Nutzung von Mailverteiler zur Verbreitung von Werbungen

  • Guten Morgen zusammen,


    unser AG hat über den Mailverteiler an die Belegschaft Werbematerial eines Unternehmens verbreitet, mit dem er kooperiert.


    Kann der AG generell frei entscheiden, ob und welche Werbungen die Belegschaft erhält, auch über welche Kanäle, wie oft usw.?


    Vielen Dank und viele Grüße,


    Mo-WA

  • Hallo MoWa,


    solange es sich bei dem Mailverteiler um einen Verteiler mit rein internen geschäftlichen Adressen handelt, dann ja da er ja seine eigene Infrastruktur nutzt, sind aber in dem Verteiler auch private Adressen enthalten so braucht er von diesen vor Versand eine Einverständniserklärung für das zusenden von Werbung.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Hallo Bernd_47 ,


    vielen Dank für die schnelle Antwort!


    Dass der Mailverteiler zur Infrastruktur des AG gehört, das ist mir schon bewusst.


    Verstehe ich also richtig, dass ein AG, der z. B. und u. a. im öffentlichen Auftrag handelt, Werbung auch für eine religiöse Veranstaltung machen kann, um um neue Mitglieder zu werben?


    Viele Grüße,


    Mo-WA

  • Hallo Mo-Wa,


    bei religiöser Werbung wäre ich an Stelle des AG vorsichtig dies auch über die internen Verteiler zu versenden, insbesondere wenn es um Werbung von Neumitgliedern geht, da hier möglicherweise das Grundrecht auf Religionsfreiheit Art 4 GG tangiert sein könnte. Kommt aber sicherlich auf die Art und Weise der Werbung an.


    Unbedenklicher sehe ich es bei Werbung die durchaus einen Bezug zur Tätigkeit hat bzw. über die Produktpalette des Partnerunternehmens informiert.

    z.Bsp. Architekturbüro erhält Werbung zu Baumaterialien im internen Mailverteiler


    In meinem ersten Beitrag ging ich davon aus dass es sich bei der Werbung eines kooperierenden Unternehmens auch um Produkte /Dienstleistungen handelt die für das Unternehmen selbst von Bedeutung sind (Stichwort Arbeitsunterlagen/Fachinformationen) und daher ein berechtigtes Interesse des AG besteht seine Mitarbeiter entsprechend darüber zu informieren.


    Trotz allem bin ich der Meinung das der AG erstmal seine Infrastruktur im Rahmen der Gesetze nutzen darf, auch für die Zusendung thematisch unpassender Werbung.

    Eine Ausnahme wäre wenn es eine BV oder sonstige Richtlinie für die Nutzung der Infrastruktur im Betrieb gibt. D.h. wenn in einer eurer Richtlinien/BVs steht die Emailinfrastruktur ist nur für betriebliche belange zu nutzen, so hat sich auch der AG daran zu halten und Ihr als BR solltet mal ein Gespräch dazu mit ihm führen.


    Unabhängig meiner ganzen Ausführungen würde ich an eurer Stelle auf jedenfall mit dem AG reden, da ich das Gefühl habe dass bei euch diese Art der Nutzung in der Belegschaft nicht gut angekommen ist und diese Rückmeldung kann der AG auf jeden Fall erhalten unabhängig was möglicherweise rechtlich zulässig ist.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Verstehe ich also richtig, dass ein AG, der z. B. und u. a. im öffentlichen Auftrag handelt, Werbung auch für eine religiöse Veranstaltung machen kann, um um neue Mitglieder zu werben?

    kommt drauf an würde ich sagen.


    Wenn der AG ein kirchlicher Träger ist, dann wird das ok sein.


    Wenn es sich um einen nicht-kirchlichen AG handelt, dann ist das eher im Bereich, das es nicht in Ordnung ist.

    Ich erinnere mich, das Kreuze entfernt werden mussten, weil Personen sich in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt sahen.

    Gerade der AG baut da ja einen Gewissen Druck gegenüber den AN auf, erst Recht wenn der AN eine andere Ideologie verfolgt.


    Das ist für mich nicht Mitbestimmungspflichtig, weil ich das für nicht erlaubt halte und somit nicht gemacht werden darf, außer wenn es sich um einen kirlichen AG handelt (da gelten ja üblicherweise andere Rechte)

    2 Mal editiert, zuletzt von Randolf () aus folgendem Grund: einaml korrigiert, weil "außer" fehlte

  • solange es sich bei dem Mailverteiler um einen Verteiler mit rein internen geschäftlichen Adressen handelt, dann ja da er ja seine eigene Infrastruktur nutzt

    Trotz allem bin ich der Meinung das der AG erstmal seine Infrastruktur im Rahmen der Gesetze nutzen darf, auch für die Zusendung thematisch unpassender Werbung.

    Seid Ihr Euch da sicher? Im § 7 UWG ist vom "angesprochenen Marktteilnehmer" die Rede. Kommt es da wirklich drauf an, ob der Marktteilnehmer über eine private, oder eine geschäftliche Emailadresse angesprochen wird?

  • Hallo Paragraphenreiter,


    als Versender der Werbung tritt die Firma selbst auf, die für eine andere Firma Werbung macht, Empfänger sind in diesem Fall die Mitarbeiter der Firma welche die Werbung aussendet.

    Als Mitarbeiter sind sie aus meiner Sicht dann Vertreter dieser Firma, von daher würde ich erst einmal nicht von unterschiedlichen Marktteilnehmern ausgehen.

    Wobei dein Einwand mich auf eine weitere Betrachtungsmöglichkeit gebracht hat.

    Wenn die Firma die Personen nicht in Funktion als Mitarbeiter angeschrieben hat, sondern als Privatperson auf der geschäftlichen Emailadresse und dies kann man in diesem speziellen Fall (religiöse Mitgliederwerbung) durchaus, dann könnte auch eine entsprechende Einverständniserklärung notwendig sein.


    um es ganz verwirrend zu sagen ;) die Nutzung der Infrastruktur durch den AG ist in Ordnung, aber die Zustellung an den einzelnen MA nicht unbedingt.


    Viele Grüße

    Bernd

  • dann musste aber auch absatz 3 lesen


    Es ist keine unzumutbare Werbung wenn der Mail Inhaber seine Zustimmung gegeben hat

    Da der Mail Inhaber nicht der AN sondern der AG ist hat er sich quasi selbst die Erlaubnis gegeben.


    Der AG kann den MA mit Mails zubomben, solange diese nicht gegen Themen des AGG verstoßen.

    Der AN kann diese ja nicht beachten oder löschen.

  • Es handelt sich um ein Produkt des kooperierenden Unternehmens, für das die Mitarbeiter als Privatkunde Kaufverträge abschließen müssten.


    Insofern stimmt es schon, das mit den unterschiedlichen Marktteilnehmern.

  • Hallo Zusammen


    Für mich stellt sich dann auch die Frage bzgl. der Zeit: Ist es mein Privatvergnügen diese Werbung zu lesen? Dann muss ich ja eigentlich auch sagen können/dürfen - bitte Zusendung einstellen, ich möchte das nicht.


    Wenn es Arbeitszeit ist würde ich diese zukünftig sehr aufmerksam und gewissenhaft lesen. Wenn dann ein Abgabetermin für Dokument XY darunter leidet..."Tut mir leid Chef, aufgrund deiner wichtigen Werbemails kommt es hier leider zur Verzögerung"

  • dann musste aber auch absatz 3 lesen

    das habe ich, daher weiß ich auch dass Du den hier völlig falsch wiedergegeben hast. Da steht nicht "der Mail Inhaber", da steht der Kunde.

    und der Kunde ist nicht der AG. Der Kunde ist der AN, der irgendetwas kaufen soll.

    ein Produkt des kooperierenden Unternehmens, für das die Mitarbeiter als Privatkunde Kaufverträge abschließen müssten.

    Also ein nein zu:

    Der AG kann den MA mit Mails zubomben, solange diese nicht gegen Themen des AGG verstoßen.

    Der AN ist hier der Kunde, der das beworbene Produkt kaufen soll. Also ist der AN hier der Marktteilnehmer (Verbraucher) und spätestens wenn er als solcher dem AG mitteilt, dass er diese Werbung nicht wünscht, wäre jede weitere Werbung eine unzumutbare Belästigung im Sinne des § 7 UWG.