BR können GW Arbeit machen?

  • Habe dazu schon einiges gefunden hier im Forum aber die Antworten haben mich noch nicht erleuchtet.


    Wir sind von der GW aufgestellt und gewählt worden, wir sind sowohl gewerkschaftlich als auch nicht gewerkschaftlich aufgestellt.


    Nun ist es so das in unserem Büro viele Werbeartikel gebunkert werden. Auch glaubt die GW das der BR Präsenttaschen oder die Verteilung der Werbeartikel zuständig wäre, weil wir 3 freigestellte Mitglieder haben.

    Das wir ab und an GW werben natürlich nur als BR und nicht als Gewerkschafter, dagegen spreche ja nichts aber es kommen auch Flyer von der GW (da wir gerade in Tarifverhandlungen sind) die wir verteilen sollen.

    Meines Erachtens ist die GW oder aber die Tarifkommission in der Pflicht über Verhandlungen mit de AG zu infomieren. Nicht der BR !


    Ich freue mich auf regen Diskussionsbedarf.

    Weitere Fragen können gestellt werden ;)

  • Wenn ich mir den Absatz 1 des § 2 BetrVG anschaue, dann finde ich dort folgenden Satz:

    Arbeitgeber und Betriebsrat arbeiten unter Beachtung der geltenden Tarifverträge vertrauensvoll und im Zusammenwirken mit den im Betrieb vertretenen Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebs zusammen. (Hervorhebungen durch den Zitierenden)

    D.h. solange also die Tarifverhandlungen auch für euren Betrieb relevant sind, bewegt ihr euch im Rahmen, wenn ihr darüber informiert.


    aber es kommen auch Flyer von der GW (da wir gerade in Tarifverhandlungen sind) die wir verteilen sollen.

    Meines Erachtens ist die GW oder aber die Tarifkommission in der Pflicht über Verhandlungen mit de AG zu infomieren. (Hervorhebungen durch den Zitierenden)

    Ich kann dir da nicht folgen. Du siehst eine Informationspflicht bei der GW, aber wenn sie Informationsflyer erstellen, dann ist das nicht richtig?


    Oder meinst du, die Tarifkommission sollte gefälligst ihre Flyer auch selber verteilen?


    So habe ich Gewerkschaft und Gewerkschaftsarbeit noch nie verstanden... (aber ich gebe zu, ich bin da auch kein echter Experte drin)

    Ich sehe hier kein Problem.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Ich kann dir da nicht folgen. Du siehst eine Informationspflicht bei der GW, aber wenn sie Informationsflyer erstellen, dann ist das nicht richtig?


    Oder meinst du, die Tarifkommission sollte gefälligst ihre Flyer auch selber verteilen?

    Ich sehe es so das die GW ihre Flyer oder anderes Informationsmaterial selbst verteilen sollte. Nicht in unser Büro legen und entweder die freigestellten oder andere BRM dazu auffordern diese zu verteilen.


    Aber ich bin ja offen für Beratungsvorschläge.

  • Ich sehe es so das die GW ihre Flyer oder anderes Informationsmaterial selbst verteilen sollte. Nicht in unser Büro legen und entweder die freigestellten oder andere BRM dazu auffordern diese zu verteilen.

    Ich weis nicht wie bei euch die gewerkschaftliche Struktur ist, aber bei der IGM ist es so, dass es in den Betrieben Vertrauenskörper gibt, die quasi das Bindeglied zwischen Gewerkschaften und Arbeitnehmer sind. Dieser Vertrauenskörper (VK) übernimmt im Regelfall, so ist zumindest der Plan, die Informationsarbeit für die Gewerkschaften, die parallel hierzu auch noch auf ihren Informationswegen (Internet, Apps, Zeitschriften, Intranet für Funktionäre usw.) informiert.


    Laut Satzung der IGM sind sämtliche BRM, die auch IGM-Mitglied sind automatisch auch Mitglied des Vertrauenskörpers. Der BRV oder der Stelli sogar die Vertrauenskörperleitung (nicht automatisch, aber in der Regel). Daher ist es Aufgabe der BRM, die Flyer zu verteilen. Nicht in Eigenschaft als BRM sondern als Mitglied des VK.


    LG

    Markus

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

  • Auch glaubt die GW das der BR Präsenttaschen oder die Verteilung der Werbeartikel zuständig wäre, weil wir 3 freigestellte Mitglieder haben.

    heisst für mich:

    die GW erwartet, dass die freigestellten BRM GW-Aufgaben während der Freistellung/Arbeitszeit machen?


