Anhörungen per Mail?

  • Hallo,

    unser Chef möchte zukünftig Anhörungen per Mail durchführen. Ausgenommen bei Kündigungen. Als Eingangsnachweis soll eine Lesebestätigung dienen. Empfänger bin auschließlich ich (BRV) bzw. mein Stelli.

    Ich habe dabei keine Bedenken.

    Wie steht Ihr dazu?

    Beste Grüße

    LLB

  • Hallo,

    Eine bestimmte Form für die Anhörung des Betriebsrates ist nicht vorgesehen. Das BAG hat sogar entschieden, dass eine Unterrichtung des Betriebsratsvorsitzenden zu Hause per Telefon – sofern dieser den Anruf vorbehaltlos entgegen nimmt – die Äußerungsfrist in Gang setzt (BAG, Entscheidung vom 27.08.1982).

    Wenn sogar eine telefonische Unterrichtung gültig ist, ist auch eine Anhörung per Mail zulässig.

    Gruß

    Hubertus

    Ich habe als Kind nicht laufen gelernt um heute zu kriechen.

  • Zitat von Hubertus:

    Wenn sogar eine telefonische Unterrichtung gültig ist, ist auch eine Anhörung per Mail zulässig.

    Wobei der AG bei einer telefonischen Anhörung bei einem späteren Kündigungsschutzverfahren in massive Beweisnöte kommen könnte ;) ...

  • Bei uns erfolgen selbst die Anhörungen zu Kündigungen per Mail. Beide Seiten haben erklärt, dass sie dadurch das Schriftformerfordernis für geachtet betrachten. (Wichtig bei Widersprüchen zu Einstellungen, bei denen das Gesetz eine schriftliche Stellungnahme vorsieht.)

    Wir hatten anfangs auch ein wenig Bedenken, haben dann aber festgestellt, dass das maximal genau einmal schief geht. Danach könnte der AG sich seinen Traum vom papierlosen Büro sonstwo hinstecken... ;)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Und wir sind bewusst wieder altmodisch geworden. 8)

    Direkt nach BR-Gründung hatten wir die an sich richtige Idee einer BR-Mail, in der wir uns untereinander austauschen, Kollegen etwas anfragen können und natürlich auch die Kommunikation mit dem AG vereinfacht werden könnte. Soweit die Theorie.

    In der Praxis sah es dann so aus: Wir bekamen im Schnitt 90 Mails monatlich von unserem originellen AG, die mit 3 bis 15 Endzeichen pro Satz versehen waren, stilistisch mit Untersteichungen und Fettungen glänzten, von denen aber nur die wenigsten archivierungswürdig waren. Beispiele: "Was haben Sie denn da schon wieder einen betriebsschädigenden Mist beschlossen????? Haben Sie noch vom § 2 BetrVG gehört?????" Da ich ja eingestandermaßen gern mit Gegenprovokaktionen reagiere, war meine Antwort: "In 2 Jahren Zusammenarbeit mit dem BR haben Sie sich immerhin schon bis zum § 2 vorgearbeitet. Daher bin ich aufgrund des Lerntempos zuversichtlich, dass Sie in nur noch 85 Jahren auch unsere zwingenden Mitbestimmungsrechte kennen und eine gedeihliche Zusammenarbeit möglich ist." :lol: Worauf dann wieder mit Klagedrohungen und Beschimpfungen gekontert wurde... :oops:

    Oder: "Kollege Pimpelhuber wurde beim Urinieren in eine öffentliche Grünanlage gesehen!!!!!! Was sagt denn der BR dazu????" - "Wir haben den Kollegen für sein ökologisch korrektes Verhalten gelobt, er unterbricht den natürlichen Nährstoffkreislauf nicht." - "Da sieht man mal wieder, dass Ihnen der Ruf der Firma egal ist!!!!!!!!" - "Das Firmenimage beruht sicherlich nicht auf solchen Bagatellen, sondern gewichtigeren Dingen, die wir im Monatsgespräch auch leider ergebnislos angesprochen haben..."

    War stellenweise so amüsant wie die Wortduelle einiger Mitglieder in diesem Forum (mich natürlich eingeschlossen). Bis irgendwann das Schicksal zuschlug: Ich vergaß einen für unwichtig gehalten Mailanhang, der als Nebeninfo in einer Wutmail anhing und behauptete 10 Monate später in einer eidesstattlichen Erklärung fälschlicherweise, diesen Mailanhang nicht bekommen zu haben.:roll: Was zu einer längeren bezahlten Freistellung führte...;)

    Daraufhin haben wir den AG auf die Blacklist gesetzt, den Tobsuchtsanfall lächelnd ertragen und wickeln alle Kommunikation nur noch schriftlich ab (was sowohl zu einem etwas besseren Verhältnis als auch weniger Schreibarbeit geführt hat, da nicht mehr jeder Mist bis in die 5. Nachkommastelle ausdiskutiert wird). Die Kolleg/innen erreichen uns natürlich nach wie vor auch per Mail.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Anhörungen per Mail sind grundsätzlich möglich, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden und Kommunikationsfreiheit nicht mit Anarchie verwechselt wird. ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Dieser Teil hat mir so gut gefallen,

    Zitat von Der Mann mit der Ledertasche

    wenn bestimmte Regeln eingehalten werden und Kommunikationsfreiheit nicht mit Anarchie verwechselt wird

    ich wollte ihn mal eingerahmt, groß und in güldenen Lettern sehen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Eine lustige Geschichte, fürwahr!

    Was die Eingangsfrage betrifft... Da es kein Schriftformerfordernis gibt, kann der AG den BR anhören, wie er will. Er kann auf Klopapier schreiben oder eine Stripperin die Anhörung singend vortragen lassen. Insofern ist es egal, was der BR denkt...

    Mails haben auf jeden Fall den Vorteil, dass der Inhalt beweis- und nachvollziehbar und auch die Zustellung klar ist.

    Gemein ist allerdings, dass für die Antwort des BR die Schriftform vorgeschrieben ist...

    Grüsse Winfried

  • Hallo liebe Antworterinnen und Antworter,


    sorry für die späte Meldung meinerseits.

    Ich danke euch allen für eure Meinung.

    Wir führen das jetzt zur Probe ab Januar 2017 ein. Mal sehen wie es sich bei uns entwickelt.

    Bis dahin

    schöne Feiertage und nen guten Rutsch. Prost!

    LLB

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen