BRV wurde abgemahnt

  • Hallo Foris,

    folgende Geschichte hat sich bei uns ereignet.

    Unser BRV und zwei weitere BR-Mitglieder haben eine Abmahnung erhalten.

    Sie haben sie als Person erhalten, aber wegen eines (vom AG) gemeinten Fehlvergehens.

    Zum Fall:

    Ein ehemaliger MA hat sich erneut bei uns im Betrieb beworben und sollte wieder eingestellt werden.

    Die Gerüchteküche erzählte schon einige Tage vorher von der Einstellung des neuen/alten Kollegen.

    Am 11.05.2021 hat der BR die Unterlagen zur Einstellung vorgelegt bekommen und am 18.05.2021 auch fristgemäß zugestimmt.

    Einen Tag bevor (also 10.05.2021) hat der BRV eine Kollegin angesprochen, die den neuen/alten MA kennt und hat sie gefragt, ob sie die Telefonnummer des neuen/alten MA hat. Dieses hat sie verneint. Sprach aber davon sie evtl. zu besorgen, da diese Kollegin den neuen/alten Kollegen

    aus seiner vorherigen Betriebszugehörigkeit bereits kannte. Am 10.05.2021 hat der neue/alte Kollege unseren BRV angerufen.

    Die beiden hatten ein 52sekündiges Gespräch wo unser BRV den neuen/alten Kollegen herzlich begrüßte und fragte ob auch vertraglich alles zu seiner Zufriedenheit gelaufen wäre. Über Details wurde gar nicht gesprochen.

    Ein paar Tage spät erhielt der BRV eine Abmahnung nach Hause, mit der Begründung der Nötigung der Kollegin, dass sie die Telefonnummer herausgeben sollte.

    Sowie dem Punkt dass er dem neuen/alten Kollegen helfen wollte, sich betreffend der wirtschaftlichen Interessen seines Arbeitsvertrages gegenüber dem Arbeitgeber einzusetzen.

    Aufgrund dieses Verstoßes wurde abgemahnt wegen schwerwiegender arbeitsvertraglicher Pflichten. Aufgrund 242 BGB Abs. 2 hätte man auf Rücksicht auf die Interessen, Rechtsgüter und Rechte Rücksicht zu nehmen. Außerdem wurde auf die Verschwiegenheitpflicht hingewiesen.

    Die MA, die den Kontakt zwischen dem neuen/alten Kollegen und unserem BRV hergestellt hat, hat inzwischen mehreren Personen und der GF gegenüber berichtet, dass zu keiner Zeit in irgendeiner Form genötigt wurde von unserem BRV.

    Man kreidet ihm u.a. an, dass er weder als Sachbearbeiter noch als BRV, neben dem AG Einfluss auf die Vertragsverhandlungen mit potentiellen AN Einfluss zu nehmen hat. (was er ja auch gar nicht getan hat....)

    Er hätte sich dem AG illoyal verhalten. Als BR Mitglied hätte er ausschließlich eine innerbetriebliche Funktion und er hätte mit dem AG zusammenzuarbeiten.

    Unser BRV will nun den Rechtsweg beschreiten und möchte auf jeden Fall den Vorwurf der Nötigung aus der Abmahnung herausgenommen bekommen.


    Wie seht Ihre die Sache?


    Beste Grüße und bin auf Eure Antworten gespannt.

  • puuh - das sollte man wirklich mit nem Rchtsanwalt besprechen.


    - auf jeden Fall eine Gegendarstellung mit Erklärung der MA das keine Nötigung vorgelegen hat , sondern man einfach gefragt hat

    - klar ist der AG hier der "Korinthenkacker", aber wie immer wenn man jetzt das "Fass" richtig aufmacht (mit Klage auf Entfernung aus der Personalakte) desto mehr wird der AG suchen

    - wann z.B. hat der BRV den "alen" MA angerufen, während der Arbeitszeit (dann kommt der AG mit Arbeitszeitbetrug, weil keine notwendige BR Arbeit (war ja noch kein MA)

    - was sagt denn der jetzt neue MA aus (hat er nach dem Gespräch nachverhandelt, weil er ja wusste das der AG ihn einstellen will?

    und so weiter

  • nach dem geschilderten:


    Abmahnung übers Bett hängen, jeden Abend vor dem Schlafen herzlich drüber lachen und bei der nächsten Einstellung eines ehemaligen MA erst dann tätig werden wenn er im Betrieb ist.

