BV über Informationspflicht bei Erhöhung der Arbeitszeit

  • Hallo zusammen,

    ich habe eine Frage. Wir sind noch immer Corona-bedingt in Kurzarbeit. Momentan arbeiten wir in meiner Abteilung 75% unserer

    regulären Arbeitszeit. Wir sind in zwei Teams aufgeteilt. Jeweils im wöchentlichen Wechsel arbeitet ein Team 150%, und hat dann in der darauf folgenden Woche frei, in der dann das andere Team arbeitet. Diese freie Woche wird nicht als „frei“ betitelt, sondern als eine Art Bereitschaft, falls das andere Team zum Beispiel wegen einer Corona Infektion ausfällt.

    Es gibt eine BV, die besagt, dass jeder Mitarbeiter eine Woche vorher informiert werden muss, bevor die Stundenzahl weiter erhöht wird, oder die Kurzarbeit ganz endet.


    So weit das allgemeine.


    Ein Mitarbeiter hatte nun drei Wochen Urlaub. Die Woche direkt nach seinem Urlaub hatte sein Team die Bereitschaftswoche, so dass er in dieser auch nicht im Betrieb war. Am Beginn dieser Woche wurde mitgeteilt, dass wir die Arbeitszeit von vorher 60% auf die oben beschriebenen 75% aufstocken. Die Mitteilung erfolgte in einer dienstlichen WhatsApp Gruppe, in der der Mitarbeiter NICHT Mitglied ist. Muss er auch nicht, da hierzu weder schriftlich noch mündlich irgendeine Verpflichtung kommuniziert wurde. Des Weiteren wurde die Mitteilung schriftlich ins persönliche Fach im Büro gelegt. Eine weitere Mitteilung erfolgte auf die Dienst-E-Mail-Adresse. Auf diese E-Mail-Adressen hat, so weit ich weiß, niemand aus unserer Abteilung die Möglichkeit, von zu Hause aus zuzugreifen, da wir einen speziellen Link benötigen, der uns nicht mitgeteilt wurde. Ist im Prinzip auch nicht nötig, da wir diese nur relativ selten nutzen, und wenn, dann vom Arbeitsplatz aus. Auch gibt es hierzu weder schriftlich, noch mündlich irgendeine „Verpflichtung“, die besagen würde, dass wir auch von außerhalb des Betriebes auf unsere Mails zugreifen können müssen.

    Nun sagt der Mitarbeiter (in meinen Augen zu recht), dass er nicht rechtzeitig informiert wurde und möchte diese Woche noch zu 60% arbeiten. Man hätte ihn zum Beispiel anrufen können, ihm schreiben, oder an seine private E-Mail Adresse senden können, die im Betrieb auch vorliegt.

    Unsere Teamleitung meint nun aber, sie hätte sich richtig verhalten und fristgerecht alle informiert, er müsse also auch zu 75% arbeiten. Ist das so?

    Vielen lieben Dank an alle, die die Geduld haben, diesen langen Text zu lesen und vielleicht sogar zu beantworten.

    Gruß Yvonne

  • Hallo Ivonne,

    auch wenn ich nicht verstehe wie man 150% arbeiten kann ( bei mir geht nicht mehr als alles und das sind 100 % ).

    Zum Verständnis der Kollege hatte 3 Wochen Urlaub. Danach die Woche Kurzarbeit ( bei euch Bereitschaftswoche ).

    Diese Woche ist jetzt. Beantworte mal gerade. Sehe du bist online.

  • Hallo,

    schade das du nicht mehr geantwortet hast. Also weiter ins Blaue. Was sagt eure BV wie zu informieren ist?

    So wie ich das bis jetzt lese hat der Kollege nach BV Recht, moralisch mache ich da mal ein großes ??

    Was spricht dagegen anstatt 60% nun 75% zu arbeiten? Betreuung der Kinder fällt mir eventuell ein.

    Fragt die Teamleitung doch mal wie sie den Kollegen informiert hat.


    Beste grüße

  • Ich versuche es noch mal besser zu erklären. Wir wurden in unserer Abteilung in zwei Teams aufgeteilt, die sich nicht begegnen sollen. Team eins arbeitet also zum Beispiel diese Woche. Das bedeutet, Team eins arbeitet von Montag bis Sonntag.

    Bei 75% wären dies bei Vollzeit also 30 Stunden pro Woche. Da Team eins aber in der nächsten Woche „frei“ bzw. eine Art Bereitschaft hat, arbeitet es diese Woche 60 Stunden, 75% für diese und 75% für die nächste Woche. In der nächsten Woche arbeitet dann Team zwei ebenso und Team eins hat „frei“.

  • In der BV gibt es keine besondere Form für die Weitergabe der Information. Wir haben diese BV auf den Weg gebracht, weil diese Corona-bedingte Krise ja leider länger andauert und jeder sein Leben, seine Termine und evtl. auch seine Kinderbetreuung der neuen Situation angepasst hat. Es soll eben gerade nicht zu der Situation kommen, dass du, wie in diesem Fall aus dem Urlaub zur Arbeit kommst und es heißt, ab heute musst du zwei Stunden länger arbeiten. Da finde ich moralisch nichts verwerfliches dran.

  • Nehmt diese Problematik zu Anlass und macht zu der BV einen Zusatz, der die Kommunikation entsprechende festschreibt.


    Auch ich bin der Meinung wie ELBARADO und würde als MA da keinen großen Aufstand machen, wenn ich nicht irgendwelche Betreuungsprobleme hätte.

    Das Leben ist Veränderung

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    Aber versuche jeden Tag etwas neues zu benutzen!
    Tu das, was du kannst!

    Aber versuche jeden Tag etwas mehr zu tun!

  • Ich seh das schon ein wenig anders als die Kollegen Elberado und der Nordfriese.


    Alleine die Tatsache, dass sich meine tägliche Arbeitszeit von 9 Stunden (gerade so erträglich) auf 10 Stunden (sehr grenzwertig) erhöht, kann nicht nur Probleme bei der Kinderbetreuung geben. Wenn ich einen längeren Weg in die Arbeit hab und vielleicht auch nicht gleiten kann, kann das auch Probleme in der täglichen Lebensführung geben.


    Außerdem ist ja die Ankündigungsfrist auch dafür gedacht, dass man seine Freizeit planen kann. Wenn ich jetzt die Ankündigungsfrist kürze, kann ich mein Privatleben nicht mehr planen.


    Für mich ist der Arbeitgeber aufgrund der Pflich zur Rücksichnahme (§241 II BGB) dazu verpflichtet, dem Arbeitnehmer die Information über die Erhöhung der persönlichen Arbeitszeit so zukommen zu lassen, dass er diese auch zur Kenntniss nehmen kann. Wenn das der Arbeitgeber nicht schafft, dann ist der Arbeitnehmer auch nicht verpflchtet, dem entsprechend zu arbeiten und kann auf Einhaltung der Ankündigungsfrist pochen.


    M.E. ist es so, dass wenn ihr in der BV nichts dazu geregelt habt, wie die Information weitergegeben werden muss, dann zählen die betriebsüblichen Wege. Dabei muss aber aus oben angegebenen Gründen der Arbeitgeber darauf achten, dass der AN die Information auch rechtzeitig erreicht. Der AN ist m.E. nicht dazu verpflichtet, dass er organisiert, dass ihn z.B. Kollegen bei seiner Abwesenheit informieren.


    Dies würde ich so dem Chef verklickern und versuchen eine Einigung zu erreichen.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Sehe ich ähnlich wie Markus. Wenn die BV sagt, dass die AN mit einer Woche Vorlauf zu informieren sind, dann muss der AG das auch so organisieren, dass diese Info die AN erreicht. Erreicht sie die Info nicht, ist das Organisationsversagen des AG.


    Um hier nicht ganz der "Spielverderber" zu sein, würde ich als AN wohl hingehen und zumindest teilweise versuchen dem nachzukommen, sprich hier nicht aus Prinzip mauern, nur weil ich es darf, sondern wirklich erklären, an welchen Tagen ich das so kurzfristig nicht organisiert bekomme. Damit sollte eigentlich beiden Seiten geholfen sein.

    Nehmt diese Problematik zu Anlass und macht zu der BV einen Zusatz, der die Kommunikation entsprechende festschreibt.

    Und das solltet ihr auch unbedingt tun. (Denkbar wäre ja auch, dass jeder Kollege selber festlegt, wie er informiert werden möchte/kann.)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Vielen Dank für eure Antworten! Ich sehe es auch so, wie Markus. Wozu gibt es denn eine BV, wenn ich dann moralische Bedenken haben muss, sobald ich diese auch eingehalten sehen möchte!?! Mir ist dabei auch der Grund des Mitarbeiters egal. Unser Arbeitgeber mauert und mauschelt bei ganz anderen Gelegenheiten.