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Air Berlin: Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft

Zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft meldet Insolvenz

Eben noch eine bekannte Marke, plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Mitte August 2017 meldete die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin mit mehr als 8.000 Beschäftigten Insolvenz an. Ende Oktober wurde der Flugbetrieb endgültig eingestellt. Zahlreiche Piloten, Flugbegleiter und Mitarbeiter des Bodenpersonals bangen jetzt um ihre Zukunft.

Stand:  29.11.2017
Lesezeit:  04:00 min
Air Berlin Flugzeuge | © aldorado | Shutterstock.com

„Momentan weiß niemand, was Sache ist. Wir hängen irgendwo zwischen Air Berlin und dem Arbeitsamt fest", fasste ein Mitglied des Kabinenpersonals die Stimmung bei den „AirBerlinern" gegenüber Focus zusammen. „Da arbeitet man 25 Jahre für Air Berlin und dann sowas."

Ein harter Sparkurs begleitete die Mitarbeiter schon seit Jahren. Das plötzliche Aus traf viele Kollegen dennoch völlig unvorbereitet.

Ein Abschied mit Tränen

Ende Oktober landete der letzte Flug von Air Berlin auf dem Flughafen Berlin-Tegel – ein tränenreicher Abschied. Der Airbus A320, Flugnummer BER4EVR, soll über Berlin mehrere Schleifen geflogen sein, die auf dem Flugradar wie ein großes Herz aussahen.

Überhaupt war das Herz ein besonderes Symbol von Air Berlin. Die Airline verteilte nach jedem Kurz- und Mittelstreckenflug rote Schokoherzen. Heute werden die süßen Erinnerungen mit Air Berlin-Logo nur noch bei eBay angeboten – zu Sammlerpreisen.

Und jetzt?

Keiner wusste nach diesem letzten Flug so genau, was Sache ist – kommt noch Gehalt oder nicht? Muss ich mich beim Arbeitsamt melden? Oder habe ich dann Nachteile?

Insgesamt waren seit Anfang November 2017 etwa 3.500 Air Berlin-Mitarbeiter freigestellt. Die Verunsicherung war groß. Und Air Berlin scheint das Geld auszugehen: Die verfügbaren Mittel reichen voraussichtlich nicht aus, um alle Massenverbindlichkeiten zu decken, teilte der Sachwalter Lucas Flöther mit. Massenunzulänglichkeit heißt dies unter Juristen. Das kann schlimmstenfalls bedeuten, dass auch Gehälter nicht mehr bzw. nicht mehr voll gezahlt werden. Betroffene müssten dann einen Antrag auf Insolvenzgeld stellen.

Was ist ein Sachwalter | © ifb

Kündigung, Betriebsübergang, Transfergesellschaft?

Seit Ende November erhalten Bodenbeschäftigte und Piloten nun ihre Kündigungen. Sie haben drei Wochen Zeit, um eventuell Kündigungsschutzklage zu erheben.

Die Wut ist groß. Rund 1.000 Air Berlin-Beschäftigte forderten in Berlin mit Trillerpfeifen und Plakaten Unterstützung im Kampf um ihre Arbeitsplätze.

Parallel dazu schlägt das Thema Betriebsübergang (§ 613a BGB) hohe Wellen. Wer müsste durch den Verkauf übernommen werden? Denn ein Betriebsübergang schützt Arbeitnehmer, denn er führt nicht zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses, wenn ein Betriebsteil auf einen anderen Inhaber übertragen wird. Sowohl Ver.di als auch Vereinigung Cockpit wollen gerichtlich klären, ob es sich auch bei der bloßen Übernahme von Flugzeugen um einen Betriebsübergang handelt.

Rund 1.100 Boden-Beschäftigte hatten zudem die Option, in eine Transfergesellschaft zu wechseln.

Was ist eine Transfergesellschaft | © ifb

Ringen um die Sahnestücke

Derweil ist das Ringen um die Sahnestücke von Air Berlin in vollem Gang. Anfang Dezember wird die Entscheidung der EU-Kommission erwartet, ob Lufthansa einen Teil von Air Berlin übernehmen kann. Auch die britische Fluggesellschaft Easyjet will nach langen Verhandlungen Teile von Air Berlin kaufen. Laut Berliner Zeitung will die Lufthansa 81 Maschinen übernehmen, Easyjet 25.

Streitpunkt Managergehalt

Die Abwicklung der insolventen Fluggesellschaft soll bis Ende April 2018 laufen. Danach wird Air Berlin endgültig Geschichte sein. Nicht jedoch für den ehemaligen Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann: Der Manager erhält sein Grundgehalt in Höhe von 950.000 € im Jahr bis Anfang 2021.

Juristisch sei daran nicht zu rütteln, außerdem belaste das Geld, das Herr Winkelmann erhält, die Insolvenzmasse nicht, beschwichtigen Politiker. Es werde vom früheren Hauptgesellschafter Etihad über eine Bankbürgschaft finanziert.

Während tausende Angestellte um ihre Zukunft bangen, ist es trotzdem eine Frage der Moral. Denn auch wenn sich der Manager möglicherweise besonders eingesetzt hat: Das war schließlich sein Job.

Internetseite für Air Berlin-Gläubiger

Unter www.airberlin-inso.de können Gläubiger von Air Berlin ab sofort Informationen zu den aktuellen Verfahrensständen und Antworten auf häufig gestellte Fragen finden.

Eingerichtet hat die Seite Sachwalter Lucas Flöther. Die Beteiligten gehen derzeit von bis zu einer Million Gläubiger aus.

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