Einschätzung zu unserer Lage aufgrund der Corona Pandemie

  • Hallo Kollegen,


    ich bin BR Mitglied bei einem Lebensmittelhersteller welcher an die Region Grand est grenzt und wir haben viele Mitarbeiter welche Grenzgänger aus diesem Gebiet sind.


    Letzte Woche Dienstag wurde von der Firmenleitung aufgrund der Einschätzung des Robert Koch Institutes dass Grand Est ein Risikogebiet ist entschieden dass die Mitarbeiter aus diesem Gebiet zu Hause bleiben sollen.


    Ausnahmen sind ein paar Führungskräfte.


    Nachmittags ist ein Schreiben mit der Überschrift Mitarbeiterinformation für Grenzpendler/innen herausgegeben worden dass die Grenzgänger bis 27.03.20 aufgefordert sind zu Hause zu bleiben.


    Drei Tage werden vom Arbeitgeber bezahlt und 1 Woche wird mit dem Zeitkonto verrechnet.


    Mitarbeiter welche kein Guthaben auf dem Zeitkonto haben, können in´s Minus fahren.


    Dass Arbeitszeitguben in Minus gefahren werden darf gibt es schon länger eine Vereinbahrung,


    dort steht aber drin dass diese müssen bis October ausgeglichen sein müssen.


    Ansonsten wird dieses mit dem Weihnachtsgeld verrechnet.


    Diese wurde von Werk/Personalleitung und unserem BR Vorsitzenden unterzeichnet.


    Diesbezüglich ist weder ein Beschluss vom Betriebsrat gefasst worden, noch sind wir darüber vor Unterschrift informiert worden.


    Einige Mitarbeiter welche zu Hause sind fühlen sich diskriminiert und fragen sich warum die anderen Arbeiten dürfen und Sie müssen zu Hause bleiben.


    Die Mitarbeiter welche arbeiten haben Angst vor der Ansteckungsgefahr,


    was auch damit zu tun hat dass wir viele Steharbeitsplätze haben an welchen die Ma. weder seitlich, noch zum Gegenüber 1,5 m Abstand haben.


    An einigen Arbeitsplätzen wurden, wenn meine Info stimmt Plexiglasscheiben installiert.


    Die aktuelle Gefährdungsbeurteilung vor der Pandemie, so wie auch jetzt sagt dass die einzige erforderliche Schutzmaßnahme das Händewaschen und desinfizieren sei.


    Hier ist kein Publikumsverkehr, aber jetzt dadurch dass viele Stammitarbeiter zu Hause sind kann es sein dass diese durch Leiharbeiter ersetzt werden und diese wechseln oft.


    Wie schätzt Ihr die Lage auf folgende Fragen ein und habt Ihr Tips :

    • Ist die getroffene „ Abmachung „ ohne BR Beschluss rechtskräftig und wenn nicht welche Folgen könnte dieses haben ?
    • Es sind einige BR Mitglieder Grenzgänger und daher zu Hause. Wenn der Br eine Sitzung einberufen müsste, wäre eine Beschlussfähigkeit gegeben.
    • Es ist nur eine Empfehlung der Landesregierung die Mitarbeiter aus Grand est zu Hause zu lassen. Liegt hier eine Benachteiligung vor und wenn ja was kann man dagegen unternehmen ?
    • Wie schätzt Ihr die Ansteckungsgefahr ein anhand der geschilderten Situation. ?
    • Viele Mitarbeiter fragen sich, warum die Firma keine Kurzarbeit und komplett zu macht.

    Wenn ich das richtig verstanden habe müssen dazu zuerst die Arbeitszeitkonten auf 0 sein,


    wir haben aber Mitarbeiter welche viele Stunden auf den Zeitkonten haben. ( Spitzenreiter ist ein Kollege mit 1000 Stunden )

    Außerdem stellen wir Lebensmittel her.


    Wie seht Ihr das ?


    Danke für Eure Ansichten !

  • Hallo Nobody,


    so wie du es geschildert hast, ist es ein starkes Stück von eurem BRV, weil diese Vereinbarung die er unterzeichnet hat könnte durchaus als BV durchgehen, hier empfehle ich euch dringend eine Sitzung einzuberufen und das ganze zu besprechen, ggf. auch Abwahl BRV.


    Grundsätzlich, solange die Grenze nicht dicht ist bzw. der betrieb nicht stillgelegt von Seiten der Behörden, kommt der AG nur in Annahmeverzug nach §615 BGB wenn er ein Teil der Belegschaft nicht beschäftigt obwohl diese beschäftigt werden könnte.


    Sind diese BR Grenzgänger krankgeschrieben? Wenn Nein dann können Sie auch zur BR Sitzung kommen oder Sie erklären sich für verhindert, dann rücken entsprechende Ersatzmitglieder nach.


    Für Kurzarbeit müssten zuerst einmal die Arbeitszeitkonten auf 0 gefahren werden und Resturlaub aus dem Vorjahr aufgebraucht sein. ggf sind noch weitere Massnahmen möglich, da erst alles versucht werden muss um Kurzarbeit zu verhindern.

    Wobei ihr als Lebensmittelproduktionsbetrieb von der Auftragslage her eher ausgelastet sein dürft, daher wird es wohl nichts mit Kurzarbeit.

    Wenn zur Abdeckung des Personalbedarfs zusätzlich Leiharbeiter eingestellt werden, wird das Arbeitsamt der Kurzarbeit sicher nicht zustimmen.


