Versetzung

  • Hallo,


    angenommen ich arbeite in Köln und mein Vorgesetzter war bisher auch dort. Jetzt ändert mein deutschlandweit tätiges Unternehmen Führungsstrukturen (GBR ist informiert, sieht keine Probleme) und mein neuer Vorgesetzter (Chef hab ich nur zu Hause) ist in München.

    Meine Tätigkeit ändert sich insoweit, dass ich nicht mehr nur mit Kollegen vor Ort arbeite sondern zusätzlich mit unterschiedlichen Kollegen in ganz D. Das ganze dann mit Hilfe von Chats und Internetmeetings (Skype osä).

    Arbeitsabläufe usw ändern sich bis dato nicht.


    Seht ihr das als Versetzung?

  • Wenn Du mit den Kollegen, mit denen Du jetzt neu zu tun hast, inhaltlich dasselbe besprichst wie bisher, dann sehe ich darin keine Versetzung. Die Merkmale der Versetzung sind im §95 betrVG definiert. Und da sehe ich nicht, dass Du einen anderen Arbeitsbereich zugeteilt bekommen hast, oder sich die Umstände, unter denen die Arbeit zu erbringen ist, erheblich geändert haben.


    Fazit: Nein, keine Versetzung

  • Passiert bei uns genau so lediglich, wir haben unsere Vorgesetzten nicht mehr in Deutschland.

    Bei uns wurde ein Geschäftsbesorgungsvertrag geschlossen mit der Konzernmutter, in der die Vorgesetzten beschäftigt sind. In diesem Vertrag ist geregelt, das unser Vorstand das letzte Wort bei disziplinarischen Maßnahmen hat.

    Eine Versetzung wurde bei uns nicht gesehen, da keine wesentlichen Veränderungen außer Vorgesetzter, die bei uns eh öfter wechseln.

    Unsere MA stehen auf dem Standpunkt was kratzt mich wer mein Vorgesetzter ist, Hauptsachen die anderen Bedingungen aus dem AV ändern sich nicht.

    Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.

  • Im Gegensatz zu meinen VorrednerInnen halte ich es hier für durchaus wahrscheinlich, dass der Versetzungsbegriff des BetrVG erfüllt ist. Wenn ich die Kommentierungen richtig im Kopf habe, dann ist - gut ausgeurteilt - ein disziplinarischer Wechsel (neue Vorgesetzte) auch bei gleichartiger Arbeit zumindest dann eine Versetzung, wenn man hinterher mit einer anderen oder veränderten Einheit des Betriebes zu tun hat - das ist hier der Fall. Auch der nun deutschlandweite KollegInnen- und Verantwortungsbereich sowie die veränderten Kommunikationsformen (Skype usw.) sprechen für eine Versetzung.

  • OK,


    diese Kommentierung war mir nicht geläufig, das würde dann zutreffen. Müsste man noch recherchieren. Beim Thema Kolleginnen- und Verantwortungsbereich sowie der Kommunikationsformen würde ich allerdings widersprechen wollen, da dies m.E. nach keine erheblichen Änderungen der Umstände darstellt. Skype usw. sind heutzutage absolut gängige Arbeitsmittel im Büroumfeld. Und dass sich der Kreis der Ansprechpartner ändert, kommt auch häufig vor, ohne dass sich dadurch etwas an der Tätigkeit selbst ändert. Ob ich mit Herbert oder Louise über meine Themen spreche, ist doch letztlich wumpe.

    Es sei denn, es gäbe auch zu diesem Aspekt einschlägige Urteile bzw. Kommentierungen. Mein Fitting steht aber gerade etwas entfernt im Schließfach ... :-) .

  • Hallo rtjum,


    auch ich sehe hierin eine Versetzung da sich Dinge wesentlich ändern.

    Vorgesetzer

    Wege der Kommunikation

    Aufgabenspektrum

    etc.


    bei uns würde gleichzeitig vom BR geprüft, ist das Gehalt noch richtig, weil genau auch diese Punkt (Komunikation und Kooperation) ausschlaggebend sind in der Bewertung einer Arbeitsaufgabe. es könnte bei uns probelmlos möglich sein, dass auf Grund der durchgeführten Änderungen das Gehalt um eine Stufe steigt, weil hier die Anforderungen höher sind als Sie es bisher waren.


    Gruß

    Rabauke

  • OK,


    hab jetzt den Fitting hier und muss Winfried recht geben. Versetzung wird im Rahmen des §99 ab RN118ff. kommentiert, und die RN139 deckt ziemlich genau den Fall ab:


    "In größeren Betrieben mit Abteilungen und weiteren Unterbereichen dürfte auch ein innerbetrieblicher Wechsel von einer dieser Einheiten zu einer anderen für die MB des BR ausreichen. Hier ergibt sich eine Änderung der organisatorischen Umgebung, die darin bestehen kann, dass der ArbN mit neuen Kollegen zusammenarbeiten oder er seine Arbeitsaufgaben - auch wenn sie als solche gleich geblieben sind - innerhalb einer anderen Arbeitsor.ganisation erfüllen muss (BAG ...). Maßgebend ist jeweils die kleinste organisatorische Einheit, der eine Leitung mit arbeitsrechtlichen Weisungsbefugnissen vorsteht."


    Also doch Versetzung :thumbup:

  • Also wenn man sich die §§ 95.3; 81.2 im BetrVG anschaut können eigentlich die Meinungen nicht mehr auseinandergehen.


    Und auch hier ist mittlerweile schon einer von zweien von seiner ursprünglichen Meinung abgerückt und der Zweite hat sich nur nicht geäußert.

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand