leidensgerechter Arbeitsplatz

  • Hallöchen,


    ich wollte mal wissen, wo die (Ausstattungs)grenzen bei leidensgerechten Arbeitsplätzen liegt (GdB 50). Ich will nach über 1 Jahr AU (mit Reha, Schmerzkliniken und einer OP) nun versuchen, ob ich wieder arbeiten kann. Dazu habe ich um ein Gespräch gebeten mit der SBV (gleichzeitig BRM) und unserer Gesundheitsmanagerin zur weiteren Verfahrensweise (hauptsächlich Wiedereingliederung, Urlaub u. ä.)


    Natürlich würde ich in diesem Gespräch gern eine Umgestaltung meines Büroarbeitsplatzes ansprechen. Zwei Dinge wären mir sehr wichtig. Das erste ist eine Monitorhalterung, um den Bildschirm zu neigen, so dass ich von oben draufschauen kann. Ich vermute mal, das dürfte doch kein Problem sein, oder?


    Das Hauptproblem bei mir ist der Stuhl. Ich hatte schon einen orthopädischen Stuhl bekommen, aber ich habe dennoch große Probleme (Schmerzen) beim Sitzen. Habe ganz große Rückenprobleme, vor allem auch im Steiß. Nun habe ich bemerkt (nicht lachen: bei meiner Mutter saß ich fast schmerzfrei in einem richtige weichen Sessel), dass ich beim Sitzen auf einer sehr gut gepolsterten/gefederten Sitzfläche weniger Schmerzen habe. Habe im Büro schon vielerlei ausprobiert, auf eigene Kosten: Sitzkissen, Luftkissen, Gelkissen, Lendenwirbelstütze... Brachte alles nicht viel. Machte mich nur um hunderte Euro ärmer.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Die Bürostühle sind leider nicht so weich, wie ich es bräuchte. Und einen Sessel kann ich mir ja schlecht ins Büro stellen. Hat von Euch jemand Erfahrung mit speziellen Stühlen? Ich kann aber nicht so experimentieren mit so supermoderen Sitzmöglichkeiten. Ich brauch eine weiche Sitzfläche, Armlehnen, Rückenlehne und Kopfstütze. Wie kann ich das am besten rüberbringen? Und gibt es solche Stühle überhaupt fürs Büro?


    LG Lilex

  • Es gibt Anbieter von Büromöbeln, bei denen man auch Bürostühle zur Probe bekommen kann.

    Frag einfach euren Büroausstatter danach.

    Wenn du Probleme beim Sitzen hast, ist dir schon mal in den Sinn gekommen, evtl. im Stehen zu arbeiten?

    Sprich evtl. mit einem Orthopäden oder Physiotherapeuten ob der eine Empfehlung für einen entsprechenden Stuhl geben kann.

    In einem BEM-Gespräch könnte man externe Hilfe durch das IA oder den Integrationsfachdienst hinzuziehen, auch hier kann auf der Suche nach einem entsprechenden Möbel geholfen werden.


    Und das alles kostet bis zur Anschaffung des richtigen Bürostuhles keinen Euro.

    Das Leben ist Veränderung

    Starte dort, wo du stehst!

    Aber versuche jeden Tag einen neuen Startpunkt zu finden!
    Benutze das, was du hast!

    Aber versuche jeden Tag etwas neues zu benutzen!
    Tu das, was du kannst!

    Aber versuche jeden Tag etwas mehr zu tun!

  • Hallo Lilex,


    als ich noch SBV war, lange ist es her, habe ich in solchen Fällen immer den IFD (integrationsfachdienst) mit ins Boot genommen.

    Dann mit dem IFD zusammen die erforderlichen Anträge bei der Rentenversicherung gestellt, denn die ist für dich und deine Hilfsmittel der richtige Ansprechpartner wenn du länger als 10 Jahre beschäftigt bist.


    Weiterhin habe ich zur Ortsbegehung auch das IA (Integrationsamt) und den zuständigen techn. Aufsichtsbeamten (ich meine so hießen die damals) heran geholt, um zu schauen, was muss alles im Büro, auf dem Weg zum Büro, WC-Bereich etc. verändert werden, damit du leidensgerecht arbeiten kannst.


    teile der Ausstattung mußte der Arbeitgeber tragen, teile waren der Person persönlich zugeordnet und mussten über den Rentenversicherer ogranisiert werden und Teile wurden vom IA bezuschusst.


    Das ganze geht nicht mal so holpahop

    Damit du den Stuhl bekommst, den du benötigst brauchst du auch hierfür ein "Gutachten" "Attest, 2 Angebote und das alles muss du dann einreichen bei dem Rentenversicherer

    https://www.deutsche-rentenver…blob=publicationFile&v=16


    Gruß

    Rabauke

  • Hallo,


    jedes IA hat einen technischen Beratungsdienst, der auch vor Ort zur Beratung kommt. Der Vorteil dieser Beratung ist, daß grundsätzlich alles, was der technische Dienst dann auch empfiehlt, zuschußfähig ist - ggfs. nach Abzug eines zumutbaren Eigenanteils des AG.


    Und für schwerbehinderte AN ist BEM nachrangig. Hier ist das Präventionsverfahren gem. § 167 Abs. 1 SGB IX erste Wahl. In diesem Verfahren kann dann der technische Dienst auch direkt angefordert werden.

  • Hallo,

    Also ich habe in meiner Funktion als SBV/GSBV erreicht das zwei Arbeitsplätze für über 14.000 € Ausgestattet wurden.

    Zu Bürostuhl und Tisch kann ich Dir schon mal Sagen dass diese nicht von der Rentenversicherung Bezahlt wreden,

    ist Sache des Arbeitgebers. Wir haben das Integrationsamt an Bord geholt, die haben für Stuhl, Tisch und Arbeitsmatten 80%

    bezahlt, Einige Geräte hat die Rentenversicherung komplett bezahlt, als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben.


    Momentan Arbeiten wir an weiteren Ausstattungen für weitere Kollegen/inen.

  • Hallo Kostho,


    beim einem einfachen höhenverstellbaren und klappbaren Tisch gebe ich dir Recht, bei einer Sonderanfertigung nicht!


    Jenachdem um welches Leiden es sich handelt kann auch der Tisch oder der Stuhl ein Arbeitsmittel sein dass der Rentenversicherer trägt.


    Ich hatte einen Kollegen mit MS, da hat der Rentenversicherer den mobilen Bürostuhl von 8500,-€ getragen

    und einem Kollegen mit schweren Bandscheibenvorfällen, da hat der Rentenversicherer den angepassten Bürostuhl (Halbierte Rückenteil jedes selbst verstellbar, halbiertes Sitzteil mit unterschiedlichen Höhen verschiedene Armlehnen etc) von ü 2500,-€ getragen.


    Daher so pauschal stimmt deine Antwort nicht, darum sage ich immer den IFD mit ins Boot holen, denn die haben hier den Prozess von der Antragstellung bis zum Ende hin begleitet.


    Gruß

    Rabauke

  • Danke für die tollen Antworten! Einen höhenverstellbaren Schreibtisch habe ich bereits vor ca. 4 Jahren von der RV bekommen. Leider hilft er nur bedingt. Durch mein Leiden kann ich sitzen, stehen und laufen immer nur paar Minuten am Stück. Ich müsste den Tisch also ca. alle 5 Minuten hoch- und runterfahren. Und wenn der Schmerz dann so richtig da ist, hilft nur nur Liegen.


    Probesitzen habe ich bei den beiden Stühlen ja gewollt. Aber irgendwie wurde ich da ignoriert. Der Stuhl wurde gekauft und basta. Dabei merkt man doch erst nach einer ganzen Weile, ob es der Richtge ist.


    Leider meint mein AG, dass mit der Bereitstellung eines orthopädischen Stuhles seine Pflichten erledigt sind. WObei ich befürchte, dass der da sogar recht hat. Zur Vorbeugung sind diese Stühle bestimmt sinnvoll. Aber wenn man schon alles kaputt hat, braucht man halt was ganz Spezielles.


    Auf jeden Fall werde ich das IA mit in Boot holen! Habe auch bald einen Termin bei einem Schmerzspezialisten, den frage ich auch.


    LG

  • Ich würde dann noch einmal versuchen, mein Initiativrecht auf ein Präventionsverfahren gem. SGB IX wahrzunehmen.

    Hier sehe ich auf Grund deines Leidens, deinen Arbeitsplatz gefährdet.

    Der Arbeitsplatz ist als nicht leidensgerecht anzusehen, da du ja augenscheinlich, trotz speziellen Stuhl und Schreibtisch, nicht im erforderlichen Maß deiner Tätigkeit nachgehen kannst.

    Das Leben ist Veränderung

    Starte dort, wo du stehst!

    Aber versuche jeden Tag einen neuen Startpunkt zu finden!
    Benutze das, was du hast!

    Aber versuche jeden Tag etwas neues zu benutzen!
    Tu das, was du kannst!

    Aber versuche jeden Tag etwas mehr zu tun!

  • Hallo,


    es macht jetz wenig Sinn, über die Erstattbarkeit einzelner Arten von Bürostuhlen und schreibtischen zu diskutieren. Es kommt auf den konkreten Einzelfall an.

    Was dann wirklich empfohlen wird und was dann wer bezahlt muß dann im Rahmen eines Präventionsverfahren nach § 167 Abs. 1 SGB IX geklärt werden - wie bereits geschrieben unter Beteiligung des technischen Dienstes des IA.

    Und wenn dein Chef von sich aus dieses verfahren nicht beginnen will, dann können SBV und/oder BR dieses ausdrücklich verlangen bzw genauso wie betroffene selbst auch direkt an das IA herantreten.

  • Mein Chef beginnt damit definitiv nicht. Könnten ja seine Prämie mindern, wenn Zusatzkosten entstehen. Ich weiß Dank Euch jetzt aber Bescheid und werde das zu meinem Gesräch Ende August mit BR und SBV ansprechen.