Gehaltsanpassung für einen MA verweigert, trotz erheblicher Erhöhung der Verantwortlichkeiten

  • Guten Morgen liebe Forenmitglieder,


    ...und schon wieder ein neuer Thread von mir :rolleyes:

    Leider ist es im Moment aber auch wirklich schlimm bei uns - und das hat nicht unbedingt nur was mit Corona zu tun.


    Die Situation:

    Wie bereits in einem vorherigen Thread beschrieben, ist unser Finanz-Mitarbeiter zur Zeit freigestellt und wird auch nicht mehr zurückkehren. Dieser MA war verantwortlich für die kompletten Finanzen (Finanzbuchhaltung, Gehälter, Jahresabschluss, Personalangelegenheiten etc.). Ebenso war er Abteilungsleiter der Abteilung Finanzen.


    Sein Mitarbeiter, der ihm unterstellt war, hatte bisher hauptsächlich Routinearbeiten und Zuarbeiten übernommen, wie verschiedene Buchungen, vorbereitende Arbeiten für seinen AL, Überwachung der Stempeluhr und Korrektur der Zeitkonten... etc.


    Da der AL ja nun nicht mehr da ist und unsere GF (wegen eines noch schwebenden Verfahrens) noch keinen neuen MA einstellen kann, wurde nun der Mitarbeiter, der vorher seinen AL unterstützt hat, mit sämtlichen Aufgaben seines vorherigen AL beauftragt. Er übernimmt jetzt alle Buchungen, zahlt Rechnungen, kümmert sich um den Jahresabschluss für 2019, kümmert sich um die Wirtschaftsprüfung, die gerade stattfindet und überweist auch unsere Gehälter, die jedoch von der GF selbst per DATEV in Auftrag gegeben werden - er macht also alle Aufgaben, die vorher der hochbezahlte AL gemacht hat.


    Damit ist er (verständlicher Weise) auch recht überfordert - schafft es aber, alle Aufgaben zur Zufriedenheit zu erledigen.

    Nun läuft das schon seit rund 2 Monaten so und er fragte dann die GF, mit der er ja nun sehr eng zusammenarbeitet... und die weiß, was dieser junge Mann gerade leistet, ob man nicht sein Gehalt nun auch entsprechend anpassen könne. Dies wurde von ihr relativ deutlich abgeschmettert!!


    Ich - als BR - bin der Meinung, dass es schon berechtigt ist, dass man dem jungen Mann nun eine Gehaltsanpassung gibt, da er ja nun wirklich höherwertigere Aufgaben und erheblich höhere Verantwortlichkeiten hat.


    Leider habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten bezügl. des Gehaltes, da sein vorheriger Vorgesetzter auch weitere Aufgaben hatte, die der junge MA (Anfang 30) jetzt nicht mit übernommen hat. Dennoch denke ich, dass es nicht sein kann, dass ein MA, der solche Aufgaben erledigt (siehe oben), mit einem Gehalt von gerade mal 1.800 Euro netto auskommen muss und quasi somit von der Hand in den Mund lebt. Hier passt doch was nicht!! :cursing:


    Der MA hat mich nun um Hilfe gebeten.


    Meine Frage:

    Welche Möglichkeiten habe ich als BR, hier die GF davon zu überzeugen, dass sein Gehalt entsprechend angepaßt werden muss?


    Danke und schöne Grüße,

    imebro

  • Vermutung: Es gint keinen Tarifvertrag bei Euch

    umd wahrscheinlich auch keine Eingruppierungsgrundsätze, oder?

    Diese würde nämlich helfen


    In Tarifverträgen steht oft drin, dass bei einer "Vertretung" über Zeitraum x (z.B. 1 Monat) der Vertreter hoch zu stufen ist.

    Das kann man natürlich auch in Eingruppierungsregeln (BV) festlegen. Könnt ihr ja mal auf den Verhandlungstisch mitbringen.

    Ansonsten ist eigentlich der MA gefragt - Er hat einen AV - diese Tätigkeiten muss er machen -Er müsste sich also weigern andere höherwertige Tätigkeiten ohne Entsprechende Vergütung zu machen -

    Zugegebener Maßen ist das sehr schwer - hier kann und sollte der BR aber unterstützen.

  • Hallo Imebro,


    auch wäre interessant ob ihr Arbeitsplatzbeschreibungen habt.

    Ich warte erstmal deine Antwort ab, da es schwer ist ohne dieses Wissen zu antworten.

    Wäre alles nur Spekulation.

    Ohadle hat auch noch ein paar Fragen gestellt, beantworte dies doch dann sehen wir weiter.


    Beste Grüße

  • Hallo und danke für die Antworten.


    Es gibt tatsächlich keinen TV und auch keine Eingruppierungsgrundsätze bei uns.

    Ebenso haben wir (noch) keine Arbeitsplatzbeschreibungen... die sind seit einem Jahr in der Mache :huh:


    Soweit ich mich erinnere, steht im Arbeitsvertrag des MA nur drin, dass er seine Arbeit in der Abt. XX erledigen muss, aber nichts konkretes... also was genau er tun muss und was nicht.


    Ich weiß - all das macht es natürlich schwierig, ihn zu unterstützen.


    Schöne Grüße,

    imebro

  • Hallo Imebro,


    fasse mal kurz zusammen, glaube ihr habt nichts in der Hand vorauf ihr euch berufen könnt.

