern erzwingbar bei einem AG durchdrücken kann, der mit kostenfreiem Flaschen abfüllen am betrieblichen Wasserhahn seiner Fürsorgepflicht für ausreichend Genüge getan hält.:roll:

    Leider drücken sich in Arbeitsstättenverordnung oder Arbeitsschutzgesetz vor konkreten Mussbestimmungen (x Grad Temperatur = y Minuten Zusatzpause + z Liter Mineralwasser).

    Wie könnte man an die Sache herangehen?

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Hallo,

    immer da, wo konkrete rechtliche Rahmenbedingungen fehlen, besteht der Gestaltungsspielraum der erzwingbaren Mitbestimmung, hier nach § 87 I 7 BetrVG. D.h. dass der BR durchaus einiges erreichen kann, aber eben auf dem Verhandlungsweg oder letzlich in einer E-Stelle. D.h. für mich weiter, dass der BR erst einmal eine Latte eigener für sinnvoll erechteter Vorschläge erarbeiten muss (die gerne überzogen sein dürfen, denn es folgen ja Verhandlungen und Kompromisse).

    Das fängt schon bei der (erzwingbar mitbestimmten) Ausarbeitung und Formulierung der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen an, in deren Rahmen der AG auch Maßnahmen zum Schutz vor den jeweiligen Gefährdungen (hier: Witterungseinflüsse) prüfen muss.

    Als BR würde ich mich da auch an die zuständige BG wenden mit Bitte um fachliche Beratung.

    Grüsse Winfried

  • Hallo DMmdL,

    kennst Du die Publikation der BGI/GUV-I8637 ? Vielleicht helfen die Ausführungen etwas weiter.

    Was sagt denn Euer ASA und der Betriebsmediziner zum Thema? Beurteilt werden muss aus meiner Sicht, in welchen Fällen die Definition von Hitzearbeit erfüllt ist oder nicht, mehr dazu auf dieser und/oder auf dieser Seite.

    Die ArbStättV sieht nur bei Hitzearbeiten und für Baustellen vor, dass AN über Trinkwasser oder andere alkoholfreie Getränke verfügen können müssen. Steht Trinkwaser zur Verfügung, hat der AG seiner Pflicht genüge getan.
    In Eurem Fall wird durch den AG Trinkwasser zum Mitnehmen gestellt. Dagegen spricht aus meiner Sicht eine mögliche Verkeimung des Wassers, falls ein Gefäß immer wieder befüllt und nicht entsprechend gereinigt wird oder hygienisch einwandfrei gereinigt werden kann.

    Aber ohne Gefährdungsbeurteilung kommt ihr keinen Schritt weiter! Über den § 87 Abs.1 Nr.7 BetrVG könnt ihr als BR eine BV "Tätigkeiten im Freien unter ungünstigen klimatischen Verhältnissen“ erzwingen. Da würde ich mich aber nicht nur auf die Sommerhitze konzentrieren; auch der nächste Winter kommt bestimmt.

    Gruß
    Kokomiko

  • Vielen Dank ihr beiden,

    die Publikation kannte ich noch nicht und finde sie als Orientierungshilfe sehr nützlich.

    ASA und Betriebsmediziner hüllen sich in Schweigen, mangels Existenz... :lol:

    Wir haben das Thema heute auf der Sitzung angesprochen und werden uns zuerst an die BG wenden, bevor wir eine BV entwickeln. Gelten die Regelungen der ArbStättV explizit nur für Baustellen oder können sich analog auch Postboten, Gärtner etc. anfechtungsfrei darauf berufen?

    Gruß, MmdL

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Ich fall grad vom Glauben ab!

    In Eurem Betrieb muss gem. §11 ASiG mit Sicherheit ein ASA gebildet werden; warum zum Teufel gibt es den nicht?

    Diesen Mangel solltet ihr dann auch gleich mal im Gespräch mit der BG erörtern!

    Zitat von Der Mann mit der Ledertasche

    Gelten die Regelungen der ArbStättV explizit nur für Baustellen oder können sich analog auch Postboten, Gärtner etc. anfechtungsfrei darauf berufen?


    Auch wenn die ArbStättV für Euren Bereich sicherlich nicht gilt, glaube ich dennoch, dass bestimmte Regelungen analog angewandt werden können, aber es gibt ja auch noch das ArbSchG. ;)

    Die BG wird Euch schon richtig beraten!

    Gruß
    Kokomiko

  • Hallo zusammen,

    auch wenn die ArbStättV hier nicht greift ist eine Beurteilung der Tätigkeit durchzuführen. In dieser sollte auch Hitze und klimatische Bedingungen ein Thema sein.

    Mann darf auch nicht vergessen, das der AG auch die die individuellen Eigenheiten des AN nicht vernachlässigen darf. Also sind bei der Übertragung von Aufgaben auch Aspekte wie Größe und Gewicht zu berücksichtigen.

    Schöne Grüße aus Hessen

  • Hallo.

    Zitat von Der Mann mit der Ledertasche:

    ASA und Betriebsmediziner hüllen sich in Schweigen, mangels Existenz... :lol:

    Da schläft aber wohl auch der BR... Schließlich sind das gesetzliche Verpflichtungen des AG...

    Grüsse Winfried

  • Stimmt, da haben wir gepennt... :oops: Aber Kokos Weckruf ist angekommen.

    Ich habe mich mit unserem zuständigen BG-Berater in Verbindung gesetzt, er kommt Anfang Juli vorbei.

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich mal betonen, wie dankbar ich für die Existenz dieses Forums bin!!!

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen