Pfand für Zutrittskarte

  • Hallo,

    ich brauch mal wieder Euren Rat. Aus Datenschutzgründen sind unsere Türen nur mit Zutrittskarte zu öffnen. In den letzten Jahren sind sehr viele Karten verloren gegangen, weil sie einfach nicht zurück gegeben wurden bei Verlassen der Firma. Ebenfalls war mit erheblichen Aufwand verbunden, die nicht zurückgegebenen Karten zu sperren.

    In den nächsten Tagen wird ein neues Schließsystem eingebaut und der Arbeitgeber möchte nun für die neuen Zutrittskarten je ein Pfand in Höhe von 10,00 Euro bei Ausgabe von jedem Mitarbeiter. Dieser wird bei Ausscheiden und Rückgabe wieder zurückgegeben.

    Nun habe ich Bedenken, ob das statthaft ist. Persönlich bin ich auf Grund des großen Verlustes aus der Vergangenheit dafür, aber meine persönliche Meinung spielt hier keine Rolle.

    Wie sind hier die rechtlichen Grundlagen?

    Purzel93

  • Halte ich für schwierig. Wenn ich meinen Job nur machen kann, wenn ich eine solche Karte habe, dann erwarte ich auch, dass ich eine solche Karte auch erhalte, ohne noch Geld mitbringen zu müssen.

    Insofern würde ich das Pferd von der anderen Seite aufzäumen. Jeder erhält die Karte kostenfrei, aber der Verlust/die Nichtabgabe wird mit 10,- Euro berechnet.

    So oder so ist das eine Frage der Ordnung im Betrieb und damit mitbestimmungspflichtig gem. § 87 (1) Ziffer 1 BetrVG.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Moin Moin, das ist genau mein Job ( Sicherheitsbereiche :lol: ) , und bin da bei Moritz. Üblicherweise werden Scanchips,Karten,Transponder und alles zur Gewährung für Zugänge kostenfrei den MA zur Verfügung gestellt.Bei Übergabe ist der Empfang zu quittieren,mit dem schriftlichen Hinweis, das bei Verlust oder fahrlässiger Zerstörung oder Nichtabgabe der Wiederbeschaffungswert ( Summe X ) zu ersetzen ist.

  • auch der der §§ meint das sei zulässig muss ich ihn hier wiedersprechen.

    Der MA hat ein Anrecht darauf, alle Arbeitsmittel zu bekommen die erforderlich sind. Dazu gehört auch der Ausweis der den Zutritt regelt, ebenso wie der Schraubendreher mit dem er arbeitet.

    Wäre hier die rede davon, dass der Mechaniker für das überlassene Werkzeug mit dem er arbeitet 1500,-€ pfand zahlen müßte lieber §§reiter würdest du uns einen Vogel zeigen.

    Dieser Ausweis ist ja zwingend erforderlich,denn der Arbeitgeber legt (unter beachtung der mitbestimmung) fest, wo er nicht einfach nur einen Türe haben will sondern die Möglichkeit des Betretens einschränken möchte. Dann muss er aber auch den Mitarbeitern dazu die Möglichkeit geben (Ausweis).

    Das der Verlust von Werkeigentum dem MA in Rechnung gestellt werden kann wenn dieses Werkseigentum dem MA zur Nutzung überlassen wurde ist auch nur möglich, wenn eine Fahrlässigkeit vorliegt. Diese hat der AG zu beweisen.

    Daher, sind die 10 € nur schwer einzufordern und als Pfand sicher unzulässig.

    https://www.hensche.de/Rechtsa…rbeitnehmer.html#tocitem2

    Gruß

    Rabauke

  • Zitat von Purzel93:

    In den letzten Jahren sind sehr viele Karten verloren gegangen, weil sie einfach nicht zurück gegeben wurden bei Verlassen der Firma.

    Unabhängig von der eigentlichen Frage habe ich mit diesem Passus ein "Problem".

    Ein MA hat irgendwann seinen letzten Tag und muss doch sowieso evtl. Schreibtischschlüssel und manch anderes zurück geben. An diesem Tag sollte(!) es doch wohl einen geregelten Ablauf geben, in dem auch die Rückforderung des Ausweises vorhanden ist. Falls nicht, liegt hier schonmal ein Organisationsverschulden des AG vor, das dieser ganz einfach lösen könnte.

    Zitat von Purzel93:

    Ebenfalls war mit erheblichen Aufwand verbunden, die nicht zurückgegebenen Karten zu sperren.

    Auch hiermit habe ich ein Problem. Ich habe mir mal erlaubt - da auch wir solche Zugangskarten haben - in unserer IT nachzufragen und die Sperrung einer solchen Karte ist ein einziger Eintrag in der entsprechenden zentralen Datenbank mit max. 5 Min. Aufwand und danach ist sie - bis auf den Cent-Materialwert - wertlos. Es sollte analog dem anderen Punkt sowieso organisatorisch geregelt sein, dass ein MA ab dem Tag wo er offiziell weg ist, in allen Systemen "rausfliegt". Also auch hier ein Problem, welches der AG durch ineffiziente Abläufe verschuldet.

    Also abgesehen von den genannten Punkte mit den zur Verfügung zu stellenden Arbeitsmittels usw. spricht hier eigentlich alles gegen eine solche Pfandregelung. Statt hier also Zeit, Geld und Energie in solche Pfandabläufe zu stecken - kommt bestimmt gut, wenn hier plötzlich in der Perso eine Geldkassette verwaltet werden muss - sollte man lieber mal die Abläufe an sich hinterfragen.

  • Zitat von Rabauke:

    Der MA hat ein Anrecht darauf, alle Arbeitsmittel zu bekommen die erforderlich sind. Dazu gehört auch der Ausweis der den Zutritt regelt, ebenso wie der Schraubendreher mit dem er arbeitet.

    Wäre hier die rede davon, dass der Mechaniker für das überlassene Werkzeug mit dem er arbeitet 1500,-€ pfand zahlen müßte lieber §§reiter würdest du uns einen Vogel zeigen.

    So betrachtet muss ich Dir recht geben.

    Als wir uns mit so einer Pfandsache beschäftigt haben ging es um eine Geldkarte für die Kaffeemaschine :lol:

    ...und die ist kein Arbeitsmittel und niemand musste sich diese Geldkarte zulegen.

  • Hallo

    Ich sehe es wie Rabauke und WissenWill.

    Möchte aber zusätzlich anmerken: Im AR gibt es ein Abgestuftes Haftungsrecht für AN

    Leichte Fahrlässigkeit: AN haftet gar nicht; mittlere Fahrlässigkeit: AN Haftet im Rahmen seines Gehaltes; Grobe Fahrlässigkeit/ Vorsatz: AN kann voll haften.

    https://www.haufe.de/personal/…sausgleich_76_426928.html

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Ich finde die Aussage von Moritz auch richtig und machbar. Wird bei uns auch so gelebt.

    Zu bedenken gebe ich auch noch das die 10 Euro dem Mitarbeiter fehlen und keinen Ertrag erwirtschaften. Da müsste der AG das Geld auch noch anlegen. Ähnlich wie die Kaution bei Mieten. Die darf er auch nicht einfach so in seiner Schublade legen.

    Das ist aber auch sehr Quer gedacht:D