Smartphone zur Auftragsübermittlung

  • Hallo zusammen,

    als erstes: ich bin kein Betriebsrat. Ich möchte mir nur für klärende Fragen Input holen, bevor ich ggf. mit Kanonen auf Spatzen schießen würde.

    Als Servicetechniker sind wir bei der Einführung eines neuen Systems zur Auftragsübermittlung und Disposition. Als Arbeitsgegenstand dient hier unser Smartphone. Alle 15 Minuten wird der Auftragsstatus ect. akuallisiert.

    Nun stehen wir vor dem Problem, dass die Aktuallisierung oder ggf. stornierung ect. optisch nicht angezeigt wird. Demnach sind wir gezwungen, uns den aktuellen Status ständig vor Augen zu führen. Da wir mehr als 2/3 des Tages im Auto sitzen, setzt man nun also eine Bedienung des Smartphones wärend der Fahrt vorraus.

    Hätte ich damit Argumente, zumindest auf eine Softwareänderung zu zielen? Also ein PopUp oder ähnliches?

    Gruß,

    T2000

  • Hallo Techniker2000,

    das Ganze nochmal für Dummies. ;)

    Im alten System reichte also ein kurzer Blick auf´s Display aus, um erkennen zu können, dass eine Änderung eingegangen ist. Dann hat man sich eine Halte-/ Parkmöglichkeit gesucht und sich den neuen Status angesehen.

    Im neuen System müsstest Du jetzt regelmäßige Stopps einlegen, um im System nachsehen zu können, ob sich Dein Auftragsstatus geändert hat, da Änderungen weder optisch noch akustisch angezeigt werden.

    Zitat von techniker2000

    Demnach sind wir gezwungen, uns den aktuellen Status ständig vor Augen zu führen.


    Ganz sicher nicht!

    Zitat von techniker2000

    Da wir mehr als 2/3 des Tages im Auto sitzen, setzt man nun also eine Bedienung des Smartphones wärend der Fahrt vorraus.


    Damit würde man ganz eindeutig gegen § 23 Abs.1a StVO verstoßen und ein Gesetzesverstoß kann & darf vom AG definitiv nicht verlangt/vorausgesetzt werden.
    Entweder schafft der AG die technischen Voraussetzungen, dass Statusänderungen so wahrgenommen werden können, dass die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt wird oder aber Du legst regelmäßige Stopps ein, um den aktualisierten Status abfragen zu können. Der dadurch entstehende Zeitverlust ist dem Konto des AG zuzuschreiben!

    Ein gewisses Verständnisproblem habe ich damit, dass ihr mehr als 2/3 eines Arbeitstages im Auto sitzt, entsprechend nur ein knappes Drittel eines Arbeitstages produktiv gearbeitet wird, aber ein Auftragsstatus alle 15 Minuten aktualisiert wird
    Klingt für mich irgendwie nicht nach einer gut organisierten Einsatzsteuerung. ;)

    Und habt Ihr keinen BR? Der wäre z.B. in einer solchen Angelegenheit zu beteiligen!

    Gruß
    Kokomiko

  • Die Frage ist zunächst: Habt Ihr einen BR?

    Dann müsste dieser m.E. zu diesen Smartphones eine BV erstellen.

    Generell kann ein AG keinen Gesetzesverstoß befehlen. Und eine Handynutzung während der Fahrt ist ein solcher.

  • Ein paar mehr Infos wären sehr hilfreich.

    Die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt stellt nicht automatisch einen Gesetzesverstoß dar.

    "Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist."

    Daher bitte Infos zur Halternung und Anschluss des Gerätes mitliefern.

  • Hallo MrSonnenschein,

    Deine Antwort entsetzt mich und ich bin fassungslos!

    Zitat von techniker2000

    Nun stehen wir vor dem Problem, dass die Aktuallisierung oder ggf. stornierung ect. optisch nicht angezeigt wird. Demnach sind wir gezwungen, uns den aktuellen Status ständig vor Augen zu führen. Da wir mehr als 2/3 des Tages im Auto sitzen, setzt man nun also eine Bedienung des Smartphones wärend der Fahrt vorraus.

    Bei dieser Thematik einfach nur auf einen Gesetzesverstoß abheben zu wollen, ist von Dir doch wohl nicht ernsthaft gemeint!

    Mehr als zahlreiche Verkehrunfälle (auch mit tödlichem Ausgang) sind darauf zurückzuführen, dass Fahrer durch ihr "Mobil-/Autotelefon" abgelenkt waren und ganz sicher nicht nur, weil sie das Telefon aufnehmen oder halten mussten; siehe auch Anhang.

    Außerdem stammt der § 23 Abs.1a StVO aus einer Zeit (in Kraft getreten am 1.2.2001), in welcher Funktionalität & Möglichkeiten eines Auto-/Mobiltelefons noch nicht einmal ansatzweise den heutigen Smartphones entsprechen.

    Grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass die Bedienung des Handys und sei es durch nur einen Tastendruck eine nicht erlaubte Benutzung darstellt.

    Kokomiko

  • Hi!

