Pausenräume in einem "Bürobetrieb" - Was sind gleichwertige Voraussetzungen für eine Erholung nach dem Gesetz?

  • Wir sind ein Betrieb mit zwei Standorten und an beiden gibt es eine gewissen Raumknappheit und somit auch keine Pausenräume - die GF stellt sich auf den Standpunkt, dass man ja keine Räume herbeizaubern kann.

    Also BR-Jungspund ist meine Meinung dazu natürlich erstmal "ist doch nicht mein Problem GF, halt dich einfach an die Gesetze", aber §29 Arbst ist da etwas schwammig.

    Wir arbeiten zum größten Teil in Büros und fragen uns jetzt, was das Gesetz meint, wenn es dort heisst "Den Arbeitnehmern ist ein leicht erreichbarer Pausenraum zur Verfügung zu stellen [...} Dies gilt nicht, wenn die Arbeitnehmer in Büroräumen oder vergleichbaren Arbeitsräumen beschäftigt sind und dort die Voraussetzungen für eine gleichwertige Erholung während der Pausen gegeben sind."

    Nichts gegen unsere Büros - aber im Endeffekt sozial vereinsamt an den Tischen zu sitzen und alles mit Essensgerüchen einzunebeln kann es ja nicht sein. Noch dazu rufen ja trotzdem Leute an oder kommen in die Büros rein, auch wenn es nur die "internen" Kunden sind.

    Welche Argumentationsgrundlage habe ich hier, der GF trotzdem einen Pausenraum abzuschwatzen? Kann mich die GF auf die durch einen Dritten betriebene Kantine auf dem Gelände verweisen? Diese ist allerdings nicht rund um die Uhr offen und man hat schon einen kleinen Fußmarsch hinter sich zu bringen.

  • Hallo,

    m.E. handelt es sich um § 6 III ArbStV: Bei mehr als zehn Beschäftigten, oder wenn Sicherheits- oder Gesundheitsgründe dies erfordern, ist den Beschäftigten ein Pausenraum oder ein entsprechender Pausenbereich zur Verfügung zu stellen. Dies gilt nicht, wenn die Beschäftigten in Büroräumen oder vergleichbaren Arbeitsräumen beschäftigt sind und dort gleichwertige Voraussetzungen für eine Erholung während der Pause gegeben sind. Aus der Ferne traue ich mich aber nicht zu beurteilen, ob bei Euch die Gleichwertigkeit gegeben ist.

    Letztlich ist das, nämlich die betriebliche Ausgestaltung der Regeln der ArbStV und anderer Arbeitsschutzrichtlinien, eine Frage der Mitbestimmung nach § 87 I Nr. 7 BetrVG, und damit ist es auch einigugsstellenfähig.

    Grüsse Winfried

  • Ja, man sollte sich seine Posting nochmal durchlesen, bevor man abschickt. Danke für die Gesetzeskorrektur.

    Eine Ferneinschätzung fällt natürlich schwer. Gibt es vielleicht irgendwo zwei Beispielfälle? Musterbetrieb A - ja, Musterbetrieb B - keine Chance?

  • Hallo,

    das Problem wird natürlich auch in Seminaren zu Arbeits- und Gesundheitsschutz behandelt.
    Der im Moment einfachste Weg wäre, die Situation gemeinsam mit Betriebsarzt und Arbeitsschutz durchzusprechen und dann ggfs. an den AG heranzutreten.
    Auch die Kontaktaufnahme mit BG und Integrationsamt (falls Schwerbehinderte/Gleichgestellte betroffen sind) bis hin zu einer gemeinsamen besichtigung der Räumlichkeiten kann Euch weiterhelfen - zumindest solange, bis bei Euch im Gremium sich einige BRM selbst die notwendige Kompetenz erarbeitet/erworben haben.

  • Team-ifb

    Hat das Thema geschlossen