Arbeitgeber fordert Reduzierung der Arbeitszeit

  • Guten Tag,

    wir haben eine Beschäftigte die im Jahr 2009 3 Monate gefehlt hat wegen Burnout Syndrom. Damals hat sie sich einer psychosomat.Therapie unterzogen.
    Im Jahr 2010 sind erneut Fehlzeiten aufgetreten wenn auch nicht so häufig. Nun hat der Arbeitgeber sie zu einem Krankengespräch gebeten. Der BR war darüber nicht informiert.
    Mit Argumentation der Fürsorgepflicht besteht er darauf, dass die Arbeitnehmerin ihre Arbeitszeit reduziert und droht andernfalls mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Als Alleinerziehende kann sie sich das jedoch nicht leisten.

    Wie beurteilt ihr die Situation und was wäre das geschickteste Vorgehen?

    Die Arbeitnehmerin ist seit 14 Jahren beschäftigt im Pflegedienst.

    Ich danke euch für eure Ratschläge

    Unkas

  • Hallo.

    Zitat von unkas :

    Mit Argumentation der Fürsorgepflicht besteht er darauf, dass die Arbeitnehmerin ihre Arbeitszeit reduziert und droht andernfalls mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Wie beurteilt ihr die Situation (...)?

    Als mies, fies und dreckig. Jemanden, dem es schlecht geht, noch weiter fertigmachen. Erinnert an Mobbing. Und außerdem ist es widerrechtlich: Die AN hat einen AV, und in dem steht die ArbZ. Punkt. Abmahnung? Nicht machbar. Und was sollen "arbeitsrechtliche Konsequenzen" denn sein? Krankheitsbedingte Kündigung? Sehr schwer machbar, und in Eurem Fall wohl eher gar nicht.

    Zitat von unkas :

    (...) und was wäre das geschickteste Vorgehen?

    :arrow: Als BR massiv werden. Dem AG die Meinung geigen.
    :arrow: Die AN unterstützen, sie sollte sich sowohl rechtlich als auch medizinisch beraten lassen. Außerdem sollte sie wissen, dass sie sich bei allen Gesprächen mit dem AG künftig von einem BRM begleiten lassen sollte.
    :arrow: Formalisierte Krankenrückkehrgespräche unterliegen der Mitbestimmung, diese solltet Ihr einfordern und eine BV verhandeln. Gleichzeitig solltet Ihr Euch zum BEM kundig machen und auch dazu eine BV abschließen, und ganz generell zum Gesundheitsmanagement.
    :arrow: Ich würde außerdem bei der BG anrufen und nachfragen, inwieweit die unterstützend tätig werden bzw. auf den AG einwirken können. Schließlich droht hier aufgrund des AG-Verhaltens u.U. eine dauerhafte, arbeitsbezogene Dauererkrankung.

    Grüsse Winfried

  • Hallo Winfried,

    an den BV`s sind wir dran. Uns dazu positionieren ist auch klar. Nur was ist wenn die scheinheilige Aussage kommt er müsse sie aus gesundheitlichen Gründen schützen und deshalb ihr größere Regenerationsphasen (deshalb Reduzierung) verordnen?
    ich könnt gerade brechend ins Wochenende gehen!

    Außerdem soll sie sich überlegen wie es weitergehen soll:evil:

    Schließlich wird er auf einer negativen Krankheitsprognose herumreiten.

    Wir wollten unsere Betriebsärztin einschalten, die hat schließlich damals das Burnout attestiert, oder?

    Gruß
    Unkas

  • Hallo.

    Zitat von unkas :

    Schließlich wird er auf einer negativen Krankheitsprognose herumreiten.

    Klar, wenn man das hört, kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte. Aber auf einer "negativen Gesundheitsprognose" wird er kaum herumreiten können. Woher will er denn das wissen? Die negative Prognose ist im Übrigen einer von mehreren zu beachtenden Faktoren bei einer krankheitsbedingten Kündigung, und arbeitsrechtlich betrachtet gibt es hier noch nichts, was die Behaptung einer negativen Prognose stützen würde.

    Grüsse Winfried

  • als Betroffener würde ich mich zu den verbalen Vorträgen des Arbeitgebers hinsichtlich einer gewünschten Vertragsänderung nicht äußern. Und über die Krankheitsgeschichte schon gar nicht. Wenn der Arbeitgeber am Arbeitsvertrag was ändern will, hat er die Möglichkeit der Änderungskündigung. Nur auf diese würde ich reagieren.

  • Hallo,

    die Kollegin könnte z.B. einen Antrag auf Schwerbehinderung einreichen.

    Während die Begitachtung läuft ist sie so zu behandeln als wäre sie schwerbehindert. Dies gibt ihr zusätzlichen Schutz.

    Wenn der AG wirklich eine Fürsorgepflicht sehen würde, würde er die Kollegin bei der Eingliederung unterstützen und nicht unter Druck setzen. Das ist absoluter Humbug. :twisted:

    Liebe Grüße
    Lisa

  • Hallo.

    Zitat von unkas :

    Nur was ist wenn die scheinheilige Aussage kommt er müsse sie aus gesundheitlichen Gründen schützen und deshalb ihr größere Regenerationsphasen (deshalb Reduzierung) verordnen? (...) Außerdem soll sie sich überlegen wie es weitergehen soll:evil: Schließlich wird er auf einer negativen Krankheitsprognose herumreiten.

    Was soll dann sein, wenn diese Aussage kommt? Mit Verlaub: Drauf geschissen.

    Der BR sollte schon längst massiv geworden sein und weiter massiv bleiben (und das ggf. auch rechtlich, hier sind mitbestimmungsrelevante Fragen tangiert).

    Und die AN ist nicht gehalten, sich irgend etwas zu überlegen, und sollte das auch nicht tun; und zu jedem zukünftigen Gespräch mit dem AG nimmt sie ein BRM dazu und äußert sich nicht weiter zu ihrem AV. Außerdem sollte sie sich wappnen, sich rechtlich und medizinisch beraten lassen (falls noch nicht geschehen, sich um Arbeitsrechtsschutz kümmern; am Besten der Gewerkschaft beitreten und die ab sofort den Schriftverkehr mit dem AG übernehmen lassen) und beginnen, ein (Mobbing)Tagebuch über das AG-Verhalten zu führen.

    Grüsse Winfried

    P.S.: Mich würde interessieren, wie Du die Persönlichkeit des AG einschätzt. Kannst Du da ein bißchen ausführlicher werden? Ein solches Verhalten lässt m.E. auf einen psychischen Defekt schließen.

  • Na ja über Persönlichkeitsstrukturen möchte ich mich nicht auslassen, ich denke die Aktion spricht für sich.

    Wir haben mit dem AG gesprochen und sehr deutlich gemacht, dass rechtl. Schritte folgen werden. Die BV`s sind in Arbeit.
    Aber es ist so gekommen wie befürchtet. Wer hält mit so einer Diagnose diesem Druck trotz kräftiger Unterstützung stand ?!

    Die AN hat gekündigt. Einziger Trost: Stellen gibts genug.

    Unkas

  • Team-ifb

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