AG verletzt Fürsorgepflicht/Benachteiligung wegen Schwerhinderung

  • Hallo wir haben einen Kollegen der ist schwerhörig (Schwerbehinderten Status erfüllt) und sitzt mit 4 Kollegen im Büro zusammen und alle haben Telefonkontakt und es herrscht reger interer Besuch in diesem Büro. Problem der Kollege muss konzentiert arbeiten und leidet unter der Geräuschkulisse. Der direkte Vorgesetzte sagte er soll einfach die Hörgeräte abschalten dann haette er seine Ruhe.

    Der war der Kollege vereinzelt längere Zeit ausgefallen und ist nun ins BEM gefallen. Wir BEM Beauftragte /Steuerkreis hatten Integrationsamt und Betriebsarzt vor Ort. Es wurden Vorschläge erarbeitet, technische Hilfen (anderes telefon und Hörgeräte angeschafft) Aber das Grundproblem die Geräuschkulisse des Raum hat sich nicht geändert. Wir hatten Vorschläge zur dauerhaften Versetzung des Kollegen an andere Arbeitsplätze vorschlagen (wäre unsere Meinung auch kein Problem), dies wurde aber absolut von der Geschäftsleitung abgelehnt. Der Kollege hat die Überbelastung aufgrund zuviel Lärm angezeigt und ist nun wiederholt ausgefallen. Wir hatten Integrationsamt und Betriebsarzt nochmals angesprochen ,ob sie was tun können od. wir um den AG zu zwingen....da kam nur sie und wir können den AG nicht zwingen...es gibt keine Schwerbehidnerten Vertretung.

    Der Betriebsrat meinte dies wäre Dsikriminierung (Benachteiligung) aufgrund der Behinderung. Verstoss auch gegen AGG. Verstoss gegen Fürsorgepflicht des AG (§ 618 BGB). der BR würde Beschwerde nach §85 BetrVG machen wollen, könne wir als BEM-Beauftragte dies Beschwerde vorbringen um den Kollegen zu schützen. Oder kann nur er dies persönlich tun?ß

    Der Kollege ist beliebt und macht gute Arbeit, nur weil der AG ihn los werden will, will er keinesfalls einer Versetzung in einen anderen Raum zu stimmen. Können wir den Kollegen schützen und den AG zwingen etwas zu tun?

  • Hallo,

    habt Ihr keine SBV ?

    Falls nein, sollte sich der BR selbst dringend Fachkenntnis in Sachen Schwerbehindertenrecht (einschließlich Fachkommentierung) aneignen.

    Der betroffene AN hat einklagbare Rechtsansprüche aus § 164 Abs. 4 SGB IX ggü. dem AG

    http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__164.html

    Es ist traurig, wenn das IA hier nicht weiterhilft. BR und der betroffene AN selbst können aber sehr wohl verlangen, daß der AG weitere Maßnahmen prüft - sei es zusätzliche lärmreduzierende Maßnahmen, sei es eine Umsetzung in einen anderen Raum.

    Lehnt der AG weitere maßnahmen ab, muß er im Zweifelsfall detailliert darlegen, warum diese Maßnahmen nicht zumutbar sind.

    Gibt es denn für diese Arbeitsplätze eine aktuelle Gefährdungsbeurteilung ?

  • Hallo Kleinauge,

    mal eine Gegenfrage, spricht etwas dagegen, dass der Kollege, während er die Tätigkeiten macht, bei denen er sich stark Konzentrieren muss das Hörgerät abschaltet? Bei uns haben wir nämlich einen ähnlichen Fall und dieser Kollege handhabt es so.

    Wurde ein neues Telefon und andere Hörgeräte angeschafft?

