Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement

  • Hallo!

    Wir dürfen uns im Gremium gerade mit dem betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement (BeM) befassen.

    Gibt es hierzu schon Erfahrungswerte etc. oder welche Probleme seht ihr hierbei?

    Lt. AG soll bei erkrankten Mitarbeitern (über 6 Wochen im Jahr, dabei ist unerheblich ob es eine lange Erkrankung oder mehrere Kurzerkrankungen sind) ein Gespräch zur Wiedereingliederung stattfinden, das der Betroffene auch ablehnen könnte. Das Gespräch soll dazu dienen, Faktoren am Arbeitsplatz, die die Gesundheit belasten, auszuschliessen oder zu verringern.

    Gefühlsmäßig ist das sicher sehr sinnvoll. Einige kritische Punkte sehen wir dennoch:
    Muss der AN dem AG die Krankheitsdiagnosen nennen?
    Darf es in der Personalakte etc. festgehalten werden, wenn ein AN ein BeM verweigert?
    Welche Konsequenzen würden einen AN erwarten, wenn er ein BeM verweigert?
    Kann der AG nach einem erfolglosen BeM dem Mitarbeiter evtl. leichter krankheitsbedingt kündigen?

    Würden uns sehr über eure Statements freuen.

    Herzliche Grüße!
    Kessanie

  • Statements zum BEM könnten problemlos Abendfüllend sein, ach was sag ich denn Abendfüllend - gar Wochenfüllend ist richtiger. Eine meiner Wochen war jedenfalls beim ifb-BEM-Seminar gut und sinnvoll gefüllt. Dieses kann ich wärmstens empfehlen.

  • Hallo Kessanie,

    nachdem Ihr ja offensichtlich noch nicht einmal die Rechtsgrundlage des BEM kennt (§ 84 Abs. 2 SGB IX - da steht das auch mit den 6 Wochen drin),
    http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/__84.html
    ist es wirklich notwendig, BRM zu Spezialschulungen zu schicken, bevor Ihr mit dem AG irgendetwas vereinbart.

    Die Durchführung des BEM unterliegt voll der BR-Mitbestimmung.
    BEM ist eine gute Sache, wenn der BR weiß, welche Gefahren für die AN ausgeräumt werden müssen. Deswegen gilt auch der Spruch eines Referenten auf einem BEM-Spezielseminar (Richter am BAG):
    "Besser keine Vereinbarung als eine schlechte Vereinbarung."

  • Hallo.

    Zitat von Kessanie :

    Darf es in der Personalakte etc. festgehalten werden, wenn ein AN ein BeM verweigert?

    Nein.

    Zitat von Kessanie :

    Welche Konsequenzen würden einen AN erwarten, wenn er ein BeM verweigert?

    Rechtlich betrachtet: Keine.

    Zitat von Kessanie :

    Kann der AG nach einem erfolglosen BeM dem Mitarbeiter evtl. leichter krankheitsbedingt kündigen?

    Nein.

    Zitat von Kessanie :

    Muss der AN dem AG die Krankheitsdiagnosen nennen?

    Niemals!

    Ansonsten schließe ich mich meinen VorrednerInnen an: Bevor ich als BR so etwas mache, besuche ich eine Spezialschulung dazu - die vom IFB ist sehr gut (bzw. war sie das vor ein paar Jahren).

    Grüsse Winfried

  • Dem bisher schon Gesagten ist nicht viel hinzuzufügen.
    Ergänzend zu Wolfgangs Hinweis hinsichtlich einer dringend gebotenen Schulung der BRM halte ich es auch für sinnvoll, die SBV mit ins Boot zu nehmen. Auch wenn die nicht selbst BVen abschließen kann: Sach- und Fachwissen hat noch nie geschadet.

    Und die einschlägige ifb-Schulung kann ich aus eigener Erfahrung (als einziger SBV-Stelli) nur befürworten!

    Grüßle
    Michael

  • Ich denke, eine Ablehnung des BEM’s darf durchaus in der Akte vermerkt werden.
    Wie sonst kann der AG beweisen, das er dem AN das BEM angeboten, der AN es aber nicht angenommen hat im Falle einer Kündigung?!

  • Hallo

    Ein BEM wird nach 6 Wochen, ununterbrochener oder wiederholter Krankheit bedingter Ausfalltage Angeboten.

    Dann bin ich noch meilenweit von einer Kündigung entfernt.

    Unser Seminarleiter im BR 3 hat uns erklärt das Krankheitsbedingt nur gekündigt werden kann wenn ein MA über 3 Jahre einen 20% Ausfallschaden verursacht hat, eine negative Gesundheitsprognose besteht und kein Ersatzarbeitsplatz besteht oder geschaffen werden kann.

    Also hat das ablehnen eines BEM erstmals nichts mit Kündigung zu tun.
    Der AG kann wenn BEM mehrmals abgelehnt wurde den Mitarbeiter dann auf Konsequenzen Aufmerksam machen.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Hallo

    Nach meinem Wissen sollte ein BEM Team aus jeweils einem BRM einem SBV und einem AG Vertreter bestehen alle anderen relevanten Personen und Ämter können bei Bedarf eingeschaltet werden. Alle Personen die mit dem BEM betraut sind haben den Datenschutz zu gewährleisten.
    Und was man uns erklärt hat ist, dass BEM Daten aber auch Garnichts in den Personalakten zu suchen haben, meiner Meinung nach auch so eine Notiz nicht denn wo sollte die herkommen wenn nicht von einem Beteiligten.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Im umkehrschluss bedeutet dieses ja, dass der AG nicht weiß, ob ein AN am BEM teilnimmt oder nicht.
    Dieses ist m.M. nach immer noch nicht nachvollziehbar.
    Bin übrigens ebenfalls IFB geschult?

  • Hallo,

    der AG muss natürlich wissen, ob ein Mitarbeiter das BEM ablehnt (oder teilnimmt)!
    Außerdem: der AG bietet das BEM ja an, er erhält also auch die Antwort des AN, ob er teilnehmen will oder nicht. Diese Rückmeldung erfolgt bei uns schriflich (wir haben eine BV) und ist die einzigste Info im Rahmen des BEM, die in der Personalakte landet. Für alles andere danach ist das BEM-Team zuständig, Vertraulichkeit, usw. natürlich inklusive.

    Gruß
    Tiger

  • Zitat "Im umkehrschluss bedeutet dieses ja, dass der AG nicht weiß, ob ein AN am BEM teilnimmt oder nicht"

    Nein bedeutet es nicht. Denn der AG Vertreter ist mit im BEM Team dies kann auch der AG selbst sein.
    Aber etwas zu wissen und es dann auch Datentechnisch zu verarbeiten sind doch zwei Paar Schuhe.

    Aus der Ablehnung eines BEM dürfen dem MA keine Nachteile entstehen.
    Das vielleicht irgendwann einmal eine Kündigung im Raume stehen könnte hat damit doch nichts zu tun.
    In diesem Falle wird man dem Kollegen seitens des BEM Team schon eindringlich darauf hinweisen.

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Hallo,

    der AG kann und darf und muss auch wissen, ob ein BEM abgelehnt oder angenommen wurde, das verletzt den Schutz der persönlichen Daten nicht. Alles, was darüber hinausgeht, geht den AG dann aber nichts mehr an, insoweit keine Zustimmung des/der Betroffenen zur Weitergabe von Daten besteht.

    Grüsse Winfried

    P.S: Ich bin auch BEM-geschult, das ist aber (gefühlte) 134 Jahre her.

  • Team-ifb

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