Darf der Betriebsrat Überstunden begrenzen?

  • Hallo Leute,


    Darf der Betriebsrat Überstunden begrenzen, wenn diese freiwillig geleistet werden und sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens befinden?

    1. Der Betriebsrat fordert von der Lohnbuchhaltung die Gehaltslisten der AN, um die Fairness der Gehälter zu überprüfen.
    2. Darf der AN dies verweigern, wenn er das nicht wünscht?
    3. Wenn der Betriebsrat es darf, kann AN mitbestimmen, welches Betriebsratmitglied Einsicht hat, da AN einigen Mitgliedern des Betriebsrates nicht traut?
    4. Welche Möglichkeiten hat AN, wenn Informationen über sein Gehalt doch veröffentlicht werden bzw. unter Kollegen die „Runde“ machen? (Konsequenzen für Betriebsrat?)

    Noch eine generelle Frage: Wie kann man effektiv mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten bzw. auskommen?
    Könnt ihr irgendwas zum verlinkten Beitrag ergänzen?


    Danke im Voraus

  • ich sehe gerade du hast viel mehr fragen gestellt als nur die erste, daher eine Antwort auf alle Frage der Reihe nach


    zu Mehrarbeit: ja das darf er

    Nun der AN darf alles verweigern nur nicht der Arbeitgeber. Ich prüfe die gehaltslisten mindestens 2 mal im Jahr. Wichtig, der BR darf die daten aber nicht veröffentlichen die er da bekommt.


    Der AN hat da nicht zu kamelle wie der Öcher sagt, nicht der Arbeitnehmer bestimmt was der BR sieht oder nicht sondern einzigundallein der Arbeitgeber stellt dem BR auf die mit dem BR geregelten Weg die Möglichkeit der Einsicht zur Verfügung


    Wenn ein AN darlegen kann (beweisbar) dass das BR-Mitglied die persönliche Datei kund getan hat so kann dieser An zum einen zivilrechtlich den BR verklagen wegen veröffentlichung vertraulicher Daten nach der Datenschutzgrundverordnung und dem BetrVG weiterhin kann der AN den Arbeitgeber auffordern ein Amtsenthebungsverfahren gegen das BR-Mitglied einzufordern, weil diese BR-Mitglied die Gehaltsdaten veröffentlich hat und dieses durch die zeugen a, b, c beweißbar ist.


    Kommen wir nun zu dem verlinkten Betrag, den ich nicht öffne, weil er mich nicht interessiert. Hier in dem Betrieb in dem ich arbeite arbeiten der Betriebsrat und der Arbeitgeber offen zusammen und der Betriebsrat, der nun von dem Arbeitnehmer gewählt ist kann auf eine Wahlbeteiligung größer 80% zurück blicken. Unsere Betriebsversammlungen haben auch immer 70-80% teilnehmer, so dass wir hervorragend zusammen arbeiten.

    Das ganze auch noch nachhaltiger als der Arbeitgeber an einigen Stellen der nicht ohne Grund auch auf die Erfahrung des Br zurück greift, wenn es um Themen geht, die auch schon mal vor 11 Jahren Akut waren (die letzte Krise in unserem Betrieb) da von den heutigen Arbeitgebervertreter keiner mehr im Haus ist, der diese mitgemacht hat. Der BR jedoch auf bis zu 27 Jahre BR-Arbeit zurück blicken kann.


    Nachhaltigkeit (und das hat eine Studie bewiesen) ist in Betrieben mit Betriebsräten deutlich besser aufgestellt als in Betrieben ohne Betriebsrat.


    gruß

    Rabauke

  • Hi Colonel,


    ich machs mal ein wenig ausführlicher als unser Rabauke:


    Ja der Betriebsrat darf Überstunden begrenzen. Deshalb gibt es ja das mitbestimmungsrecht bei Überstunden (§87 I 3 BetrVG) Er sollte es sogar, damit die Kollegen nicht Überlastet werden und dadurch Gesundheitsgefahren bestehen.


    Ja, der Betriebsrat darf sich die Bruttogehaltslisten ansehen. Besser gesagt der Betriebsausschuss. (§80 II 2 BetrVG) hier haben die Arbeitnehmer auch kein Mitbestimmungsrecht, wer einsieht und wer nicht. Dies ist gängige Rechtssprechung. Der Betrieb muss die Bruttogehaltsliste sogar nach den einzelnen Lohnbestandteilen aufdröseln und auch Geldwerte Vorteile angeben.


    Sollte ein BRm nicht seine Klappe halten könne, und außerhalb des BR einen Lohn bekanntgeben, dann ist dies eine klare Pflichtverletzung und eine Straftat. (§80 IV BetrVg i.V.m §120 II BetrVg) Sie wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft. Außerdem riskiert das betriebsratsmitglied einen Rauswurf aus dem Gremium ( §23 I BetrVG) Ein Betriebsratsmitglied wäre also schön dumm, wenn er das auf die leichte Schulter nimmt.


    Die Zusammenarbeit, soll die als Arbeitgeber oder als Mitarbeiter effektiv sein?


    LG

    Markus


    Nachtrag: Das mit dem ausführlicher als Rabauke nehm ich zurück, der hat während ich geschrieben hab auch noch was hinzugefügt

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Noch eine generelle Frage: Wie kann man effektiv mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten bzw. auskommen?

    das sehe ich sportlich: AG und BR sind naturgegeben eher Kontrahenten als im gleichen Team. Dass jeder für sein Team das bestmögliche Ergebnis erzielen möchte, ist legitim. Und wie beim Sport gibt es sowohl den geschätzten Konkurrenten, mit dem auch nach dem Spiel mal ein Bierchen trinken kann oder den Erzfeind, dem man Abstieg und Konkurs gleichzeitig an den Hals wünscht.

    Ich habe es im Sport und in der BR-Arbeit immer so gehalten: Ist der Gegner fair und hält sich an die Regeln, tue ich es auch. Tritt er mir in die Knochen, bin ich auch kein Kind von Traurigkeit...;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

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