Krankheit bei Kurzarbeit

  • Hallo Leute,

    ich hätte da mal eine Frage bezüglich AU während der Kurzarbeit.

    Beispiel: Kurzarbeit ab 01.11.20 ca 50%. Wir sind ein Logistikunternehmen, daher schwankt die monatliche Kurzarbeit teilweise deutlich.

    Jetzt wird ein Mitarbeiter am 01.12.20 Krank und fällt bis 31.12.20 aus. Im Betrieb wird im Dezember im Durchschnitt 50% gearbeitet, und 50% Kurzarbeit.

    Wie wird der MA jetzt bezahlt? Erhält er für die komplette AU Kurzarbeitergeld, oder erhält er für die Durchschnittlichen 50% arbeitsleisung im Betrieb volle LFZ und für die 50% Kurzarbeitergeld?

    Ich hoffe ich konnte das einigermaßen erklären.


    Danke Euch

    Jörg

  • Die entscheidenden §§ sind hier § 3 in Verbindung mit § 4 EntgFG, wonach der AN so zu stellen ist (§ 4), wie es die für ihn maßgebende Arbeitszeit vorsieht.


    D.h. ist Kurzarbeit geplant (so ist es ja hier), bekommt der AN für die "normale" Arbeitszeit die entsprechende Lohnfortzahlung, für die Kurzarbeitszeit bekommt er das entsprechende Kurzarbeitergeld. (D.h. am Ende bekommt er genau das, was er bekommen hätte, hätte er gearbeitet.)


    Wäre es anders, würden alle AN sich AU schreiben lassen, statt Kurzarbeitergeld zu bekommen. Etwas anderes gilt nur, wenn der AN bereits AU ist, wenn die Kurzarbeit eintritt.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Das Problem scheint hier zu sein das eben noch keine Schichtplanung für den gesamten Zeitraum der AU erfolgt ist. Und man jetzt für die Zukunft gewisse Freiheiten bei der Planung der Persönlichen Kurzarbeit besitzt. Da ja nicht alle gleich eingesetzt werden.

  • Der Durchschnitt ist das Problem. Einer geht voll und einer geht 0%. Möglicherweise. Und in den meisten Fällen geht es nicht 100%ig gleich zu. Wenn dann die Monatsplanung nicht fertig ist ergeben sich daraus in der Personalplanung gewisse Freiräume. Oder Gefühlte oder Tatsächliche Benachteiligungen in der Personalplanung.

  • @ Schimmelchen: Ich lese das schon so ähnlich wie Homer. Ich denke auch, dass es hier um vermeintliche planerische Gestaltungsspielräume des Arbeitgebers geht (implizit). Allerdings:

    Wenn dann die Monatsplanung nicht fertig ist ergeben sich daraus in der Personalplanung gewisse Freiräume. Oder Gefühlte oder Tatsächliche Benachteiligungen in der Personalplanung.

    Diesen "gewissen Freiräumen" wird aber durch das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates ein Riegel vorgeschoben.


    Sollte in der Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit, die übrigens zwingend ist, wenn ein BR besteht, der Betriebrat dem Arbeitgeber die komplette Handlungsmacht dem Arbeitgeber überlassen haben, könnte das ein lustiges Spielchen für den Arbeitgeber werden. Denn dann wäre die BV insgesamt potentiell eher nichtig und der AG in Verzug wenn der Arbeitnehmer dies geltend macht( BAG, Urteil vom 18.11.2015 – 5 AZR 491/14 RZ18).


    Sollte der Betriebsrat jedoch einer Kurzarbeitsplanung genehmigt haben, in der der betroffenne Mitarbeiter mit 100% Kurzarbeit steht, na dann herzlichen Glückwunsch!


    Gruß

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Wenn dann die Monatsplanung nicht fertig ist ergeben sich daraus in der Personalplanung gewisse Freiräume.

    Es gilt immer noch § 4 EntgFG, sprich der AN ist so zu stellen, als ob er gearbeitet hätte. Sprich der AG ist hier durchaus nicht frei zu sagen: oh, prima, hier kann ich ganz viel Geld sparen, den setze ich einfach auf 100% Kurzarbeit. Ausnahme: alle anderen werden auch auf 100% gesetzt, dann mag das möglich sein.


    Im Übrigen diskutiert ihr hier gerade einen Fall, eine Möglichkeit, die vom Fragensteller gar nicht aufgeworfen wurde...

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  • Es wurden die Fallstricke mit bedacht die sich all zu oft in den Betrieben im Täglichen Umgang zeigen. Es wurde nicht geschrieben das die Arbeitszeit schon fest verplant ist. Und ob rechtlich etwas nicht in Ordnung ist ist das eine, durchsetzen das andere.