    Ist das dann nicht ein Verstoß gegen das BetrVG?


    ich bin auch kein Experte, aber mein Wissen war bisher, das GW-Arbeit in der Freizeit zu erfolgen hat?

  • heisst für mich:

    die GW erwartet, dass die freigestellten BRM GW-Aufgaben während der Freistellung/Arbeitszeit machen?

    Also zum einen, Die Gewerkschaft, dass sind alle GW-Mitglieder. Nicht nur die Hauptamtlichen.

    Bei der Frage zu welcher Zeit mache ich das, sage ich, sind die Grenzen fließend.

    Verteile ich einige hundert Flyer an möglichst vielen MA innerhalb kurzer Zeit dürfte das mit der BR Arbeit wenig im Einklang zu bringen sein.

    Besuche ich die MA an ihren Arbeitsplätzen, kontrolliere z.B. den Arbeitsschutz und beantworte den Kollegen fragen zum aktuellen Tarif-Geschehen kann ich das als BR Arbeit verbuchen.

    In großen Unternehmungen gibt es sogar freigestellte VKL die kein BRV sind. z. B. bei Siemens.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Wir sind von der GW aufgestellt und gewählt worden, wir sind sowohl gewerkschaftlich als auch nicht gewerkschaftlich aufgestellt.

    Ich sehe es so das die GW ihre Flyer oder anderes Informationsmaterial selbst verteilen sollte.

    Als Nicht-Gewerkschafter sähe ich mich hier auch nicht in der Pflicht. Wenn ich aber selber Gewerkschaftsmitglied bin und durch deren Liste in den BR gekommen bin, dann bin ich doch Teil der Gewerkschaft, also werden die Flyer doch durch die "Gewerkschaft" verteilt.


    Mit welchem Zeitaufwand ich das dann machen kann/darf/soll, ist ja ein zweites Problem. Aber grundsätzlich sehe ich hier keinen Widerspruch. (Auf jeden Fall für Informationen die für meinen Betrieb relevant sind.)

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Wenn ich aber selber Gewerkschaftsmitglied bin und durch deren Liste in den BR gekommen bin, dann bin ich doch Teil der Gewerkschaft, also werden die Flyer doch durch die "Gewerkschaft" verteilt.

    So sehe ich das auch. Die Gewerkschaft fordert nicht den BRM auf Flyer zu verteilen, die Gewerkschaft fordert ein Gewerkschaftsmitglied (das halt auch BRM ist) auf Flyer zu verteilen.

  • wenn ich in der Funktion als BR freigestellt wurde und dann die GW erwartet das ich Flyer von der GW verteile während meiner Freistellung, dann kann ich das doch nur in meiner Funktion als BR, weil meine ganze AZ in meine BR-Freistellung fällt.

    Daher kam meine Frage, ob das nicht zu einem "Konflikt" führt, weil GW-Flyer in der BR-Freistellung verteilt werden sollen.

  • Also unsere Gewerkschaft falangt nciht von uns, dass wir hunderte Flyer persönlich während der Arbeitszeit verteilen. Sollte wirklicheinmal solch eine Aktion nötig sein (Mobilmachung von Streikwilligen) würde der VK vor Beginn der Arbeitszeit an zentralen Orten stehen (Eingänge oder Einfahrten) und dort die Flyer außerhalb der persönlichen Arbeitszeit verteilen.


    Ansonsten werden die Flyer auf dem Weg zum Kollegen oder zu sonstigen Besorgungen oder Besprechungen an zentralen Orten (Stempeluhr, Schwarzes Brett) abgelegt. Hier ist der Zeitaufwand so minimal, dass da niemand etwas sagen wird.


    Ab und an nimmt dann auch jemand aus dem VK ein paar Flyer mit und verteilt sie im Zuge einer turnusmäßigen Begehung an die MA in seinem Bereich.


    Das gehört aber zur Koalitionsfreiheit (Art. 9 GG) und so lange der Arbeitsprozess dadurch nicht zu stark beeinflußt wird, kann da auch niemand etwas sagen.


    LG

    Markus


    P.S.: Ach ja, und wenn durch diese Aktion die Freigestellten einmal raus aus dem Büro und mal wieder unter die Leute kommen, finde ich das sogar eher positiv. Auch für die BR-Arbeit

    "Ein Kompromiss ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind" Aristide Briand

    Einmal editiert, zuletzt von Markus 1973 ED ()

  • die GW erwartet das ich Flyer von der GW verteile während meiner Freistellung,

    Moment, das hat Stempelkissen so nirgendwo geschrieben. Er (oder sie?) hat geschrieben, dass die Gewerkschaft das von den Freigestellten (und anderen) erwartet, weil sie freigestellt sind. Aber nicht, dass die Gewerkschaft erwartet, dass sie dieses während der Freistellung tun.

    Auch glaubt die GW das der BR Präsenttaschen oder die Verteilung der Werbeartikel zuständig wäre, weil wir 3 freigestellte Mitglieder haben.

    Nicht in unser Büro legen und entweder die freigestellten oder andere BRM dazu auffordern diese zu verteilen.

    Ja, das klingt jetzt sehr nach Korinthenkackerei :D, macht aber schon auch Sinn.

    zum einen weil die Grenzen (wie erco richtig schreibt) fießend sind...

    Bei der Frage zu welcher Zeit mache ich das, sage ich, sind die Grenzen fließend.

    Verteile ich einige hundert Flyer an möglichst vielen MA innerhalb kurzer Zeit dürfte das mit der BR Arbeit wenig im Einklang zu bringen sein.

    Besuche ich die MA an ihren Arbeitsplätzen, kontrolliere z.B. den Arbeitsschutz und beantworte den Kollegen fragen zum aktuellen Tarif-Geschehen kann ich das als BR Arbeit verbuchen.

    ...und zum anderen kann man sich als Freigestellter Gewerkschafts- und BR-Arbeit doch relativ frei einteilen. (Solange ich sauber Arbeitszeit (BR-Arbeit) und nicht-Arbeitszeit (Gewerkschaftsarbeit) trenne).

  • gegen "Aufklärungen" an die AN habe ich auch nichts. Das kann man sicherlich noch vertreten aber ich vertrete nicht die Meinung im Büro Werbeartikel zusammenzustellen, als wäre ich am Fließband um die neuen Mitglieder zu begrüßen.


    Irgendwo sehe ich hier ganz klare Grenzen!


    Wenn die Gewerkschaft einen Stand auf dem Gelände macht kann man sicherlich sich für ein paar Minuten dort hinstellen und aufklären und aktuelles Erzählen aber doch nicht den Stand auf und ab- bauen und über mehrere Stunden Ansprechpartner sein.


    Wie seht ihr das? Klar bin ich von der Gewerkschaft aufgestellt worden aber das heißt doch nicht das man nach deren Nase tanzen muss.


    Ja, das klingt jetzt sehr nach Korinthenkackerei :D, macht aber schon auch Sinn.

    zum einen weil die Grenzen (wie erco richtig schreibt) fießend sind...

    das kann sein. Ich lasse mich ja sehr gern eines besseren belehren. Vielleicht sehe ich das auch zu Streng.

    Einmal editiert, zuletzt von Stempelkissen () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Stempelkissen mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Wie seht ihr das? Klar bin ich von der Gewerkschaft aufgestellt worden aber das heißt doch nicht das man nach deren Nase tanzen muss.

    Nein, natürlich heißt es das nicht.

    Wie bei allen Dingen ist das Maß entscheidend, oder wie Paracelsus sagt, die Dosis macht das gift.

    und das hier...

    im Büro Werbeartikel zusammenzustellen, als wäre ich am Fließband um die neuen Mitglieder zu begrüßen.

    ...hat sicher nichts mehr mit einem "gesunden Maß" zu tun.

    Letztendlich liegt es ja an Dir. Du musst für Dich entscheiden in welchem Ausmaß Du bereit bist Gewerkschaftsarbeit zu leisten und dieses dann der Gewerkschaft auch klar kommunizieren.

    Mir ist das mit den ganzen Flyern und Werbe-Papierkram auch mal zuviel geworden (vor Jahren schon), da hab ich unseren Gewerkschaftssekretär angerufen und ihm gesagt "Hömma Arne, Du Baum tötender Umweltversager, Du kannsch mir dei Zeuch au in digitaler Form per EMail schicke, mir sin hier net im Mittelalter. Mir braucht des net uff Leiche von unschuldige Bäum nuff druckt."

    Seit dem kein Werbematerial in Papierform mehr. (Heutzutage hat man das ja in digitaler Form sowieso schneller und effektiver verteilt).

  • Klar bin ich von der Gewerkschaft aufgestellt worden aber das heißt doch nicht das man nach deren Nase tanzen muss.

