durchschnittliche Arbeitszeit nach Arbeitszeitgesetz

  • wie werden bei der Berechnung der durchschnittlichen Arbeitszeit eigentlich die Urlaube mit einbezogen.l
    Bsp: normale Arbeitszeit 40h pro Woche
    Mitarbeiter arbeitet vier Wochen lang jeweils 60 Stunden, anschließend macht er vier Wochen lang Urlaub

    wie hoch ist die durchschnittliche Arbeitszeit?
    (4 * 60 + 4 * 40 ) / 8 = 50 Stunden
    oder
    (4 * 60 + 4 * 0) / 8 = 30 Stunden

    Danke

  • Hallo,

    für die Berechnung der durchschnittlichen Arbeitszeit können nur reguläre Arbeitstage herangezogen werden, also nicht der Urlaub.

    Wobei der AN ja auch im Urlaub nach seiner regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit zu vergüten ist. Diese kann sich von der Arbeitszeit im AV unterscheiden. D.h. im AV steht z.B. 40 Stunden, der AN arbeitet aber regelmäßig deutlich mehr, z.B. 60 Stunden (wobei er so viel regelmäßig nach ArbZG natürlich eigentlich gar nicht arbeiten dürfte, sondern maximal 48...).

    Dann kommt raus:
    (4*60 + 4*60) / 8 = 60.

    Grüße
    Winfried

  • Hallo zusammen,
    aus meiner Sicht muss unterschieden werden, welche durchschnittliche Arbeitszeit gemeint ist bzw. wofür der Wert verwendet werden soll.
    Schließlich taugt jede Statistik zu allem, nur nicht zur Eindeutigkeit. :-)

    Wenn der Wert schön groß wirken soll, Urlaub nicht mitrechnen, wenn man die Werte nach unten schönen will, Urlaub mit 0 ansetzen.
    Wenn man eine Arbeitserwartung oder die durchschnittlich Tagesarbeitszeit gemäß ArbZG haben will, dann gibt es wieder andere Rechnungen.

    Bei der "zu erwartenden Arbeitszeit" nimmt man an, dass wenn kein Urlaub gewesen wäre, der durchschnittliche Arbeitstag der letzten Zeit auch so weiter gearbeitet worden wäre.
    Aber ich bin der Meinung, dass nicht nur die letzten 4 Arbeitswochen (wie bei Winfrieds Rechnung) betrachtet werden, sondern die der letzten 3 Monate. Und dieser Wert wird dann für jeden Urlaubstag angenommen. Daraus bekommt man ja auch die Ausgleichszahlungen.

    Also [4x60 + 4x(Tagesschnitt der letzen 3 Monate)] / 8

    Das Arbeitszeitgesetz zielt in jedem Fall bei der Durchschnittsberechnung immer auf eine 6 Tage Woche ab (Werktage, deshalb auch immer der Samstag), auch wenn regelmäßig nur 5 Tage gearbeitet wird. Somit hat man die Wochenarbeitszeit durch 6 zu teilen und erhält den durchschnittlichen Arbeitstag gemäß ArbZG.
    Da der Wert über beliebige 24 Wochen Abschnitte gerechnet wird, ist es egal, ob Urlaub war oder nicht.
    Also einfach zu rechnen:
    (die in 24 Wochen aufgelaufene Gesamtstundenzahl)/24/6 = Tagesschnitt gemäß ArbZG

    Du kannst im übrigen gemäß ArbZG tatsächlich 60 Stunden/Woche zulässig arbeiten. Max. 10 Stunden je Werktag!! Allerdings unter Beachtung des Ausgleichsszeitraums von 24 Wochen und dem maximalen Tagesschnitt von 8 Stunden. Daher kommt dann auch die 48 Stunden Woche.
    D.h. für Deine Rechnung, das bei vertraglicher 40h-Woche eine Woche Urlaub bereits 8h nach ArbZG ausgleicht.

    ArbZG § 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer
    Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.
    Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs
    Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich
    nicht überschritten werden.

    Grüße
    Gertrüde

  • Hallo Gertruede,
    ich glaube tomp will was anderes wissen, nämlich die die Berechnung des Urlaubsentgeltes.
    Ganz klar nach BUrlG § 11, Abs. 1. Das Urlaubsentgelt bemisst sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, das der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor dem Beginn des Urlaubs erhalten hat, mit Ausnahme des zusätzlich für Überstunden gezahlten Arbeitsverdienstes.

    Will tomp aber wissen ob Urlaubstage als Ausgleichstage zur Erreichung der durchschnittlichen Arbeitszeit zählen, dann klar nein.
    Nach EU Richtlinien dürfen lediglich die Urlaubstage die über dem gesetzlichen Mindesturlaub liegen als Ausgleichtage verwendet werden.

  • Hallo,

    Gertruede hat recht, in meinem Beitrag gab's eine Unschärfe: § 11 BUrlG geht von der durchschnittlichen ArbZ der 13 Wochen vor dem Urlaubsantritt aus.

    Beim Urlaubsentgelt ist m.E. sowohl der Geld- als auch der Zeitfaktor zu beachten, d.h. der/die "UlauberIn" bekommt nicht nur das durchschnittliche Entgelt dieser 13 Wochen, sondern auf seinem ArbZ-Konto auch mindestens die durchschnittliche Stundenzahl gutgeschrieben.

    Grüße
    Winfried

  • Hi Winfried,
    bist Du sicher, dass nicht nur der Zeitausgleich während des Urlaubs bezahlt werden muss, sondern zusätzlich auch das Gleitzeitkonto für die Urlaubstage aufgefüllt wird?
    Ist das nicht doppelte Entlohnung? Schliesslich habe ich die (fiktive) Zeit bezahlt bekommen. Bekomme ich die noch als Zeit zusätzlich gutgeschrieben, kann ich sie zu einem späteren Zeitpunkt abfeiern und bekomme die dadurch ja nochmal bezahlt.

    Hiesse bei o.g. Beispiel, dass 60 Stunden/Woche als Schnitt vorausgesetzt, dem Zeitkonto bei 4 Wochen Urlaub nicht nur der Zeitausgleich für 80 Stunden bezahlt wird, sondern die auch noch aufs GLZ-Konto. Das wären ja nochmal 2 freie Wochen.

    Zudem ist es doch eigentlich so, das eine Woche gleiten nur einer SollzeitWoche entspricht, nicht der durchschnittlich geleisteten.

    Or am I on the woodway?

  • Hallo Gertruede,

    ich schau da in eines meiner heiligen Bücher, nämlich dem Erfurter Kommentar, und finde da zum § 11 BUrlG: "Erst das Produkt aus Geld- und Zeitfaktor stellt das Urlaubsentgelt dar."

    Grübel, grübel...

    Dein Einwand ist logisch. Es wäre also denkbar:
    a) Der AN bekommt nur den Standardlohn (ohne Mehrarbeitsvergütung), aber die Mehrarbeitsstunden auch während des Urlaubes auf seinem ArbZ-Konto gutgeschrieben
    oder b) der AN bekommt die Mehrarbeitsstunden ins Urlaubsentgelt als Geld eingerechnet, auf dem ArbZ-Konto wird aber nur die Regelarbeitszeit gutgeschrieben.

    Grüße
    :oops: Winfried

  • Team-ifb

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