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Nachhaltigkeit: So bestimmen Sie als Betriebsrat mit!

Bei allem, was man tut, auch das Ende bedenken

Nachhaltigkeit – ein Begriff geistert durch die Unternehmen. Verwendet wird er oft, aber wissen Sie, was eigentlich alles dahintersteckt? Themen wie Nachhaltigkeitsstrategien, ökologische und soziale Nachhaltigkeit, Umweltschutz, erneuerbare Energien und Ressourcennutzung werden Ihnen als Interessenvertreter immer wieder begegnen. Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen, welche Bereiche betrifft es – und was können Sie als Betriebsrat tun?

Stand:  21.3.2023
Lesezeit:  03:00 min
Nachhaltigkeit im Unternehmen | © AdobeStock | Deemerwha studio

Aktuell begegnet uns das Thema Nachhaltigkeit nahezu überall – beruflich wie privat. Vor allem Unternehmen nutzen den Begriff, um das Vertrauen bei Kunden, Geschäftspartnern und bei den Mitarbeitern zu gewinnen. Ein reiner Marketing-Gag? Sicher nicht: Den unser Tun und Handeln bestimmt unsere Zukunft und die Arbeit von morgen. Nehmen Sie die Herausforderung als Betriebsrat an?

Nachhaltigkeit als Zukunftssicherung für Unternehmen

Energiekrise, unterbrochene Lieferketten, Inflation und Digitalisierung – vieles verändert sich gerade rasant. Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen oder sogar komplett neu erfinden, um wirtschaftlich zu überleben. Bei einer genauen Betrachtung von alteingesessenen Strukturen und Denkweisen wird eines schnell klar: Für eine langfristige Wertschöpfung müssen wir ganzheitlich denken. Gemeinsam! Denn alles ist miteinander verbunden. Nur mit einer ganzheitlichen Betrachtung verschiedener Aspekte wird die Transformation gelingen und das Unternehmen zukunftsfähig sein. 

Ein Blick ins Grundgesetz

Wie beginnen? Zunächst lohnt sich der Blick in das Grundgesetz: In Artikel 20a GG ist festgelegt: 
„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung“. 
Ein sehr hohes Ziel – welche Folgen hat es für Unternehmen?

Bei allem, was man tut, das Ende zu bedenken, das ist Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit – mehr als „Umweltbewusstsein“

„Bei allem, was man tut, das Ende zu bedenken, das ist Nachhaltigkeit,“ bringt es Dr. Eric Schweitzer, Präsident der DIHK Berlin, auf den Punkt. Wer an Nachhaltigkeit denkt, hat sofort Umweltthemen wie Luftverschmutzung und Energiepolitik im Kopf. Aber der Begriff Nachhaltigkeit umfasst weit mehr. Hierzu gehören auch Fragen rund um den technischen Wandel und das Konsumverhalten, von dem am Ende auch die Arbeitnehmer betroffen sind. In einer Studie von Rothmund Insights (Februar 2021) „Nachhaltigkeit im Fokus“ wurden 1044 Haushaltsentscheider gefragt. 

Dabei ergab sich folgendes Bild:

  • 47 % waren passiv Nachhaltigkeitsbewusste und erwarten Nachhaltigkeit von Unternehmen
  • 42 % waren aktiv Nachhaltigkeitsbewusste. Sie erwarten Nachhaltigkeit von Unternehmen und handeln selbst nachhaltigkeitsbewusst.
  • 11 % waren lediglich nicht interessiert am Thema

Fakt: 89 % der Endverbraucher erwarten Nachhaltigkeit von Unternehmen! 
Formuliert ein Unternehmen seine strategischen Ziele, kommt es an dem Thema Nachhaltigkeit nicht mehr vorbei.

Lösungen müssen gefunden werden, die eine Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen gewährleisten.

Das Drei-Säulen-Modell – das Haus der Nachhaltigkeit

Lösungen müssen gefunden werden, die eine Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen gewährleisten. Die EU formulierte 1997 mit ihrem Vertrag von Amsterdam die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Ganz bewusst umfasst hier Nachhaltigkeit nicht nur den Schutz der natürlichen Ressourcen und des Klimas, sondern auch wirtschaftliche Aspekte und soziale bzw. gesellschaftliche Effekte. Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit sind Ökonomie, Ökologie und Soziales – gleichrangig und gleichgewichtig! Es soll Unternehmen motivieren, ein ganzheitliches, werteorientiertes Denken in ihren Leitprinzipen zu verankern und zu leben.

