Ruhezeitregelung

  • Hallo,


    ich benötige wieder einmal Euren Rat.


    Wir sind ein Call-Center, welches bis 24.00 Uhr im Inboundbereich tätig ist. Hier beabsichtigt unsere Centerleitung aus Wirtschaftlichkeit einige Telearbeitsplätze einzurichten, das heisst: die Mitarbeiter kommen zur regulären geplanten Schicht ins Center arbeiten und arbeiten bei Bedarf in den Abendstunden (speziell von 23.00 bis 24.00 Uhr) von zu hause. Die Stundenanzahl pro Tag wurde trotzdem 8 Stunden nicht übersteigen. Nun gibt es ja die 11-Stunden-Ruhezeitregelung. Am Tag haben wir eine Splittschichtregelung, aber wie verhält es sich mit dem Folgetag? Gilt die Ruhezeitregelung auch für die eine Stunde (23.00-24.00 Uhr) oder ab Ende der geplanten Schicht im Center?


    Wurde mich freuen, wenn mir jemand eine verbindliche Regelung mitteilen kann.


    Purzel93

  • Da ist das ArbZG ziemlich eindeutig. Nach jeder Unterbrechung beginnen die 11 Stunden neu zu laufen.


    Es gibt Unternehmen, die im Falle von Rufbereitschaft sagen: na wenn das nur eine Unterbrechung von max. 15 Minuten ist, sehen wir das nicht so eng, aber streng genommen ist auch das nicht korrekt. Wenn es bei euch um eine ganze Stunde Arbeit geht, sehe ich gar keine Möglichkeit, das irgendwie "wegzudiskutieren"

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • So wie von Moritz beschrieben, jede Unterbrechung der Ruhezeit setzt die elfstündige Ruhezeit erneut in Gang. Durch die Unterbrechung wird das Ende der täglichen Arbeitszeit verschoben auf das Ende der Unterbrechung

  • Hallo zusammen,


    was in diesem Fall noch zu beachten wäre: Gibt es evtl. einen Tarifvertrag, der mobiles arbeiten oder Telearbeit regelt.


    In Bayern gibt es seit letzem Jahr einen Tarifvertrag für mobiles Arbeiten, in dem die Ruhezeit verkürzt wird, wenn der AN seine Arbeit selbständig einteilen kann.


    Der Fall wird zwar bei euch als Dienstleister in einem Call-Center nicht vorkommen, aber vielleicht gibt es bei euch eine ähnliche Regelung in einem Tarifvertrag.


    Sollte es keine tarifvertragliche Regelung geben, so gilt das, was Kulum und Moritz geschrieben haben. Insgesamt würde ich euch aber unbedingt empfehlen, dies in einer BV zu regeln, was bezahlt wird und was nicht. Die Ruhezeiten denke ich, dürft ihr nicht regeln, weil euch da der Gesetzgeber keine Möglichkeit gegeben hat. (§7 Abs.2 ziff. 1)


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Hallo,


    kurz gesagt kommt es nicht darauf an, wo gearbeitet wird, sondern ob gearbeitet wird. Und natürlich zählt Arbeit im Home-Office voll und ganz als Arbeitszeit.

    Und wenn zu Hause bis 24:00 (natürlich mit Nachtzuschlägen) gearbeitet wird, dann beginnt grundsätzlich der nächste Arbeitstag nicht vor 11:00 Uhr.

  • Hallo Zusammen,


    also ich lese das Arbeitszeitgesetz da ein wenig anders.

    die Regel ist die 11 Stündige Ruhezeit, da bin ich mit euch einig, und dann regelt das Arbeitszeitgesetz auch noch die Möglichkeit diese auf 9 Stunden zu verkürzen, wenn eine Ausgleich unmittelbar erfolgt. § 7 Abs. 3.


    Ich würde also für die Fälle der Bereitschaft mit der zuständigen Behörde klären, wie das bei euch dann aussehen muss.

    Aus meiner Sicht besteht hier die Möglichkeit den frühester Beginn am Folgetag auf 9 Uhr zu legen wenn sicher gestellt ist, dass dann nach maximal 8 Stunden Arbeitszeit eine Mindestruhezeit von 16 Stunden besteht.


    Die Arbeitszeitmodelle werden spannend sein, die ihr für euch entwickelen müsst.

  • Und wenn zu Hause bis 24:00 (natürlich mit Nachtzuschlägen) gearbeitet wird, ...

    Da bitte nochmal §6 Abs.5 ArbZG i.V.m.§2 Abs.4 ArbZG angucken (wenn denn kein TV gilt). Ich bin anderer Meinung, was den Zuschlag angeht


    also ich lese das Arbeitszeitgesetz da ein wenig anders.

    die Regel ist die 11 Stündige Ruhezeit, da bin ich mit euch einig, und dann regelt das Arbeitszeitgesetz auch noch die Möglichkeit diese auf 9 Stunden zu verkürzen, wenn eine Ausgleich unmittelbar erfolgt. § 7 Abs. 3.

    Du meinst aber §7 Abs.1 Ziff.3 ArbZG und da steht was von TV aufgrund dessen bzw. aufgrund einer in diesem TV enthaltenen Öffnungsklausel die Ruhezeit, wie von dir beschrieben, verkürzt werden kann. Diese Möglichkeit besteht bei nicht tarifgebundenen Unternehmen nicht

  • Hallo Rabauke,


    Du solltest in § 7 Abs. 1 Nr. 3 den Passus "wenn die Art der Arbeit dies erfordert" nicht einfach überlesen. In der Praxis führt dies zu erheblichen Einschränkungen der Möglichkeit der Reduzierung der Nachtruhe. Die Bequemlichkeit des AG bzw. Mängel in der Arbeitsorganisation reichen als Grund nicht unbedingt aus.

  • die Regel ist die 11 Stündige Ruhezeit, da bin ich mit euch einig, und dann regelt das Arbeitszeitgesetz auch noch die Möglichkeit diese auf 9 Stunden zu verkürzen, wenn eine Ausgleich unmittelbar erfolgt. § 7 Abs. 3.

    Ich bin da fast der selben Meinung wie Kulum. Ich denke, du hast hier überlesen, dass dies nur durch Tarifvertrag, oder aufgrund eines Tarifvertrages in einer BV möglich ist, die Ruhezeit zu verschieben.



    Diese Möglichkeit besteht bei nicht tarifgebundenen Unternehmen nicht

    Hier weiche ich von der Meinung von Kulum ab, da der Abs. 3 im §7 ArbZG die Möglichkeit gibt im Geltungsbereich eines Tarifvertrages die Regelung auch auf nicht tarifgebundene Unternehmen anzuwenden.

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Leute,

    nicht ohne Grund habe ich geschrieben, mit der Behörde klären.


    Wir haben hierzu damals das Amt für Arbeitsschutz ins Boot geholt. Mit dem Amt gemeinsam haben wir dann den Arbeitgeber überzeugt, das nicht alles geht was er will, und das Mindestruhezeiten nach den Bereitschaftszeiten erforderlich sind.


    Daher, es stellt sich die Frage, was wollen die Arbeitnehmer, was will der Betriebsrat und dann was will das Gesetz und was geht laut Behörde.


    Gruß

    Rabauke