Nachrücker wird nicht erwünscht...

  • Hallo Kollegen,

    leider habe ich in der sufu nichts gefunden und auch sonst kann ich für mein Problem keine Lösung finden und deswegen erlaube ich mir hier um einen Rat zu fragen.

    Heute ist ein BR Mitglied wg persönlichen Gründen ( Nichtwählbarkeit wg. neuer Führungsposition) aus unserem 11er Gremium zurückgetreten. Dieser Schritt war absehbar und bereits vor Wochen brach im halben Gremium ein Sturm der Entrüstung los. Der Grund dafür ist das ein Kollege als nächster Nachrücker bereitsteht, der leider extrem polarisiert und vor Jahren bereits im BR für nichts als Unruhe gesorgt hat. Aktuell vergeht leider keine Woche in der sich nicht jemand bei mir über diesen Kollegen beschwert weil er sehr unkollegial und meines Erachtens für das Unternehmen nicht tragbar ist. Er hat noch 3 Jahre bis zur Rente bei 40 Jahren Betreibszugehörigkeit und in einem persönlichen Gespräch hat er mir erklärt, sein Ziel wäre eine bezahlte Freistellung bis zur Rente, was die GL aber ablehnt. Sein direkter Vorgesetzter greift leider nicht durch und ist auch sehr unglücklich mit dem Kollegen, traut sich aber nicht mögliche Arbeitsrechtiliche Konsequenzen durchzuziehen und in gemeinschaftlichen Runden mit der GL macht er auch immer wieder den Rückzieher.

    Nun mein Problem: mehrere BR Mitglieder haben mir gegenüber erklärt, falls ich den Nachrücker zur nächsten Sitzung laden sollte, das diese Personen sofort die Sitzung verlassen und ebenfalls austreten was eine Neuwahl zur Folge hätte. Das wäre ein GAU denn aktuell beraten wir über einen Haustarifvertrag da unser AG seinen Austritt aus dem Arbeitgeberverband erklärt hat.

    Wenn ich den Nachrücker lade, wird dieser jede Verhandlung mit der GL torpedieren und jede Sitzung unerträglich werden lassen, was er mir gegenüber auch ganz offen gesagt hat.

    Man erwartet nun von mir das Nachrücken des Kollegen zu verhindern. Ich sitze in einer Zwickmühle.

    Gibt es eine reguläre Möglichkeit einen Nachrücker zu verhindern?

    Habt Ihr evtl einen anderen guten Rat wie wir hier die Kuh vom Eis kriegen?

    kollegialen Gruß

  • Hallo Knueppelz,

    hatte eine ähnliche Situation während meiner BRV-Zeit und kann Dich gut verstehen.

    Es wird Dir aber kaum was anderes übrig bleiben, als den Kollegen zu laden, wenn Du Dich rechtlich einwandfrei verhalten willst.

    Möglich wäre (bei gutem Verhältnis zur GF) eine gemeinsame Strategie abzustimmen, wie man mit solch einer Person umgeht. Hierzu sollte aber m.E. keinesfalls die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei gleichzeitiger Weiterzahlung der Bezüge zählen. Dann hätte er nämlich, was er will. Evtl. hat der AG ja Sonderaufgaben für ihn, die es ihm nicht ermöglichen, an den BR-Sitzungen teilzunehmen.

    Sollte dies nicht funktionieren, hat man als BR ja durchaus die Möglichkeit, ihn bei Abstimmungen zu überstimmen. Ein Einzelgänger wird ja wohl kaum die Mehrheitsverhältnisse im Gremium auf den Kopf stellen. Und es bist immerhin Du als BRV, der Sitzungen anberaumt, Sitzungen leitet, das Wort erteilt etc.

    Wichtige Gespräche und Verhandlungen würde ich dann ein Arbeitsgruppen vergeben, in denen er (ganz zufällig) nicht vorhanden ist, womit der Ärger nach außen schon mal eingedämmt ist. Und dann: Augen zu und weiter bis zur Wahl (ist ja nicht mehr so lang).

    Wenn's gar nicht geht, dann eben Gründe für einen Ausschluss finden oder neu wählen.

    Wolle

  • Hallo,

    hier geht es nun mal um Gesetze und nicht um ein Wunschkonzert. Die BRM, die ihr Mandat beim Nachrücken eines unbeliebten AN niederlegen wollen, sind mE moralisch nicht viel höherstehend.

    Wieso eine Neuwahl Haustarifverhandlungen stören soll, erschließt sich mir allerdings nicht. Das ist ja keine BR-Aufgabe, derartige Verhandlungen zu führen.

  • vielen Dank für eure Antworten,


    Ihr habt recht, es gibt keinen rechtlich vertretbaren Grund den Nachrücker nicht zu laden.

