Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen

  • Hallo zusammen,

    bei uns im Betrieb steht das Thema Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen gerade zur Debatte.

    Es soll über Fragebögen ermittelt und dann ausgewertet werden. Diese Aktion soll über den BAD laufen.

    Da das Ganze aber mit Kosten verbunden ist, war die Überlegung, ob man so etwas nicht betriebsintern lösen könnte, ohne den Einsatz des BAD.

    Mich würde interessieren, wie das bei euch in der Firma umgesetzt wurde.

    Vielleicht hat einer einen guten Vorschlag, damit das Ganze nicht kostenmäßig explodiert.

    Für gute Vorschläge wäre ich sehr dankbar.

  • Hallo,

    es ist ja nett, daß ihr Euch offensichtlich den Kopf des AGs zerbrecht.

    Macht Euch stattdessen lieber Gedanken, ob Ihr denn ohne Beteiligung des betriebsärztlichen Dienstes überhaupt psychische Gefährdungen vollständig erkennen und beurteilen könnt.

    Und wenn Ihr dann ohne jeglichen arbeitsmedizinischen Sachverstand laienhaft Gefährdungen beurteilt habt, erklärt das mal der Aufsichtsbehörde oder der BG:

    https://www.gda-portal.de/de/p…df?__blob=publicationFile

    letztendlich führt die Beteiligung des Betriebsarztes zu einer Straffung und Beschleunigung des Prozesses einer Gefährdungsbeurteilung, da diese in Erfüllung Ihrer Aufgaben nach § 3 ASiG einen Überblick über die betrieblichen Risikofaktoren - gerade auch im psychischen Bereich - bekommen.

  • Hallo whoepfner,

    danke erstmal für Deine Antwort.

    Zitat von whoepfner

    es ist ja nett, daß ihr Euch offensichtlich den Kopf des AGs zerbrecht. Macht Euch stattdessen lieber Gedanken, ob Ihr denn ohne Beteiligung des betriebsärztlichen Dienstes überhaupt psychische Gefährdungen vollständig erkennen und beurteilen könnt.

    Da habe ich mich wohl nicht richtg ausgedrückt.

    Der Vorschlag das Ganze betriebsintern zu regeln um Kosten zu sparen, kam seitens Arbeitgeber.

    Der BR ist der gleichen Meinung wie Du. Genau das war auch unsere Überlegung...wer will das nachher auswerten und beurteilen?

  • Hallo zusammen, ich habe eine ähnliche Frage:

    Bei uns im (örtlichen) Betrieb werden schon länger Gefährdungsanalysen und -beurteilungen durchgeführt. Allerdings hat man bis dato das Thema psych. Belastung am Arbeitsplatz nicht berücksichtigt und das soll/muss jetzt geändert werden.

    Es wurden zwischen AG und BR auch bereits Gespräche egführt. Man hat sich bisher auf folgendes geeinigt:

    - Die Umfrage soll anhand eines Fragebogens aus einer GBV sattfinden.

    - Die Umfrage soll durch externe Fachleute durchgeführt und ausgewertet werden.

    - Der AG möchte allerdings nicht alle Mitarbeiter (MA) befragen, sondern nur einen repräsentativen Anteil aus den verschiedenen Arbeitsbereichen/Abteilungen (Kosten-/Zeitgründe). Man einigte sich darüber, dass die MA dann per Losverfahren ermittelt werden sollen.

    Die Frage(n) ist/sind nun:

    1. kann ein MA, wenn er per Losverfahren ausgewählt wurde, diese Umfrage ablehnen oder kann man ihn dazu "verpflichten"?

    2. Wie würde diese "Verpflichtung" ggf. aussehen?

    3. Wenn keine "Verpflichtung" möglich ist, und nicht genügend MA teilnehmen wollen, wie kann dann weiter verfahren werden?

    Da wir in dieser Legislaturperiode einen vollständig neuen BR gewählt haben, sind keinerlei Erfahrungen vorhanden (alle BR-Mitglieder sind Neulinge). Daher die Frage.

    Grüsse v. Mig58

  • Hallo,

    Zitat von Mig58

    1. kann ein MA, wenn er per Losverfahren ausgewählt wurde, diese Umfrage ablehnen oder kann man ihn dazu "verpflichten"?

    M.E. kann die Umfrage nur auf freiwilliger Basis stattfinden.

    Zitat von Mig58

    Wenn keine "Verpflichtung" möglich ist, und nicht genügend MA teilnehmen wollen, wie kann dann weiter verfahren werden?

    Ich gehe mal davon aus, dass es dann keine Umfrage, oder nur eine mit den begrenzten Mitarbeitern geben wird.

    Aber vielleicht weiß jemand anderer noch etwas genauer darüber Bescheid.

    Zitat von Mig58

    Der AG möchte allerdings nicht alle Mitarbeiter (MA) befragen, sondern nur einen repräsentativen Anteil aus den verschiedenen Arbeitsbereichen/Abteilungen (Kosten-/Zeitgründe).

    Ich wusste gar nicht, dass man nicht alle MA beteiligen muss. Hängt das vielleicht von der Betriebsgröße ab?

  • Hallo alle zusammen,

    im Arbeitsschutzgesetz §5 (1) steht: "Der Arbeitgeber hat durch einen Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln.....

    und da unter (3) 6. Psychiche Belastung bei der Arbeit

    In (2) 2 "Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen ist einen Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit ausreichend."

    Also er muss nicht jeden Mitarbeiter befragen.

    Eine Auslosung wird schwer. Er sollte schon anhand seiner vorhandenen Gefährdungsbeurteilung feststellen welche Arbeitsplätze in Frage kommen.

    Hilfe kann er sich von seiner Sifa oder vom Betriebsarzt oder auch von externen holen. Der Betriebsrat ist nur zu beteiligen und zu informieren.

