Ausbildungsinhalt im Betrieb

  • Hallo,


    ich hoffe ich bin hier richtig. Ich bin relativ neu in der JAV und kenne mich so gut wie gar nicht aus wenn es um so ziemlich alles geht.


    Bei mir in der JAV ist es momentan so das wir alle die Ausbildung verbessern wollen. (Nicht alle auf die gleiche weiße)

    Wir sind alle unzufrieden mit den Betriebsphasen und das haben wir sowohl dem BR wie der Ausbildungsleitung mitgeteilt. Wir haben auch Vorschläge gemacht. Haben jedoch die Aussage bekommen das die Ausbildung die Berufsschule und bzw. der Ausbildungsträger übernehmen und der Betrieb somit keinen Ausbildungsinhalt übermitteln muss. Bedeutet also das der Azubi in den Betriebsphasen für die Produktion verwendet wird und er lernt sehr selten etwas das ihn auf seine Prüfung vorbereitet und kaum etwas für den Bereich in den er später übernommen wird (kann ein komplett anderer sein als der aus der Betriebsphase).


    Müssen wir dieses Argument "die Berufsschule bzw. Ausbildungsträger übernehmen die Ausbildung" hinnehmen als "Das ist alles rechtens wie es abläuft." oder können wir dagegen argumentieren? Meine Kollegen beziehen sich dauerhaft auf einen Paragraph des BBiG (unsicher welchen) der wohl (in eigenen Worten) besagt das der Betrieb den Azubi ausbildungs relevante Tätigkeiten durchführen lassen muss mit denen dieser Ausbildungsziele aus dem Ausbildungsrahmenplan erlernt. Ist dieser Paragraph, falls jemand verstanden hat auf welchen sich meine Kollegen da beziehen, anwendbar auf die Situation die bei uns vorhanden ist?


    Ich hoffe ich hab mich einigermaßen verständlich ausgedrückt und hoffe auf lehrreiche Antworten.


    MfG,

    hatux

  • Hallo Hatux,


    gemeint ist sicher der §14 BBiG


    Der größte Anteil bei der Ausbildung in Deutschland hat das duale Ausbildungskonzept d.h. Berufsschule und Ausbildungsbetrieb vermitteln beide gemeinsam die notwendigen Kenntnisse, meist ist es so aufgeteilt dass die Schule die theoretische Wissensvermittlung durchführt und der Ausbildungsbetrieb den praktischen Teil.

    Daneben gibt es noch die rein schulische Berufsausbildung, die aber nur für einige Ausbildungen erfolgt.


    Aus deiner Beschreibung gehe ich davon aus das ihr in einer dualen Ausbildung seid, hier hat auch der Ausbildungsbetrieb, der mit dem Ihr den Ausbildungsvertrag abgeschlossen habt, die Pflicht euch die notwendigen Kenntnisse zu vermitteln.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo Bernd,


    Aus deiner Antwort heraus kann ich trotzdem nicht komplett festlegen was für eine Ausbildung hier angeboten wird.


    Ein Ausbildungsvertrag wurde geschlossen was dafür spricht das es eine duale Ausbildung ist und wir werden Blöcke weiße eingeteilt in Berufsschule und Betrieb.


    Jedoch ist es bei uns der Fall das die Berufsschule so lehrt wie in einer rein schulischen Berufsausbildung, heißt Projekt orientiert die Praxis und Theorie im normalen Unterricht so wie Fächer wie WISO, Englisch, Deutsch.


    Aus meiner Sicht passen beide formen irgendwie und ich weiß nicht welche Regelungen nun angewendet werden. Wie gesagt der BR und die Ausbildungsleitung argumentieren damit das die Berufsschule die Ausbildung komplett übernimmt. Was für mich bedeutet wir haben eine rein schulische Ausbildung und sollten somit nur ein halbes Jahr Praktikum haben und nicht alle paar Monate für mehrere Monat Betrieb.


    Grüße,

    Hatux

  • Hallo Bernd,


    Bei mir ist es der Fall das ich schon ausgelehrnt bin. Der Vertrag wurde jedoch bei mir und auch bei allen anderen Azubis mit dem Betrieb abgeschlossen.


    Ich wurde zum Elektroniker ausgebildet, andere werden jedoch zu Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker und Anlagenmechaniker für Rohrsytemtechnik. Bei den letzteren ist die Situation besonders bescheiden da der Betrieb nichts mit rohrsytemen zu tun hat, diese werden nur ausgebildet weil sie schweißen lernen und der Betrieb Schweißer braucht. In den Betriebephasen stehen die momentan nur an Anlagen und drücken monatelang Knöpfe für die Produktion und lernen nicht Ausbildungsrelevantes.


    Viele Grüße,

    Hatux

  • Wenn es sich um einen anerkannten Ausbildungsberuf handelt, muss es eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung geben und in dieser eine Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Vermittlung der beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbildungsrahmenplan). (§ 5 BBiG).

    D.h. in der Ausbildungsordnung für Deinen Beruf ist genau definiert, welche Kenntnisse und Fähigkeiten vom Ausbildungsbetrieb vermittelt werden müssen.


    z.B. Mechatroniker oder Zerspanungsmechaniker

  • Hallo hatux,


    erstmal finde ich es gut, dass ihr als JAV hier Aktiv werden wollt.

    Wer wofür zuständig ist während der Ausbildung beschreibt der §§reiter sehr gut, was wo wie und warum steht nun mal in der Ausbildungsordnung, die die Azubis auch incl. Ausbildungplan was wann wo wie hiervon erledigt wird (guter Ausbildungsbetrieb).


    Der BR hat zusammen mit der JAV diesen Plan auch zu überprüfen. Wenn sich der BR hier weigert macht er seinen Job nicht!

    Das Fällt u.a. unter dem § 80 BetrVG.


    Wie mann hier was erreicht, nun zu meiner Jugendzeit (1978) ist man dann als Azubi in die Gewerkschaft eingetreten, hat dort mit der DGB und der IGM Jugend das Thema in den offenen Arbetiskreisen besprochen und ist mit dem Jugendsekretär der Gewerkschaft die Themen angegangen, die der Jugend wichtig sind.


    Wenn der BR sich weiter "verwigert" hatte, dann hat man als Ausbildungsbereich eigenen Kandidaten für den BR aufstellen lassen und sicher gestellt, das von der Jugend nur die gewählt werden. Auf dem Betriebsversammlung Stimmung gemacht und dem BR auch mal gesagt, was der alles nicht macht, und ist mit dem ein oder anderen Auszubildenden Mitglied des BR geworden. Die BR-Wahlen stehen im Frühjahr 2022 an, also Vorbereitungszeit genug.


    Wichtig ist jedoch bei all dem Handeln das ihr vorhabt, dass Ihr den Bogen nicht "überspannt" und euch die Rechtslage sehr bewusst ist, was geht, worauf hat man evt. sogar anspruch, was machen andere Betriebe mit ähnlicher Aufstellung wie wir anders, sind wir als Ausbildungsbetrieb die erste Wahl und wenn nicht, wieso sind andere hier besser.


    Wenn es um eine Veränderung hier geht ist es ja wichtig, die regeln einzuhalten und dem Arbeitgeber auch mal aufzuzeigen, was andere besser machen wo er noch Nachholbedarf hat.

    Dann gibt es zumindest in unserer Region regelmäßige Ausbildungsbörsen, wo sich die Ausbildungsbetrieben vorstellen (mit Azubis die berichten wie gut es doch bei ihrem Arbeitgeber ist).

    Nun wenn man nicht ankommt mit der Veränderung die sowohl gesetzlich zulässig ist wie auch in anderen Betrieben so durchgeführt wird, dann ein Plakat machen mit highs and Lows und auf der Lows seite kommt dann keine Unterstützung beim Erlernen des theoretischen Teils und bei den Highs steht ab dem ersten Tag zu 100% eingebunden in der Produktion


    ;)


    gruß

    rabauke


    der noch viele weitere Ideen hätte euch hier zu unterstützen

  • und kenne mich so gut wie gar nicht aus wenn es um so ziemlich alles geht

    Erst einmal willkommen im Club und Glückwunsch zur Wahl. So wie du es da beschreibst, bist du doch auf dem besten Weg zum Experten. (Nach gängiger Definition ist ein Experte jemand, der von immer weniger Dingen immer mehr weiß, bis er zum Schluss von Nichts alles weiß. ;) (Du stehst halt noch am anderen Ende des Maßstabs, aber wir haben ja alle mal klein angefangen, gell?))


    Haben jedoch die Aussage bekommen das die Ausbildung die Berufsschule und bzw. der Ausbildungsträger übernehmen und der Betrieb somit keinen Ausbildungsinhalt übermitteln muss.

    Das kann man (völlig egal um welche Ausbildung es geht, solange es um Ausbildung geht) getrost in das Reich der Fabeln verweisen. Selbstverständlich hat ein Ausbildungsbetrieb die Aufgabe auszubilden. Nur deswegen heißt er ja so!


    Aber, und da wird es dann unhandlich, hier gibt es eine breite Bandbreite an Möglichkeiten. Stehen die Azubis nur als billige Arbeitskraft am Schweißautomaten, klingt das erst einmal nicht nach Ausbildung, wenn aber Schweißautomaten die gelebte Realität sind, dann ist das halt die praktische Einübung (die auch Teil der Ausbildung ist).


    Schon zu meiner Zeit (und das ist ein paar Jährchen her) gab es Unternehmen, die eigene Ausbildungswerktstätten hatten, bei denen die Azubis eigene Lehraufgaben erhielten, gar nichts Produktives machten, aber dafür deutlich mehr Ausbildungsvergütung erhielten als ich, der ich tagtäglich produktiv tätig war...


    Will sagen: nur weil woanders besser ausgebildet wird, heißt das nicht unbedingt, dass die eigene Ausbildung wirklich falsch oder gar unzulässig ist.


    Gleichwohl will ich gerne glauben (aus deiner Schilderung), dass es bei euch noch einiges an Optimierungspotential gibt. Hier wäre ein vernünftiger BR, der da mitzieht, Gold wert!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Danke für die Antworten. Jetzt hab ich auf jedenfall schon mal ein etwas klareres Bild. Jetzt heißt es für mich erstmal die JAV und den BR zum miteinander arbeiten zu bringen. Beide Seiten stehen nämlich momentan mit einem Fuß im Krieg.