Gibt es eine Grundlage für die betriebliche Mitbestimmung?

Betrachten wir das Drei-Säulen-Modell, dann ergeben sich für Sie als Betriebsrat mehrere Bereiche, in denen Sie Ihre Mitbestimmungsrechte nutzen können – auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. 

  • Die ökologische Säule beinhaltet alle Umweltaspekte, die den bewussten Umgang mit Wasser, Energie und endlichen Rohstoffen betrifft. Hier kommt z.B. das „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“ ins Spiel. Was für ein Wort, was steckt dahinter? Künftig erhält die Einhaltung zentraler Menschen- und Umweltrechte entlang der Lieferketten einen neuen Stellenwert. Aber es gilt auch, die Risiken für Arbeitnehmer zu minimieren, die durch Gefahrstoffe krank werden könnten. Der Arbeit- und Gesundheitsschutz bietet hier ein breites Handlungsfeld.
  • Nachhaltiges und gutes Wirtschaften = Ökonomie im Sinne der Nachhaltigkeit. Auch nachhaltige Unternehmen müssen genügend Gewinne erzielen, um in moderne Maschinen, hochwertige Rohstoffe und die faire Bezahlung von Arbeitnehmern zu investieren. Aber Gewinnmaximierung darf nicht das vorrangige Ziel dieser Unternehmen sein. Es sollen langfristige Strategien verfolgt und wirtschaftlich so gedacht werden, das zukünftigen Generationen kein Schaden entsteht. Hier kommt ebenfalls wieder das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ins Spiel.
  • Bei der sozialen Nachhaltigkeit steht der Mensch im Mittelpunkt. Diese Säule beinhaltet alle Themen rund um die soziale Gerechtigkeit. Sowohl die faire Bezahlung als auch die faire Behandlung von Arbeitnehmer spielen dabei eine große Rolle. Denken wir dabei beispielweise an die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Thema Altersdiskriminierung im Unternehmen. Die soziale Nachhaltigkeit ist in der Betriebsratsarbeit fest verankert. Hier haben Sie als Betriebsrat den größten Hebel, wenn es um Ihre Mitbestimmungsrechte geht. Beispiel Aus- und Weiterbildung: Hier können Sie einiges für Ihre Kollegen tun.

Handlungsbereiche des Betriebsrats beim Thema Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Nachhaltigkeit und BR-Arbeit 

Eins vorab: Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Um das Thema dauerhaft im Unternehmen zu verankern, ist zielgerichtetes Handeln und Offenheit gefragt! Hierzu gehört die Zieldefinition ebenso wie eine Dokumentation und das Nachhalten der Ergebnisse. Im besten Fall schließen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung zu diesem Thema ab und verankern die Nachhaltigkeit in den Leitlinien des Unternehmens. Dabei ist es wichtig, dass Sie z.B. Themen zur Gesundheit des Mitarbeiters losgelöst von der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens formulieren. 

Beispielsformulierung aus einer Betriebsvereinbarung:


„Wachstum und Erfolg des (XY) Konzerns basieren entscheidend auf der Motivation, dem Engagement und der Kompetenz der Mitarbeiter. Die [Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung] soll dazu beitragen, dass das Wachstum nachhaltig und im Einklang mit den Arbeits- und Lebensinteressen der Mitarbeiter gestaltet wird.“

(Quelle: Studie zur Nachhaltigkeit der Hans-Böckler-Stiftung)

Unsere Tipps für Sie als Betriebsrat:

  • Überprüfen Sie Ihre BR-Themen auf die Aspekte der Nachhaltigkeit. 
  • Legen Sie Ihre Themen fest und besprechen Sie diese mit dem Arbeitgeber 
  • Legen Sie gemeinsam eine Kennzahl fest, an der Sie die Zielerreichung messen können.
  • Ein Datum zur Erreichung von Zwischenzielen hilft, den Fokus nicht zu verlieren!
  • Berichten Sie über Ihre Arbeit aus BR-Sicht. Hier ist Transparenz gefragt!
  • Fordern Sie die Kollegen und Belegschaft zur Mitarbeit auf.
  • Feiern Sie auch kleine Zwischenziele.
  • Haben Sie Geduld und bleiben Sie nachhaltig an Ihren Themen dran!

So sorgen Sie als Betriebsrat für eine lebensfähige, lebenswerte und gerechte Arbeitswelt – für Ihre Kollegen und für zukünftige Generationen! Wie Mahatma Gandhi so schön sagte, „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ (sw)

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