Konflikt unter Kollegen

  • Hallo zusammen,


    Heute bin ich mal wieder ein bisschen ratlos. :)


    Vor kurzem hat ein Kollege (A) einen meiner BR-Kollegen mit zu einem Gespräch geladen, anwesend waren die GF sowie ein weiterer Kollege (B). A ist "einfacher" Angestellter, B ist Abteilungsleiter, aber nicht der Chef von Kollege A, die beiden arbeiten nur auf dem gleichen Flur.


    Kollege A berichtete, dass Kollege B ihn mobbt und hatte deswegen eine Beschwerde an die GF gerichtet, das Mobbing äußert sich durch Anschreien, unter Druck setzen, Nichtbeachten u. ä.

    Kollege A möchte, dass dies nicht mehr vorkommt.

    Kollege B weist alles von sich und ist entsetzt und empört ob dieser Vorwürfe, was dem BR-Kollegen zumindest auch authentisch vorkam.


    Alles ist höchst emotional aufgeladen, potenziert noch durch einen von Kollege B gehörten Rassismusvorwurf.


    Ergebnis des Krisengesprächs war, dass Kollegen A und B zügigst Termine mit einem ausgebildeten Mediator wahrnehmen. Hier haben auch schon einige Termine stattgefunden, anscheinend bisher ohne bahnbrechendes Ergebnis.


    Die Einschätzung des Vorfalls im Gremium anhand der Kenntnis der beteiligten Personen geht eher in die Richtung eines kräftig eskalierten Konflikts, wo beide gut austeilen, als in Richtung klassisches Mobbing, aber natürlich kann das keiner von uns wirklich einschätzen, da wir nicht vor Ort sind.


    Nun hat uns gestern die GF informiert, dass Mitarbeiter aus dem Umfeld von Kollege B an sie herangetreten seien, da Kollege B in letzter Zeit gar keinen guten Eindruck macht, deprimiert ist und sich zurückzieht, was sonst gar nicht seinem Wesen entspricht. Sie wünscht sich, dass jemand vom BR Kontakt sucht und Beistand anbietet. Wir sollen intern klären, welches BR-Mitglied wessen "Anwalt" ist und entsprechend vorgehen.


    Mir kommt das wie ein heißes Pflaster vor: Ich sehe einerseits ganz klar, dass der BR für beide Konfliktparteien da ist, zumal wir es eben von außen wirklich eher als einen Konflikt bewerten. Andererseits lese ich immer: Bei Mobbing muss der BR klar Partei für das Opfer ergreifen.


    Wie würdet ihr den Fall angehen?


    Viele liebe Grüße,

    Eure Bananenbrot

  • Hallo Bananenbrot,


    was sagt den der ausgebildete Mediator zu dem Thema?


    Ansonsten klingt das bei euch nach einem Problem, dass einiger Gespräche bedarf bzw. einiges an Aufklärung und Kommunikation. Ich würde vielleicht erstmal Einzelgespräche führen und dann eine gemeinsame Runde. Aber nachdem ihr ja schon jemand professionelles engagiert habt, sollte der euch bei solch der weiteren Vorgehensweise behilflich sein können.


    Im Prinzip vertretet ihr alle AN. Damit wahrscheinlich beide Parteien, ich vermute mal der Abteilungsleiter ist trotzdem kein leitender Angestellter in dem Sinne? Bei Mobbing ist das mit Sicherheit ein heikles Thema und man sollte sich von beiden Seiten genau anhören, was sie zu sagen haben. Gibt es sowas wie ein Mobbingtagebuch?


    Ohne zu wissen, was da in den Gesprächen gelaufen ist und warum Kollege A jetzt so deprimiert ist, kann man schlecht eine Einschätzung geben. Aber wie schon gesagt, der Mediator müsste doch eure erste Anlaufstelle sein.


    Gruß

    Blite

  • Andererseits lese ich immer: Bei Mobbing muss der BR klar Partei für das Opfer ergreifen.

    Dem würde ich im Grundsatz zustimmen. Mir ist nur ehrlich gesagt nicht klar, wer hier das Opfer und wer der Täter ist.


    Denn das hier

    da Kollege B in letzter Zeit gar keinen guten Eindruck macht, deprimiert ist und sich zurückzieht, was sonst gar nicht seinem Wesen entspricht.

    spricht eher für das Opfer/die Opferrolle.


    Und die "Nummer mit den Anwälten" mag ja nett gemeint sein, aber das ist schlicht nicht die Rolle des BR. Denn wenn ausgebildete Mediatoren es nicht "auf die Kette kriegen" - was sollt ihr als Laien da reißen?


    Ich würde da eher in die Richtung unterstützen: schau, hier gibt es professionelle Hilfe...

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • und warum Kollege A jetzt so deprimiert ist

    Lesen wir den gleichen Thread? ;)

    da Kollege B in letzter Zeit gar keinen guten Eindruck macht, deprimiert ist und sich zurückzieht

    Also entweder ist der Fall deutlich komplizierter, oder Bananenbrot kommt mit A und B durch den Tüddel...