    Habt ihr auch schon mal eine Geräuschmessung in dem entsprechenden Büroraum gemacht? Bei Ergo Online habe ich folgendes gefunden:

    Empfehlungen der Fachwelt zur Lärmbelastung in Büros - anzustreben sind Schalldruckpegel

    • von 35 bis 40 dB (A) bei sehr hohen Konzentrationserfordernissen wie bei der anspruchsvoller Sachbearbeitung, beim Programmieren oder bei wissenschaftlicher Arbeit (vgl Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin „Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse" AWE 124)
    • von 35 bis 45 dB (A) bei konzentrierter, überwiegend geistiger Arbeit (vgl. DIN EN ISO 11690, AWE 124)
    • von 40 bis 45 dB (A) bei notwendiger Kommunikation mit Kunden und Anforderung an eine sehr gute Sprachverständigung (vgl. DIN EN ISO 9241 Teil 6)
    • von 40 – 50 dB (A) in CallCentern und bei Bildschirmarbeit im gewerblichen Umfeld (vgl. AWE 124, Wissensspeicher CallCenter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)
    • von 45 bis 55 dB (A) bei routinemäßiger Büroarbeit (vgl. DIN EN ISO 11690)
    • von maximal 55 dB(A) bei vorwiegend geistigen Tätigkeiten (vgl. DGUV-I 215-410, VDI 2058 ) mit Entscheidungsfindungs- und Problemlösungsaufgaben, Komplexität oder auch gute Sprachverständlichkeit
    • von maximal 70 dB (A) bei überwiegend einfachen oder mechanisierten Bürotätigkeiten, die es aber kaum mehr gibt (sinnvoll war diese Angabe bei den Schreibbüros der siebziger Jahre)

    diese Werte kann man ja auch in die GFB mit einfließen lassen. Allerdings dann auch mit dem Hintergrund, dass wenn die Werte eingehalten werden, dies auch von dem Kollegen mit der Schwerhörigkeit akzeptiert werden muss. Wenn die Werte nicht erfüllt werden, muss der AG Maßnahmen einleiten.

    Für eine Beschwerde gem. §85 BetrVG ist der Betriebsrat zuständig, was euch aber nicht daran hindert, diese Beschwerde in einem Gespräch mit dem AG anzusprechen. Ihr könnt aber nicht, wie der BR, die Einigungsstelle anrufen.

    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Hallo Kleinauge,

    ich gehe sogar noch ein Stück weiter als Markus,

    was sagt denn die Gefährdungsbeurteilung zu besagten Büroarbeitsplatz aus (mit der Gefährung Lärm) bei der Psyche?

    Aus meiner Sicht muss der Schwehörige es nicht akzeptieren wenn die von Markus zittierten grenzen eingehalten werden, weil folgernder Grundsatz immer gilt.

    Umgebungslärm darf weder die Kommunikation noch die Konzentration bei der Arbeit beeinträchtigen.

    Das der MA schwerhörig ist weis der Arbeitgeber! Wenn Maßnahmen erforderlich sind um techn. hier eine Lösung zu finden, wie der Umgebungslärm eingedämt werden kann, damit der Grundsatz auch für den Hörgeräteträger gilt, dann muss nach meiner Auffassung dieses auch durchgeführt werden (ggf. mit der finanziellen Unterstützung des integrationsamtes) Ein hörgeräteträger nimmt nun mal Umgebungslärm deutlich anders wahr als ein Mensch ohne hörgerät. Wer schon mal an einer Gruppentelefonkonferenz teilgenommen hat erkennt das sehr schnell. Da wird plötzlich das öffnen einer Wasserflasche als störender Lärm wahrgenommen. Warum, weil das empfangsgerät nicht wie unter gehör reagiert und nebengeräusche anders wahrnimmt als das Hauptgeräusche "Sprache" sondern alles gleich wahr nimmt. Es ist ein geräusch, das ins ohr übertragen wird.

    Also meine Frage:

    Habt ihr als BR im ASA in Zusammenarbeit mit Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitsicherheit, dem Arbeitgeber diesen Arbeitsplatz auf Grund seiner Gefährdung Pysisch uns Psychisch beurteilt und hierbei auch die veränderten Bedingungen (Hörgeräteträger) berücksichtigt?

