Bürokostenzuschuss in der Kurzarbeit

  • Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,


    wir haben in unserem Gremium gerade folgende Fragestellung :


    Darf der monatlich gezahlte Bürokostenzuschuss für die Mitarbeiter im Home Office während der Kurzarbeit auch entsprechend reduziert werden (z.B. um 50% bei 50% Kurzarbeit), oder muss dieser auch weiterhin monatlich voll bezahlt werden ?

    Die Kollegen im Home Office argumentieren, dass ihnen die Kosten für den Arbeitsraum auch bei einer reduzierten Arbeitszeit für den ganzen Monat entstehen, was ich eigentlich auch so sehe. Gibt es diesbzgl. entsprechende gesetzliche Regelungen, und wenn ja, wo kann ich diese finden ?


    Im Voraus vielen Dank für Euer Feedback und viele Grüße.

  • das sollte in der Vereinbarung zum Bürokostenzuschuss bzw in der BV zum Home Office alles drin geklärt sein

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Diesen Zuschuss bekommen wir schon seitdem ich in der Firma bin, also mindestzens 11 Jahre. Er ist auch im Arbeitsvertrag aufgeführt. Hintergrund : Die Firma zahlt einen Pauschalbetrag, damit sich die Home Office Kollegen ggf. extern einen Büroraum anmieten können. Wenn Sie einen Raum in der eigenen Wohnung nutzen, so ist das praktisch eine Art Aufwandsentschädigung. Unter diesem Zuschuss fallen auch andere Dinge wie z.B. Büromöbel.

  • Habt ihr eine Betriebsvereinbarung zum Home Office?

    Arbeiten die Kollegen im Home Office ausschließlich im HO, oder ist das Telearbeit mit teilweiser Präsens im Unternehmen?

    Wenn die MA ausschließlich im HO arbeiten, hat der AG keine Kosten für Buroräume und deren Unterhaltung sowie die laufenden Kosten für Strom, Wasser, Heizung, Telefon etc. diese fallen dann ausschließlich bei dem MA im HO an und müssen auch bezahlt werden, wenn Kurzarbeit geleistet wird.

    Das Leben ist Veränderung

    Starte dort, wo du stehst!

    Aber versuche jeden Tag einen neuen Startpunkt zu finden!
    Benutze das, was du hast!

    Aber versuche jeden Tag etwas neues zu benutzen!
    Tu das, was du kannst!

    Aber versuche jeden Tag etwas mehr zu tun!

  • Hallo Leitstelle,


    was steht denn genau im Arbeitsvertrag?

    Habt ihr dazu ggf. auch eine Betriebsvereinbarung?


    Also ich bin da ganz bei euren Kollegen, das Büro wird für den Monat gemietet so wie der Arbeitgeber die Arbeitsstätte bei euch auch voll bezahlen muss. Ob diese nun 1 h im Monat oder 168 stunden die Woche genutzt wird.


    Die Miete ist die gleiche, daher aus meine Sicht keine Kürzung möglich.


    Wenn nun aber die Aufwandsentschädigung nicht als Aufwandsentschädigung sondern als sozialversicherungspflichtiges Einkommen geleistet wird gibt es ja auch Kurzarbeitergeld auf dieses Entgelt und wenn man länger als 6 Wochen Au ist auch Krankengeld und eine höhere Rente.


    In dem Fall ist die Argumentation des Arbeitgebers teilweise nachzuvollziehen.


    Die Frage ist also, was genau ist geregelt im AV und der dazugehörigen Betriebsvereinbarung?

    Wird da von einer Pauschalen entgelderhöhung gesprochen oder von einer Aufwandsentschädigung (brutto wie Netto) die dann der AN selber als Selbstständige Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung versteuert?

  • Folgendes steht im Arbeitsvertrag :

    "Es ist vereinbart, dass der AN die von ihm arbeitsvertragslich geschuldete Leistung von seiner Wohnung aus erbringt.

    Hierfür erhält er eine monatlich zusammen mit dem Gehalt zu zahlende Aufwandsentschädigung in Höhe von EUR ..., die nach gesetzlichen Vorschriften zu versteuern ist."


    Der Betrag ist in der Gehaltsabrechnung neben dem Grundgehalt separat unter der Lohnart 2033 als

    "Arbeitsraumzulage" aufgeführt. Es wird also als Teil des Gehalts behandelt und auch so versteuert.

    Die Kollegen im Home Office arbeiten ausschliesslich dort und sind ansonsten im Aussendienst unterwegs.
    Wie bereits gesagt ist es dem AN selbst überlassen, ob er mit der Zulage einen externen Büroraum anmietet, oder ob er einen separaten Raum in seiner Wohnung als Büro nutzt.


    Die Frage ist nun, ob man in der aktuellen Kurzarbeitszeit (die Kollegen arbeiten momentan nur 20%) nicht dennoch Anspruch auf die gesamte monatliche Zulage hat, da die Kosten für den Arbeitsraum ja auch den ganzen Monat und nicht nur für 20% anfallen.

    Oder hat man hier keine Chance weil diese Zulage ein Teil des Gehalts ist und auch so versteuert wird ?

  • Eine kurze Rückfrage bei der Lohntante meines Vertrauens: Klare Richtlinien gäbe es zu dem Thema nicht (oder seien ihr zumindest nicht bekannt).


    Aus dieser Formulierung

    "Es ist vereinbart, dass der AN die von ihm arbeitsvertragslich geschuldete Leistung von seiner Wohnung aus erbringt.

    Hierfür erhält er eine monatlich zusammen mit dem Gehalt zu zahlende Aufwandsentschädigung in Höhe von EUR ..., die nach gesetzlichen Vorschriften zu versteuern ist."

    würde ich herauslesen, dass der AG hier einfach die Räumlichkeiten des AN nutzt und dafür eine entsprechende Entschädigung zahlt. Würden die Kollegen einen Platz im Büro haben, würden die Kosten dafür ebenfalls in voller Höhe weiter laufen. Kürzungen wäre allenfalls für das Weniger an Strom denkbar (was aber sicher nicht der Löwenanteil des Betrages ist).

    Die Formulierung "monatlich zusammen mit dem Gehalt" bedeutet nicht, dass das ein Gehaltsbestandteil ist, sondern legt lediglich den Auszahlungszeitpunkt fest. Zumal dort ja nicht steht % x vom Gehalt, sondern eine fixe Summe. Warum die auf einmal variabel sein soll, ist nicht einleuchtend.


    Ist aber auch nur aus dem Bauch heraus!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo Leitstelle,


    da dort nur zu Versteuern steht stellt sich für mich die Frage, werden hierfür auch Sozialabgaben gezahlt oder nicht?


    Aus meiner Sicht will der AG damit sagen, nein das ist kein Entgelt sondern die Miete des Raumes, und somit bleibt der Anspruch voll bestehen.


    Der Titel Arbeitsraumzulage auf der Lohnabrechnung und die Aufnahme dieser Aufwandsentschädigung auf der Lohnabrechnung wiederum macht mich jedoch stutzig.


    Wenn du die das zu versichernde Einkommen anschaust (also nicht nur der Steuerpflichtige sondern auch das SV pflichtige) ist da der Betrag der Aufwandsentschädigung drin enthalten?


    Wenn ja, dann bekommt der auch "Kurzarbeitergeld" für den Raum, halt nur 60 oder 67% des Nettoverlustes, wenn ihr weiterhin geregelt habt, dass es einen Ausgleich auf 90% gibt dann auch den Ausgleich auf 90%


    Aber um es auf den Punkt zu bringen, ich würde schauen, dass ich in der BV zur Kurzarbeit auch diesen Fall geregelt hätte, wenn es denn bei uns was für die Nutzung geben würde.

    und wenn es nur ein Satz wäre, die Aufwandsentschädigung für die Arbeitsraum im Homeoffice bleibt auch für die Dauer der Kurzarbeit in voller Höhe bestehen.


