Corona-App und Diensthandy

  • Das Installieren der Corona App auf mehrern Geräte bei einer Person ist kontraproduktiv. Mal drüber nachdenken ;O)

    Kontraproduktiv wäre ja eine Verschlechterung des Ergebnisses. Meine zwei Geräte, die ich oft gemeinsam, manchmal aber auch alleine in der Tasche trage, werden von anderen Geräten erfasst. In manchen Listen bin ich daher als Person doppelt aufgeführt.

    Wird nun eine meiner Kontaktpersonen krank, so bekomme ich auf dem einen, dem anderen oder beiden Geräten eine Warnung. Als Person bin ich informiert - perfekt.

    Wird bei mir eine Erkrankung diagnostiziert, dann sollte ich die in all meinen Apps eintragen, sodass auch alle Kontakte zuverlässig informiert werden können - ok, etwas aufwändiger.

    Habe ich die App nur auf einem Telefon installiert, dann bin ich nur über dieses Telefon "verfolgbar". Das ist in Besprechungen, wo das private Ding mit App im Schrank liegt eher kontraproduktiv.

  • Guten Morgen,


    zu dem Thema App ist mir heute diese Info von Seiten unseres AG-Verbandes reingeflattert: Corona Warn-App.pdf


    Äußerst bedenklich finde ich die Auslassungen in den Punkten 3.3, 3.5 und 3.6, insbesondere die Argumantation zum Thema Annahmeverzug.


    Dies möchte ich hier auch gern zur Diskussion stellen, um zu sehen, was ihr, v.a. die Profis, davon haltet.


    Ich selbst fände es katastrophal, wenn ich so eine Warnung, denn mehr ist es nicht, dem AG melden würde (die Pflicht dazu sehe ich auch mit Skepsis) und dieser mich dann wegen der Unmöglichkeit des mobilen Arbeitens unbezahlt freistellen würde...


    Gesunde Grüße

  • Hallo,


    das der §615 BGB nicht greift kann ich nachvollziehen, allerdings würde aus meiner Sicht in so einem Fall (Zeit zwischen erfolgtem Alarm und Testergebnis) dann der §616 BGB greifen, nach vorliegendem Testergebnis ergeben sich ja dann die weiteren Massnahmen.


    Viele Grüße

    Bernd

  • So etwas fördert wohl kaum die Akzeptanz und wird bei dem einen oder anderen Mitarbeiter sicher dazu führen, dass sie sich ein Schlupfloch suchen, um keine unbezahlte Freistellung zu riskieren. Wie z.B. die Corona-App auf dem Diensthandy offiziell super finden und das Diensthandy mit Corona-App immer offensichtlich dabei haben, aber (ganz aus versehen und ohne es zu merken) das Bluetooth deaktivieren, womit die App dann nicht mehr funktioniert.


    Ich halte die Vorgehensweise Eures AG-Verbandes für maximal kontraproduktiv.

  • Bernd_47:

    Wenn denn überhaupt getestet wird...


    Paragraphenreiter:

    Genau das ist auch mein Gedanke.

    Unsere hochgeschätzte HR-Dame neigt allerdings dazu, Äußerungen des AG-Verbands wie Naturgesetzte zu sehen.

    Und dieser Schrieb ist nicht der erste mit fragwürdigem bzw. im Nachhinein revidiertem Inhalt.


    Das "Problem" Diensthandy ist für uns nicht einmal das größte, es gibt nur eine Handvoll solcher Geräte für einzelne Personen.

    Die Anzeigepflicht greift aber wohl auch und vor allem, wenn man auf dem privaten Gerät eine Warnung erhält.

    Wenn ich dem gegenüber stelle, was ich aus Gesundheitskreisen erfahren habe, nämlich, dass positiv getestetes aber symptomfreies Personal trotzdem arbeiten muss (Wahrheitsgehalt unsicher!), halte ich eine unbezahlte "Aussperrung" nur aufgrund einer diffusen Warnung vor der eventuellen Möglichkeit des Kontakts zu einer infizierten Person für absolut unverhältnismäßig.


    Grüße

  • Hallo zusammen,


    Äußerst bedenklich finde ich die Auslassungen in den Punkten 3.3, 3.5 und 3.6, insbesondere die Argumantation zum Thema Annahmeverzug.


    Dies möchte ich hier auch gern zur Diskussion stellen

    Das der Arbeitgeberverband solche Info rausgibt, war klar. Hier geht es ja darum, dem Arbeitgeber Argumentationshilfen zu geben, um Kosten zu sparen. Allerdings finde ich so manche Argumentation schon haarsträubend und weit weg von der Aussage der Arbeitgeberverbände, dass wir die Krise nur überstehen, wenn wir solidarisch handeln.


    Dem Punkt 3.1 stimme ich im Großen und Ganzen zu, wobei ich mir schon gewünscht hätte, dass der Verband besser auf die Mitbestimmung des BR/PR eingeht.


    Der Punkt 3.2 ist nach meiner Meinung absoluter Quatsch. Wie der AGV selbst schreibt, muss eine unmittelbare erhebliche Gefährdung an den Arbeitgeber gemeldet werden. Wenn mir die App aber nur meldet, dass es unter Umständen sein könnte, dass ich evtl. zu lange mit einem Infiziertem in Kontakt war, ist das noch lange keine unmittelbare erhebliche Gefahr. Eine unmittelbare erhebliche Gefahr besteht nur, wenn es relativ sicher ist, dass ich infiziert bin (Symptome oder Virusnachweis). In diesem Fall bin ich dann aber im Normalfall krankgeschrieben oder in Quarantäne und sowieso nicht mehr in der Arbeit. Von dem her sehe ich eine Meldepflich garnicht. Denn auch wenn die Erkrankung gegenüber dem Gesundheitsamt meldepflichtig ist, so muss ich die Krankheit nicht an den AG melden. Ob, wann und wie eine Meldung an den Arbeitgeber erfolgt, entscheidet das Gesundheitsamt vor Ort. Dieses wird dann auch die Meldung nur in anonymisierter Form weitergeben.


    Zu 3.3: Auch hier wird das Mitspracherecht des BR/PR falsch interpretiert. Wenn der AG jemanden ins Home Office schicken möchte, muss es eine BV/DV oder sonst irgendeine Einigung mit dem Betriebsrat geben. Ansonsten hat die Interessenvertretung einen Unterlassungsanspruch gegenüber dem BR. Dass der Arbeitgeber, wenn er von einer möglichkeit der Infektion erfährt, den betroffenen Mitarbeiter freistellen kann/vielleicht sogar muss, da stimme ich dem Verband wiederum zu.


    Die Argumentation zu 3. 5 und 3.6 finde ich ziemlich abenteuerlich. Es obliegt dem Arbeitgeber, zu entscheiden, ob er den/die Mitarbeiterin beschäftigen kann, ohne andere zu gefährden. Nachdem mW nach kein Beschäftigungsverbot besteht, wenn die Warn-App eine mögliche Infektionsgefahr meldet, ist es dem/der MA auch möglich die Arbeitsleistung zu erbringen. Wenn der Arbeitgeber dann aber aufgrund der betrieblichen Situation (viel ältere oder kranke MA oder Kunden/Patienten, sonstige Risikogruppen oä) entscheidet, dass er den AN lieber nicht einsetzen möchte, so ist das sein Limo und er befindet sich im Annahmeverzug. Erst wenn es ein behördlich oder durch ein Gesetz angeordnetes Beschäftigungsverbot gibt, ist es dem AN unmöglich seine Arbeitsleistung zu erbringen.

    Auch wenn der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgestellt hat, dass potentiell Infizierte nicht beschäftigt werden können, dann wäre eine Freistellung des MA eine Maßnahme des Arbeitsschutzes, deren Kosten nicht auf die MA umgelegt werden darf.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Unsere hochgeschätzte HR-Dame neigt allerdings dazu, Äußerungen des AG-Verbands wie Naturgesetzte zu sehen.

    Das kenn ich :D

    Ich hab mir da angewöhnt solche Aussagen des AG-Verbandes an unseren Gewerkschaftssekretär zu schicken und um eine Stellungnahme zu bitten. Praktisch immer kommt dann (sogar relativ zeitnah) eine Stellungnahme von Verdi, die das natürlich alles ganz anders sehen.

    Als BR stelle ich mich dann auf den Standpunkt: Wir können hier im Betrieb nichts regeln, worüber sich die Tarifparteien nicht einig sind. Bevor die sich nicht einig sind passiert hier gar nichts.

    ...funktioniert meistens ;)

  • Hallo Lebenshelfer,


    fangen wir mal mit dem ersten Abschnitt an, weil mann sollte immer von oben anfangen zu lesen.

    in 3.1 steht soweit ein BR vorhanden ist, Betriebsvereinbarung.

    Ihr habt einen BR und regelt dann in der BV was ihr wollt.

    Überall dort, wo es keinen BR gibt, kann leider der AG tun und lassen, was er will mit seinen Werkzeugen.


    Wenn ihr dann in eurer BV alles zum Nachteil der Beschäftigten regelt wäre ich verwundert. Daher, ich finde aus Sicht des Arbeitgeberverbandes das Papier so wie nun mal Papiere von Arbeitgeberverbände sind, deren Auftrag es ist, die Interessen ihrer Mitglieder best möglich zu vertreten.


    daher, jo, der verband sieht das so, aber so wird es bei uns nicht umgesetzt und fertig ist die Laube ;)


    Wenn mein Verband der Meinung ist, jeder muss 100% Entgeltfortzahlung jederzeit bekommen, dann ist das die Meinung meines Verbandes der sich um seine Mitglieder kümmert.


    Daher, ich habe kein Problem mit diesem Schreiben, solange bei uns dieses nicht angewandt wird, weil wir keine BV zum verpflichtenden Nutzen erstellt haben.



    Gruß

    Rabauke

  • Stellt sich immernoch die Frage ob es der AG auch darf, wenn der AN das Smartphone auch privat nutzen darf oder Rufbereitschaft hat. Der AN wird sicher nicht in seiner Freizeit mit der App im dienstlichen Smartphone rumlaufen müssen.

  • Hallo Mumpel,


    ich verstehe das Problem immer noch nicht.

    Wenn der AN die App nicht nutzen will, dann nutzt er Sie nicht (Aussschalten von Bluetooth ist hierfür ausreichend).

    Wenn der MA das Handy nicht privat nutzen will, dann lässt er es.


    Ich habe kein Problem mit der App und nutze sie freiwillig, weil ich sicher stellen will, dass auch ich meinen Beitrag dafür leiste, dass der Virus eingedämt bleibt und nicht wie in Brasilien, USA, England und so weiter tausende Tote fordert. Es tut nicht weh.


    die Nutzung von Google ist sicher 10000 mal Daten unsicherer als die App. Die Nutzung eines Neufahrzeuges auch, da dieses Aufzeichnet wann du wie gefahren bist mit welcher Geschwindigkeit an welchem Ort, wie dein Sicherheitsgurt gestrafft war, wie du bremst und und und. GPS Erkennung überall jederzeit.... Aber vor so einer kleine App die nichts tut als davon zu leben, dass der, der Positiv getestet wurde dort ein gibt ich wurde positiv getestet und mir dann die Mitteilung gibt, da gibt es einen in deinem Umfeld der Positiv getestet wurde, und ich mich dann mit dieser Mitteilung selber testen lassen kann um ggf. rechtzeitig gegen wirken zu können und wenn möglich nicht schlimm zu erkranken, davor haben wir dann Angst. Verstehe die Welt nicht mehr. Jedes Smartphone gibt mehr Infos von einem Preis als diese App.

  • aber alle die hier alles kritisch zu dieser App hinterfragen haben ja kein Whatsapp, Googlemaps, twitter, navi, Computer mit Windows drauf, Chrome, und und und.. sind nur zufällig über das Internetcaffee auf diese Webseite aktiv ;)

  • (...) ich verstehe das Problem immer noch nicht.

    Wenn der AN die App nicht nutzen will, dann nutzt er Sie nicht (...)

    Wenn aber der AG entscheiden darf, dass die App auf Diensthandys installiert wird, der AG also das Gesetz umgehen kann, und der AN sie nutzen und auch noch den AG informieren muss, wie der hier erwähnte AGV meint, dann ist das nicht mehr freiwillig. Und darin liegt m.E. das Problem. Entweder die Nutzung ist freiwillig und der AG hat kein Mitspracherecht, oder der Gesetzgeber erlässt eine Nutzungspflicht für Diensthandys.

  • Guten Morgen,


    bisher sehe ich das Schreiben lediglich als Information über die Sichtweise des AGV, nicht mehr und nicht weniger.


    Der App selbst stehe ich nicht kritisch gegenüber, wie andere schon erwähnt haben, ist der Datenschutz im Vergleich zu WhatsApp, Fratzenbuch usw. geradezu vorbildlich.


    Ich bin gespannt, ob bei uns überhaupt Situationen entstehen werden, dass jemand eine Warnung aufs Diensthandy bekommt.