    Denke man sollte nochmal vernünftig mit dem AG sprechen. Falls dies voll scheitert und der AG überhaupt

    nicht einlenkt seid ihr glaube ich raus.

    Der AN kann natürlich individual auch noch mal vorsprechen. Ich als AN, so will ich es mal sagen, wäre überlastet

    und bräuchte eine Auszeit. Eventuell erkennt der AG dann was er an mir hat.

    Falls nicht wäre ich wieder überlastet und schaffe meine Arbeit nicht. Dann seid ihr wieder mit in Boot.

    Die anfallende Arbeit muss auch zu schaffen sein. Eventuell könnt ihr da den AG packen.


    Beste Grüße und schönes Wochenende

  • Hallo imebro,


    wenn der GF es abschmettert, ihr aber eine Überlastung des MA nicht wollt, so stellt doch durch regelmäßige Kontrolle sicher das der MA auch nur 8 Stunden an 5 Tage arbeitet und immer rechtzeitig Feierabend macht.



    Ich weiß ja nicht in welchem Bundesland du lebst.

    Googel hilft aber, wenn es um Vergleichgehälter geht.


    Wenn ich mir ansehe, welche Aufgaben hier der Mann nun erledigen muss, so würde er dafür bei uns 35,-€ brutto die Stunde (Industrie) bekommen und im Betrieb meiner Frau 22 € brutto die Stunden (Handwerk). Wir leben in NRW.


    Das Nettogehalt hat keine Aussage, Steuerklasse 5 oder 6 sind 1800 Netto schon ne Hausnummer ;)


    Gruß

    rabauke

  • Hallo

    Hier ist doch eindeutig eine Personelle Veränderung vorgenommen worden.

    Ich gehe von einer Versetzung aus.

    Den AG auffordern euch anzuhören.

    Ob ihr die Maßnahme bis zum ende der Anhörung weiterlaufen lasst müsst ihr euch überlegen.

    Ansonsten den AG auffordern die Maßnahme bis zum Ende der Anhörung einzustellen.

    Notfalls über den § 23/3 BetrVG in einem Einstweiligen verfügungsverfahren die Einstellung der Maßnahme durchsetzen.

    In der Anhörung würde mir schon was einfallen dieser zu widersprechen auch ohne dem Vorhandensein von Entlohnungsgrundsätzen.

    Halt auf der Schiene des §99 Abs. 2 Satz 3 und 4

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Hier ist doch eindeutig eine Personelle Veränderung vorgenommen worden.

    Ich gehe von einer Versetzung aus.

    DAs Problem in der Firma ist aber, dass es

    keine Eingruppierungsrichtlinien, wahrscheinlich keine Stellen oder Tätigkeitsbeschreibungen, keinen Stellenplan kein Organigramm oder ähnliches gibt.


    Und schon ist es mit der "eindeutigen" anhörungspflichtigen Versetzung vorbei.


    Er arbeitet laut Arbeitsvertrag als Angestellter in Abteilung XYZ - das tut er immer noch!

  • Hallo

    Das sollte das Gericht im Verfahren klären. Es gilt das dass Gericht den Sachverhalt klären muss.

    Amtsermittlungsgebot im Beschlussverfahren.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Hallo erco

    wir können das ja gerne durchspielen.


    Der AG sagt: Es gibt keine Versetzung, da ich den MA gemäß Av beschäftige

    Es gibt keine Stellen oder Tätigkeitsbeschreibung - ich verlange nur per Direktionsrecht die Tätigkeiten vom Ma die seiner Ausbildung entsprechen. Und dafür erhält er sein im AV vereinbartes Arbeitsentgelt.


    - also lieber BR was möchtest du.

  • Also

    Eine Versetzung kann es nur geben wenn es der AV hergibt. Sprich der AN auch zu Ableistung der neuen Aufgabe verpflichtet ist.

    Ansonsten käme eine Änderungskündigung in Frage.

    Bei einer Versetzung schaue ich mir die Tätigkeit an die der MA vorwiegend tatsächlich ausgeführt hat.

    Ändern sich diese Tätigkeit jetzt Fitting sagt zwischen 20 und 25% liegt eine Versetzung vor.

    Nach Imebros Darstellung ist das meiner Meinung nach gegeben.

    Jetzt kann ich als BR dieser Versetzung widersprechen weil der Kollege mit der neuen Arbeit aber sowas von überfordert ist und auch die Kollegen die in seiner unmittelbaren Umgebung Arbeiten davon benachteiligt werden.

    Und alle anderen Kollegen ihre Abrechnung nicht ordnungsgemäß erhalten werden, weil ja aus 2 Stellen eine gemacht wurde usw....

    Ob ich erreiche das der Kollege letztendlich eine höhere Vergütung erhält kann ich nicht sagen aber ich kann es dem AG sehr schwer machen.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • danke für die weiteren Infos.


    @ erco:

    Hauptproblem ist auch, dass ich ein 1-köpfiger BR bin, wonach ich die die 90-er §§ nicht ziehen kann.


    Habe der GF jetzt einen Deal vorgeschlagen, wonach der MA eine Sonderzahlung erhält für den Zeitraum, wo er diese Arbeit macht. Mal schauen, was dabei jetzt rauskommt.


    Gruß,

    imebro