    Ja.....wir haben einen BR..........wir haben mittlerweile leider eine Menge Verstöße gegen geltendes Recht..........z.B. wird von September bis Mai eine Regelarbeitszeit von 10 Stunden vorrausgesetzt und von Mai bis September von 8 Stunden...........wie ich damit die gesetzliche Arbeitszeit einhalten soll, ist mir bzw. uns ein Rätsel!

    Unser BR meint, wenn es einem nicht passt, soll der jenige einen Anwalt einschalten.....

    Das Smartphone ist in einer Halterung angebracht.........muss allerdings mittels PIN und "wischen" nach ca. 10 Sekunden reaktiviert werden!

    Das System soll die anfallenden Aufträge sinnvoll an evtl. frei werdende Techniker verteilen......bis dato kam bei einer Auftragsänderung oder Umplanung ein Anruf bzw. eine SMS..........dies ist nun definitv nicht mehr der Fall............d.h. ich bin Unterwegs zu Kunde A............mein Kollege ist aber evtl. schneller fertig geworden und hat damit eine anderes Zeitfenster.......demach kann mir der Auftrag vom System weggenommen werden und ich bekomme z.B. einen anderen..........dies kann ich aber nur sehen, wenn ich meinen Status regelmäßig überprüfe!

    T2000

  • Zitat von Kokomiko:

    Hallo MrSonnenschein,

    Deine Antwort entsetzt mich und ich bin fassungslos!

    Bei dieser Thematik einfach nur auf einen Gesetzesverstoß abheben zu wollen, ist von Dir doch wohl nicht ernsthaft gemeint!

    Mehr als zahlreiche Verkehrunfälle (auch mit tödlichem Ausgang) sind darauf zurückzuführen, dass Fahrer durch ihr "Mobil-/Autotelefon" abgelenkt waren und ganz sicher nicht nur, weil sie das Telefon aufnehmen oder halten mussten; siehe auch Anhang.

    Außerdem stammt der § 23 Abs.1a StVO aus einer Zeit (in Kraft getreten am 1.2.2001), in welcher Funktionalität & Möglichkeiten eines Auto-/Mobiltelefons noch nicht einmal ansatzweise den heutigen Smartphones entsprechen.

    Grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass die Bedienung des Handys und sei es durch nur einen Tastendruck eine nicht erlaubte Benutzung darstellt.

    Kokomiko

    Das ist aber schade, denn du hast mich überhaupt nicht verstanden.

    Der von mir zitierte Text ist gesetzestext und beschreibt nur wann es verboten ist ein Mobil- oder auch Smartphone zu benutzen. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass eine einfache Haltevorrichtung der STVO genügt.

    Tatsache ist aber auch, dass wenn ich das Gerät nicht zum Bedienen in die Hand nehmen muss, die Benutzung erlaubt ist. Und da dieses heute noch in der StVO so steht, hat es auch Gültigkeit. Unabhängig davon ob es dir gefällt oder nicht. Eine Nutzung eines Mobiltelefons über Sprachsteuerung oder Freisprecheinrichtung ist dadurch erst möglich.

    Und nein. Das reine Drücken einer Taste, zum Beispiel um den Anruf anzunehmen und dann über Freisprechanlage das Gespräch weiterzuführen, ist nicht verboten.

    Ansonsten dürftest du auch nicht einen anderen Radiosender suchen (Bedienung einer Taste) oder die Heizung/Klimaanlage bedienen.

    Wenn der Arbeitgeber es schafft dieses Anforderungen nachzukommen, ist es erlaubt. Schafft er es nicht, dann halt nicht. In diesem Fall schafft er es jedenfalls nicht und damit hat der BR dieses zu untersagen!

    Dein Anhang spiegelt den falschen Gebrauch der Mobiltelefone wieder und das ist natürlich gefährlich und verboten. Aber halt nicht der ordnungsgemäße Betrieb innerhalb der Verordnung.

    Vielleicht noch eine Anekdote. Benutzt du zum Aufzeichnen eines Rechtsüberholers die Videofunktion eines Smartphones wirst du bestraft. Benutzt du aber eine reine Videokamera ist dieses nicht durch den §23 verboten. Passiert bei beiden nichts bekommst du beim Smartphone eine Strafe, bei der Videokamera nicht. Obwohl beides gleich dumm und gefährlich ist. Und da gebe ich dir Recht.

    Die StVO ist hier dringends zu übeholen. Dann sprechen wir aber auch über Essen, Trinken, Bedienung des Navis oder Radios, Einlegen anderer CD´s,Rauchen, Fahren mit Pömps etc. Ein sehr umfangreiches und schwieriges Thema.

    MrSonnenschein

  • Hi!

    Hallo und danke erstmal für die Information!

    Das Smartphone ist in einer Halterung direkt rechts neben dem Lenkrad montiert....Demnach würde ich MrSonnenschein ggf. sogar zustimmen......allerdings muss der Entsperrcode des Smartphones eigegeben werden, und ich muss per wischen und ziehen in den Auftrag ggf. rein um das nächste Ziel zu sehen........der zweite Punkt ließe sich sicher diskutieren......da ich nach Eingabe des Pins eine Statusänderung sehen würde und ggf. anhalten könnte......der Pin oder Wischcode oder was auch immer zum Entsperren des Handys muss allerdings immer vorgenommen werden.