    Gegendarstellung bin ich in den meisten Fällen kein Freund von, man zeigt dem AG damit meist was er falsch gemacht hat und er kann es dann zukünftig besser machen.

    Wenn ein AG allerdings so Spielchen anfängt könnte mehr dahinter stecken.

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Hallo


    ob der BRV jetzt dagegen vorgehen will ist letzten Endes seine Entscheidung, aber so eine Abmahnung ist ersteinmal ein Stück Papier auf dem der AG seine Sicht und Bewertung des Sachverhaltes schildert.

    Solange daraus keine weiteren Massnahmen wie eine Kündigung oder eine Beförderungssperre ergehen braucht man momentan noch nicht dagegen vorgehen.

    Was sich aber empfiehlt ist seine Sicht der Dinge zu dokumentieren und auch Zeugenaussagen zum Sachverhalt schriftlich zu fixieren, d.h. eine schriftliche Schilderung der Kollegin, welche die Telefonnummer vermittelt hat. Auch die Dokumentation des Telefonanrufes dauer und Inhalt sollte jetzt erfolgen wo es noch allen präsent ist.

    Diese Unterlagen würde ich dann solange aufheben bis ich sie benötige.


    Viele Grüße

    Bernd

  • Gegendarstellung bin ich in den meisten Fällen kein Freund von, man zeigt dem AG damit meist was er falsch gemacht hat und er kann es dann zukünftig besser machen.

    nicht nur das, er könnte eine Abmahnung ggf. sogar berichtigen und somit hat man dann eine gültige Abmahnung.


    Am besten die "falsche " Abmahnung stehen lassen und wenn diese dann mal gegen einen verwendet werden soll, dann die Ungültigkeit nachweisen. (so hat es der RA auf dem Seminar erklärt)

  • Inhaltlich bin ich hier bei den Kollegen. So sehr einen eine solche unsinnige Abmahnung auch nerven mag, ein lieber Kollege pflegte in solchen Fällen zu sagen: Man muss auch mal Sch... vorbeischwimmen lassen.


    Oder anders gesagt: man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das der AG einem hinhält.


    Sauber dokumentieren und erst dann entwerten/entkräften, wenn der AG daraus Kapital schlagen will.


    Wenn ich unbedingt reagieren will, dann allenfalls mit einem kurzen Statement und der Bitte dieses zur Personalakte zu nehmen. Inhalt (in etwa): Zur Kenntnis genommen, kann leider weder eine Nötigung, noch einen Versuch der wirtschaftlichen Schädigung des AGs erkennen, werde aber selbstverständlich auch in Zukunft, wie bisher auch, darauf achten, dass es zu solchen Dingen nicht kommt.


    Damit hat man das nicht einfach geschluckt und der AG hat zumindest das Gefühl, man würde seine Kritik im Grundsatz annehmen.


    Was mich an der ganzen Sache viel mehr stört ist, dass der AG überhaupt von dem Vorgang weiß. Wer fand das so wichtig, dass er damit zum AG gerannt ist?

    Wer fragt ist ein Narr - für fünf Minuten. Wer nicht fragt bleibt ein Narr - sein Leben lang!

  • Die wichtigen Dinge wurden ja im Prinzip schon alle gesagt.

    Ich hätte aber auch durchaus so meine Probleme eine solche Abmahnung hinzunehmen. Vor allem weil sie jeder logischen Grundlage entbehrt und entscheídende Details ignoriert.