    Allerdings will ich niemanden vor unlösbare Aufgaben stellen um ihn dann so "loszuwerden". Finde ich nicht fair, will ja auch nicht das man das mit mir macht.

    Ich habe am WE drüber nachgedacht und werde nochmal mit Ihm sprechen und ihn unter 4 Augen bitten auf das Mandat zu verzichten oder sich an die Spielregeln zu halten.

    Sicherlich hat whoepfner recht das Haustarifvertragsverhandlungen nicht unbedingt in unser Ressort fallen, aber wir würde gern für den ein oder anderen Punkt gern einen Standpunkt erarbeiten, den wir gerne dabei hätten.

    eigtl. egal um welche Art Verhandlung es geht, jemand der alles torpediert, nur um des Störens willen, macht eine konzentrierte, professionelle Arbeit (die wir gerne leisten möchten) nicht unbedingt besser.

    in diesem Sinne schönen Wochenstart

  • Hallo knueppelz

    Das ein nachgerücktes Ersatzmitglied geladen werden muss ist klar.

    Aber mich wundert eure Problematik.

    Sollte ein BRM dermaßen quer schießen gibt es genug Möglichkeiten ihn ins Abseits zu stellen.

    Verhandlungen werden ja nicht mit dem gesamten Gremium geführt, hier wird ein Beschluss gefasst wer mit zu den Verhandlungen geht und dieses BRM dann natürlich nicht. Mehrheit vorausgesetzt.

    Die BR Sitzungen werden vom BRV geleitet und er erteilt das Wort. Natürlich hat auch dieses BRM ein recht seine Meinung zu äußern aber in vernünftigen Bahnen ansonsten wird ihm das Wort entzogen.

    Auch zu dieser Problematik gibt es Seminare

    Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt, sei wachsam

    Reinhard Mey

  • Hallo Knueppelz,

    nochmal zur Klarstellung:

    Der BR hat überhaupt keine Beteilungsrechte an Tarifverhandlungen. Auch die "Erarbeitung von Standpunkten" zu Tarifverhandlungen gehört absolut nicht zu seinen Aufgaben.

    Tarifverhandlungen sind allein und ausschließlich Aufgabe der Tarifpartner und "Standpunkte" bzw. Forderungen der AN-Seite werden von den jeweiligen gewerkschaftlichen Gremien diskutiert und beschlossen. In diesen Gremien können sich BRe als Einzelpersonen gerne einbringen, so sie denn überhaupt Gewerkschaftsmitglieder sind.

  • Hallo,

    dazu möchte anmerken das wir ab morgen ein Inhouse Seminar zum Thema haben. Danke an Whoepfner für die klare Antwort.

    Aber back 2 topic: Der Terror geht schon los. Ich habe den Kollegen heute über den Rücktritt der Kollegen informiert und Ihn gefragt ob er zur Verfügung stehe. Nach einer Ellenlangen Ansprache seinerseits gab es kein klares Nein und auch kein Ja. Wir als BR hätten die Inhouse Schulung solange zu verschieben bis er sich entschieden hat, und falls die Schulung wie geplant stattfindet ( und das wird sie ! ) würde er den BR verklagen. ( weswegen ist noch offen aber er würde schon was finden ).

    Bisher haben BR Sitzungen immer sehr gut funktioniert ohne Wortmeldungen und ohne jemanden ins Abseits stellen zu müssen. Also innerhalb des Gremiums sehr harmonisch. Wir sind alle keine Freunde von strammen Hierarchien, sondern das Miteinander wurde bisher gefördert und wenn 2 Meinungen aufeinanderprallen, konnten sie bisher in einer offenen Diskussion sachlich und vernünftig geklärt werden.

    Donnerstag ist die erste Sitzung mit Nachrücker, ich werde berichten (falls von Interesse)

  • Hallo,

    schwieriges Thema, aber hier spontan 2 Ideen:

    1. Alle BRM rüsten sich innerlich für ein paar "doofe" Monate (inkl. geänderter Geschäftsordnung mit Wortmeldungen usw.) bis zur nächsten Wahl. Sitzungen des BR könnte man außerdem möglichst so legen, dass besagter Kollege nicht teilnehmen kann. Dies muss aber sachlich irgendwie begründbar sein. Problem dabei evtl.: Mobbing des BRM durch den BR.

    2. Schwierig, aber möglich: Ausschluss des BRM aus dem BR nach § 23 BetrVG. Die recht hohen Hürden könnte man mit diversen groben Pflichtverletzungen nehmen (siehe dazu diverse Kommentare des § 23 BetrVG). Das lohnt aber bis zur nächsten BR-Wahl nicht und ist auch wie gesagt nicht so ganz einfach. Aber wo langfristig ein Wille und die Unterstützung des AG und eines guten RA ist, ist auch ein Weg.

