Minusstunden bei Krankheit?

  • Hallo,

    als Schulsozialarbeiter hat man wöchentlich einen gewissen Anteil an Mehrarbeit zu leisten, um diese dann in den Ferien ab zu bauen.

    D.h. bei einer Stelle mit 39,8std/Woche leistet man 43std/Woche ab.

    Mal angenommen, der Schulsozialarbeiter wäre eine Woche lang krank. Dürften ihm dann die 3,2std Mehrarbeit, die dann nicht als Überstunden für den Ferienausgleich aufgebaut werden, als Minusstunden angerechnet werden?

    Vielen Dank für die Antworten!

  • Hallo Wölkchen,

    die Antwort lautet. Ja, Nein, evt. in Abhängigkeit von dem, was ggf. in der Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit steht.

    Fest steht, nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz sind Krankheitstage wie Arbeitstage zu bewerten.

    Hier nun meine Frage, was passiert, wenn der Sozialarbeiter Zufälligerweise in den Ferien Arbeitsunfähig wird? Bekommt er dann die Stunden abgebaut, die er vorher aufgebaut hat? Wenn dass so ist, dann dürfen ihn nicht die 3,2 Stunden abgezogen werden, sondern er muss diese auch in der Krankheit aufbauen.

    Sollte aber sein Stundenkonto gleich bleiben, er nichts von seinem Zeitguthaben verlieren, wenn er zufälligerweise in der Woche der Freizeitentnahme krank wird, und er somit zu einem späteren Zeitpunkt diese Woche frei machen können, dann ist aus meiner Sicht das Vorgehen OK.

    Gruß

    Rabauke

  • Hallo,

    bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gilt das AUSFALLSPRINZIP, und das Wort "Lohnfortzahlung" bezieht sowohl auf den Geld- als auch auf den Stundenfaktor.

    Das Ausfallsprinzip besagt, dass die durch die Krankheit entfallene Arbeitszeit zu vergüten ist. Das heißt in dem Fall, wäre der Arbeitseinsatz 43h gewesen, sind auch diese 43 Stunden zu vergüten und ins ArbZ-Konto einzustellen.

    In der Stundenabbauphase in den Ferien heißt es dann umgekehrt aber auch: Da der Stundenabbau so geplant war, die Arbeit also nicht wegen der Krankheit entfällt, werden die Stunden auch in der AU abgebaut.

    Grüsse Winfried

  • Danke für die Antworten.

    Wenn der Sozialarbeiter in den Ferien, also während des Abbaus seiner Mehrarbeit krank wird und eine AU einreicht, wurden ihm bisher auch Minusstunden berechnet. Das kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Denn die Mehrarbeit in der Schulzeit, wird abgeleistet, um die Ferien - ergo die Regelarbeitszeit- frei zu haben.

  • Hallo Woelkchen,

    wenn den AN dann die 43 Stunden abgezogen wurden bei einer Woche AU während des Zeitabbaus in den Ferien, dann ist das Korrekt nach Gesetz, Ihm darf aber nichts abgezogen werden während der AU in der Arbeitsphase (nach Gesetz).

    Gruß

    Rabauke

  • Zitat von woelkchen:

    Danke für die Antworten.

    Wenn der Sozialarbeiter in den Ferien, also während des Abbaus seiner Mehrarbeit krank wird und eine AU einreicht, wurden ihm bisher auch Minusstunden berechnet. Das kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Denn die Mehrarbeit in der Schulzeit, wird abgeleistet, um die Ferien - ergo die Regelarbeitszeit- frei zu haben.

    Jupp, das ist rechtlich aber vollkommen in Ordnung. Hatte kürzlich erst so eine ähnliche Konstellation bei Gericht (bin ehrenamtliche Arbeitsrichterin), da hat der Richter das den Parteien haarklein erläutert.

    Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch, dass er bei Krankheit in den Wochen, in denen er Stunden aufgebaut hätte, diese Stunden auch aufs Zeitkonto gutgeschrieben bekommen muss.

    (Wie Winfried bereits schrieb... Entschuldige bitte, habe ich glatt überlesen)

  • Hallo zusammen,

    wir haben gerade ein ähnliches Problem. Die Mitarbeiter in der Schule arbeiten in der Schulzeit meist mehr als den tariflichen Durchschnitt, manche aber auch weniger. Wird jemand krank bekommt er den tariflichen Durchschnitt angerechnet. D.h. die einen haben dadurch mehr Stunden, als wären sie gesund gewesen, die anderen weniger. Die, die keine regelmäßige Einarbeitungszeit während der Schulzeit haben, arbeiten dies unregelmäßig durch zusätzliche Angebote für die Schüler ein. (Übernachtungen, Schullandheim, etc). Zudem fahren sie eine Woche in den Ferien mit den Kindern auf Ferienfreizeit. Wird jemand in den Ferien krank, bekommt er ebenfalls den tariflichen Durchschnitt angerechnet. Wieviele Plus-, oder Minusstunden im Krankheitsfall während der Schulzeit entstehen wird auf dem Stundenkonto vermerkt. Zudem ist es für die Kollegen nicht möglich innerhalb der Schulzeit Freizeitausgleich zu nehmen.
    Die GF hält dies für die gesetzeskonforme Lösung.

    Da dies von den Kollegen als ungerecht empfunden wird, und wir es für nicht gesetzmäßig halten wollen wir folgendes durchsetzen: Anrechnung der individuellen täglichen Arbeitszeit während der Schulzeit, keine Anrechnung während des Überstundenabbaus in den Ferien, Anrechnung des tariflichen Durchschnitts während des Urlaubs (der in den Ferien genommen werden muss). Problem dabei ist natürlich, dass dann die unregelmäßigen Einarbeitungszeiten rausfallen (s.o., sowie Elterngespräche, Berichte, etc).

    Wenn ich die Antworten zum ursprünglichen Problem richtig gelesen habe wäre beides möglich. Habe ich das richtig verstanden? Und kennt jemand eine Lösung für das Problem mit den unregelmäßigen Einarbeitungszeiten?

    Vielen Dank schon mal,
    viele Grüße

    lasikem

  • Hier noch eine andere Möglichkeit:

    Ihr arbeitet ja die meiste Zeit nach einem unregelmäßigen, aber geplanten Ablauf.

    Da könnte ein Schichtplan nützlich sein. Die unregelmäßigen, nicht planbaren Stunden werden dabei pauschal in den Schichtplan eingetragen und am Monatsende abgerechnet. Dadurch wäre definiert, wie viele Stunden bei Krankheit gutgeschrieben werden müssten.

    weitere Infos: http://www.schichtplanfibel.de

  • Danke für eure Antworten,

    wir hätten gerne, dass es wie ein Dienstplan gehandhabt wird, auch wenn es offiziell wohl keiner ist. Dann könnte es wie in den Abteilungen mit echtem DPL gehandhabt werden.

    Wenn wir den Durchschnitt der unregelmäßig auftretenden Zeiten nehmen, läuft das auf eine Anrechnung der persönllichen durchschnittlichen Arbeitszeit während der Schulzeit hinaus. (Sofern ich Winfrieds Vorschlag richtig verstanden habe). Das sind bei einer Vollzeitstelle täglich mehr als 10h. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt aber "nur" 8:30h. Damit scheint mir das Ganze nicht wesentlich transparenter und/ oder gerechter zu werden.

    Die allereinfachste Lösung wäre, die Verträge entsprechend zu reduzieren. Dann würde das Ferienfrei einfach nicht bezahlt und es gäbe (fast) nichts einzuarbeiten. Aber das wollen weder der BR, die Kollegen noch die GF.

    Viele Grüße
    Lasikem

  • Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob ich, abgesehen vom Lohnausfallprinzip genau verstanden habe, wo das Kernproblem sich versteckt hat. Brett vorm Kopf. Egal. Ich werfe mal einfach das Urteil des

    Bundesarbeitsgericht

    Entgeltfortzahlung – flexible Arbeitszeit – Arbeitszeitkonto

    Eine betriebliche Regelung zur flexiblen Verteilung der Arbeitszeit, nach der die sich in der Phase der verkürzten Arbeitszeit ergebende Zeitschuld nur durch tatsächliche Arbeitsleistung, nicht aber bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit in der Phase der verlängerten Arbeitszeit ausgeglichen wird, verstößt gegen das Lohnausfallprinzip des § 4 Abs 1 EFZG (Juris: EntgFG).

    BAG, Urteil vom 13. 2. 2002 – 5 AZR 470/00

    in den Ring.

  • Team-ifb

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