Anhörung Kündigung

  • hallo zusammen!


    Folgender Sachverhalt:

    Ein MA möchte gekündigt werden, da er 2 Jahre nur noch bis zur Rente hat. Er möchte nach dem Austritt aus der Firma 1 Jahr lang arbeitslos in Anspruch nehmen um abschlagsfrei in die Rente gehen zu können. Der MA hat dieses mit seinem Anwalt abgeklärt und es ist ihm bewusst, dass er offizielle Klage gegen die Kündigung einreichen muss. Es geht im Ganzen nur darum, dass er beim Arbeitsamt keine Sperre oder ähnliche Probleme bekommt

    Soweit ist ja auch alles ok,. Nun haben wir eine Anhörung zu diesem MA bekommen, worin steht "aus strukturellen Massnahmen entfällt diese Stelle!

    Wir wissen aber heute schon, dass die Stelle nach Austritt des MA wieder neu besetzt wird. Zwar nicht mehr zu 100 % in der heutigen Version, aber sie wird besetzt

    Wie müssen wir nun damit umgehen? mit dem Wissen von heute?

    Wenn man als BR die Frist der Anhörung verstreichen lässt, was für Auswirkung hat das alles?

  • ich bin kein Fachanwalt, aber ich würde schätzen, der MA gewinnt die Klage und das wird nix mit seinem Plan.


    Wie müssen wir nun damit umgehen? mit dem Wissen von heute?

    der Kündigung widersprechen, alles andere wäre aus meiner Sicht zu offensichtlich und vor allem grundsätzlich falsch bei den Rahmenbedingungen

  • Wenn ich nicht zu 200% sicher bin das die Stelle wieder besetzt wird dann verwende ich das nicht und selbst dann muss ich das ja nicht wissen wenn ich dem Mitarbeiter auch etwas gutes Zukommen lassen will.


    ich bin kein Fachanwalt, aber ich würde schätzen, der MA gewinnt die Klage und das wird nix mit seinem Plan.

    Man kann sich auch so dumm bei einer Klage anstellen das man nicht gewinnt. :-)

  • Oh, Herr Kollege, es gibt ja so Dinge, die kann man vielleicht machen, aber die sollte man nicht an die große Glocke hängen... das hier ist definitiv so etwas!


    Wenn man als BR die Frist der Anhörung verstreichen lässt, was für Auswirkung hat das alles?

    Fangen wir mal anders an: Welche Auswirkung hat ein Widerspruch zur Kündigung?


    Widerspricht der BR einer Kündigung, ist die einzige Rechtsfolge davon, dass wenn der AN sich gegen die Kündigung zur Wehr setzt, er solange auf der Lohnliste bleibt, bis der Fall abschließend entschieden ist. (Ohne Widerspruch wäre er mit Ende der Kündigungsfrist erst einmal draußen.)


    Widersprecht ihr der Kündigung mit dem Hinweis, dass ihr ja wisst, dass die Stelle neue besetzt wird, ist die Klage vor dem Arbeitsgericht vermutlich ein Selbstläufer. Denn der Vorsitzende wird vermutlich den AG fragen, ob das so stimmt und der AG wäre gut beraten hier nicht zu lügen. Damit fliegt dem AG die Kündigung um die Ohren. (Oder dem AN, so wie du es schilderst.)


    Widersprecht ihr der Kündigung nicht, hat das erst einmal keine Auswirkung. (Allenfalls, dass der Vorsitzende sich wundern wird, warum der BR nicht widersprochen hat und hier noch andere Dinge vermuten wird. Aber die Gedanken sind ja bekanntlich frei, könnt ihr also ignorieren.)


    Wenn ich als BR von dem hier geschilderten, natürlich rein hypothetischen, Fall Kenntnis hätte und ich würde hier "mitspielen" wollen, würde ich wohl der Kündigung widersprechen, mit dem Hinweis, dass der AG leider nicht geprüft hat, ob er AN nicht woanders hätte eingesetzt werden können. Damit habe ich einen gültigen Widerspruch formuliert, den der AG ohne weiteres vor dem Gericht einräumen kann, und der ihm trotzdem die Möglichkeit lässt zu sagen: "Ich habe aber keine Stelle. Es tut mir leid..."


    Wie er in der Konstellation aber um eine Abfindung herumkommen will, erscheint mir schwierig, ist aber als BR nicht mein Problem.


    Ganz ehrlich? Ich halte das hier weniger für ein juristisches, vielmehr für ein ethisches Problem. Und da müsst ihr selber wissen, wie ihr damit umgeht!

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Ich halte das hier weniger für ein juristisches, vielmehr für ein ethisches Problem.

    Danke!!


    Nicht nur das der Kollege wird arbeitslos und bekommt dann Arbeitslosengeld obwohl ihm das eigentlich nicht zusteht und wenn die Arge aus irgendeinem Grund wind davon bekommt bekommt er gar nix.