    Gruß

    rabauke

  • Hallo Leitstelle,


    nachdem Du Dich zur Frage nach einer BV ausschweigst, gehe ich mal davon aus, daß es keine BV gibt. was hindert also den BR daran, den AG jetzt zu Verhandlungen aufzufordern?


    Es gibt nämlich eine ganze Menge Klärungsbedarf, der der MB des BR unterliegt wie zB:


    - Arbeitssicherheit/Gefährdungsbeurteilung

    - Arbeitszeitrahmen

    - Arbeitszeiterfassung

    - Arbeitsmittel (über die Räumlichkeiten hinaus - zB Strom, PC, Möblierung)


    Mehr als genug Handlungsfelder der erzwingbaren Mitbestimmung.


    Die bisherige arbeitsvertragliche Regelung ist Individualarbeitsrecht. Da hat ein BR gar nichts mitzureden, wenn er nicht von seiner Mitbestimmung Gebrauch macht.

  • da dort nur zu Versteuern steht stellt sich für mich die Frage, werden hierfür auch Sozialabgaben gezahlt oder nicht?


    Aus meiner Sicht will der AG damit sagen, nein das ist kein Entgelt sondern die Miete des Raumes, und somit bleibt der Anspruch voll bestehen.

    Diese Entscheidungsfreiheit hat der Ag aber gar nicht.


    Für die Steuer und Sozialversicherungspflicht gilt erst einmal - alles ist Entgelt und dann kommen die Ausnahmen, die durch ein Gesetz (z.b. EStG) oder Rechtsvorschriften diese Gelder Steuer und / oder Sozialversicherung frei machen.


    Wenn das so einfach wäre dem AN mehr netto zukommen zu lassen - würde die Mehrheit in Deutschland "steuer und Sozialversicherungsfreie) Gelder erhalten.

  • Hallo Ohadle,


    da hast du vollkommen Recht. Der Mietzuschuss wenn es nur um den Raum geht ist SV Pflichtig und daher gibt es dafür auch Kurzarbeitergeld.

    Der Zuschuss zum Internet wird Pauschal versteuert und ist SV frei, die Telefonkosten sind sowohl Steuerfrei wie auch SV frei.

    Habe mich mal schlau gemacht. War aber davon ausgegangen, dass der Schreiber das vorher auch gemacht hat.


    Somit gilt für die Pauschale, ja die wird gekürzt und es gibt über das KuG einen Ausgleich hierfür.


    Was SV-Pflichtig ist und was nicht siehe hier:

    https://www.haufe.de/personal/…sk_PI42323_HI2680690.html


    Gruß

    Rabauke

  • Ich habe nun noch einmal eine ergänzende Frage zu dem Arbeitsraumzuschuss.

    Dankenswerterweise habe ich hier erfahren, dass dieser Posten SV pflichtig ist und somit auch gekürzt werden darf

    (mit Ausgleich über das KUG).

    Mein Arbeitgeber hat diese Regelung mit folgender Formulierung begründet :
    "Da diese Zulage direkt mit der Arbeitsleistung verbunden ist in diesem Fall eine anteilige Kürzung zu vorzunehmen".

    Die Frage die sich uns nun stellt ist, ob man die Zulage dann nicht auch zu dem Grundgehalt mit dazurechnnen muss um den Stundenlohn zu berechnen. Dieses würde den Stundenlohn und somit auch das KA Geld entsprechend erhöhen.

    Gibt es hierzu evtl. hilfreiche Tips und Infos von Eurer Seite ?
    Im Voraus vielen Dank und beste Grüße.

  • Da diese Zulage direkt mit der Arbeitsleistung verbunden ist

    ob man die Zulage dann nicht auch zu dem Grundgehalt mit dazurechnnen muss

    Das KuG soll ja für entgangenen Lohn durch Kurzarbeit entschädigen. Und wenn der AN es selber so deutlich formuliert, dann ist es selbstverständlich mit zu berücksichtigen.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!