Liebe Nutzer,

für ein optimales und schnelleres Benutzererlebnis wird als Alternative zum von Ihnen verwendeten Internet Explorer der Browser Microsoft Edge empfohlen. Microsoft stellt den Support für den Internet Explorer aus Sicherheitsgründen zum 15. Juni 2022 ein. Für weitere Informationen können Sie sich auf der Seite von -> Microsoft informieren.

Liebe Grüße,
Ihr ifb-Team

Eine halbe Stunde Mehrarbeit gegen den Fachkräftemangel?

Top-Ökonom fordert längeren Arbeitstag

Können Sie sich vorstellen, eine halbe Stunde länger am Tag zu arbeiten? Gegen den Fachkräftemangel? Genau das fordert Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, einer der Top-Volkswirte aus Deutschland. Doch wie passt die Diskussion um eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit zu dem europäischen Trend einer Vier-Tage-Woche?

Stand:  7.6.2022
Lesezeit:  03:30 min
Mehrarbeit gegen Fachkräftemangel | © Adobe | Arsenii

Laut einer Umfrage wünscht sich die Mehrheit der Deutschen eine verkürzte Arbeitswoche. Auch deshalb sorgt der Vorstoß, die Arbeitszeit wegen des Fachkräftemangels heraufzusetzen, für einige Empörung. Aber wie lange arbeiten wir eigentlich im Schnitt pro Woche?

Die Arbeitszeit in Deutschland liegt im Schnitt knapp hinter der EU.

Blick auf die Statistik

Während die Beschäftigten im Deutschen Kaiserreich im Jahr 1871 noch rund 72 Stunden pro Woche arbeiteten, sank die Wochenarbeitszeit in den darauffolgenden Jahrzehnten in Deutschland deutlich. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges lag diese bei 55,5 Stunden. Im Jahr der Wiedervereinigung wurde im Schnitt 39,7 Stunden pro Woche gearbeitet. 2020 betrug die Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland laut Statista im Durchschnitt 40,5 Stunden – und damit etwas weniger als der Schnitt in der Europäischen Union mit 40,7 Stunden. Trotzdem: Ganz schön viel, oder?

Was hat das mit dem Fachkräftemangel zu tun?

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist nicht erst seit Kurzem bekannt. So fehlen dem Arbeitsmarkt gemäß der IG Metall derzeit 390.000 Fachkräfte. Bis 2030 gilt es Prognosen zufolge sogar, eine Lücke von fünf Millionen Stellen zu schließen. Das verleitete Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, beim jüngsten Mittelstandskongress in Nürnberg zu einigen drastischen Aussagen. Laut „Markt und Mittelstand“ rechnete der Volkswirt vor: „Die Schweizer arbeiten in der Woche zwei Stunden mehr als wir. Die Schweden eine.“ Und auch innerhalb der Europäischen Union geben andere Nationen in Sachen Arbeitsquantität den Takt vor. Spitzenreiter ist Griechenland mit durchschnittlich 43,8 Wochenarbeitsstunden vor Österreich (42,1) und Malta (42). Am anderen Ende des Tableaus rangiert Dänemark mit 38,4 Arbeitsstunden durchaus deutlich hinter den beiden Vorletzten, Litauen und Finnland, mit je 39,9 Stunden.

Laut „inFranken" forderte Hütter deshalb auf dem Mittelstandskongress, dass die Deutschen mehr arbeiten müssen. Konkret nannte er eine Verlängerung des Arbeitstages um 30 Minuten – womit sich pro Arbeitnehmer rund 100 Stunden zusätzliche Arbeitszeit im Jahr generieren ließe.

Manche Nationen versuchen sich an der Vier-Tage-Woche.

Testphase in vielen europäischen Ländern

Eine Forderung, die im deutlichen Kontrast zu dem Trend in einigen europäischen Ländern steht: Manche Nationen versuchen sich an der Vier-Tage-Woche. Wie etwa Belgien, das aber längst nicht zu den ersten Ländern gehört, die dieses Modell umsetzen beziehungsweise darüber nachdenken.  Island hat zwischen 2015 und 2019 eine ähnliche Regelung getestet und gleichzeitig die Arbeitszeit von 40 auf 35 oder 36 Stunden verkürzt – bei gleichbleibender Bezahlung. An der Testphase nahmen 2.500 Arbeitskräfte teil;  die Produktivität ist am Ende überwiegend gleichgeblieben oder wurde sogar gesteigert. Das deckt sich im Übrigen mit einer Produktivitätsanalyse, in der die Dänen trotz Roter Laterne in der EU-Wochenarbeitsstunden-Tabelle ganz vorne liegen. Auch Länder wie Schottland, Wales, Schweden, Finnland oder Spanien versuchen oder versuchten sich an der Vier-Tage-Woche. Mit teils gemischten Urteilen.

Das Urteil: zu teuer.

Auch Deutsche wünschen sich Vier-Tage-Woche

Die Vorstellung einer verkürzten Arbeitswoche findet bei den Deutschen ebenfalls Anklang. Einer Forsa-Umfrage zufolge würden rund 71 Prozent der Bürger gerne nur vier Tage in der  Woche arbeiten. Trotz Attraktivität des Modells verbergen sich dahinter auch Schwierigkeiten.  In Belgien beispielsweise bleibt die Gesamt-Arbeitszeit trotz der Vier-Tage-Woche gleich. Arbeitnehmer können sich also entscheiden, ihr Pensum in vier Tagen zu absolvieren oder klassisch in fünf. Dies bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass die Arbeitstage mit zehn Stunden relativ lang werden können. Das macht es insbesondere für Familien mit Kindern, bei denen beide Elternteile Vollzeit beschäftigt sind, nicht unbedingt einfacher. In Schweden wurde bereits 2015 die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn getestet. Das Urteil: zu teuer.

So oder so, das letzte Wort in Sachen Arbeitszeit dürfte in Deutschland noch nicht gesprochen sein. (tis)

© AdobeStock_Fokussiert

Vier-Tage-Woche: Weniger arbeiten für das gleiche Geld?

Vier Tage arbeiten, drei Tage frei: Der Gedanke an eine Reduzierung der Arbeitszeit stößt bei vielen Betriebsräten und Arbeitnehmern auf Zuspruch; von Arbeitgeberseite wird er meist kategorisch abgelehnt. Island hat das Modell einer verkürzten Arbeitswoche sogar schon getestet. Wo liegen die Vor-, wo die Nachteile einer Vier-Tage-Woche?

Artikel lesen
Kontakt zur Redaktion Kollegen empfehlen
Drucken

Das könnte Sie auch interessieren

Zukunft Arbeitsplatz: Der Mensch im Mittelpunkt der Arbeit

Fachkräftemangel, hohe Energiekosten, Pandemie – viele Kräfte erzeugen einen enormen Druck auf u ...

Ruhepause vs. Arbeitszeit

Arbeitszeit – ein Thema, über das immer wieder gestritten wird; insbesondere, wenn es um die Paus ...

Arbeitszeiterfassung: Betriebsräte, es wird digital!

„Die elektronische Erfassung der Arbeitszeit wird Pflicht“, so liest man es in diesen Tagen in d ...