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Werbung für BR-Wahlen: Ein Gesamtbetriebsrat on Tour

© Betriebsrat Hollister
Stand:  11.3.2024
Lesezeit:  04:00 min
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Wie sich Mohamed El Yadini und seine Kollegen für Betriebsratsgründungen einsetzen

Mohamed El Yadini ist stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Hollister. Im Laufe des Jahres 2024 wird er erneut einzelne Stores des Kleidungsunternehmens in der gesamten Republik besuchen. „GBR on Tour“ nennt sich das Ganze. Das Ziel? „Die Mitarbeiter zu erreichen und ein Bewusstsein zu schaffen, dass sie sich jederzeit an den GBR wenden können.“ Zudem soll damit für Betriebsratsgründungen in den Läden geworben werden – Herausforderungen gibt es nämlich zuhauf. Ob das bei den bisherigen Touren geklappt hat?

Mo – mit vollem Namen: Mohamed El Yadini – ist Betriebsratsvorsitzender des Hollister Stores in Frankfurt und freut sich bereits auf die diesjährige „GBR on Tour“. Dann wird er als stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats wieder Stores von Hollister, Abercrombie & Fitch sowie Gilly Hicks in Deutschland besuchen. Hierfür teilt der GBR die jeweiligen Distrikte unter sich auf und schickt immer zwei Mitglieder in die jeweiligen Läden. Die Idee zu „GBR on Tour“ ist 2019 entstanden, umgesetzt wurde sie erstmals 2020. „Unser Grundgedanke war: Wie schaffen wir es, mehr Leute zu erreichen?“, sagt Mo. „Außerdem sollen alle Mitarbeiter wissen, dass sie sich jederzeit an den GBR wenden können.“ Innerhalb von zwei Monaten wurden sämtliche Geschäfte in Deutschland abgeklappert und intensive Gespräche geführt.

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Unser Grundgedanke war: Wie schaffen wir es, mehr Leute zu erreichen?

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Standen beim ersten „GBR on Tour“ noch weitestgehend Corona und die Folgen im Fokus, passten Mo und seine Kollegen den Fragenkatalog für die zweite Runde entsprechend an. „Wir versuchen, jede Tour unter eine andere Überschrift zu stellen“, erklärt er. In diesem Jahr, so der Plan, soll es unter anderem um die Digitalisierung und den Workload gehen. „Haben Mitarbeiter beispielsweise das Gefühl, dass da jemand in den USA auf ein Knöpfchen drückt und so eine Zielsetzung ausgespuckt wird, die gar nicht zu schaffen ist?“ Generell sei es laut Mo ein Problem, dass Verhandlungen mit dem Arbeitgeber häufig in die Länge gezogen werden, da immer auf eine Genehmigung aus der Firmenzentrale in Ohio (USA) gewartet werden muss – „sehr zermürbend“, wie er findet. Deshalb scheuen sie mittlerweile auch nicht davor zurück, Informationen einzuklagen, sollten Antworten mal wieder auf sich warten lassen.

Betriebsratsgründung vor genau zehn Jahren

Mo ist bereits seit 2010 bei Hollister, hat den ganzen Hype und die langen Schlangen vor den Läden noch hautnah miterlebt. 2014 gründete er mit Kollegen in Frankfurt einen Betriebsrat, den es ein paar Jahre zuvor schon mal für kurze Zeit gab. Als sie den Arbeitgeber über ihr Vorhaben informierten, wurde es schlagartig etwas ruppiger. Warum brauchen wir einen Betriebsrat? Wir schaffen das doch so zu klären – die üblichen Arbeitgeber-Mechanismen. Dabei erkannten Mo und seine Kollegen schlicht die negativen Tendenzen. Waren es 2012 im Frankfurter Store 200 Mitarbeiter, sind es heute noch rund 30. 

Jetzt ist Mo in seiner dritten Amtszeit, die zweite als Betriebsratsvorsitzender. „Die erste war zum Reinkommen und zur Orientierung, was das Gesetz überhaupt zulässt.“ Längst ist er in seiner Rolle angekommen, und sagt mit einem Schmunzeln: „Dass ich auch zu Gerichtsterminen muss, hatte mir zuvor keiner gesagt.“ In den letzten fünf Monaten war er bei zehn bis 15 Terminen, darunter auch welche bei Einigungsstellen. Zu den Themen gehören Dienstplanverstöße, Lohngestaltung oder die Verhinderung des Wirtschaftsausschusses. „Es kommt schon mal vor, dass der Richter fragt, was wir hier eigentlich machen. Weil der Gerichtstermin mehr kostet als das Genehmigen unseres Antrages kosten würde.“

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Ich verspüre eine große Verantwortung gegenüber meinen Kollegen.

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Für Mo bedeutet das als BRV und stellvertretendem GBR-Vorsitzenden jede Menge Arbeit. Dabei sollte man wissen, dass er wie alle seiner Amtskollegen nur in Teilzeit für das Unternehmen arbeitet – er ist „nebenbei“ Fitnesstrainer. Warum er sich den ganz Stress antut? „Ich verspüre eine große Verantwortung gegenüber meinen Kollegen. Und ich habe die Befürchtung, dass keiner nachfolgt, wenn ich mal weg bin, da meine Gremiumsmitglieder (Gini und Marc) noch nicht so lange und intensiv dabei sind wie ich.“

Bewusstsein geschaffen – BR-Neugründer gesucht 

Der Wandel im Einzelhandel ist unverkennbar, das Einkaufserlebnis, wie Mo sagt, sei nicht mehr dasselbe wie früher. Daher auch die hohe Anzahl an Teilzeitkräften, was naturgemäß zu einer hohen Fluktuation führt. Das wiederum verunsichert die Mitarbeiter, weswegen ein Betriebsrat in jedem einzelnen Geschäft so wichtig wäre. Genau deshalb wurde „GBR on Tour“ ins Leben gerufen. Aber waren die bisherigen Touren auch Erfolge?

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Es reicht oft aus, in einem Einzelnen das Feuer zu entfachen.

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„Von den Gesprächen her absolut. Die Niederlassungen haben mal andere Gesichter gesehen und wir konnten in den Austausch oder auch mal in die Konfrontation gehen. Hinterher haben alle gesagt, cool euch gesehen zu haben“, resümiert Mo. Allerdings hatten sie sich erhofft, weitaus mehr Interessierte für eine BR-Neugründung zu finden. „Unter dem Aspekt hätten wir das Projekt schon früher starten sollen“, sagt er angesichts der Tatsache, dass die meisten Stores vor zehn Jahren noch 50 bis 60 Mitarbeiter hatten, heute haben die meisten keine 30 mehr. Das macht die Suche nach Initiatoren nicht unbedingt einfacher, die Hoffnung geben sie dennoch nicht auf. „Es reicht oft aus, in einem Einzelnen das Feuer zu entfachen.“ Wir wünschen ihnen, dass das noch ganz oft gelingen wird. (tis)