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„Miteinander statt gegeneinander“

© Björn Mackensen
Stand:  26.8.2025
Lesezeit:  04:15 min
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Björn Mackensen über Mitbestimmung, Zusammenarbeit und Gesundheit

Seit nunmehr 30 Jahren ist Björn Mackensen nicht nur Teil seines Unternehmensstandorts in Osterode, sondern auch aktiver Betriebsrat. In all den Jahren hat sich bei ihm ein klares Verständnis von Mitbestimmung entwickelt: Sie funktioniert immer dann besonders gut, wenn man sie als partnerschaftliche Zusammenarbeit versteht – nicht als Gegeneinander von Geschäftsführung und Betriebsrat, sondern als gemeinsames Ringen um gute Lösungen. Ein Beispiel in Sachen Betriebsratsarbeit, das zeigt, dass es so funktionieren kann. 

Für Björn Mackensen – bei Sun Chemical am Standort in Osterode nur als „Macko“ bekannt – ist Mitbestimmung ein zentrales Element der Arbeitskultur in Deutschland. Er schätzt die gesetzlich verankerten Rechte sehr, wichtiger ist ihm allerdings, dass diese praktisch gelebt werden. „Die Mitbestimmung in Deutschland ist stark, wenn sie mit Leben gefüllt wird. Wenn beide Seiten miteinander arbeiten, statt sich gegenseitig auszubremsen.“

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Die Mitbestimmung in Deutschland ist stark, wenn sie mit Leben gefüllt wird.

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Und gerade diese gelebte Zusammenarbeit hebt er bei Sun Chemical, einem führenden Hersteller von Druckfarben und Pigmenten, in Osterode hervor. Über viele Jahre sei der Dialog mit der Geschäftsführung offen und konstruktiv gewesen. „Wir hatten immer eine klare Haltung, aber das gemeinsame Ziel, den Betrieb und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Und das ist uns oft gelungen“, berichtet Macko.

Gesundheit der Arbeiter ein großes Anliegen

Ein Beispiel für dieses erfolgreiche Zusammenwirken war die Einführung eines neuen Schichtsystem, wenngleich die Zustimmung bei einer ersten Umfrage zunächst nur bei 50 Prozent lag. Für Macko war klar: „Die Beschäftigten müssen ein solch neues Modell immer erst erleben, dann steigt die Akzeptanz.“ Und genau so kam es. Mittlerweile gehört das neue Schichtmodell, das Nachtschicht alle sechs statt alle drei Wochen vorsieht, fest zum Arbeitsalltag und wird laut Macko überwiegend positiv gesehen. 

Erfolgreich war zudem die Einführung regelmäßiger Gesundheitsumfragen und Gesundheitstage. Zwar sei die Beteiligung bei einer letzten Umfrage etwas zurückgegangen, doch insgesamt sei das Gesundheitsbewusstsein deutlich gestiegen. „Viele Menschen merken erst mit der Zeit, was ihnen wirklich guttut – und da können wir als Betrieb viel mit auf den Weg geben.“

Pandemie als Belastungsprobe

Wie bei so vielen war für Macko und seine Betriebsratskollegen die Corona-Pandemie eine der größten Herausforderungen in den vergangenen Jahrzehnten. Sun Chemical in Osterode ging früh in Kurzarbeit, doch als sich Perspektiven abzeichneten, zeigten er und seine Betriebsratskollegen klare Kante: „Kurzarbeit ist ein Instrument auf Zeit. Wenn das Licht am Ende des Tunnels fehlt, darf man sie nicht auf Dauer einsetzen.“ Zusammen mit der damaligen Geschäftsführung vor Ort setzte man sich ein, auch gegen den Wunsch des Mutterkonzerns, die Kurzarbeit zu überdenken. „Das war ein starkes Zeichen, wie gut die Zusammenarbeit hier funktioniert hat.“

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Das war ein starkes Zeichen, wie gut die Zusammenarbeit hier funktioniert hat.

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Aktuell sieht er eine Herausforderung darin, dass im Zuge einer Umstellung auf eine Matrixorganisation die Geschäftsführung nicht mehr dauerhaft am Standort präsent ist, sondern standortübergreifend agiert. Das stellt wiederum neue Anforderungen an die Zusammenarbeit vor Ort. „Ideen sind zahlreich vorhanden, doch es ist nicht immer ersichtlich, wie sie in der neuen Führungsstruktur aufgenommen und weiterverfolgt werden“, merkt Macko an. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich: Die Offenheit und das Engagement in Osterode seien weiterhin groß.

Aber deswegen ist es seiner Meinung nach gerade im Betriebsrat wichtig, nicht nur formell eingebunden zu werden, sondern tatsächlich mitzugestalten: „Mitbestimmung funktioniert am besten, wenn man früh ins Boot geholt wird – nicht erst, wenn die Entscheidungen schon gefallen sind.“ 

Ausbildung, Teamgeist und geringe Fluktuation 

Einen der Erfolgsfaktoren sieht er darüber hinaus in der starken regionalen Verwurzelung und der guten Ausbildungsarbeit. Selbst, wenn die Zahl der Bewerbungen zurückgeht, konnten bislang fast alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Die Fluktuation ist niedrig, Eigenkündigungen gab es in den letzten drei Jahrzehnten laut eigener Aussage nur wenige. Woran das liegt? „Wir haben ein gutes Betriebsklima, faire Löhne, einen guten Ruf und wir kümmern uns umeinander. Wer Probleme hat, wird unterstützt und nicht alleine gelassen.“ Unter anderem deshalb sei der Fachkräftemangel anders als in vielen anderen Unternehmen bislang nur begrenzt spürbar. 

Obwohl die Mitbestimmung in Deutschland eine große Errungenschaft ist und Macko die gesetzlichen Möglichkeiten schätzt – gerade im Vergleich zu vielen anderen Ländern –, bekommt er natürlich Fälle aus anderen Konzernen mit, in denen Betriebsräte weitaus größere „Kämpfe“ austragen müssen. Die Folge: Frust und Entfremdung. Umso mehr schätzt er die Begebenheiten in seinem Unternehmen, wenngleich selbstverständlich nicht alles immer kritikfrei abläuft.

Stellvertreter, um Nachfolger zu unterstützen 

Bereits seit 27 Jahren ist er nun als Betriebsrat tätig, viele Jahre davon als Betriebsratsvorsitzender. Sogar als er 2016 zum Produktionskoordinator und 2021 zum Produktionsleiter – kein leitender Angestellter! – aufgestiegen ist. „Ich hatte große Bedenken, ob das funktioniert“, erinnert sich Macko. Aber nicht nur die Kommunikation mit dem Geschäftsführer klappte rollenunabhängig weiterhin, er wurde auch bei den folgenden Betriebsratswahlen jeweils erneut mit großer Zustimmung ins Gremium gewählt. Seit 2022 ist er „nur noch“ stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, um ganz bewusst seinen Nachfolger in der neuen Rolle zu unterstützen. Und das soll so weitergehen, wie sich der neue BRV ausdrücklich gewünscht hat – mindestens eine weitere Amtsperiode. (tis)

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