    Bei größeren Betrieben kenne ich es eigentlich so, dass die MA in der Lebensmittelproduktion in Schutzkleidung aus Hygienegründen arbeiten, weitere Schutzmassnahmen sind aber sicher nicht verkehrt.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo Nobody,


    ich sehe es etwas anders als Bernd.

    Der gesetzgeber hat das Werkzeug Kurzarbeit wegen Corona erleichtert.

    Die Emfehlung der Landesregierung (und ich kann die voll verstehen, schließlich sind wir im Krieg mit diesem Virus) ist für mich ein eindeutiger Grund, die MA nach Hause zu schicken und für diese Kurzarbeit zu beantragen.


    Weiterhin, ich verstehe bei einigen diese Diskussion nicht. Krank werden und sterben will keiner, aber mal 2-3 Wochen zu hause bleiben und die Sozialen Kontakte einschränken auch keiner, was dann passiert sehen wir z.B. an italien, bei denen erst jetzt die Kurve der neuinfektionen langsam nach unten geht, weil auch dort keiner verzichten wollte.


    90% der AN bei uns die nach hause geschickt werden haben verständnis dafür und wollen auch nach Hause geschickt werden, weil sie angst haben. Nun sind wir aber auch von der 250 000 einwohnerregieon mit über 1000 Fälle und über 40 Tote nur 30 km Luftlinie entfernt.


    Frankreich hat heute an einem tag mehr tote als die BRD in der ganzen Epedemie, das hat seinen Grund.

    Wenn es nach mir ginge, würde die Regierung alle grenzen vollständig schließen, bis dass der Virus im Griff ist.


    Wir sind noch viel zu lasch, aber wenn es dann einen davon trifft, dann jammert der los, warum man nichts dagegen getan hat.


    Gruß

    rabauke

  • Hallo,


    macht Eurem BRV klar, daß er seine gesetzlichen Grenzen weit überschritten hat und diese seine Unterschrift ohne BR-Beschluß schon mal völlig wertlos ist.

    Und dann solltet Ihr mal für Euren BRV mal ein Grundlagenseminar im Arbeitsrecht beschließen, damit er endlich etwas über den schon erwähnten § 615 BGB lernt und darüber, daß dieses gesetzliche Recht nicht zur Disposition der Betriebsparteien steht.

  • Hallo,


    macht Eurem BRV klar, daß er seine gesetzlichen Grenzen weit überschritten hat und diese seine Unterschrift ohne BR-Beschluß schon mal völlig wertlos ist.

    Und dann solltet Ihr mal für Euren BRV mal ein Grundlagenseminar im Arbeitsrecht beschließen, damit er endlich etwas über den schon erwähnten § 615 BGB lernt und darüber, daß dieses gesetzliche Recht nicht zur Disposition der Betriebsparteien steht.

    Hallo albarracin,


    ich sehe nicht, dass hier der BR nicht beteiligt war.

    Dieser Satz zeigt mir vielmehr, dass es eine alte BV gibt die das aussagt:

    für mich eine BV zur Arbeitszeit, die nun angepackt werden muss, da ein Ausgleich bis Oktober ggf. nicht möglich ist, wobei ich weiterhin der meinung bin, wenn die Landesrgierung sagt, keiner aus frankreich soll bei uns im lebensmittelbereich arbeiten weil damit die Ansteckungsgefahr zu hoch ist, ist das ein Grund für Kurzarbeit. So verstehe ich die Erläuterung zu dem gestern abgeschlossenen Gesetzes zur Kurzarbeit während Corona

  • Hallo Nobody,


    ich sehe das so, das sich euer BRV gaaaanz weit aus dem Fenster lehnt.

    Wenn euer AG euch nach Hause schick aufgrund einer Empfehlung der Landesregierung muss er

    euch bezahlen. Ausnahme sehe ich hier alter Urlaub.

    Wenn ihr bis zum 27.03. zu Hause bleiben sollt und heute ist der 24.03. wo sind da die 3 Tage vom AG und die eine Woche

    Stundenabbau?

    Steht bei der Vereinbahrung der Stundenkonten eine Ankündigungsfrist drin?

    Wenn die BV nur von eurem BRV und der Werksleitung unterschrieben wurde ist sie meiner Meinung nach ungültig

    und ich würde meinem BRV in die Füße schießen. Siehe unseren Foren Guru!!!

    Abmachung Rechtskräftig definitiv nein.

    Auch Grenzgänger können zur BR Sitzung kommen. Damit Beschlussfähigkeit gegeben.

    Wenn die GF die Grenzgänger zu Hause lassen möchte kann sie das. Wie schon geschrieben alter Urlaub aufbrauchen, danach bezahlt freistellen. Eine Benachteiligung sehr ich dann nicht.

    Ansteckungsgefahr sehe ich nicht im besonderem Maße. Ansonsten Masken aufsetzen und die allgemeinen Hinweise beachten. Den AG auffordern die Hinweise zu erfüllen.

    Kurzarbeit kostet die Firma Geld, deshalb soll gearbeitet werden. Und wenn noch gearbeitet werden kann warum denn nicht??

    Den Kollegen mit 1000 Std. Da frage ich mich warum lasst ihr als BR sowas zu???

    Solltet ihr auch mal drüber nachdenken.


    Gruß aus NRW Nähe Niedersachsen