    Wie eine GB auszusehen hat ist nicht klar geregelt. Eine GB auf die psychischen Belastungen sollte schon lange vom Arbeitgeber erstellt werden, nur achten die Berufsgenossenschaften immer mehr auf die psychische Gefährdungsbeurteilung

    Gruß

  • Zitat von Rmbaer:

    Hallo alle zusammen,

    im Arbeitsschutzgesetz §5 (1) steht: "Der Arbeitgeber hat durch einen Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln.....

    .........

    Hilfe kann er sich von seiner Sifa oder vom Betriebsarzt oder auch von externen holen. Der Betriebsrat ist nur zu beteiligen und zu informieren.

    sorry, aber das ist Quatsch, gerade weil nicht genau definiert ist, wie diese durchzuführen ist hat der BR hier volle Mitbestimmung.

    § 87 der Punkt zur Arbeitssicherheit trifft es hier genau.

    Daher ohne BV geht da garnichts

    Wie wird beurteilt, Befragung, externe Unterstützung, wie wird bewertet etc. alles volle Mitbestimmung.

    Beratung hier gibt u.a. der TÜV Rheinland wie so etwas aussehen kann und wie eine BV hierzu aussehen kann aber auch einige andere externe Berater neben den Gewerkschaften.

    Gruß

    rabauke

  • Es tut mir leid, aber die Verantwortung für die Gefährdungsbeurteilung hat ausschließlich der Arbeitgeber. Und eine Vorlage wie die auszusehen hat gibt es nicht. Auch die vom Tüv oder die einer BG ist was zusammen gebasteltes.

    Und wie ich auch schrieb ist der BR daran zu beteidigen.

    Sollte gar keinen Gefährdungsbeurteilung durchführen ist nur er in der Verantwortung für die fehlende GB.

    Gruß

    Rmbaer

  • Zitat von Rmbaer:

    Es tut mir leid, aber die Verantwortung für die Gefährdungsbeurteilung hat ausschließlich der Arbeitgeber. Und eine Vorlage wie die auszusehen hat gibt es nicht. Auch die vom Tüv oder die einer BG ist was zusammen gebasteltes.

    Und wie ich auch schrieb ist der BR daran zu beteidigen.

    Sollte gar keinen Gefährdungsbeurteilung durchführen ist nur er in der Verantwortung für die fehlende GB.

    Gruß

    Rmbaer

    hallo Rmbaer,

    stimmt, genauso wie der Arbeitgeber die verantwortung für die Arbeitszeitgrenzen trägt und trotzdem bist du dort in der Mitbestimmung was lage der Az der pause etc betrifft.

    genau so ist es auch mit dem Arbeitsicherheitsgesetz (und auch das Arbeitszeitgesetz ist ein Arbeitssicherheitsgesetz).

    Wenn etwas nicht genau beschrieben ist bist du nach §87 Abs 1 satz 7 BetrVG in der Mitbestimmung. Da hier der gesetzgeber alles offen läßt bist du als BR dabei.

    Du bestimmst mit, wie die Gefährdung gemessen wird, welches Werkzeug dafür genutzt wird, wie häufig es wiederholt wird etc. weil alles dazu dient die Arbeitssicherheit zu erhöhen sonst Stände es nicht im Areitssicherheitsgesetz.

    Viele Arbeitgeber und SiFa's sehen hier dem BR nicht im Boot, ich weiß, aber die BG sieht hier den BR eindeutig mit mit Boot (also in der Mitbestimmung), zumindest die BG die bei uns Aktiv ist.

    Du kommst nicht umhin, dass du in der Mitbestimmung bist, und ich weis auch, was für ein Aufwand das ist, hierzu eine BV zu erstellen und die Einhaltung zu überwachen. Wir haben allein für die Verhandlungen zu dieser BV 6 Monate gebraucht mit Beratung der IGM, eines RA, eine unabhängigen Psyschologen und waren damit hier in der Region der Vorreiter zu einer BV. Diese ist erst 4 Jahre alt. davor haben wir 3 Jahre Überzeugungsarbeit leisten müssen, dass wir in der Mitbestimmung sind.

    Gruß

    rabauke

  • Servus Zusammen!

    Wie bereits richtig beschrieben, ist der AG bzw. die Führungskraft (FK) für die Gefährdungsbeurteilung (GB) verantwortlich. Und damit auch für die psych. Belastungen. Damit sind nicht die psych. Beanspruchungen des/der einzelnen MA gemeint. (Wird selbst bei erfahrenen FASI/SIFA oft durcheinander geworfen).

                                          :idea: Belastung ungleich Beanspruchung :idea:

    Die GDA PSYCHE (www.gda-psyche.de) ist ein guter Anhaltspunkt die (hoffentlich) existierende und verwendbare GB zu ergänzen. Analog der aktuell zu behandelnden MuSchG.
    Es geht damit um den einzelnen Arbeitsplatz bzw. die Tätigkeiten, die dort ausgeführt werden. Welche psych. Belastungen treten dort auf. Analog, sitzt dort ein MA den ganzen Tag vorm Bildschirm, hat zu wenig Bewegung, wird Geblendet, etc. - hat der MA also z.B. bei der Beschwerde-Bearbeitung dauernd mit unflätigen Kunden zu tun, oder als Zugschaffner mit aggresieven Fahrgästen, etc. etc.

    Sicherlich kann man die MA per Fragebogen befragen (DSGVO unbedingt beachten), aber wissen die FKs nicht was Sie von dem MAs verlangen bzw. tun? Das bei den GBs und den Maßnahmen (PDSC-Zyklus) der BR mit eingebunden ist (ASA), ist wohl selbstverständlich.

    vG Stefan

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen