Liebe Nutzer,

für ein optimales und schnelleres Benutzererlebnis wird als Alternative zum von Ihnen verwendeten Internet Explorer der Browser Microsoft Edge empfohlen. Microsoft stellt den Support für den Internet Explorer aus Sicherheitsgründen zum 15. Juni 2022 ein. Für weitere Informationen können Sie sich auf der Seite von -> Microsoft informieren.

Liebe Grüße,
Ihr ifb-Team

SBV-Versammlung: Tue Gutes und rede darüber!

Tipps aus erster Hand für eine gelungene Schwerbehindertenversammlung

Tipps aus der Praxis: Wir sprachen mit Mario Kemmet über die SBV-Versammlung und den Tätigkeitsbericht. Ein Thema, das erfahrungsgemäß vor allem „SBV-Neulingen“ Bauchschmerzen bereitet.

ifb-Logo

Redaktion

Stand:  3.2.2022
Lesezeit:  04:15 min
Teilen: 
© AdobeStock_Patrick Daxenbichler

© AdobeStock_Patrick Daxenbichler

Mario Kemmet

Mario Kemmet ist seit 2010 Vertrauensperson und seit 2019 stellvertretende Konzern-SBV bei VBK Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH und KVV Karlsruher Verkehrsverbund GmbH

Mario, heute bist Du ein „alter Hase“ und sprichst locker und souverän vor ca. 400 Zuhörern auf Euren Betriebsrats- und SBV-Versammlungen. Kannst Du Dich noch an Deine erste SBV-Versammlung erinnern und die Gefühle, die Dir damals durch den Kopf gingen?

Mein Gefühl: „Was mache ich hier?“ Zu diesem Zeitpunkt war ich schon als DJ 13 Jahre unterwegs und hatte Erfahrung darin, mit dem Mikrofon zu arbeiten. Aber das war was ganz anderes. Denn hier sind alle Blicke auf dich gerichtet.

Man sollte sich schon gut vorbereiten auf den Termin.

Zwischenzeitlich hast Du viel Erfahrung gesammelt: Worauf sollte bei der Vorbereitung einer Versammlung geachtet werden und was wird gerne mal vergessen?

Bei der Vorbereitung muss viel beachtet werden. Erstmal braucht man einen Termin und einen Raum mit entsprechender Größe. Dann sollte man sich überlegen: Soll ich Externe einladen, zum Beispiel Mitarbeiter aus dem Integrationsamt oder der Rentenversicherung? Mit diesem Personenkreis sollte man dann den Termin und das Thema klären, über das sie referieren könnten. Bei meinen SBV-Versammlungen sind immer Ansprechpartner vom Integrationsamt und der Agentur für Arbeit vor Ort, zwar nicht für einen Vortrag, aber als Ansprechpartner, um gegebenenfalls Fragen der Kollegen zu beantworten. Man sollte sich schon gut vorbereiten auf den Termin und genau überlegen, was man sagen möchte. Ich habe mir in den letzten Jahren einen Mix aus PowerPoint-Präsentation und freier Rede angewöhnt: Stichwörter und kurze Aussagen sind auf den Folien notiert, die ich dann in freier Rede erläutere. Ab und zu zeige ich auch Filme, wenn es zum Thema passt. Es gibt zum Beispiel kleine Filme zur Inklusion. Und nicht vergessen: Betriebsrat und Inklusionsbeauftragte einladen!

Rechtlich gilt es einiges zu beachten bei der Durchführung der Versammlung. Was sollte man unbedingt auf dem Schirm haben?

Datenschutz ist ein wichtiges Thema bei der Versammlung. Die Einladungen schicke ich immer persönlich per Post. Natürlich mache ich parallel auch noch einen Aushang mit dem Hinweis, dass nur Schwerbehinderte oder Gleichgestellte kommen dürfen. In meinem Tätigkeitsbericht halte ich es mit dem Motto „tue Gutes und spreche darüber“. Aber ganz wichtig: Ich nenne niemals Namen und spezielle Abteilungen, damit keine Rückschlüsse gezogen werden können. Ausnahme: Etwas betrifft alle Kollegen, wie zum Beispiel beim Thema Dienstpläne.

Aufmerksamkeit garantiert!

Unter www.ifb.de/sbv können Sie Ihre Einladung zur SBV-Versammlung persönlich gestalten und kostenfrei ausdrucken.

Stichwort Rhetorik: Bist Du ein Naturtalent oder hast Du Rhetorikschulungen besucht?

Ich habe nach der vierten SBV-Versammlung eine Rhetorikschulung beim ifb gemacht. Die hat mir zwar geholfen, aber ich finde, es gibt immer noch Luft nach oben. Mein Stellvertreter und meine Kollegen sagen allerdings, dass meine Vorträge nach der Schulung flüssiger und besser geworden seien.

Wie gehst Du mit Nervosität um, hast Du ein Geheimrezept dagegen?

Ich bereite mich gut vor, übe auch mit meiner Sekretärin. Meine Versammlung findet immer mittags statt, aber ich selbst bin schon vormittags im Raum, mache einen Probelauf und begrüße alle persönlich, da finden dann schon lockere Gespräche statt.

Ich finde den Tätigkeitsbericht persönlich herausfordernd.

Zum Tätigkeitsbericht: Ist er zu kurz, denken die Teilnehmer „Was macht meine SBV eigentlich?“ Ist er zu lang, schweifen sie ab. Nach Deiner langjährigen Erfahrung: Welche Themen sollten rein, welche eher nicht? Wie viel Zeit sollte der Tätigkeitsbericht in Anspruch nehmen?

Das kommt natürlich immer auf den Betrieb an. Ich finde den Tätigkeitsbericht persönlich herausfordernd, da wir überwiegend individuelle Fälle betreuen. Ich lasse diese meistens weg oder gebe nur ganz allgemein an: Ich war bei 20 Anträgen auf Feststellung einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung beteiligt, ich habe soundsoviele BEM-Gespräche geführt und davon waren soundsoviele Fälle erfolgreich oder ich war an xy Vorstellungsgesprächen beteiligt und davon wurden xy Kollegen eingestellt. Wovon ich aber immer berichten kann, sind die Angelegenheiten, die alle Mitarbeiter betreffen. Bei uns organisiert zum Beispiel die SBV federführend die Planung der Gesundheitstage oder ich habe initiiert, dass Massagestühle angeschafft werden, die die gesamte Belegschaft nutzen kann. Das sind Themen, über die man offen sprechen kann, wie auch beispielsweise über die Gefährdungsbeurteilung und die Überwachung der Dienstpläne. Ich gebe außerdem bei jeder Versammlung in einem Schaubild die aktuelle Zahl der schwerbehinderten und gleichgestellten Mitarbeiter im Betrieb bekannt. Zum zeitlichen Rahmen: Ich achte darauf, dass mein Vortrag nicht länger als 45 bis 60 Minuten dauert. Wenn ein Externer noch referiert, hat er auch zwischen 30 bis 45 Minuten Zeit. Für die Fragerunde lasse ich mir viel Zeit - wenn es Fragen gibt.

Die Mischung macht’s!

Eine heikle Frage: Strittige Themen im Tätigkeitsbericht ansprechen oder nicht?  Vielleicht mühsam aufgebautes Vertrauen zum Arbeitgeber soll nicht zerstört werden; andererseits ist die Versammlung eine gute Gelegenheit, dem Arbeitgeber das Stimmung- und Meinungsbild der Kollegen zu vermitteln. Wie löst Du diesen Konflikt?

Die Mischung macht’s! Ich persönlich spreche lieber über Erreichtes, aber wenn es ein heikles Thema gibt, muss ich den Kollegen schon erklären, warum ich so oder so gehandelt habe. Dann sehen die Kollegen auch, dass ich die Konfrontation nicht scheue und meine Aufgabe ernst nehme. Daher ist es wichtig, auch Unangenehmes anzusprechen. Aber nur Negatives zu berichten, wäre in jedem Fall das falsche Signal.

Kontakt zur Redaktion

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Wenden Sie sich gerne direkt an unsere Redaktion. Wir freuen uns über konstruktives Feedback!

redaktion-dbr@ifb.de

Jetzt weiterlesen