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Die Rentensituation in der Türkei

Wie schaffen es türkische Rentner, früh in den Ruhestand zu gehen?

Mit 45 Jahren in Rente - gibt`s nicht? Gibts doch! Möglich ist dies seit einer Rentenreform im Jahr 2023 in der Türkei.  Wie kann das in der Praxis funktionieren? Wie werfen einen Blick auf das Rentensystem der Türkei.

Stand:  14.5.2024
Lesezeit:  02:00 min
Rente in der Türkei | © AdobeStock | ink drop

Stellen Sie sich vor, Sie sind knapp über 45 Jahre jung, kerngesund, aktiv im Leben und können schon in Rente gehen? Das wäre sicher ein Traum vieler Arbeitnehmer. Aber gibt es das wirklich? Ja, seit 2023, und zwar in der Türkei.  Denn Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte den ca. 2 Millionen Bürgern ein hübsches “Wahlgeschenk ” gemacht.  Mit dem Gesetz „Emeklilikte Yasa Takilanlar“ vom 03.03.2023 wurde das Rentenrecht für diejenigen grundlegend vereinfacht, die vor dem 08.09.1999 in der türkischen Sozialversicherung versichert waren. Was hat sich geändert?

In der Türkei galt bisher, dass Männer mit 60 Jahren und Frauen mit 58 Jahren in Rente gehen konnten.

Unter welchen Bedingungen gehen die türkischen Nachbarn in Rente?  

In der Türkei galt bisher, dass Männer mit 60 Jahren und Frauen mit 58 Jahren in Rente gehen konnten. Neben einer Mindestversicherungszeit und einer bestimmten Anzahl an Beitragsjahren war also auch das Alter entscheidend. Gewerkschaften hatten jedoch lange gefordert, dass die einzige Voraussetzung die Anzahl der gearbeiteten Versicherungstage sein sollte. Diese Forderung wurde umgesetzt.  Laut Informationen der deutschen Rentenversicherung liegt die Mindestgrenze für Arbeitnehmer in der Türkei bei 7.500 Tagen, während sie für Beamte und Selbstständige bei 9.000 Tagen liegt. 

Der Rentenknüller: Wer seit September 1999 oder davor mindestens 20 Jahre lang sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, kann sofort in Rente gehen, ohne ein bestimmtes Alter erreichen zu müssen.
 
Ökonomen stellen allerdings die Frage, ob die Türkei es sich volkswirtschaftlich leisten kann, wenn immer weniger Menschen arbeiten. Schon jetzt liegt die Erwerbstätigenquote der über 15-Jährigen nur bei 43,5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind es fast 60 Prozent!

Obwohl das Land eine junge Bevölkerung aufweist, leidet es unter Fachkräftemangel.

Keine Erhöhung der Altersgrenze für Rentenanwärter? 

Wie man sieht, bleibt auch die Türkei nicht von den Auswirkungen des demographischen Wandels verschont. Obwohl das Land eine junge Bevölkerung aufweist, leidet es unter Fachkräftemangel. Während in Deutschland 22 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt ist, beträgt dieser Anteil in der Türkei 2022 nur 9,8 Prozent. Zusätzlich macht den Arbeitnehmern in der Türkei  hohe Preissteigerungen zu schaffen. Die Inflation in der Türkei ist im April weiter gestiegen. Laut Statistikamt  kosteten Waren und Dienstleistungen durchschnittlich 69,80 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist die höchste Rate seit Ende 2022.
Gut für uns, denn viele junge Menschen wandern aus! Darunter zieht es auch türkische Fachkräfte nach Deutschland, z.B. Pfleger und Ärzte. Der türkische Wirtschaftsverband Türkonfed berichtet von 300.000 meist jungen und gut ausgebildeten Türken, die in den letzten drei Jahren das Land verlassen haben.

Diese Abwanderung hat Auswirkungen auf den türkischen Arbeitsmarkt und das Rentensystem. Für Versicherte, die ab dem 08.09.1999 in die Versicherung eingetreten sind, wird weiterhin eine gestaffelte Altersgrenze angewendet. Die Altersgrenze wird alle zwei Jahre schrittweise angehoben, bis 2044 (für Männer) bzw. 2048 (für Frauen) das Rentenalter von 65 Jahren erreicht ist.

Früh in Rente, aber weniger Geld? 

Die Situation der Rentner in der Türkei ist kein Zuckerschlecken. Die steigende Inflation und die hohen Lebenshaltungskosten schränken den Lebensstandard stark ein. Besonders hart trifft es die Rentner in den Großstädten. Allein die durchschnittliche Miete für eine Wohnung in Istanbul beträgt mittlerweile das 1,5-Fache des Mindestlohns. Und dieser war zu Jahresbeginn auf 17.000 Lira (etwa 516 Euro) datiert. Laut Angaben der Stadtverwaltung in Istanbul sind die Mieten in den letzten vier Jahren um fast 700 Prozent gestiegen. Für eine Zweizimmerwohnung zahlt man im Durchschnitt rund 650 Euro. Dazu kommt, dass etwa ein Drittel der Rentner mit einer monatlichen Rente von etwa 250 Euro auskommen müssen, was laut Gewerkschaften knapp über der Armutsgrenze liegt. Aber woher kommen diese geringen Renten? Das liegt am Lohn- und Gehaltsniveau in der Türkei, dass in vielen Bereichen sehr niedrig ist. Das Resultat: Ohne einen zusätzlichen Job ist es für Rentner in der Türkei kaum machbar.

Fazit:  Obwohl die Türkei laut OECD die höchste Rente im Vergleich zum Vorruhestandseinkommen hat, haben die Rentner dort aufgrund der steigenden Preise und des niedrigen Einkommens wenig Kaufkraft. Die Rentner erhalten dort im Durchschnitt 103,3 Prozent ihres vorherigen Nettoeinkommens als Rente. Im Vergleich dazu liegt das Rentenniveau in Deutschland laut Bundesregierung derzeit bei 48,1 Prozent und wird bis 2024 knapp über 48 Prozent bleiben. Die Standardrente in Deutschland beträgt also weniger als die Hälfte des Durchschnittsgehalts. Klingt auch nicht gerade üppig! Aber ein vorausschauendes Rentensystem, dass auch die nächsten Generationen und die Wirtschaftlichkeit des Staates im Blick hat, dürfte die bessere Variante sein. Auch wenn Rente mit 45 Jahren echt verlockend klingt. (sw)

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