Tarifvertrag an nicht mitglieder der Gewerkschaft geben.

  • Hallo,

    in unserem Betrieb haben wir ein gültigen Manteltarifvertrag von der IG-Metall. Wir diskutieren im Betriebsrat darüber, ob man eine Kopie von der aktuellen MTV bzw. Entgeltrahmentarifvertrag an die Mitarbeiter geben dürfen, die nicht Mitglieder bei der IGM sind.

    Wir sind überzeugt, wenn sie lesen können welche Privilegien die IGM aushandeln kann werden sie womöglich einfacher eintreten, daher den Standort sicherer machen, weil die Gewerkschaft damit gestärkt wird.

    Nun sind wir aber nicht sicher, dass es nicht gegen geltendes Recht stößt.

    Weiß jemand von einer entsprechenden Rechtsprechung oder Paragrafen?

    Vielen Dank!

  • Hallo,

    ich frage mich, wie ihr darauf kommt, daß die Weitergabe von tarifvertraglichen Regelungen an Nichtmitglieder in irgendeiner Form verboten sein könnte.

    Im Übrigen seid ihr als BR für alle Beschäftigte zuständig und für die Einhaltung auch der Bedingungen derjenigen Beschäftigten, die nicht Mitglieder einer Gewerkschaft sind

  • Bei uns sind die Verträge für jeden frei zugänglich, weil sie für alle Mitarbeiter lt. Arbeitsvertrag gelten. Somit muss der Arbeitgeber diese bei Vertragsabschluss mitgeben. Sonst kann der AG sich nicht darauf beziehen.

  • Hallo Bertoltbrecht,

    grundsätzlich ist es nicht verboten, Tarifverträge an Nicht-Mitglieder zu geben.

    Wir machen es aber trotzdem so, dass wir Nicht-Mitglieder prinzipiell an den AG verweisen. Tarifverträge sind ja Aushangpflichtig.

    Einsehen können sie die Verträge aber auch bei uns im BR-Büro.

    Ob man TV´s ausgibt oder nicht ist aber immer auch situationsabhängig. Bei uns ist es so, dass wir sagen, dass wir es den Nicht-Mitgliedern etwas schwerer machen wollen. Wenn sie es einfach haben wollen, dann sollen sie Mitglied werden.

    Wenn es aber darum geht, dass man einen Tarif erst einführen will, kann es auch Sinn machen, TV´s großzügiger zu verteilen.

    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Zitat von Markus 1973 ED:

    Bei uns ist es so, dass wir sagen, dass wir es den Nicht-Mitgliedern etwas schwerer machen wollen. Wenn sie es einfach haben wollen, dann sollen sie Mitglied werden.

    Ziemlich arrogante und überhebliche Haltung für einen Betriebsrat.

    Was hat die Gewerkschaft oder eine Mitgliedschaft darin mit der BR-Arbeit und den zu vertretenden Mitarbeitern zu tun? Richtig, GARNICHTS:!:

    Ich denke mit diese Denke und Einstellung habt Ihr das wesentliche Eurer eigentlichen Tätigkeit nicht ganz verstanden.

  • Hallo,

    was bitte ist an Markus' Äußerung überheblich ?

    Ich wundere mich regelmäßig, mit welchem anspruchsdenken Nichtmitglieder auftreten, wenn sie sich gewerkschaftliche Leistungen ohne Gegenleistung aneignen wollen.

    Gerade weil der BR kein Ausführungsorgan einer Gewerkschaft ist, muß er auch nicht den Erfüllungsgehilfen geben.

    Zuständig für die Einsicht in TVen ist der Arbeitgeber. Der BR müßte noch nicht mal Tarifverträge zur Einsicht bereit halten.

  • Zitat von kapunda:

    :idea: Jetzt weiß ich wieder warum ich aus der Gewerkschaft ausgetreten bin:idea: .-

    Es war unter Anderem die Überheblichkeit und Arroganz der Gewerkschaftsmitglieder.:!:

    und ich weis jetzt wieder, warum ich mich strikt weigere arogante Schmarotzer (Nichtmitglieder) in Tarifrechtlichen Fragen zu beraten. Das ist nicht mein Job als BR, denn für den TV ist nur die Gewerkschaft und der Arbeitgeber zuständig.

  • Zitat von whoepfner:

    Gerade weil der BR kein Ausführungsorgan einer Gewerkschaft ist, muß er auch nicht den Erfüllungsgehilfen geben.

    Das gilt dann aber für alle Mitarbeiter/innen und aus dem genannten Post kam ganz klar durch, dass durch diesen BR die Gewerkschaftsmitglieder anders (bzw. sogar besser) gestellt und "bedient" werden, als Nicht-Gewerkschaftsmitglieder.

    Und das geht m.E. nach in einem BR, der seine Arbeit als BR - und nicht als Gewerkschaftsvertretung - ernst nimmt und richtig macht, garnicht.

  • Zitat von Rabauke:

    Das ist nicht mein Job als BR, denn für den TV ist nur die Gewerkschaft und der Arbeitgeber zuständig.

    Absolut richtig. Und solange Du Dich während Deiner Arbeitszeit als gewähltes BR-Mitglied grundsätzlich daran hältst und keinen AN entsprechend berätst sondern an die Gewerkschaft oder den AG verweist, stimme ich Dir auch vollumfänglich zu.

  • Zitat von WissenWill:

    Absolut richtig. Und solange Du Dich während Deiner Arbeitszeit als gewähltes BR-Mitglied grundsätzlich daran hältst und keinen AN entsprechend berätst sondern an die Gewerkschaft oder den AG verweist, stimme ich Dir auch vollumfänglich zu.

    wie ich als Gewähltes Mitglied der Liste der Gewerkschaft mein BR-Mandat wahrnehme und inwieweit es berechtigt ist, denen die einen Tarifanspruch auf Grund der Mitgliedschaft haben von mir beraten werden entscheide ich dank der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften, Arbeitgeber und Betriebsrat selbst.

    Da ich als Mitglied die Gewerkschaft bin sage ich auch meinen Gewerkschaftskollegen was wie geht und warum.

    Damit verstoße ich nicht gegen ein Gesetz und ein Willi kann mich da auch nicht von was anderem Überzeugen.

    Jeder kann Mitglied werden und wird dann der der Gewerkschaft (also auch von mir) so beraten wie es ihm zusteht.

    gruß

    rabauke

  • Da häufig BRM, die Gewerkschaftsmitglieder sind, auch Vertrauensleute sind, bekommen Gewerkschaftsmitglieder auf Nachfrage das Ganze dann in der Pause oder nach Feierabend, Nichtmitglieder bekommen beim ersten mal evtl. noch TV UND Aufnahmeantrag, beim zweiten mal als Nichtmitglied gibts dann nichts mehr.

    Daran ist überhaupt nichts arrogant. Kommt ja auch niemand auf die Idee Leistungen aus nem Bausparvertrag zu fordern, ohne jemals einen abgeschlossen zu haben.

    Überheblich und arrogant ist es alles haben zu wollen, aber nichts dafür zu tun. Nicht mal das eine Prozent als Mitgliedsbeitrag zahlen zu wollen

  • Hallo,

    ich stelle hier mal als Denksportaufgabe an alle Nicht-Gewerkschaftsmitglieder eine Frage:

    Was glaubt ihr, wieviel Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Zuschläge für Mehr. Sonntags, Schichtarbeit, Urlaub, Mutterschutz, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Kündigungsschutz für Ältere ihr hättet, wenn es keine Gewerrkschaften geben würde? (Aufzählung ist nicht vollständig)

    Ich bin froh, dass ein grossteil der von mir erwähnten Vorteile von unseren Großvätern und Vätern erkämpft wurde.

    Gruß

    Hubertus

    Ich habe als Kind nicht laufen gelernt um heute zu kriechen.

  • Zitat von WissenWill

    Das gilt dann aber für alle Mitarbeiter/innen und aus dem genannten Post kam ganz klar durch, dass durch diesen BR die Gewerkschaftsmitglieder anders (bzw. sogar besser) gestellt und "bedient" werden, als Nicht-Gewerkschaftsmitglieder.

    Dafür bezahlen die Gewerkschaftsmitglieder ihren Beitrag, für diese Zusatzleistungen.

    Wie gesagt, beraten tu ich alle und es dürfen auch alle den TV einsehen, aber eben auch nicht mehr.

    Aushändigen nur an diejenigen, die auch dafür bezahlt haben.

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Zitat von Hubertus

    Was glaubt ihr, wieviel Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Zuschläge für Mehr. Sonntags, Schichtarbeit, Urlaub, Mutterschutz, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Kündigungsschutz für Ältere ihr hättet, wenn es keine Gewerrkschaften geben würde? (Aufzählung ist nicht vollständig) Ich bin froh, dass ein grossteil der von mir erwähnten Vorteile von unseren Großvätern und Vätern erkämpft wurde.

    Ohne Worte. Wir hätten es ohne Gewerkschaften sehr viel schlechter.

    Aber wenn die so weiter machen haben wir auch bald keine Gewerkschaften mehr. Immer mehr Unternehmer steigen aus dem Unternehmerverband aus. Attraktiv für den AN sieht, bis auf einige Gewerkschaften, anders aus.

    Vergleicht mal die IGM mit der Verdi. Wenn die Verdi sich mal um andere als Post und öffentlicher Dienst gekümmert hätten, wären sie auch so attraktiv wie die IGM.

  • Zitat von Rmbaer

    Aber wenn die so weiter machen haben wir auch bald keine Gewerkschaften mehr. Immer mehr Unternehmer steigen aus dem Unternehmerverband aus. Attraktiv für den AN sieht, bis auf einige Gewerkschaften, anders aus.

    Und warum tun sich die AG so leicht beim Ausstieg? Weil niemand in den Betrieben ist, der einer Gewerkschaft angehört und für seine Rechte notfalls Streiken würde.

    Ich als Arbeitgeber würde mich auf alle Fälle totlachen, wenn meine drei Prozent der MA streiken gehen würden, da habe ich nämlich regelmäßig mehr Kranke, die ich kompensieren muss.

    Wie soll die Gewerkschaft VERDI etwas für die Friseure und Friseurinnen erreichen, wenn diese nur zu 2% oder weniger organisiert sind?

    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Zitat von Rmbaer:

    Vergleicht mal die IGM mit der Verdi. Wenn die Verdi sich mal um andere als Post und öffentlicher Dienst gekümmert hätten, wären sie auch so attraktiv wie die IGM.

    Wir (die IGM) kämpfen genauso mit Mitgliederschwund. Zu viele sind der Meinung auch ohne Gewerkschaft für sich einen fairen Lohn verhandeln zu können oder gehen tatsächlich davon aus, der Arbeitgeber zahlt schon, was er zahlen kann. Viele verstehen auch gar nicht mehr, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer diametrale Interessen haben - oder wollen es einfach gar nicht wahr haben

  • Hallo an Alle.

    Erstmals vielen Dank für die Antworten und die interessante Diskussion.

    Das eine Organisierte Gewerkschaft am Standort die Arbeitnehmer gut aufstellt ist Natürlich klar.

    An whoepfner: Ein ähnlichen Diskussionsfluss haben wir in der BR auch, sprich die nicht Gewerkschaftsmitglieder sollen ja Eintreten um auch den MTV in der Hand halten zu dürfen.

    Ansonsten:

    Der Arbeitgeber ist ja nicht verpflichtet den MTV in Papierform an den Arbeitnehmer zu geben, er muss lediglich mitteilen welche Tarife gelten.

    siehe: TVG §8


    Der Betriebsrat wiederum ist ja aber nicht die Gewerkschaft, deswegen nicht mal verpflichtet an die Gewerkschaftsmitglieder ein Kopie zu geben.

    Da kam aber die Idee, eine Kopie an die Mitglieder zu geben, die sich mit ihren IGM Ausweis ausweisen, und für die Restlichen eine Einsicht in den Vertrag anzubieten.

    Mir ist dabei bedenklich, ob man überhaupt berechtigt ist so einen Nachweis zu verlangen. Die BR ist ja keine Behörde, und vollkommen unabhängig von der Gewerkschaft.

    Und überhaupt, alle unsere Arbeitnehmer sind in Prinzip Tarifgebunden, da der Arbeitgeber bei uns das in den Verträgen der Arbeitnehmer schreibt. Nach meiner Meinung würde man einfach Klarheit schaffen wenn man es den Mitarbeitern erlaubt den Vertrag in aller Ruhe Zuhause lesen zu können.

    Dabei müsste man wahrscheinlich auch weniger beraten, weil es kämen nicht Leute mit fragen um die Ecke, die man einfach selbst im MTV nachlesen könnte. Wie zb. Kündigungsfristen, vorgehen bei der Krankmeldung, etc.

    Und zum Schluss: Wenn jetzt ein Mitarbeiter den MTV in der Hand hat, kann er es ja ohne große mühe an alle Kollegen verteilen, es sei denn es gibt irgendein Gesetz, oder Geheimhaltungsklausel was es untersagt, was mir aber noch nicht bekannt ist. (deswegen habe ich das Thema schließlich eröffnet)

    Ich freue mich über weiter Anregungen.