    Es gibt unter anderem auch seeeeeeeeeeeeeehr alte Urteile des BAG dazu:

    Grobe Pflichtverletzung sind unter anderem
    - ein Verhalten, durch das die Funktionsfähigkeit des BR ernstlich bedroht oder lahm gelegt wird (05.09.1967 AP Nr. 8 zu § 23 BetrVG))
    - Einschlagen eines Konfrontationskurses gegenüber der BR-Mehrheit, der darauf angelegt ist, die sachliche BR-Arbeit und die Funktionsfähigkeit des BR zu gefährden (21.02.78, AP Nr. 1 zu § 74 BetrVG)

    Gruß,
    brummelbaer

  • Hallo allerseits,

    also, die Tipps vom brummelbaer hab ich jetzt mal freundlich überlesen..... nix für ungut, brummelbaer, ich weiß ja, du willst nur helfen.

    AAAber wir reden hier immernoch von einem BR-Mitglied. Meiner Meinung nach ist das einfach ein Krakeeler (große Schnauze und nix dahinter). Ich glaube nicht, dass er einen RA finden wird, der ihn vertritt, wenn er den BR wegen der Nichtverschiebung der Schulung verklagen will. Ich glaube nichtmal, dass er einen RA suchen wird.

    Einen BR kann man sich nunmal nicht so zusammenstellen, dass die Mitglieder alle die besten Freunde sind. Hier hat schließlich der Wähler das Wort. Und irgendjemand hat auch dieses Mitglied gewählt. Ich würde, anstatt ihn auszugrenzen, versuchen, ihn einzubinden, deutlich nach seiner Meinung fragen und diese dann auch diskutieren. Erst, wenn er seine eigene Meinung nicht mehr vertritt, nur damit er weiter stänkern kann, ist wirklich über den Fall nachzudenken, dass er die BR-Arbeit torpediert resp. die Funktionalität gefährdet.

    Geht da mit Vorsicht dran und nehmt ihn und seine Meinung ernst. Meistens lösen sich solche Verhaltensweisen dann früher oder später von selbst auf.

    Grüßchen,
    Carola

  • Hallo,

    ich habe zwar keine Ahnung, wie Euer Gremium tickt, aber ein BR Mitglied auszugrenzen, oder nach Möglichkeiten suchen, um es aus der Arbeit auszuschließen, oder noch schlimmeres, ist sicherlich keine gute Idee.

    Dieser Mitarbeiter wurde von den KollegenInnen gewählt. Das heißt, dass es genügend KollegenInnen gibt, die diesem Kollegen vertrauen und ihm deshalb die Vertretung ihrer Interessen anvertrauen wollten. Was wiederum heißt, dass dieser BR Kollege eine gewisse Wertschätzung unter der Belegschaft genießt.

    Warum dieser BR Kollege mit Eurem Gremium nicht kann, sollte man versuchen zu klären. Aber nicht über den Kopf des BR Kollegen hinweg, sondern mit ihm. Wir BRler müssen auch mit schwierigen Menschen klarkommen :roll: , das ist sicher nicht immer einfach, aber notwendig. Wenn man sich ernsthaft mit einem solchen Menschen befasst, dann stellt man sehr oft fest, dass es durchaus Gründe gibt, warum dieser Mensch verbittert ist. Denn wenn jemand so reagiert, wie euer Kollege, dann ist der verbittert. Wenn die Gründe erst bekannt sind, dann kann man auch daran arbeiten. Aber niemand wird sich einem Gegenüber öffnen, von dem er nicht sicher ist, dass dieser es ernst mit ihm meint. Das heißt, ihr habt viel Arbeit vor Euch ;) . Ich beneide euch nicht, kann euch aber sagen, wenn man bei so etwas erfolgreich ist, dann ist die Freude darüber groß :lol:

    Es gibt auch Seminare in denen man lernen kann mit schwierigen Menschen umzugehen.

  • Wieso der Super Gau wenn sich der Betriebsrat auflöst und ein neuer gewählt werden muss?

    Die Zusammensetzung vom Betriebsrat ist halt kein Wunschkonzert und querdenkende Mitglieder bringen einen Betriebsrat oft weiter als wenn sich immer alle schön einig sind.

    Und im Notfall hat ja noch die Kuschelgruppe die Stimmenmehrheit und das einzelne Mitglied halt Pech!

    Die Idee Sitzungen so zu legen, dass dieses Mitglied nicht teilnehmen kann ist nur frech :evil:

    Außerdem sollte ein BV von einem 11er Gremium so gut geschult sein (dafür wird er ja sicherlich freigestellt sein), dass er eine Sitzung auch mit ungeliebten Mitglied ordentlich leiten kann!!!!!

    L.G.Tompte240

  • Team-ifb

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