    In gewissem Sinne ist sowas Sozialbetrug. Ich weiß es wird oft so gehandhabt und bei uns leider auch. Ich als BR muss dann halt für mich überlegen wie ich dazu stehe, ich als BRV teile meine Bedenken im Gremium immer mit und was dann dabei rauskommt kommt halt raus-

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Soweit ist ja auch alles ok,

    Nein, ist es nicht.


    In gewissem Sinne ist sowas Sozialbetrug

    ...und ich würde mich als BR dafür nicht hergeben. Sinn und Zweck des Sozialsystems ist es nicht jemandem den vorzeitigen Ruhestand zu finanzieren.


    Falls ich das in 20 Jahren (so ca. 2 Jahre vor der Rente) anders sehen sollte, würde ich zumindest den BR aus so einer Schweinerei raushalten. Ich würde versuchen den AG dazu zu bewegen mir eine Änderungskündigung anzubieten.

    Zwar nicht mehr zu 100 % in der heutigen Version, aber sie wird besetzt

    Wenn ich den geänderten Arbeitsvertrag (mit reduzierter Arbeitszeit) dann ablehne und daraufhin gekündigt werde, bekomme ich auch keine Sperre. Mit der Ablehnung beendet man nämlich nicht selbstständig sein Arbeitsverhältnis (was zu einer Sperre führt), sondern versucht sein ursprüngliches Beschäftigungsverhältnis zu erhalten (was zu keiner Sperre führt).

    ...und mal abgesehen davon führt es nicht zu einer Sperre, dass man keine Kündigungsschutzklage eingereicht hat.

    Die Voraussetzung für eine Sperre ist immer, dass man sein Arbeitsverhältnis selbstständig beendet hat, oder eine Kündigung vorsätzlich herbeigeführt hat. Siehe auch: Voraussetzungen der Sperrzeit

  • §§Reiter und was macht denn der BR mit der Änderungskündigung??? ;)

    Na das was er für richtig hält, schließlich habe ich ihn ja nicht über meine Absicht informiert mir damit Sozialleistungen zu erschleichen. Ob der jetzt zustimmt oder ablehnt ist mir ja egal, Klagen werde ich eh nicht weil das keine Auswirkungen auf Sperre oder nicht Sperre hat.

  • §§Reiter und was macht denn der BR mit der Änderungskündigung???

    Hallo Schwede,


    ich denke, dass das egal sein wird, da der AN nicht mehr dazu verpflichtet ist, eine Kündigungsschutzklage gegen die Änderungskündigung einzureichen.


    Daher kann der BR widersprechen, was er will, die Kündigung wird rechtskräftig und es entsteht kein Grund für eine Sperrfrist beim ALG.


    Das macht es zwar ethisch nicht besser, allerdings kenne ich auch große Konzerne, die sich auf diese Weise gesundgestoßen haben und dabei auch noch vom Staat unterstützt wurden. Kenne das von dem ein oder anderen Automobilkonzern.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Das macht es zwar ethisch nicht besser

    Vollkommen richtig. Abgesehen davon, dass ich nicht auch noch den BR in meine unlauteren Absichten mit hineinziehe.

    Der kann dann ruhigen Gewissens das tun wozu er da ist und meine Interessen als Mitarbeiter vertreten.

    Meine Interessen als unmoralischer Schweinepriester, der für einen vorzeitigen Ruhestand unrechtmäßig das Sozialsystem schröpfen will, vertrete ich dann alleine. ;)

  • Meine Interessen als unmoralischer Schweinepriester, der für einen vorzeitigen Ruhestand unrechtmäßig das Sozialsystem schröpfen will, vertrete ich dann alleine. ;)

    Sorry Paragraphenreiter, aber solange du dein Handeln noch unter moralischen Gesichtspunkten beurteilen kannst, hast du nicht das Zeug zum Schweinepriester und wirst höchstens ein Schweinemessdiener bleiben. ;)


    Auf der Priesterstufe stehen z.B. unsere geschätzen ehemaligen Konkurrenten und jetzt Teilhaber, die sich mit uns zuerst einen ruinösen Rabattkampf um den Werberamsch der Großkunden geliefert haben. Bis sie auf die Idee kamen, sich bei uns einzukaufen und wir ihr Kroppzeug übernehmen mussten, das unseren Chefs die wenigen schmutzigen Tricks beibrachte, die sie selbst noch nicht kannten. Deren Zusteller wurden praktisch von heute auf morgen und ohne Vorwarnung beim Hartzamt vor der Tür abgeladen und wir müssen ihren Mist austragen. :cursing: Und ich kam ohne Kündigung für meine Bemerkung davon, dass ich vor jedem, der in der Altstadt den Arsch hinhält, mehr Respekt hätte, weil der sein Geld wenigstens ehrlich verdient. (Ich hatte es im Kollegenkreis gesagt und konnte nichts dafür, dass einer Übernommenen so gute Ohren hat) ;)


    Die von Markus erwähnten Großkonzerne haben dann schon die Qualifikation zum Schweinekardinal... <X

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)