    Ich glaube, du hast hier das gleiche "Problem" wie so viele andere, die auf den "Staat" schimpfen, dabei aber völlig übersehen, dass sie selber ein Teil davon sind.


    Gewerkschaft bedeutet nun einmal kollektives solidarisches Prinzip. Und wenn dann "die Gewerkschaft" von mir als Gewerkschaftsmitglied etwas Engagement fordert, dann kann ich nicht finden, wo das falsch ist.


    Wenn ich Mitglied im Fußballverein werde, dann können meine Kameraden auch von mir erwarten, dass ich zum Training komme. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass ich "nach der Nase des Vereins tanze". Ich bin hier eine gewisse Selbstverpflichtung eingegangen. Und dass die auch mal eingefordert wird - warum nicht? Und wenn mir meine Selbstverpflichtung zu viel wird, dann muss ich wohl überlegen, ob ich im richtigen Verein bin...

    Natürlich passt das mal besser, mal nicht so gut. Aber das Problem kann (und muss) ich für mich lösen, dass kann nicht der Verein für mich lösen.


    (Ich merke gerade, da kommt bei mir viel Frust aus meiner Zeit als Vereinsvorsitzender hoch... jeder will, dass der Verein für ihn da ist. Dass der Verein aber aus den Mitgliedern besteht und das nur funktioniert, wenn man sich selber auch einbringt... wozu zahle ich denn Beiträge... *grmpf*)


    Gesetzlich ist die Zusammenarbeit von Gewerkschaft und BR gar kein Thema (s.o. § 2 BetrVG). Und wenn ich das Gefühl habe, hier wird mehr von mir gefordert als ich bringen kann oder will - dann muss ich daraus wohl meine Konsequenzen ziehen. Rumjammern und auf den Verein schimpfen erscheint mir nicht zielführend.

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Wenn die Gewerkschaft einen Stand auf dem Gelände macht kann man sicherlich sich für ein paar Minuten dort hinstellen und aufklären und aktuelles Erzählen aber doch nicht den Stand auf und ab- bauen und über mehrere Stunden Ansprechpartner sein

    Aus meiner Sicht ist das Auf- und Abbauen eines Gewerkschaftsstand und über mehrere Stunden Ansprechpartner sein keine Arbeitszeit die der AG zahlen muss. Wenn du dich hier persönlich engagieren willst, dann tue es, aber nicht als Arbeitszeit. Wenn du dich entschieden hast dich nicht in deiner Freizeit für die Gewerkschaft zu engagieren, dann teile es ihnen mit und sie sollen den Infostand selber aufbauen und besetzen. Für mich spricht das auch nicht gegen vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ihr arbeitet vertrauensvoll zusammen und du besuchst ihren Stand auch mal, aber du machst nicht deren Arbeit. Die Entscheidung musst du aber selber treffen.

  • Ich glaube, du hast hier das gleiche "Problem" wie so viele andere, die auf den "Staat" schimpfen, dabei aber völlig übersehen, dass sie selber ein Teil davon sind.


    Gewerkschaft bedeutet nun einmal kollektives solidarisches Prinzip. Und wenn dann "die Gewerkschaft" von mir als Gewerkschaftsmitglied etwas Engagement fordert, dann kann ich nicht finden, wo das falsch ist.

    Das habe ich als solches auch Verstanden, aber wie gesagt, es muss im Rahmen bleiben und ich finde das tut es nicht immer.

    Aus meiner Sicht ist das Auf- und Abbauen eines Gewerkschaftsstand und über mehrere Stunden Ansprechpartner sein keine Arbeitszeit die der AG zahlen muss. Wenn du dich hier persönlich engagieren willst, dann tue es, aber nicht als Arbeitszeit. Wenn du dich entschieden hast dich nicht in deiner Freizeit für die Gewerkschaft zu engagieren, dann teile es ihnen mit und sie sollen den Infostand selber aufbauen und besetzen. Für mich spricht das auch nicht gegen vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ihr arbeitet vertrauensvoll zusammen und du besuchst ihren Stand auch mal, aber du machst nicht deren Arbeit. Die Entscheidung musst du aber selber treffen.

    Genau das meine ich ja, es muss im Rahmen bleiben, so wie weiter oben schon geschrieben. Ich habe kein Problem zu werben oder als GW zu beraten aber es muss einen Rahmen für alles geben.

    Ich habe einfach das Gefühl das es von der GW erwartet wird den jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.