    Fakt ist ja leider nun mal, dass ein Smartphone in der Höhe des Lenkrades IMMER zum Einschalten verleitet. Auch Emails ect. kommen dort an.....Nach meiner Meinung hat doch ein AG auch eine gewisse Fürsorgepflich seinen AN gegenüber. Kann ggf. über eine Gefährdungsbeurteilung dort etwas erreicht werden?

    Durch das neue System sind wir als AN, zumindest meiner Meinung nach, auch einer sehr hohen psychischen Belastung ausgesetzt....bis dato wusste man zumindest einen Tag vorher ggf. sogar mehrere Tage vorher, was einen bei einem Kunden erwartet. Demnach konnte man sich ggf. auf einen Auftrag geziehlt vorbereiten.....nun ist es so, dass das System erst morgens entscheidet, welcher Techniker wohin fährt.....dies kann dann über den Tag verteilt sich auch noch 20mal ändern........einfach nicht zu wissen, was auf einen zu kommt und sich der Situation entsprechend darauf einzustellen, macht vielen meiner Kollegen das Arbeiten schwer.......

    -T2000-

  • Hi,

    und genau da würde ich dieses nicht mehr als erlaubte Bedienung einordnen. Da es aufgrund der Komplexität eine Ablenkung bedeutet.


    Schrieb ich aber in meinem Beitrag schon.

    Wenn es ein einfaches Antippen wäre und die Information knapp und ohne Ablenkung gegeben wird, würde ich hier anders beurteilen.

    MrSonnenschein

  • Das Ganze riecht doch sehr danach, eine BV über die ganze Problematik abzuschließen.

    Dann muss z.B. eben auch drin stehen, dass sich Aufträge max. 1 mal pro Tag ändern dürfen. Die Änderung muss so sein, dass dieser Kunde frühestens in z.B. 2 Stunden anzufahren ist. usw.

  • Zitat von MrSonnenschein:

    und genau da würde ich dieses nicht mehr als erlaubte Bedienung einordnen. Da es aufgrund der Komplexität eine Ablenkung bedeutet.

    Hallo MrSonnenschein,


    dann sind wir uns ja einig und bin froh, dass ich Dich wohl falsch verstanden habe.

    Ich hingegen habe mich von dieser Passage des OLG Hamm (10.01.2015, 1 RBs 232/14) in die Irre führen lassen bzw. den vorherigen Satz aus meinem Gedächtnis gestrichen:

    "Nach der gesetzgeberischen Intention der 33. Verordnung zur Änderung straßenrechtlicher Vorschriften vom 11. Dezember 2000 soll die Vorschrift des § 23 Abs. 1a StVO gewährleisten, "dass der Fahrzeugführer während der Benutzung des Mobiltelefons beide Hände für die Bewältigung der Fahraufgabe frei hat. Die Benutzung schließt neben dem Gebrauch im öffentlichen Fernsprechnetz sämtliche Bedienfunktionen ein"."


    Da ist´s doch vollkommen absurd, dass der vorherige Satz lautet: "Die Frage der Benutzung eines Mobiltelefons i.S.d. § 23 Abs. 1a StVO beurteilt sich allein danach, ob das Gerät in der Hand gehalten wird oder nicht und die Handhabung des Geräts einen Bezug zu einer bestimmungsgemäßen Funktion desselben aufweist."

    Wenn ich mit einer Hand andauernd auf dem Display in Halterung rumwische/-tippe, hab ich auch nicht beide Hände für die Bewältigung der Fahraufgabe frei. Zeit, dass dieser Paragraph geändert wird!

    Zitat von techniker2000

    Nach meiner Meinung hat doch ein AG auch eine gewisse Fürsorgepflich seinen AN gegenüber. Kann ggf. über eine Gefährdungsbeurteilung dort etwas erreicht werden?


    Wer soll denn die Gefährdungsbeurteilung oder deren Überarbeitung initiieren?
    Ich gehe mal davon aus, dass ein ASA (Arbeitsschutzausschuss) existiert, oder nicht?
    Da Euer BR augenscheinlich aus unwilligen Ignoranten besteht und zwei BRM im ASA vertreten sind, blieben als Ansprechpartner nur noch die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Sicherheitsbeauftragte oder der Betriebsarzt. Wie sind denn die drauf?

    Ungeachtet dessen darf man trotzdem nicht vergessen, dass man allein als Fahrzeugführer dafür haftet, falls man z.B. aufgrund von Ablenkung einen Unfall verursacht. Wenn dann auch noch die Ablenkung bewiesen werden kann, darf man ziemlich sicher davon ausgehen, dass ein Richter von grober Fahrlässigkeit ausgehen wird!

    Aus meiner Sicht wäre es wichtig, dass Ihr Service-MA an einem Strang zieht und sich wirklich niemand dazu verleiten lässt, die News während der Fahrt ablesen zu wollen.

    Gruß
    Kokomiko

  • Team-ifb

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