GF verlangt von Belegschaft, an runde Geburtstage zu denken und für diese auch zu sammeln

  • Hallo,


    heute mal wieder eine Geschichte aus unserem kleinen (mittlerweile 13 Personen) Unternehmen.


    Nach unserer wöchentlichen Teamsitzung, bat die GF mich und einen AL noch zu einem weiteren Gespräch.

    Dabei warf sie - hauptsächlich an mich als BR gerichtet - uns/mir vor, dass zum 60. Geburtstag einer Kollegin (ihre Sekretärin) nichts seitens der Belegschaft unternommen und dass auch keine Sammelaktion für die Kollegin gestartet wurde.


    Zunächst einmal bin ich - aber auch die Kolleg/-innen, die ich bisher dazu befragt habe - der Meinung, dass die Würdigung eines runden Geburtstages nicht Aufgabe der Belegschaft ist, sondern... wenn... dann Aufgabe der GF. Weiterhin fand ich den Vorwurf an die Belegschaft sehr merkwürdig, dass diese kein Geld gesammelt hatte. Es kann wohl kaum sein, dass die GF dies der Belegschaft vorwerfen kann.


    Ich weiß - das klingt alles wie "Peanuts" oder "Kinderkram". Aber seitdem die neue GF hier ist, sind solche Kindereien an der Tagesordnung und es wird seitens der GF wirklich ALLES getan, um die Belegschaft zu demotivieren und die Stimmung runterzuziehen.


    Wie sehr Ihr das Ganze - und wie würdet Ihr das rechtlich sehen (falls es dazu überhaupt etwas rechtliches zu sehen gibt)?


    Danke und Gruß,

    imebro

  • Hallo imebro,


    die Sache mit Geburtstagen von Arbeitskollegen kann man aus zwei Richtungen betrachten.

    Rein rechtlich besteht kein Anspruch auf ein Geburtstagsgeschenk oder eine Gratulation der Mitarbeiter gegenüber dem Geburtstagskind. Daher kann der Arbeitgeber auch nicht verlangen dass gesammelt wird und jeder etwas gibt. Der Arbeitgeber hat natürlich die Möglichkeit im Rahmen seines Direktionsrechtes einen seiner Mitarbeiter damit zu beauftragen eine Sammlung durchzuführen, allerdings kann die Teilnahme an dieser Sammlung nur auf freiwilliger Basis erfolgen.


    Die andere Seite ist die persönliche, den wer freut sich nicht über ein tolles Geschenk oder die Glückwünsche seiner Arbeitskollegen zum Geburtstag. Allerdings ist das streng genommen immer eine rein private Angelegenheit ob ich gratuliere oder gar etwas schenke.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Der Arbeitgeber hat natürlich die Möglichkeit im Rahmen seines Direktionsrechtes einen seiner Mitarbeiter damit zu beauftragen eine Sammlung durchzuführen,

    Wenn diese Aufgaben mit dem AV übereinstimmt dann ja sonst nein.

    Aber wenn der AG unbedingt den Geburtstagskinder etwas schenken möchte soll er doch machen.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • das geburtsdatum ist eine persönliche Schützenswerte Datei. Die Weitergabe unterliegt strengen vorgaben, ichwürde hier mit Hinweis auf die Datenschutzgrundverordnung den Arbeitgeber hinweisen, dass hier wohl vom Arbeitgeber gefordert wird dass die Arbeitnehmer hiergegen verstoßen. Ob er sich dieses überhaupt bewust ist und ihm mitteilen, solltest du das wirklich wollen so müssen wir wohl die landesdatenschutzbeauftragte hierüber informieren

  • Vielen Dank für Eure guten Argumente, die mir sehr weiterhelfen.


    In dem oben benannten Gespräch zwischen der GF, dem AL und mir, hatte die GF sogar noch vorwurfsvoll in meine Richtung gesagt, dass ich ja "erst vor kurzem eine Liste mit den Namen und Geburtsdaten der Belegschaft erhalten hätte"... Also hätte ich wissen müssen, dass diese Kollegin einen runden Geburtstag feiert.


    Ich war in diesem Moment auf diesen merkwürdigen und m.E. unverschämten Vorwurf nicht eingegangen, da mir (um ehrlich zu sein) gerade die Worte fehlten... Hier hätte ich dann beispielsweise ja sehr gut argumentieren können, dass ich dann gegen die DSGVO verstoßen hätte, wenn ich die anderen Kolleg/-innen darüber informiert hätte, dass diese Kollegin in Kürze einen runden Geburtstag hat.


    Ich werde dieses Thema in meinem monatlichen BR-Gespräch nochmal aufnehmen und dann diese Argumente vortragen. Auch die Idee, dass - wenn die GF möchte, das runde Geburtstage gewürdigt werden - sie selbst oder ein/e von ihr bestimmte/r Mitarbeiter/-in sich darum kümmern müssen, dies zu organisieren.


    Sicher sollte ich ihr dabei auch nochmal klar machen, dass solche Sammelaktionen natürlich immer freiwillig sind und dass man einer Belegschaft nicht vorwerfen kann, dass dies bei einer Kollegin versäumt wurde.


    Als kleines Gimmick noch folgender Hinweis:

    Die benannte Kollegin ist die Sekretärin der GF. Und diese Sekretärin ist die einzige Person bei uns, die noch hinter der GF steht und diese auch verteidigt.

    Weiterhin machten mich 2 unserer MA noch heute im Gespräch darauf aufmerksam, dass deren runde Geburtstage im vergangenen Jahr auch nicht gewürdigt wurden. Dazu kam aber keine Aktion der GF... :-)


    Schöne Grüße,

    imebro

  • Hallo Imebro,


    ich bin kein qualifizierter Psychologe und wurde auch schon für Ferndiagnosen versäckelt, weshalb ich keine stellen möchte ;) Aber je mehr ich über deine GL lese, desto mehr erinnert sie mich an eine ehemalige Führungskraft, bei der eine dissoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde (leider erst, nachdem sie schon unverhältnismäßig viel Schaden angerichtet hatte).


    Mit solchen Leuten kannst du nicht vernünftig argumentieren. Sie haben ihr eigenes verqueres Weltbild, in das du mit Logik nicht vordringen kannst. Daher würde ich mich auch nicht rechtfertigen oder Vorschläge machen, sondern ruhig und freundlich darauf hinweisen, dass sie nach § 23.1 BetrVG deine Auflösung beantragen kann, wenn sie eine grobe Pflichtverletzung sieht und damit das Thema für beendet erklären. Umso besser, wenn bis auf eine Person die Belegschaft in dieser Frage hinter dir steht.


    Bei uns ist es eine lieb gewonnene Tradition (aber keine Verpflichtung), dass das Geburtstagskind einen selbst gebackenen Kuchen für die Kolleg/innen mitbringt und dafür Anspruch auf eine Umarmung hat.8)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • @ Der Mann mit der Ledertasche:


    Besser hätte es Niemand ausdrücken können.

    Auch ich sowie meine Kolleg/-innen sind keine Psychologen. Aber diese "dissoziale Persönlichkeitsstörung" paßt sowas von gut zu dieser Frau, dass man es nicht besser ausdrücken kann.

    Es gibt hier immer wieder solche Aktionen von ihr, wo man sich fragt... wieso demotiviert diese Frau die komplette Belegschaft... und das gerade in Zeiten von Corona, wo man doch eigentlich mehr zusammenhalten muss/sollte.


    @ All:


    Gerade seit einer Stunde werde ich mal wieder schickaniert, indem sie nun die Kassenbelege für den Kaffekauf sehen möchte. Wir erhalten seit fast 20 Jahren jeden Monat 15 Euro zum Kauf von Kaffee für die Belegschaft. Und bisher hat noch nie Jemand danach gefragt. Habe ihr die Belege (von fast 20 J.) nun ausgehändigt und schon kam die Frage, wo denn ein Rest von 25 Euro sei, der für das Jahr 2020 an mich ausgegeben wurde. Meine Antwort war....... "die Differenz liegt in Bar in der Kaffeekasse, um davon in den nächsten Tagen Kaffee zu kaufen". :-) Mit so einem Kinderkram muss man sich hier rumschlagen und es wird immer wieder versucht, mir irgend einen Fehler nachzuweisen. Selbstverständlich ist das auch Mobbing und ich überlege seit langer Zeit, ob ich nicht mal einen Rechtsberater aufsuchen sollte/müßte.

    Nur mal so als Info... Ich war im Jahr 2019 für 7 Wochen in einer psychosom. Klinik, da ich diese dauernden Schikanen nicht mehr aushalten konnte. Ich möchte nicht unbedingt nochmal da hin. Aber im Moment legt unsere GF es wirklich wieder drauf an.


    Nun gut.

    Ich werde in der kommenden Woche beim Monatsgespräch das Thema "runde Geburtstage" ansprechen und sehen, was passiert.


    Danke Euch und schöne Grüße,

    imebro

  • imebro : und nach dieser Frage hätte sich das mit dem Kaffee für die Belegschaft kaufen auch erledigt. Ich denke nicht, dass das in deinem Arbeitsvertrag steht.


    Ich würde freundlich zu ihr gehen und sagen, dass scheinbar das Vertrauen fehlt und deshalb wirst du keinen Kaffee mehr holen. Nicht vergessen, die restlichen 25€ mitzunehmen.

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Die Lösung hört sich sehr nach "Dienst nach Vorschrift" an. Nimm deinen Arbeitsvertrag und deine Stellenbeschreibung und tu genau das, was laut den Unterlagen dein Job ist. Nicht mehr, nicht weniger. Kaffee und Kuchen stehen da vermutlich nicht drin. Geld sammeln und Geschenke besorgen auch nicht. Dann kann die GF ja selber mit einer Spendendose rumlaufen und davon Kaffee holen und den zum Geburtstag verschenken.

    Wenn die Stimmung eh im Eimer ist, dann musst du dich nicht weiter bemühen und die Missgunst der GF ausbaden.

  • Danke für Eure weiteren Beschreibungen und Tipps.


    Tja, Ihr trefft es eigentlich Alle genau auf den Punkt.

    Die Stimmung ist hier eh im Eimer und seit Monaten hat im Grunde hier kein/e Mitarbeiter/-in mehr Bock zu arbeiten. 2 von Uns haben sich bereits etwas Neues gesucht und sind gegangen... hauptsächlich wegen der GF, die jetzt seit rund 2 Jahren hier im Amt ist.


    Ich muss zugeben, dass ich bei manchen ihrer Aktionen dann echt auch sprachlos bin und nicht gleich ein gutes Argument "raushauen" kann. Das hätte ich z.B. bei der Sache mit den runden Geburtstagen tun können.

    Ebenso hätte ich gestern bei der Sache mit dem Kaffeegeld auch so reagieren können, dass ich ihr freundlich erkläre, dass auf dem Beschluss des Vorstandes aus dem Jahr 2002 (ja, so lange läuft das schon so mit den 15 Euro) nichts davon steht, dass die Belege aufbewahrt werden müssen. Dort steht lediglich, dass ich 1 x monatlich einen Betrag von 15 Euro für Bewirtung erhalte. Diesen Zettel unterschreibe ich jeden Monat und erhalte dann vom Buchhalter das Geld.


    Leider ist es hier so, dass ich die Belegschaft zwar inoffiziell hinter mir habe. Aber eben nicht dann, wenn´s drauf ankommt. Es würde niemals so sein, dass die Belegschaft mal klar sagt, wir finden diese Entscheidung nicht gut... oder wir wollen nicht, dass unser BR hier ständig schickaniert wird (ok, das wäre auch eine heftige Reaktion...) oder wir wenden uns mal an das übergeordnete Gremium, indem wir einen gemeinsamen Brief schreiben, dass die Zustände hier untragbar sind... etc.


    Somit stehe ich alleine auf weiter Flur. Nun habe ich mir überlegt, die beiden AL mehr ins Boot zu nehmen. Denn die sollten ja auch daran interessiert sein, dass es den Leuten in ihrer Abt. gut geht. Leider sind gerade diese Beiden auch eher solche Menschen, die ängstlich sind und die bisher eher der GF "nach dem Mund reden".


    Sorry... ich will hier eigentlich nicht jammern. Aber es ist tatsächlich so, dass es eigentlich eine Bestrafung ist, hier BR sein zu müssen. Und ich hätte das Amt längst abgegeben, wenn ich nicht sicher wäre, dass dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt meine Kündigung käme. Das eine Jahr, welches man noch Schutz hat, nachdem man das Amt nicht mehr ausübt, würde mir nicht viel bringen, denn ich muss noch insgesamt rund 5 Jahre arbeiten bis zu meiner Rente :-(


    Danke nochmal für Eure Hilfe.


    Schöne Grüße,

    imebro

  • imebro , auch als Psychologe stelle ich hier keine Ferndiagnose, gebe aber folgenden globalen Tipp 1 ab:


    Wenn man versucht, es einer Person, der man es nicht recht machen kann, immer wieder recht zu machen, verwendet man viel Energie in ein sinnloses Unterfangen. Besser ist es, ganz entspannt festzustellen, dass man sich eh nicht anzustrengen braucht und es am Besten so macht, wie man es selber für richtig hält.


    Tipp 2: In konkreten Situationen können innere Vorstellungsbilder, die das schwierige Gegenüber in lustigen, entwürdigenden o.ä. Situationen zeigen, sehr entspannend wirken.

  • vor allem den 2. Tip wende ich schon lange an, manchmal muss ich dann so Grinsen, dass meine Gegenüber es merken...

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)