    Wenn es dort wirklich so Laut ist gehe ich davon aus, dass dieses in der Gefährdungsbeurteilung so nicht festgestellt wurde.

    Dann muss dies angepackt werden (auch für andere Büros und Arbeitsplätze) und Abstellmaßnahmen erfolgen (z.B. Lärmschluckende Lärmzwischenwände)

    Wie ist die Beurteilung durch den Psychischen Druck (ggf. auch hier eine Abstellmaßnahme, der Vorgesetzte ist ungeeignet und auszutauschen ;) weil er keine Sozialkompetenz besitzt und damit die Menschen verunfallt (krank macht) die unter ihm arbeiten)

    Gruß

    rabauke

  • Hallo , vielen Dank für die zahlreichen umfassenden Antworten. Nein wir haben keine SBV, die Mindestanzahl für Einrichtung liegt nicht vor.

    Aber ihr habt uns ja Hilfen gegeben..wir werden den AG jezt mit Frist auffordern, uns schriftlich mitzuteilen , warum die Maßnahme der Versetzung für ihn nicht zumutbar ist, obwohl BEM Team ja Vorschläge gemacht hat.

    Ferner neue Gefährdungsbeurteilung (mit dem Betriebarzt) anfordern:wo der AG diesen Arbeitsplatz auf Grund seiner Gefährdung Pysisch uns Psychisch beurteilt und hierbei auch die veränderten Bedingungen (Hörgeräteträger) berücksichtigt?

    Leider handelt es sich hier um einen leitenden Angestellten, der meint er hatte je immer Recht und es passiert nur dass was er will. Und der amliebsten auch dies SB (low Performer // hohe Fehlzeitentage ) an liebsten los werden möchte. Aber das BEM ist ja dann leider nicht abgeschlossen, weil noch nciht alle Maßnahmen umgesetzt worden sind. Pech gehabt.

  • Wenn ihr keine SBV habt, der Mitarbeiter schwerbehindert ist, dann hilft ggf. auch noch das Integrationsamt oder der integrationsfachdienst dem Mitarbeiter. Der msus sich dann selber auf den Weg machen.

    Keine 5 Schwerbehinderte und Gleichgestellt, ihr seit also ein kleiner Betrieb.

    Ich wünsche euch viel Erfolg.

    Gruß

    rabauke

  • Hallo, vielen dank für die zahlreichen Antworten und Anregungen .

    Ja wir sind keine Betreib <100 Ma, keine SBV. Wir haben ja dem AG mitgeteilt, der BR sieht eine Benachteiligung des Kollegen und wird auf ihn mit Frist aufgefordert stellung zu nehmen warun die Vorschläge die gemacht wurden für den AG unzumutbar sind. Wir hatten Ingetrationsamt im Vorfeld schon da...und mitgeteilt dass wir dass wir wenn nix passiert wieder das Integrationsamt anrufen. Wir werden dies paraell aber sowieso tun. Technische Maßnahmen Hörgeräteumstellung und neues Telefon wurden im vorfeld auch angeschafft, brachte aber nicht die gewünschten Entlastungen für den Kollegen. Den Vorschlag einfach Hörgerät abzuschalten finden wir ziemlich dreist, er soll ja vom normalen Tagesgeschäft auch was mitkriegen und es muss sichergestellt sein dass er Feueralarm auch mitbekommt.Man kann sich ja mal selbst Kapselgehörschutz aufziehen und sehen wie blöd dass eigentlich ist. wir haben nun wiederholt, Vorschläge zur Umsetzung gemacht, weil wir auch Möglichkeiten freier Büroräume haben. Aber die GL will den Leidensdruck für den Kollegen einfahc hoch halten, so ist unser Eindruck.

    Über den Ausgang werde ich berichten.

  • Team-ifb

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