Kostenübernahme des Sachschadens bei Wegeunfall

  • Hallo in die Runde,


    mir kam diese Woche ein ganz interessantes Thema auf den Schreibtisch. Ein MA hatte auf dem Weg zur Arbeit einen Fahrradunfall und will das jetzt natürlich über die BG machen. Soweit so gut. Bei den Verletzungen (zum Glück keine Schweren) ist das ja auch alles in Ordnung. Allerdings will er auch seine zerstörte Brille für eine nicht gerade geringe Summe von der BG entschädigen lassen.


    Hab mich mal ein bisschen schlau gemacht und stehe irgendwie in einer Sackgasse :D BG übernimmt Kosten für die gesundheitlichen Folgen, nicht aber die für Sachschaden (Quelle: https://www.bussgeldkatalog.net/wegeunfall/) Ist die kaputte Brille jetzt eine gesundheitliche Folge, weil ohne die sieht er ja nix :D oder ist das Sachschaden? Bin auf eure Meinungen gespannt.


    LG
    Marimosa

  • Natürlich Sachschaden.

    Die Kosten trägt der Verursachen des Schadens.

    Auf Deutsch - wenn er angefahren wurde - der der ihn angefahren hat. Wenn er selbst schuld ist, weil er einfach umgefallen ist oder zu am Bordstein oder ähnliches - trägt er selbst die Kosten

  • Gesundheitliche Folge wäre für mich wenn er aufgrund des Unfalles nun eine Brille benötigt, vorher aber keine hatte.

    also Sachschaden der nicht ersetzt wird.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Achso ja, wichtiger Punkt: Er ist weggerutscht, also gibts keinen weiteren Unfallbeteiligten. Kann mir vorstellen, dass er das deswegen über die BG machen will. Er kann halt effektiv nicht arbeiten ohne die Brille.

  • Das kann er ja wollen. Aber ich sehe das auch nicht, dass die BG dafür eintreten wird (oder gar muss). Die BG ist eine erweiterte Krankenversicherung. Und welche Krankenversicherung erstattet Kosten für eine Brille? Hier käme eher die Hausrat- oder spezielle Brillenversicherungen zum tragen.


    Ist aber letztlich ein Thema des Versicherungsrechts und hat mit uns hier nix zu tun. (Will sagen, es ist eher unwahrscheinlich, dass du hier verlässliche/kompetente Antwort erhältst.)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Ganz so sicher wäre ich mir da nicht. Ich hatte diesen Fall zwar noch nicht, aber ein kurzes googeln brachte mich bspw. auf folgenden Text bei der BG ETEM:

    Zahlt die Berufsgenossenschaft, wenn mir bei der Arbeit meine Brille kaputt geht?

    Wenn durch einen Arbeitsunfall die als Sehhilfe benötigte Brille beschädigt oder zerstört wird, übernimmt die Berufsgenossenschaft die Kosten für die Reparatur oder den Ersatz der Brille. Die Kostenübernahme ist beschränkt auf einen gleichwertigen Ersatz der beschädigten Gläser und die Kosten für das Brillengestell bis zur Höhe von 300,- Euro.


    Ich würde somit mal direkt in den Bedingungen/FAQs der betroffenen BG nachsehen.

    Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen. [YODA] - BRV, 7er Gremium, kein Tarif, GBRM

  • mit Schummeln hätte ich das auch hinbekommen... ;)

    Ich weiß...habe auch schon ein ganz schlechtes Gewissen. =O^^

    Aber ein weiteres "Schummeln" brachte zu Tage, dass dies wohl bei vielen BGen so gesehen wird.

    Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen. [YODA] - BRV, 7er Gremium, kein Tarif, GBRM

  • Dank an esci , da wurde mir die Worte quasi aus dem Mund genommen. Imho ist sonnenklar, dass die Brille von der BG ersetzt wird, wenn Sie zur Erfüllung der Arbeitsleistung nötig ist und durch den Arbeits(wege)unfall beschädigt wurde.

    Aber ich sehe das auch nicht, dass die BG dafür eintreten wird (oder gar muss). Die BG ist eine erweiterte Krankenversicherung. Und welche Krankenversicherung erstattet Kosten für eine Brille?

    Moritz , da unterliegst Du einem prinzipiellen Missverständnis. Die Aufgaben und Pflichten der gesetzlichen Unfallversicherung gehen rechtlich weit über die einer KV hinaus. Und ganz pragmatisch kann ich Dir als Psychologe, der regelmäßig Menschen nach Arbeits(wege)unfällen betreut und deswegen häufig Kontakt zu und Gespräche mit BGen hat, sagen, dass diese Aufgaben und Pflichten auch gelebt werden.


    (Edit: Ich arbeite in der Neurologischen Rehabilitation. Meine BG-Patient*innen haben idR Schädel-Hirn-Traumata, ich hatte aber auch schon Landwirt*innen mit FSME nach Zeckenbiss; aktuell behandle ich eine Altenpflegerin, die sich in der Arbeit Covid-19 mit gravierenden neurologischen Folgen eingefangen hat)

    Ist aber letztlich ein Thema des Versicherungsrechts und hat mit uns hier nix zu tun. (Will sagen, es ist eher unwahrscheinlich, dass du hier verlässliche/kompetente Antwort erhältst.)

    Und damit, Moritz , geht Dein Missverständnis weiter. Nein, es handelt sich nicht um Versicherungsrecht, sondern um Sozialrecht (SGB VII), und dazu sollte zumindest Grundwissen im BR vorhanden sein.

  • Die Aufgaben und Pflichten der gesetzlichen Unfallversicherung gehen rechtlich weit über die einer KV hinaus. Und ... kann ich Dir ... sagen, dass diese Aufgaben und Pflichten auch gelebt werden.

    Danke, das war mir beides bekannt. Neu war mir lediglich der Aspekt "Materialschaden".


    es handelt sich nicht um Versicherungsrecht, sondern um Sozialrecht (SGB VII)

    Jetzt wo Du es sagst - hatte ich schon mal gehört... (bei einer Schulung bei der BG 8| (Wieso ist nie ein Mauseloch in der Nähe, wenn man eines braucht...))



    und dazu sollte zumindest Grundwissen im BR vorhanden sein

    Im BR ist das sicher. Ich als einzelnes BRM erlaube mir da schon mal Wissenslücken... ;)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Ähem, lieber Winfried,


    so ganz ist diese Bemerkung

    Nein, es handelt sich nicht um Versicherungsrecht, sondern um Sozialrecht (SGB VII)

    beim Einschalten des Korinthenkacker-Modus auch nicht korrekt, denn auch das Recht der gesetzlichen Krankenversicherung ist ebenfalls Sozialrecht - nach SGB V.

    Zum UP sei noch anzumerken, daß auch noch in Betracht kommt, eine derartige Spezialbrille, die für die Arbeit notwendig ist, auch noch als Teilhabeleistung zu beantragen, wenn die pauschale Kostenerstattung für Sehhilfen nicht ausreicht.


    Und eine weitere Anmerkung kann ich mir auch nicht in Bezug auf die BGen im Zusammenhang mit dieser Bemerkung von Dir

    Und ganz pragmatisch kann ich Dir als Psychologe, der regelmäßig Menschen nach Arbeits(wege)unfällen betreut und deswegen häufig Kontakt zu und Gespräche mit BGen hat, sagen, dass diese Aufgaben und Pflichten auch gelebt werden.

    nicht verkneifen:

    Wenn Deine Patienten zu Dir kommen, hat die BG den Anspruch schon akzeptiert und genau da liegt zumindest bei einer sehr großen BG das Problem - das sie den Anspruch dem Grunde nach und im Umfang anerkennt.

    Diese mir bekannte sehr große BG hat durch (Zwangs-) Fusion meine Berufsgruppe bekommen. Seitdem besteht ihre offensichtliche Hauptaufgabe darin, Ansprüche abzulehnen bzw. so klein zu rechnen, daß zuerst immer bei bleibenden Schäden ja kein MdE größer 10 herauskommt. Das macht insbesondere den Versicherten mit einer PTBS nach schweren und schwersten Unfällen richtig "Spass", wenn sie aufgrund bleibender Traumata ihren Beruf bis auf weiteres nicht mehr ausüben können. Die BG schreckt auch nicht davor zurück, Gutachten von von ihnen selbst benannten Gutachtern als "nicht verwertbar" zurückzuweisen, wenn diese Gutachten der BG nicht in den Kram passen. Da kann der Gutachter auch ein allgemein anerkannter Uni-Professor sein, das interessiert sie nicht.

    Der gewerkschaftliche Rechtsschutz, der ja zum Glück auch Sozialrecht beinhaltet, hat in meiner Branche jedenfalls mit dieser zuständigen BG gut zu tun.

  • so ganz ist diese Bemerkung beim Einschalten des Korinthenkacker-Modus auch nicht korrekt, denn auch das Recht der gesetzlichen Krankenversicherung ist ebenfalls Sozialrecht - nach SGB V.

    Wenn wir schon Weinbeerln scheissen, lieber albarracin , dann lass Dir sagen, dass ich a) niemals behauptet habe, dass die Krankenversicherung kein Sozialrecht sei und b) die richtige Aussage, dass die Krankenversicherung Sozialrecht sei, ja nicht das Faktum negiert, dass die gesetzliche Unfallversicherung, also der Aufgabenbereich der BG, Sozialrecht ist.


    Was Deine Aussage zu "Kostenvermeidungsstrategien" von manchen BGen betrifft, hast Du sicher recht. Ein ehemaliger Kollege mit Schwerpunkt PTSD hat mal ein Stellenangebot zur Forschung zu dem Thema in einer BG-Klinik abgelehnt, weil ihm dort schon im Bewerbungsgespräch recht unverhohlen mitgeteilt wurde, dass bei der Studie herauszukommen habe, dass es PTSD bei der untersuchten Personengruppe nicht gebe.


    Und ja, ich habe in der Regel mit "geklärten" Fällen zu tun. Allerdings nicht nur. Trotzdem: Ich erlebe, dass der gesetzliche Auftrag gelebt wird.