BR Gründung im Kleinbetrieb

  • Hallo zusammen.

    Wir, das ist ein kleiner Betrieb im Handwerk mit ca 12 Mitarbeitern, wollen aufgrund der sich verschlechternden Verhältnisse einen Betriebsrat gründen.

    Dabei kommen nun sehr viele Fragen auf, die ich mir durch sehr viel Recherche in den letzten Tagen zum Großteil selbst beantworten konnte.Allerdings gibt es immer wieder Fragen auf die ich keine genaue Antwort finde, bei denen ich nun hoffe dass ihr mir weiterhelfen könnt.

    Auch bin ich seit 2 Tagen Mitglied bei der IG Metall, wo ich bestimmt auch viel Unterstützung bekommen werde.

    Erste Frage: Ich habe öfters gelesen, dass man zusammen mit der IG den Betriebsrat gründen soll, da so Formfehler oder Fehler bei der Einhaltung von Fristen etc. vermieden werden.

    Gibt es da wirklich so viel zu beachten? Wäre es falsch es alleine zu versuchen? Informationen über Fristen und Vorschriften gibt es ja im Internet zuhauf.

    Zweite Frage: Was wenn der Arbeitgeber sich absolut querstellt? Mir ist bewusst dass er das nicht direkt darf aber wenn er z.b. anfängt Mitarbeiter mit haltlosen Kündigungen oder ähnlichem zu schikanieren.

    Dritte Frage: Wenn der Betriebsrat aus einer Person besteht, wie es bei uns der Fall sein würde, müsste dieser einen Büroraum oder ähnliches gestellt bekommen? Oder gibt es das erst bei einer bestimmten Größe?

    Wir haben einen Chef, der hält nicht viel von Mitbestimmung, Gewerkschaft und ähnliches. Außerdem übertreibt er es mit dem Weisungsrecht teilweise so sehr, dass Gesetze gebrochen werden (z.B. Arbeitszeitgesetz, Arbeitsschutzgesetz)

    Auf die Frage, ob er nich die aushangpflichtigen Gesetze bereitstellen kann, antwortete er Sinngemäß mit: "Sowas brauchen wir bei uns nicht", die selbe Antwort gab es auf die Frage nach einem runden Tisch, bei der wir uns mit ihm zusammensetzen und über Probleme reden könnten.

    Viele Mitarbeiter sind kurz davor zu kündigen und sich woanders etwas zu suchen, deshalb hoffen wir, mit der Gründung eines Betriebsrates das Arbeitsklima für alle zu verbessern.

    Gibt es hier vielleicht Betriebsräte aus kleinen Handwerksfirmen wie wir einer sind? Vielleicht kann man sich austauschen.

    Vielen Dank für eure Antworten.

  • Zitat von chaotic

    Wäre es falsch es alleine zu versuchen?


    Nun, das ist nicht per se falsch. Aber unter den Voraussetzungen, die du schilderst, wäre mir daran gelegen möglichst wenig Angriffsfläche für eine Anfechtung der Wahl zu liefern. Und dafür würde ich mir jede Schützenhilfe suchen die ich kriegen kann.

    Zitat von chaotic

    Was wenn der Arbeitgeber sich absolut querstellt?


    Dann braucht es Durchhaltevermögen und ein dickes Fell. Und möglichst Schützenhilfe. D.h. hier könnte sich deine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft bezahlt machen.

    Zitat von chaotic

    Wenn der Betriebsrat aus einer Person besteht, ... müsste dieser einen Büroraum oder ähnliches gestellt bekommen? Oder gibt es das erst bei einer bestimmten Größe?


    Ganz kurz: nein und ja.

    Zitat von chaotic

    Gibt es hier vielleicht Betriebsräte aus kleinen Handwerksfirmen wie wir einer sind? Vielleicht kann man sich austauschen.


    Die Frage nach den Betrieben kann ich dir nicht beantworten (weil ich zu wenige persönlich kenne), aber mit unserem Rabauken (den Nick hat er sich ausgesucht!) hast du mindestens mal einen erfahrenen Metaller hier, der dir sicher gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.

    Viel Glück und Erfolg!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Zitat von chaotic

    Mir ist bewusst dass er das nicht direkt darf aber wenn er z.b. anfängt Mitarbeiter mit haltlosen Kündigungen oder ähnlichem zu schikanieren.

    dann dreh ihm den Spieß um und informiere die Kollegen, dass Befürwortung einer Interessenvertretung keinen anerkannten Kündigungsgrund darstellt und eine Gewerkschaftsmitgliedschaft u.a. auch Rechtsvertretung umfasst. ;)

    Zitat von chaotic

    Wir haben einen Chef, der hält nicht viel von Mitbestimmung, Gewerkschaft und ähnliches. Außerdem übertreibt er es mit dem Weisungsrecht teilweise so sehr, dass Gesetze gebrochen werden (z.B. Arbeitszeitgesetz, Arbeitsschutzgesetz)

    Seine persönliche Meinungsfreiheit bleibt ihm selbstverständlich unbenommen. Die Grenzen seines Weisungsrechts und die grundsätzliche Feststellung, ob geltende Gesetze auch für ihn verpflichtend sind, wird ihm notfalls ein Arbeitsrichter kostenpflichtig erklären.

    Zitat von Moritz

    aber mit unserem Rabauken (den Nick hat er sich ausgesucht!) hast du mindestens mal einen erfahrenen Metaller hier, der dir sicher gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.

    und mit unserem Mann mit der Ledertasche (den Nick hat er von Charles Bukowski geklaut) zumindest mal einen lieber 3 Schritte zu weit als einen zu kurz gehenden praxiserprobten Arbeitgeberdompteur, der dir auch den ein oder anderen Kniff verraten kann. 8)

    Ich wünsche dir ebenfalls viel Glück und Erfolg und vor allem die Rückendeckung deiner Kolleg/innen!

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Hallo chaotic

    Auch ich komme aus einem Handwerksbetrieb Fachrichtung Elektro in NRW.

    Ich kann dir nur raten die Gründung nicht ohne die IGM zu machen.

    Aber deine Vermutung das du dort Unterstützung erfährst ist richtig. Gerade jetzt läuft in der IGM ein Projekt, Gründung von BR im Handwerk.

    Kläre mit deiner Gewerkschaft auch deinen Rechtsschutz ab. Nach den AGB der IGM erhältst du diesen erst nach 3 Monaten Mitgliedschaft.

    Aber die lassen in diesem Punkte mit sich reden.

    Welcher Fachrichtung gehört ihr an und in welchem Bundesland seit ihr ansässig?

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen