Einführung von RPA (robotic process automation) - MBR Betriebsrat?

  • Guten Morgen Zusammen,

    nach unserer EDV-Umstellung im vergangenen November 2018 (NAV2015) arbeiten die Kolleg*innen mit vielen workarounds und manuellen to-do's. Es gibt in vielen Teams langweilige Standardprozesse, welchen jeden Tag aufs neue ausgeführt werden müssen (z.B. Listen mit offenen Posten in ein Portal einspielen).

    Aus verschiedenen Mitarbeiterbefragungen hat sich ergeben, dass die Kolleg*innen hier Verbesserungen wünschen.

    Der Betriebsrat wurde im August 2019 informiert, dass man in einer Abteilung (Factoring) jetzt eine Pilotphase starten will und dort RPA mit 3 usecases testen will. Hierbei werden die Kolleg*innen entlastet, da diese Standardprozesse (Mahnvorschläge erstellen, welchen jeden Tag je Mitarbeiter an jeden Kunden im Factoring versandt werden müssen; Verträge für Forfaitierung vorbereiten (legt den Arbeitsplatz eines Mitarbeiters jeweils knapp 5 Stunden lahm); Listen mit offenen Posten jeden Morgen ins Portal einspielen).

    Laut dem Projektleiter handelt es sich bei RPA um eine Brückentechnologie.

    Soweit - so gut. Die Kolleg*innen könnten sich - sofern die Pilotphase erfolgreich verläuft - mit anspruchsvolleren Aufgaben befassen.

    Ich sehe hier aber auch die Gefahr, dass man Mitarbeiter*innen freisetzt, da ihre Aufgaben jetzt durch einen Bot erfüllt werden. Und der Arbeitgeber spart sich die Kosten für eine Weiterqualifizierung.

    Jetzt meine Fragen:

    wo sehen die Fachleute unter euch den Betriebsrat? Haben wir bloß ein Informationsrecht oder sind wir - da eine neue Software eingeführt werden soll - in der Mitbestimmung? Würdet ihr eine Betriebsvereinbarung abschließen (sofern MBR zieht)?

    Ich wünsche euch allen einen guten Start ins Wochenende.

    Viele Grüße aus Köln

    Jacqueline

  • Schau mal in § 111 BetrVG, dort insbesondere die Ziffern 4 und 5.

    Der BR hat hier also durchaus Möglichkeiten, sich im Vorfeld zu engagieren und die Spielregeln mit festzulegen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,

    in Frage kommen auch noch:

    • § 87 Abs. 1 Nr. 6 (möglihe Leistungskontrolle)
    • § 95 Abs. 3 (wesentliche Änderung der Aufgaben)
    • § 97 Abs. 2 (Weiterbildung)

    insbesondere dann, wenn die Voraussetzungen des § 111 nicht unbedingt gegeben sind.

    Du solltest Dir grundsätzlich merken, daß bei der Einforderung von BR-Rechten (Information, Anhörung, Mitbestimmung) das "Schrotschussprinzip" gilt. Das bedeutet, daß in derartigen Fällen der BR alle möglichen/denkbaren Anspruchsgrundlagen geltend macht - und wenn dann "eine Kugel trifft", also eine Anspruchsgrundlage zutreffend ist, reicht das.