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Hallo,


    so wie ich das lese hat sich Kollege A über B beschwert. Aber nicht beim BR sondern bei der GF.

    Also was wollt ihr ?

    Es ist keine offizielle Beschwerde nach § 85 bei euch eingegangen.

    Knallhart würde ich sagen Kollege A hat den falschen Weg eingeschlagen. Hätte er bei euch eine Beschwerde eingereicht, hättet ihr dies überprüfen müssen und eventuell, wenn ihr sie für berechtigt haltet, an die GF weitergeleitet.

    Nur mit Vorwürfen die man nicht beurteilen oder nachweisen kann ist keinem geholfen. Mobbingvorwürfe werden schnell in den Raum gestellt. Soll Kollege A ein Tagebuch führen.

    Was heißt anschreien? Gibt es Zeugen?

    Was bedeutet unter Druck setzen? ist doch nicht sein Vorgesetzter.

    Was bedeutet ignorieren. Meiner Meinung nach das beste was passieren kann. So gehen sich die Streithähne aus dem Weg.

    Ich würde euch empfehlen, wenn ihr denn wollt, mit beiden Parteien zu sprechen und euch euer eigenes Bild zu machen.

  • Wie würdet ihr den Fall angehen?

    wenn

    beide gut austeilen

    beide zusammen in einen Sack stecken und draufhauen, den richtigen erwischt du immer. ;)


    Im Ernst: Ihr habt einen Mediator eingeschaltet und damit die Angelegenheit in professionelle Hände gegeben. Jedem Kollegen Händchen halten ist nicht Aufgabe des BR.

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Hallo Bananenbrot,


    wenn ich dich richtig verstanden habt wurde ein BRM von MA A zu diesem Gespräch dazugebeten, hier kamen dann die Schilderungen von MA A zur Sprache, MA B konnte sich wahrscheinlich nicht auf diesen Termin vorbereiten und war dadurch schonmal im Nachteil.

    Das Einschalten des Mediators ist sicherlich ein guter Ansatz.

    Unabhängig davon würde ich aber auch das Gespräch mit MA B suchen um seine Sicht der Dinge zu hören, insbesonders nachdem sich nun die Kollegen von MA B bei Euch gemeldet haben und ein verändertes Verhalten gemeldet haben.


    Allerdings glaube ich nicht dass sich das Verhältnis zwischen den beiden MA kurzfristig bessert.


    Eine Möglichkeit wäre vielleicht beide Abteilungen stärker räumlich zu trennen.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo zusammen,


    Danke für eure Beiträge, ihr habt mir sehr geholfen!


    Die Idee mit dem Sack habe ich die ganze Zeit... /o\ ;)


    Nein, es stimmt schon mit den Buchstaben, A fühlt sich gemobbt und B ist seitdem deprimiert.


    Mit dem Mediator zu sprechen, ist sicher eine gute Idee, zumindest insoweit, als dass er den beiden Beteiligten auch Einzelgespräche anbieten sollte. Inhalte der Mediation müssen und dürfen auch gerne zwischen den drei Gesprächsbeteiligten bleiben, ich fürchte, sonst kommen wir direkt wieder in die Rolle, dass wir den Sachverhalt nun beurteilen sollen und entscheiden, wer denn bitte der Böse bei der Sache ist.


    Der Abteilungsleiter ist kein leitender Angestellter und eben auch nicht der Vorgesetzte des "gemobbten" Kollegen A. Ein Mobbingtagebuch gibt es nicht.


    Ich bin mit meinen Überlegungen aktuell soweit, dass ich denke, wir sollten Kollegen B definitiv auch ein Gespräch mit uns anbieten (auch wenn wir, wie ihr richtig sagt, für eine psychologische Beratung ganz bestimmt nicht die richtigen sind), allerdings ohne uns in "der Betriebsrat von A" und "der Betriebsrat von B" aufzuspalten.


    Ich fürchte ebenfalls, dass es aus dieser Abwärtsspirale so schnell keinen Ausstieg geben wird. Eine räumliche Trennung dann wohl das einzig verbleibende Mittel, denn die beiden schaffen es ja, sich derart in die Haare zu geraten, obwohl sie eigentlich außer der räumlichen Nähe überhaupt keine Berührungspunkte haben.


    Viele Grüße

    eure

    Bananenbrot

  • Ganz ehrlich - wenn ein ausgebildeter Mediator es nicht schafft die beiden "einigermaßen" auf Spur zu bringen,

    sehe ich für den BR kaum Möglichkeiten.

    Entweder verweigert einer der beiden eine Lösung oder einen Lösungsansatz und haut immer weiter drauf oder der Madiator hat seine Ausbildung "bei Neckermann" gewonnen.

  • Bananenbrot , Tipp vom Psychologen (kurz und knapp): Lasst als BR von diesem Fall die Finger. Ihr habt gar keine Chance, sie Euch nicht zu verbrennen, wenn Ihr Euch da weiter involviert, und die beiden Kolleg*innen sind mit der Mediation ja sowieso bereits professionell versorgt. Zudem bewegt Ihr Euch mit Streitaufklärung und -schlichtung außerhalb Eures Zuständigkeitsbereiches.

  • nun ausgebildeter Mediator kann jeder werden, ob der damit auch jeden helfen kann ist dahingestellt.


    Was macht der rabauke in so einen Fall, wenn sich scheinbar zeigt, dass der Mediator auch nicht weiter hilft.

    Der rabauke lädt beide auf einen Kaffee in sein Büro ein.


    Stellt fest dass wohl A und B miteinander ein Problem haben und beide ungeeignet sind, das Problem zu lösen obwohl beide die Ursache des Problems sind.

    Dann nimmt er seinen Basballschläger und haut den mal kräftig auf den Tisch, damit beide auch richtig wach sind.


    Dann gibt es 3 Aufforderungen

    Aufforderung an A => Wechsel die Strassenseite wenn du B siehst

    Aufforderung an B=> Wenn du siehst das A die Strassenseite gewechselt hat überprüfe ob er nun auf deiner Strassenseite ist oder auf der gegenüberliegenden, ist er auf deiner, dann wechsel du die Straßenseite, damit ihr auf ggenüberliegenden Strassenseiten seit

    Anforderung C=> vergesst ab jetzt was gewesen ist und fangt neu bei Null an, geht euch einfach aus dem WEG. Sicherheitsabstand 5m ist einzuhalten.


    dann noch ein paar warme Worte wozu wir eigendlich alle im Betrieb sind, um unsere Arbeitskraft zu verkaufen, und uns dem Arbeitgeber somit zu Prostituieren und nicht um uns gegenseitig aufzureiben. Das schadet nur unserer Arbeitskraft und damit uns selbst, weil dadurch über kurz oder lang auch unser Wert sinkt und damit das die Kohle, die wir am Monatsende erhalten werden.


    dann raus mit dem beiden... und schauen, ob es hilft.

  • Rabauke : Mediator*in wird jede*r, der/die eine entsprechende Ausbildung mit Zertifikat hat. Auch eine Mediation kann nicht allen helfen - der Abbruch einer Mediation wird z.B. empfohlen, wenn bei mindestens einer der Parteien der Einigungswille fehlt oder wenn man als Mediator*in den Eindruck gat, dass der Konflikt u.a. Produkt einer psychischen Störung mindestens einer Partei ist.


    Ich lese Deinen Beitrag als Satire. Wäre er das nicht, müsste ich Unprofessionalität und Selbstüberschätzung attestieren.

  • hallo Winfried,


    es war sicher ernst gemeint.

    So wie nicht jeder Meister ein guter Meister ist und alles in seinem Fach beherscht.


    Auch wenn du studiert hast, die "Ausbildung" zum Mediator für die Private Wirtschaft zur Konfliktlösung kosten 4600,-€ bei der IHK und kann jeder absolvieren der lernwillig ist und eine abgeschlossene 3-Jahrige Berufsausbildung hat.



    Daher, überbewerte den Begriff nicht.

    Die Ausbildung benötigt 400 Ausbildungsstunden in 2 Module, das sind in Summe 10 Wochen Ausbildung, also noch keine 3 Monate.


    Gruß

    rabauke

  • Wenn das wirklich Ernst gemeint ist, dann fällt mir schwer den Rabauke noch ernst zu nehmen.
    Die Ausbildung gibt nur ein Rüstzeug an die Hand und man muss da schon einige interne "Gene" mitbringen um das gut zu machen. Und vor allem zu erkennen wann man das auch mit dem Rüstzeug das man bekommen hat nicht lösen kann als Mediator.

  • Ich würde mit dem Mediator nicht sprechen. Vor allem ihm als Profi nicht sagen das er Einzelgespräche anbieten soll.
    Wie und mit welchen Methoden, Aktionen er versucht das Thema zu lösen ist seine Sache.
    Wenn der Mediator euch etwas aus den Gesprächen erzählen würde dann würde ich diesen Profi zum Teufel jagen.
    Was dort besprochen wird gehört in keinster Weise nach außen.

    Was ihr aus meinem Verständnis den beiden Betroffenen anbieten könnt ist das ihr euch mit Ihnen über Gott und Welt und am Rande vielleicht auch über die aktuelle Situation unterhalten. So das die beiden sich da einfach vielleicht auch mal ausk.... können wie es ihnen persönlich geht.
    Inhaltlich zum Problem bearbeitet das der Profi.

  • Winfried, als Psychologe weisst du sicher, dass manchmal ein robustes "habt ihr eigentlich einen an der Klatsche, ihr Ärsche?" wirkungsvoller sein kann als "Ich bin betrübt, dass ihr eure Antipathien gegeneinander nicht bei einem guten Gespräch lösen könnt und jeder mal versucht, die Argumentation des anderen zu verstehen..."


    Nicht immer, aber je nachdem wie Empfänger, Absender und Situation beschaffen sind...;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)