Hausbesuch

  • Hallo,


    in unserem Betrieb ist zur Zeit Mobile Work für alle KollegInnen, die nicht ins Büro kommen müssen, vorgeschrieben. Nun gibt es aber Kollegen, die erhebliche psychische Probleme nach einem Jahr Corona + sozialer Isolation + vollständigem Mobile Work haben, die leider aus der Nachbarstadt kommen und mit dem ÖPNV anreisen müssten, was sie verständlicherweise schreckt. Zur Sprechstunde herzukommen geht somit eher nicht. Gerne würden wir dem Kollegen einen "Hausbesuch" anbieten, damit er endlich wieder mal jemand aus dem Büro wiedersehen, sich den Frust von der Seele reden kann, wir den ein oder anderen Tipp geben können usw.


    Frage: darf ich den Kollegen zuhause besuchen, zählt das als BR-Arbeit? Brauche ich dazu dann (sicherheitshalber) einen Beschluss?


    Vielen Dank für Eure Kommentare

    Gerd


    PS: Ich bin neu hier, vor 10 min angemeldet, habe zwar recherchiert, ob es zu diesem Thema schon was gibt, hatte aber nichts gefunden - wenn ich was übersehen habe, bitte ich um Hinweis und Verzeihung

  • Frage: darf ich den Kollegen zuhause besuchen, zählt das als BR-Arbeit? Brauche ich dazu dann (sicherheitshalber) einen Beschluss?

    Die Fragen lassen sich nicht so ohne weiteres beantworten.


    Darfst du den Kollegen zuhause besuchen? Vermutlich ja. In den meisten Landkreisen ist eine Fremdperson pro Haushalt zulässig. Hier könnte es aber, abhängig von der tatsächlichen Situation vor Ort, auch andere Regelungen geben.


    Zählt das als BR-Arbeit?
    Wenn das als BR-Sprechstunde gilt und du vom BR mit der Durchführung der Sprechstunden beauftragt bist, wohl ja. Bist du aber nicht freigestellt, würde ich das nicht ohne Auftrag des BR machen.


    Abgesehen mal von der Arbeitszeit kommen ja auch noch evtl. Fahrtkosten hinzu. Auch hier wäre ich ohne Beschluss des BR sehr vorsichtig etwas einzufordern.


    Aber ganz ehrlich?

    Kollegen, die erhebliche psychische Probleme nach einem Jahr Corona + sozialer Isolation + vollständigem Mobile Work haben

    Auch wenn ich das im Grundsatz nachvollziehen kann (zumindest woher das Gefühl kommt), meinst du wirklich, dass du die notwendige Kompetenz besitzt um hier dagegen zu arbeiten?


    (Versteh das bitte richtig: bis vor kurzem hatten wir hier im Forum noch einen ausgebildeten Psychologen, der sehr aktiv war, dem hätte ich das sofort zugetraut. Bei dir kenne ich einfach den Hintergrund nicht. Und wenn ich im Laufe der Jahre etwas Grundsätzliches gelernt habe, dann das gut gemeint selten das gleiche wie gut gemacht ist. Deswegen rate ich hier eine ehrliche Prüfung der Möglichkeiten an.)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Gerne würden wir dem Kollegen einen "Hausbesuch" anbieten, damit er endlich wieder mal jemand aus dem Büro wiedersehen, sich den Frust von der Seele reden kann, wir den ein oder anderen Tipp geben können usw.

    ich drücke es mal etwas einfach aus (bitte nicht persönlich nehmen)


    wir Betriebsräte sind keine Sozialarbeiter, auch wenn ich mir manchmal so vorkomme.

    Wenn der Kollege psychische Probleme hat, dann solltest Du ihn zum Arzt schicken, als Betriebsrat ist man für vorbeugenden Gesundheitsschutz zuständig, nicht für die Behandlung von bereits eingetretenen Gesundheitsproblemen.


    Und wenn er in den Betrieb kommt, dann doch sicher zum Arbeiten und nicht nur um sich auszusprechen und den Frust von der Seele zu reden. Das mag zwar notwendig sein, aber bitte in der Freizeit, sonst könnte das Ärger mit dem AG geben (wenn er das mitbekommt)


    Ansonsten bin ich bei Moritz:

    wenn es um Angelegenheiten geht, für die man als BR zuständig ist, dann kann man das sicher so auslegen, das man auch mal einen Dienstgang machen muss.

    Die Scheu vor der Verantwortung ist eine Krankheit unserer Zeit, denn Macht ohne Verantwortung ist wie ein Feuer außer Kontrolle.


  • Ich bin da ein wenig vorsichtiger wie Moritz.


    Ob eine "Begehung" des häuslichen Arbietsplatzes ohne weiteres möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Auch bei einer mobilen Sprechstunde wäre ich da vorsichtig, ob das abklappern sämtlich möglicher Besprechungsteilnehmer erforderlich ist. Da hilft mir auch ein Beschluss des Betriebsrates nichts.


    Was ich mir durchaus vorstellen könnte wäre, dass man alle, im HomeOffice befindlichen Arbeitnehmer anschreibt und ihnen die Teilnahme an einer mobilen Sprechstunde anbietet. Wenn sich dann Mitarbeitende an euch wenden und aktiv den Kontakt suchen, dann wäre ein Besuch zu Hause in meinen Augen auf alle Fälle erforderlich.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Wenn sich dann Mitarbeitende an euch wenden und aktiv den Kontakt suchen

    Danke. Den Gedankengang hatte ich vorhin auch noch (dass das vom AN eingefordert werden muss), bin dann aber drüber hinweggekommen...


    Von sich aus, auch noch alle, AN zu besuchen sehe ich auch eher problematisch.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Möglicherweise begebe ich mich auf dünnes Eis, aaaber...


    als BRM erledigst du deine BR-Arbeit grundsätzlich eigenverantwortlich, du musst dich nur zu dringend erforderlicher BR-Arbeit abmelden. Dazu können auch Termine außer Haus gehören (Rechtsanwalt, Gewerkschaft etc). Ob dies auch bei einem Hausbesuch für einem Kollegen der Fall ist, sehe ich persönlich löblich aber rechtlich während der Arbeitszeit kritisch. Als Privatbesuch könnte dir das sicher niemand verbieten. Ich würde aber rückfragen, ob dem Kollegen Besuch überhaupt genehm ist und auch nicht versuchen, mich als Laientherapeut zu betätigen, sondern ihn einfach nur über den Betrieb auf dem laufenden halten.


    Möglicherweise könnte sich ja der zu besuchende Kollege beim BR melden und sagen: "Ich habe ein Problem, zu dem ich eigentlich in die Sprechstunde kommen wollte, aber derzeit kann ich aus Gesundheitsgründen nicht aus dem Haus. Könnte mich ein BR-Mitglied besuchen? Am liebsten wäre mir der Gerd..." Damit könnte man es zumindest mal versuchen. (Aber von mir hast du das nicht...) ;)

    Für einen Betriebsrat gilt: Lobt dich der Gegner, ist das bedenklich. Schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg. (August Bebel)

  • Hallo Gerd,


    erstmal Herzlich willkommen im Forum!


    meine Vorredner haben dazu ja schon einiges geschrieben.

    Was ich noch bedenken würde ist der generelle Infektionsschutz wenn du nacheinander mehrere MA in Präsenz besuchst.

    Gibt es bei euch die Möglichkeit von Videokonferenzen? Dies wäre vielleicht eine Möglichkeit für eine virtuelle Kaffeepause und der gegenüber hat jemand der ihm zuhört, allerdings solltest du bei dem ganzen Thema aber auch dich selbst nicht vergessen, denn sich die Probleme der anderen anzuhören und sicherlich auch teilweise aufzuhalsen ist für die eigene Gesundheit nur bedingt förderlich.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Zunächst mal ist ja nicht jeder "Corona-Blues" gleich ein psychisches Problem. Wenn jemand frustriert und allein daheim hockt, von dem ganzen Mist die Schnauze voll hat und immer schlechtere Laune bekommt, weil ihm "die Decke auf den Kopf fällt", kann ein Besuch und ein Gespräch sehr hilfreich sein.

    Geht es aber tatsächlich um...

    erhebliche psychische Probleme

    ...solltest Du davon tunlichst die Finger lassen. Da bin ich ganz bei Moritz.


    Was die Möglichkeit zum Hausbesuch angeht, hast Du denn den AG einfach mal gefragt wie er das sieht?

    Ich bin erst vor 3 Wochen zum AG ins Büro gegangen und hab ihm gesagt: "Der Kollege den Du gekündigt hast, wo wir widersprochen haben, hat heute seine Güteverhandlung wie Du ja weißt. Da das ganze Online stattfindet und ich mich nicht zuschalten darf, fahr ich jetzt zu dem Heim und schau mir das von dort aus an. Hast Du damit ein Problem?"

    Der war so überrascht, dass da nur ein "ja, ok" zurück kam :D

    ...ich bin allerdings auch freigestellt und der AG ist meistens ganz froh, wenn ich mal nicht im Haus bin um ihn ständig zu ärgern.

  • Wenn der Kollege bzw. Kollegin z. B. ein Formular ausfüllen muss was er alleine nicht kann weil er z. B. sich nicht sicher ist kann man das versuchen am Telefon oder per Skype zu lösen. Wenn das nicht klappt muss man dann über ein Treffen nachdenken. Natürlich mit den entsprechenden Schutzmassnahmen welche aktuell zu beachten sind.