Mitarbeiter der Tochterfirma berufsfremd bei der Mutter einsetzbar?

  • Die Physiotherapie (eigenes Unternehmen, Tochter), das überwiegend im Krankenhaus (Mutter) seine Arbeit verrichtet, ist ausgegliedert, aber 100%ige Tochter des Krankenhauses - mit Gewinnabführung.


    Aktuell ist - da die Mutter auf die Corona-Epedemie vorbereitet ist und auf den Ansturm wartet - die eigentliche Arbeit der Physiotherapeuten wenig nachgefragt. Kurzarbeit für die Physiotherapie ist geplant.


    Nun eröffnete uns unser Geschäftsführer (der der Physiotherapie), das während der Kurzarbeit Mitarbeiter bei der Mutter in anderen Bereichen eingesetzt werden könnten -- wohlgemerkt: nicht als Physiotherapeuten. Sondern im Service (Arbeit mit Lebensmitteln), Reinigung oder quasi als eine Art Pflegehelfer.


    Fragen hierzu:


    Ist das grundsätzlich arbeitsrechtlich legitim?


    Also kann ein Physiotherapeut grundsätzlich einfach so berufsfremd irgendwo im Konzern eingesetzt werden? Bedarf es der Zustimmung des Mitarbeiters? Oder des Betriebsrats der Tochter (also von uns)?


    Muss ein qualifizierter Mitarbeiter eines Tochterunternehmens bei der Mutter vorübergehend eine Arbeit verrichten, für die er a) nicht eingestellt wurde (Reinigung) und/oder b) selbst nicht die normalerweise notwendige Qualifikation (Physios sind keine Pflegehelfer) besitzt?


    Vielen Dank euch, freue mich auch über Teilantworten.

  • Hallo Max,


    ganz so einfach ist es aus meiner Sicht nicht.


    Grundsätzlich könnte hierzu etwas im Arbeitsvertrag des einzelnen MA stehen, zBsp. MA kann an andere verbundene Unternehmen ausgeliehen werden.

    Aber wenn der MA nicht nach seinem Arbeitsvertrag beschäftigt wird (Tätigkeitsbezeichnung/Stellenausschreibung) wird es sich in den meisten Fällen um eine Versetzung handeln und diese ist nicht vom Direktionsrecht des AG abgedeckt.

    Zu einer Versetzung ist der BR anzuhören.

    Am einfachsten für alle Seiten ist es wenn der AG mit den betroffenen MA vorab Gespräche führt und zu einem gemeinsamen Ergebnis gefunden wird.

    In eurem Fall wäre es vielleicht sinnvoll eine Mitarbeiterversammlung einzuberufen, in der der AG den MA die aktuelle Situation erläutert und die möglichen Lösungsansätze, im Vorfeld wäre ein Abstimmungstermin zwischen AG und BR sinnvoll indem mögliche Lösungsansätze erarbeitet werden, die für AG und BR gangbar wären.

    Eine Lösung für mich wäre MA wird mit dessen Einverständnis vorübergehend fachfremd eingesetzt erhält aber den bisherigen Lohn.

    Alternative wäre sicherlich für den AG Kurzarbeit anzumelden, was aber auch eine Einigung mit dem BR voraussetzt.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo Max,

    haben wir bei uns gerade so gemacht, waren zwar keine PT, aber egal. Allerdings nicht als Versetzung, weil auch die 100% Tochter ist ein eigenes Unternehmen. Die MA sollen in Kurzarbeit gehen, weil Tochter geschlossen für die Pandemiezeit. Wir als Mutter haben angeboten, sie hier als Helfer befristet einzustellen (wollten auch viele davon). Also heißt, müssen muss keiner! Und als BR haben wir da gar nichts dagegen....

    Gruß Akingretel

    Und schön gesund/negativ bleiben!

  • Hallo MaxKneipp (war das nicht der mit dem wasserlaufen?),


    lese dir doch mal zur Kurzarbeit die zugehörigen §§ im SGB III durch.

    Dieses kann sogar die Arbeitsagentur verlangen, wenn damit Kurzarbeit vermieden und Kurzarbeitergeld eingespart werden kann ;).


    Wenn also eure Mutter beim Antrag auf Kurzarbeitergeld die Argentur den Hinweis gibt, dass die Kurzarbeit vermieden oder veringert werden könnte, wenn die Mitarbeiter der Tochter bei der Mutter aushelfen würden, kann ich mir vorstellen, das genau das auch die Arbeitsagentur anweist.


    Gruß

    Rabauke