Liebe Nutzer,

für ein optimales und schnelleres Benutzererlebnis wird als Alternative zum von Ihnen verwendeten Internet Explorer der Browser Microsoft Edge empfohlen. Microsoft stellt den Support für den Internet Explorer aus Sicherheitsgründen zum 15. Juni 2022 ein. Für weitere Informationen können Sie sich auf der Seite von -> Microsoft informieren.

Liebe Grüße,
Ihr ifb-Team

Lexikon
Schichtarbeit

Schichtarbeit

ifb-Logo
Redaktion
Stand:  18.7.2023
Lesezeit:  02:30 min

Kurz erklärt

Schichtarbeit bezeichnet eine Form der Arbeitszeitgestaltung, bei der die Arbeitszeit in bestimmten Zeitabschnitten auf mehrere Schichten verteilt wird, um rund um die Uhr zu produzieren oder Dienstleistungen anzubieten. Die Schichtarbeit ermöglicht es Unternehmen, eine kontinuierliche Produktion aufrechtzuerhalten oder den Service für Kunden zu gewährleisten, erfordert jedoch eine Anpassung der Arbeitszeiten der Mitarbeiter und kann Auswirkungen auf den Schlafrhythmus und die Work-Life-Balance haben.

Kostenlose ifb-Newsletter

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unseren Newslettern für Betriebsräte, SBV und JAV.
Jetzt abonnieren

Begriff

Die von mehreren Arbeitnehmern/Arbeitnehmergruppen über die übliche Tagesarbeitszeit hin-ausgehende oder rund um die Uhr zu verrichtende Arbeitstätigkeit, bei der sich die Beschäftigten nach einem feststehenden und für sie überschaubaren Plan ablösen.

Erläuterung

Betriebe, die Schichtbetrieb eingeführt haben, praktizieren unterschiedliche Formen der Schichtarbeit praktiziert. Dreischichtbetrieb beinhaltet in der Regel eine Nachtschicht. Meistens werden die Arbeitnehmer in Wechselschicht eingesetzt. Dabei ändert sich die Arbeitszeit zum Beispiel im wöchentlichen Rhythmus mit dem Ziel, alle Schichtarbeitnehmer gleichmäßig zu belasten. Vollkontinuierlich ist ein Schichtsystem, bei dem rund um die Uhr einschließlich Samstag und/oder Sonntag gearbeitet wird.

Schichtarbeitnehmer sind im Unterschied zu ihren Kollegen, die zu regelmäßigen Tageszeiten arbeiten, stärkeren Belastungen und damit auch höheren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Die Arbeitszeit der Nacht- und Schichtarbeitnehmer ist daher nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen über die menschengerechte Gestaltung der Arbeit festzulegen (§ 6 Abs. 1 ArbZG). Die Nachtarbeit unterliegt weiteren besonderen Schutzbestimmungen bezüglich der Arbeitszeit (§ 6 ArbZG). So sind Nachtarbeitnehmer berechtigt, sich vor Beginn der Beschäftigung und danach in regelmäßigen Zeitabständen von nicht weniger als drei Jahren arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen (§ 6 Abs. 3 ArbZG).

Schichtarbeit Mitbestimmung | © AdobeStock | Nuthawut

Bezug zur Betriebsratsarbeit

Mitbestimmungspflichtige Tatbestände

Der Betriebsrat hat über Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage mitzubestimmen (§ 87 Abs. 1 Nr. 2 u. 3 BetrVG). Der Mitbestimmung unterliegen

  • die Einführung und Abschaffung von Schichtarbeit (BAG v. 18.7.1990 - 4 AZR 295/89),
  • der Ausfall ganzer Schichten (BAG v.13.71977 - 1 AZR 336/75),
  • die Streichung einer oder mehrerer im Jahresschichtplan vorgesehener Schichten (BAG v. 1.7.2003 - 1 ABR 22/02),
  • die Festlegung von Beginn und Ende der einzelnen Schichten,
  • die Aufstellung von Schichtplänen (BAG v. 28.5.2002 - 1 ABR 40/01) sowie
  • die Abgrenzung des Personenkreises, der Schichtarbeit zu leisten hat (BAG v. 29.9.2004 - 5 AZR 559/03).

Arbeitgeber und Betriebsrat sind frei in der Entscheidung, ob sie sich auf eine Regelung über die Grundsätze der Schichtplanung beschränken, oder ob sie jeden einzelnen Schichtplan selbst aufstellen wollen. Begnügen sie sich mit der Regelung von Kriterien und Grundsätzen, ist es zulässig, die Aufstellung von Einzelschichtplänen nach diesen Vorgaben dem Arbeitgeber zu überlassen. Durch eine solche Regelung darf das Mitbestimmungsrecht allerdings nicht in seiner Substanz beeinträchtigt werden. Der Betriebsrat kann sein Mitbestimmungsrecht deshalb nicht in der Weise ausüben, dass er dem Arbeitgeber das alleinige Gestaltungsrecht über den mitbestimmungspflichtigen Tatbestand eröffnet (BAG v. 29.9.2004 - 5 AZR 559/03).

 Nicht mitbestimmungspflichtig ist die Zuweisung eines Arbeitnehmers von einer Schicht in eine andere (BAG v. 27.6.1989 - 1 ABR 33/88). Hierbei kann es sich um eine Versetzung handeln (§ 95 Abs. 3 BetrVG), für die der Arbeitgeber die Zustimmung des Betriebsrats einholen muss (§ 99 BetrVG).

Streitfälle

Kommt eine Einigung über eine mitbestimmungspflichtige Angelegenheit der Schichtarbeit nicht zustande, so entscheidet die Einigungsstelle. Der Spruch der Einigungsstelle ersetzt die Einigung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat (§ 87 Abs. 2 BetrVG)

Rechtsquellen

§ 87 Abs. 1 Nr. 2 u. 3, Abs. 2 BetrVG, § 6 ArbZG

Seminare zum Thema:
Schichtarbeit
Grundlagen der Arbeitszeitgestaltung
Altersteilzeit
Arbeitszeit und Dienstplangestaltung im Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich
Diese Lexikonbegriffe könnten Sie auch interessieren
Aktuelle Videos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren

Rente erst mit 70 Jahren!?

Gerade mal ein Jahr ist es her, dass in den Medien heftig über das Thema „Rente mit 68“ diskutiert wurde. Plötzlich scheint auch hier die „Inflation“ durchzuschlagen: Jetzt ist von der Rente mit 70 die Rede! Angestoßen hat die Debatte um eine längere Lebensarbeitszeit Gesamtmet ...
Mehr erfahren

Pflicht zur Arbeitszeiterfassung: Das gilt ab sofort!

Es war der Knaller-Beschluss des Jahres 2022 – zumindest, wenn man auf die Berichterstattung in den Medien schaut: Die „Stechuhr-Entscheidung“ des Bundesarbeitsgerichts, mit der im September viel Bewegung in das Thema Arbeitszeiterfassung kam. Endlich ist nun die ausführliche Begrü ...
Mehr erfahren
Hinter dem Wunsch, die Arbeitszeit zu reduzieren, können sich viele Gründe verbergen. Oft reichen schon ein paar Stunden mehr Zeit in der Woche, im Monat oder auch nur im Jahr, um diesen Gründen gerecht zu werden. Doch kann gerade der Wunsch nach einer unwesentlichen Verringerung der Arbeitszeit und einer konkreten Verteilung ein Indiz dafür sein, dass der Antrag auf Teilzeit rechtsmissbräuchlich gestellt wird? Darüber hatte das LAG Hessen zu entscheiden.