    Zum einen hat der BRV die Kollegin ja nur nach der Telefonnummer gefragt, aber er hat sie nicht erhalten und wenn ich das richtig verstanden habe, hat er sie daraufhin auch nicht weiter bedrängt. Er hat also etwas gefragt und ein "nein" als Antwort akzeptiert, womit schon definitionsgemäß keine "Nötigung" vorliegen kann.


    Zum anderen hat ja der BRV gar keinen Kontakt zu dem neuen/alten MA aufgenommen, sondern dieser zu ihm.

    Am 10.05.2021 hat der neue/alte Kollege unseren BRV angerufen.

    ...und zwar zu einem Zeitpunkt, als der BRV offiziell ja noch gar nicht gewusst hat, dass der AG beabsichtigt diesen wieder einzustellen.

    Am 11.05.2021 hat der BR die Unterlagen zur Einstellung vorgelegt bekommen

    Also wie hätte der BRV denn bitte Einfluss auf die Vertragsverhandlungen nehmen sollen? Die von Ohadle angedeutete Möglichkeit...

    hat er nach dem Gespräch nachverhandelt, weil er ja wusste das der AG ihn einstellen will?

    ...besteht ja gar nicht, da der BRV am 10. mit dem MA gesprochen hat, aber erst am 11. vom AG die Einstellungsmeldung erhalten hat.

    D.h. wir haben hier nicht einen BRV der einen ehemaligen MA / Bewerber angerufen und sich in Vertrahsverhandlungen eingemischt hat, sondern einen ehemaligen MA / Bewerber der den BRV angerufen und seine Vertragsverhandlungen thematisiert hat. Was hätte der BRV denn tun sollen? Einfach auflegen? Das der BRV dem ehemaligen MA / Bewerber nicht sagen konnte "verlang mal mehr, der will Dich eh einstellen" ergibt sich ja daraus, dass er das zum Zeitpunkt des Telefonats (zumindest offiziell) noch gar nicht gewusst hat und das der BRV dem ehemaligen MA / Bewerber jetzt keine detaillierte Einweisung gegeben hat, wie man den AG bei Vertragsverhandlungen um den Finger wickelt, erschließt sich mir aus...

    Die beiden hatten ein 52sekündiges Gespräch


    Also nein....

    klar ist der AG hier der "Korinthenkacker"

    ...ist er nicht. Ich bin hier der Korinthenkacker! ;)

  • ...und zwar zu einem Zeitpunkt, als der BRV offiziell ja noch gar nicht gewusst hat, dass der AG beabsichtigt diesen wieder einzustellen.

    da hast Du aber einen, so denke ich, entscheidenden Teil nicht zitiert, denn vor der vor Dir zitierten Passage steht:


    Einen Tag bevor (also 10.05.2021) hat der BRV eine Kollegin angesprochen, die den neuen/alten MA kennt und hat sie gefragt, ob sie die Telefonnummer des neuen/alten MA hat. Dieses hat sie verneint. Sprach aber davon sie evtl. zu besorgen, da diese Kollegin den neuen/alten Kollegen

    der Anruf des alten Kollegen scheint also eher erfolgt zu sein weil die Kollegin ihn informiert hat. Und wieso sollte der BRV die Kollegin ansprechen wenn er noch nichts davon weiß?

    Nicht die Dinge sind positiv oder negativ, sondern unsere Einstellung macht sie so. (Epiktet, gr. Philosoph)

  • Und wieso sollte der BRV die Kollegin ansprechen wenn er noch nichts davon weiß?

    weil:

    Die Gerüchteküche erzählte schon einige Tage vorher von der Einstellung des neuen/alten Kollegen.

    Da liegt es doch nahe, zu diesem ehemaligen Kollegen mal Kontakt aufzunehmen, um zu erfragen was denn an diesen Gerüchten dran ist. ("Willst Du wirklich wiederkommen, oder ist das nur Geschwätz?").

    Aber selbst wenn der AG dem BRV gegenüber vielleicht schon Andeutungen gemacht hat, offiziell wusste es der BRV erst einen Tag nach dem Telefonat, als der AG dann auch schriftlich dem BR was vorgelegt hat.